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Neue Skills für neue Produzenten

Ernst Feiler, Head of Technology bei UFA Serial Drama, forderte im Video-Interview mit MB News den verstärkten Einsatz von Metadaten, möglichst früh in der Produktionskette, um so die spätere Verwertung von Filmen über die unterschiedlichen Verbreitungswege zu optimieren. Zudem müssten Produzenten künftig ein stärkeres Technologieverständnis mitbringen.

In der diversifizierten Medienwelt mit ihren vielfältigen Verteilwegen ist die intelligente Organisation von Inhalten von zentraler Bedeutung. Content Management Systeme sorgen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette für mehr Effizienz. Jedoch sind die Anforderungen an entsprechende Tools sehr unterschiedlich. Das wurde auch bei dem von MEDIEN BULLETIN und Avid Technology veranstalteten Roundtable-Gespräch „Content Management – Wege zum Erfolg“, am 8. Juli in München, deutlich. Hier diskutierten hochrangige Vertretern der Broadcast- und Filmwirtschaft über Chancen und Herausforderungen beim Content Management. Am Rande der Veranstaltung sprach MEDIEN BULLETIN mit Ernst Feiler.


Als Head of Technology bei UFA Serial Drama ist er für die Integration neuer Technologien und Distributionsplattformen in den industriellen Serien-Produktionsprozessen verantwortlich. So verantwortete er unter anderem die Einführung eines rein IT-basierten HD Workflows und des produktionsunterstützenden, cloudbasierten Streamingdienstes ScreenerONE. Im Rahmen von Entwicklungspartnerschaften zwischen UFA SERIAL DRAMA und Firmen wie unter anderem Stargate Studios, ARRI, Adobe, Microsoft, Filmlight, Uncharted Territory sowie Arvato, zeichnet Feiler mitverantwortlich für die Konzeption, Entwicklung und Einführung neuer Services und Branchenstandards. Feiler forderte im MB-Video-Interview den verstärkten Einsatz von Metadaten, möglichst früh in der Produktionskette, um so die spätere Verwertung von Filmen über die unterschiedlichen Verbreitungswege zu optimieren.




Feiler: „Unsere Zeit ist von einem Paradigmenwechsel geprägt. Mit dem UFA Lab haben wir uns eine eigene Unit geschaffen, die eng mit den Labels zusammenarbeitet, und genau diese Frage nach den neuen Geschäftsmodellen in einer veränderten Medienwelt sehr gut adressiert – seit Jahren mittlerweile schon. Die Learnings daraus sind eigentlich zweiteilig. Erstens gibt es etablierte Business-Modelle mit etablierten Rechtesituationen, die sind natürlich von den jetzt prägenden Wertschöpfungsketten stark gesteuert. Die neue Welt sieht deutlich diversifizierter aus. Das heißt die Verwertungsketten werden deutlich flexibler und wir als Produzenten müssen uns natürlich auch dieser Aufgabe stellen. Das heißt auf den Produzenten von morgen kommt auch viel mehr Komplexität in den Geschäftsmodellen zu.“


Alles was mit Metadaten zu tun habe, beeinflusse Geschäftsmodelle über neue Felder, von YouTube über Zusatzcontent bis hin zu Marketingmaßnahmen, und mache alles deutlich komplexer. „Deswegen muß der neue Produzent sich neue Skills draufschaffen, die bisher nicht zum Standard gehörten“, betont Feiler. Dazu gehöre ganz stark auch Technologieverständnis. „Denn am Ende des Tages ändert sich die Medienwelt nicht, weil einer neue Inhalte erfunden hat, sondern weil neue Endgeräte die Wertschöpfungsketten verändern“, sagt der UFA-Manager. Film und Fernsehen seien technische Entwicklungen, über die Inhalte verbreitet werden könnten. Mit dem technischen Umbruch würden dafür neue Möglichkeiten entstehen. Feiler: „Das heißt, der Produzent der Zukunft muss sich viel stärker mit Technologie, mit technologischen Möglichkeiten und deren Einschränkungen auseinander setzen, um für sich Antworten zu finden, ob er morgen noch damit erfolgreich Geschäft machen kann.“


Nach wie vor seien nicht alle Kreativen dazu in der Lage oder bereit. „Für die ist Technologie nur ein Mittel zum Zweck. Aber das geht nicht lange gut. Denn Technologie ist nach 100 Jahren Filmgeschichte mittlerweile der wichtigste Enabler für innovative Produktionen. Bislang war Technologie immer ein Problem, weil man eine Vision, die man im Kopf hatte, nicht umsetzen konnte, weil es technisch einfach nicht möglich war. Spätestens mit ‚Matrix’ und ‚Herr der Ringe’ ist im fiktionalen Bereich dieser Damm gebrochen. Technisch können wir heute alles, egal welches Bild man sich ausdenkt. Es ist die Kunst des Produzenten die nötigen finanziellen Mittel dafür her zu bekommen. Das gilt nicht nur für Fiction, sondern auch für Shows, für News und viele andere Bereiche.“


Die heranwachsende junge Produzenten-Generation habe verstanden, dass Technologie ihr bester Freund ist. Feiler: „Deswegen freue ich mich jetzt, auch an dieser Stelle bei der UFA zu sein, genau in diesem Umbruch, wo Technologie am Ende des Tages den Kreativen hilft, die Herausforderungen der Zukunft in Angriff zu nehmen. Das pflegen wir in der UFA, bei der OneUFA, wie wir das nennen, immer mehr.“


Der UFA-Manager kritisiert, dass Content Management Systeme heute meist nur für Broadcaster und nicht für Produzenten und andere Film- und TV-Dienstleister gemacht seien. „Die sind in eine Komplexität gewachsen, die wir gar nicht brauchen und auch nicht wollen. Da wünsche ich mir, dass nicht nur die S-Klasse angeboten wird sondern auch der Smart, beim Preispunkt das Komma eine Stelle nach links verrückt und diese Modelle herunter gebrochen werden, sodass auch die normalen Marktteilnehmer daran partizipieren können. Das ist ein Schlüssel.“ Nur wenn man einfachere Content Management Systeme, kompatibel zu denen der Broadcastern hin bekäme, könnten auch alle besser an der gemeinsamen Wertschöpfungskette profitieren. (7/15)

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