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„Auf große Fahrt nach Peking“

„Auf große Fahrt nach Peking“

Olympische Sommerspiele bei ARD/ZDF Schon vor rund zwei Jahren begannen bei ARD und ZDF die Vorbereitungen für die Berichterstattung über die Olympischen Sommerspiele in Peking und Hongkong. Als Head of Operations für das Gemeinschaftsunternemen von ARD und ZDF war Gerald Heitzig von Anfang an dabei. Im Gespräch mit MEDIEN BULLETIN erläutert Heitzig, der hauptamtlich Geschäftsführender Produktionsleiter Sport beim NDR ist, den Stand der Vorbereitungen zum Aufbau einer temporären deutschen Fernsehanstalt in Peking.

Kommunikationskette aufbauen und müssen vorher genau überlegen, welche Mobilfunknetze dafür geeignet sind. Es werden Schichtpläne entwickelt, wann wer zu welcher Zeit eingesetzt wird und so weiter….

Da gibt’s ja noch allerhand zu tun!
Das meiste kommt noch. Wir hoffen jetzt erst einmal, dass alle unsere 50 Seecontainer pünktlich ankommen, und dass wir dann auch hoffentlich alle rechtzeitig vor Ort sein können, um alles zusammen zu schrauben und es funktionsfähig zu machen.

Wie hat Ihnen bislang Peking gefallen?
Peking hat sich im Mai als eine sehr schöne Stadt präsentiert. Nur die Luftqualität bleibt ein Problem. Im August wird es zudem deutlich heißer werden.

Sie müssen bei Ihren Vorbereitungen ja vor allem auch dafür sorgen, dass eine Infrastruktur für eine reibungslose Information und Kommunikation in der Technik entsteht. Wie läuft’s denn in der zwischenmenschlichen Kommunikation zwischen Chinesen und Deutschen?
Wir sind ja nicht nur in Peking, sondern auch in Hongkong, weil dort das Reiten stattfindet. Ich persönlich habe festgestellt, dass die Chinesen in Peking und die in Warum hat gerade der NDR die Führung für die diesjährigen Olympischen Sommerspiele in China??

Die ARD hat die Verantwortung für Sport-Events in der Welt praktischerweise weitgehend entsprechend der Sender-Zuständigkeit ihrer einzelnen Korrespondentenbüros aufgeteilt. Und der NDR betreibt die Korrespondentenbüros in Japan, China, Singapur, – neben Büros in New York, London und Kopenhagen. Im Vorfeld großer Sport-Ereignisse entscheiden ldie Intendanten der neun ARD-Sender, welcher Sender die Federführung bekommt. Das hängt dann jeweils auch ein bisschen davon ab, um welche Sportart es sich handelt. Zum Beispiel sind der Bayerische Rundfunk oder auch der MDR in Leipzig viel mehr in Sachen Wintersport in den Bergen und im Schnee versiert. Wir vom NDR sind mehr mit dem Sport im Flachland vertraut: Also dann, wenn sich bei großen internationalen oder kleineren nationalen Events zum Beispiel alles rund um Fußball, Leichtathletik, Reiten oder Schwimmen abspielt …

Der NDR ist aber nicht nur federführend für die ARD, sondern auch für das ZDF …?
Genau. Die Federführungen in der Produktionsrealisierung wechselt zwischen ARD und ZDF, wobei sich der Gemeinschaftscharakter darin ausdrückt, dass wir eine gemeinsame Grundtechnik vorhalten und betreiben. Im Fall der Olympischen Spiele in Peking/ Hongkong nimmt die ARD die Interessen gegenüber der EBU und dem Hostbroadcaster in China auch für das ZDF wahr. Vor vier Jahren in Athen war das ZDF gegenüber der ARD federführend.

Sind das für Sie persönlich die ersten Olympischen Spiele als Head of Operations?
Nein. Meine ersten Olympischen Spiele in verantwortlicher Position als Produktionsleiter waren Sydney 2000, da hatte auch der NDR die Federführung.

Die Spiele in Peking haben bereits im Vorfeld rund um die Tibet-Frage und den Fackellauf politisch großen Wirbel erzeugt. Hat sich das auf Ihre Tätigkeit ausgewirkt?
Der politische Wirbel hat sich erheblich auf unsere Arbeit niedergeschlagen. Sowieso sind Olympische Spiele eine Großbaustelle, in jeder Beziehung. Auch Australien war nicht einfach mit seinen Einfuhrbeschränkungen in Bezug auf Transport von beispielsweise Holz – unsere Studiosets – oder technischem Equipment. Auch dort werden Kontrollen geführt und man darf nicht einfach alles einführen.

Aber das ist kein Vergleich mit der Bürokratie, die wir in China bedienen müssen, um unsere Studio- Dekorationselemente, Technik und Personal dort hin bekommen zu können. Teilweise müssen wir Anträge stellen, um Antragsteller sein zu dürfen. Oder es werden Genehmigungen benötigt, um sich von anderen Stellen Genehmigungen holen zu dürfen. In Folge der weltweiten Auseinandersetzungen um die Tibet-Frage wurden dann die bürokratischen Hürden nochmals erhöht. Vor allem in Bezug auf die Einreisebestimmungen. Es mündet in einem immer größer werdenden Listenmarathon. Das Problem dabei ist, dass mittlerweile so viele bürokratische Hürden aufgestellt worden sind, dass diejenigen, die sie aufgestellt haben, gar nicht mehr Herr ihrer Regeln sind (schmunzelt) …

Sorgen, dass da politisch noch richtig was hochgehen könnte, haben Sie nicht?
Nicht wirklich. Das was es zum Beispiel beim Fackellauf an negativer Berichterstattung gab, ist – auch wenn es zynisch klingt – durch das Erdbeben wegegespült worden. Die Chinesen selber sind aktuell sehr erschüttert über dieses tragische Geschehen, so dass nach meinem persönlichen Eindruck die politischen Konflikte erst einmal mehr in den Hintergrund gedrängt worden sind.
Sie haben bereits vor etwa zwei Jahren mit der Vorbereitung für die Berichterstattung von ARD/ZDF über die Olympischen Spiele begonnen …
Wir haben in Bezug auf die logistischen Vorbereitungen klein angefangen, mit zwei, drei Leuten. Mittlerweile sind wir allein im NDR zu einer Crew von ca. 12 Personen angewachsen. Tendenz natürlich steigend.

Gibt es grundsätzliche Änderungen im Vergleich zu den letzten Sommerspielen in Athen?
ARD und ZDF stellen sich in Peking insofern breiter auf, da es mit den „Olympia Highlights“ beim ZDF am Abend – moderiert von Johannes B. Kerner und Katrin Müller-Hohenstein – und dem Night-Highlight „Waldi und Harry“ bei uns in der ARD – moderiert von Waldemar Hartmann und Harald Schmidt – täglich zwei zusammenfassende Shows rund um den Sport und weitere unterhaltsame Momente geben wird.

Hinzu kommt eine Zusammenfassung für den ARD Vorabend. Nebenher werden auch für Morgenmagazin und Mittagsmagazin, ebenfalls Live und exklusiv aus Peking, die jeweiligen Sportblöcke produziert und auch Beiträge für heute, heute journal, Tagesschau und Tagesthemen.
Bedingt durch die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und China von plus sechs Stunden (8.00 Uhr Peking = 2.00 Uhr nachts in Deutschland, d. Red.) und durch mannigfache zolltechnische und andere logistische Probleme kommt es bei der produktionstechnischen Vorbereitung zu einem erheblichen Mehraufwand im Vergleich zu Athen. Für den NDR sind die Olympischen Spiele in Peking sicher eine der größten logistischen Leistungen, die wir je zu meistern hatten.

ARD und ZDF werden die Spiele mit 30 E-Kameras zusätzlich zum vom Host-Broadcaster Beijing Olympic Broadcasting, BOB, übernommenen Weltbild begleiten. Welche sind das, und wo werden die eingesetzt?
Bei den großen klassischen E-Kameras haben wir angemietete Sony E 30 am Start.
Diese Kameras werden im National Stadion bei der Eröffnungs- und Schlussfeier eingesetzt und in olympischen Arenen, in denen die aussichtsreichsten deutschen Athleten wetteifern, für die es in Deutschland naturgemäß das größte Publikumsinteresse gibt: Leichtathletik, Schwimmen, Rudern/Kanu und Reiten, das in Hongkong stattfindet. Eigene Kameras müssen wir auch bei den zwei genannten großen Sport/ – Unterhaltungsshows einsetzen. Schon aus finanziellen Gründen haben wir jedoch die Live-Berichterstattung mit eigener Technik in den Venues – das sind die einzelnen Sportstätten – im Vergleich zu früheren Spielen etwas zurückgefahren, um ein Stückweit die zusätzlichen Großbaustellen, die losgelösten Shows, mitzufinanzieren.…
Zur EB-Berichterstattung setzen wir – wie schon seit einigen Jahren beim NDR – Sony IMX Kameras und das ZDF DVC Pro 50-Kameras ein.

ARD und ZDF werden alternierend nicht nur auf ihren Hauptkanälen täglich in der Zeitspanne von etwa 2.00 Uhr bis 18:15h /19.45 Uhr – vor allem nachts – live über das Sportgeschehen berichten, sondern bieten darüber hinaus über ihre vier Digitalkanäle EinsPlus/ EinsFestival und ZDFinfokanal/ZDFdokukanal zusätzlich insgesamt 600 Stunden Live-Programm, beispielsweise auch über ganze Partien in den Sportarten wie Hockey, Basketball, Fußball und Tischtennis. Dabei übernehmen Sie vermutlich zu 100 Prozent das vom Host-Broadcaster in das International Broadcast Center, IBC, gelieferte Weltbild?
Ja. Dabei nutzen wir die Chance, dass am ARD–Tag die ZDF-Fachreporter, die eigentlich gerade nicht im Einsatz wären, dann doch aus einer Off-Tube Box heraus einen Kommentar zu den Livebildern für die Zuschauer in Deutschland produzieren können oder umgekehrt die ARD-Fachreporter sozusagen „frei“ stehen.

Wie groß ist die Crew, die Sie für die produktionstechnische und logistische Realisation mit nach Peking und Hongkong nehmen werden?
Unsere Planungen sind noch nicht endgültig abgeschlossen. Ich schätze, dass die Produktionscrew etwas größer als in Athen sein wird. Dazu gehören etwa: Kameraleute, Bild- und Tontechniker, Maz-Techniker, IT Techniker, Produktionsleiter, Aufnahmeleiter, Bühnen- und Lichttechniker und etliche auch chinesische Hilfskräfte.

Welche Vorgaben haben Sie vom Host-Broadcaster BOB für die Berichterstattung erhalten?
Vorgaben haben wir auf den so genannten „Word Broadcaster Meetings“ erhalten, wo sich alle Fernsehveranstalter der Welt versammeln, die TV-Rechte für die Olympischen Spiele gekauft haben. Da wurde vor Ort präsentiert, wie der Host-Broadcaster BOB das Weltbild produzieren wird. Dazu gibt es ein Handbuch welches exakt aufführt wie das Weltbild produziert wird, wie die Kameras positioniert werden und so weiter. Parallel dazu gibt es ein „Booking Procedure“ Wir haben eine Rate Card bekommen, die die verschiedenen zusätzlichen Möglichkeiten und Leistungen, die man zubuchen kann, ausweist und was sie kosten. Dabei geht es vor allem um von uns benötigte Räumlichkeiten und Leistungen im internationalen Sendezentrum, dem IBC, in dem alle redaktionellen und technischen Fäden zusammenlaufen.

Was bauen Sie im IBC auf?
Im Prinzip ist es so, dass wir uns im IBC temporär eine komplexe Sendeanstalt auf zirka 2300 Quadratmetern aufbauen: Im IBC richten wir eines unserer Studios ein: das Herz des täglichen Sendeablaufs, wo wir das Tagesprogramm mit Moderatoren von ARD und ZDF und Studiogästen entwickeln. Dazu kommen unsere Schneide-, Produktions-, Redaktions-, Regie-, Technik- und Maz-Räume und auch die Produktions- und Sendezentrale des Hörfunks. Für den ersten Kostensatz legen wir im Vorfeld unseren Raumbedarf fest. Dann geht es um die Signale in unseren Regieräumen, die wir vom Host empfangen und die, die von unseren eigenen Kameras kommen. All diese technischen Zuwegungen müssen wir im Vorfeld im Detail planen und buchen: von der Telefonleitung bis zu den Schreibtischen und dem kleinsten Türschild …

Neben den Kapazitäten im IBC haben ARD und ZDF aber auch noch Räumlichkeiten für Studios in einem großen Pekinger Hotel angemietet?
Ja. Hier sind auch die Bühnen für die zwei Highlightstudios, von denen ich sprach.

Die Deko für die Studios haben Sie in Deutschland anfertigen lassen, beispielsweise von den MCI-Werkstätten für „Waldi und Harry“ und nicht in Peking. Warum?
Wir hatten lange geprüft, was kann man hier, was dort machen. Am Ende entschieden wir uns, in Deutschland zu produzieren, weil die Qualitätskontrolle hier besser möglich ist, und es keinen deutlichen Preisunterschied gab, weil die Chinesen sozusagen Lunte gerochen haben. Deshalb wurde die gemeinsame IBC Deko in Baden-Baden vom SWR angefertigt und für die Studio Sets der Highlight Shows wurden Ausschreibungen am Markt gemacht. Die Deko für „Waldi und Harry“ wurde gerade in zwölf Container verpackt und ist nun auf große Fahrt nach Peking.

Kommt sie auch wieder zurück?
Diese Bauten bestehen hauptsächlich aus temporären Dekorationselementen. Das meiste davon wird dort bleiben, wenn es die Chinesen erlauben. Vieles davon ist danach nicht mehr zu gebrauchen.

Der Host-Broadcaster BOB benutzt auf Basis einer Vereinbarung mit Panasonic das Format P2HD als offizielles Produktionsformat ….
Richtig. Panasonic ist ein wichtiger Sponsor. Wir von ARD und ZDF haben uns aber nicht dafür entschieden, weil wir diese Technik auch nicht in unseren Häusern betreiben. Der NDR benutzt, wie schon erwähnt, in der Aufzeichnung größtenteils IMX-Technik, das ZDF benutzt auch DVC Pro 50 Technik. In Schnitt und Bearbeitung kommen XPRI und AVID als auch EVS Technik zum Einsatz.

Und das schleppen Sie alles nach Peking, salopp gefragt?
Ja, wenn Sie so wollen schleppen wir, oder lassen wir schleppen, unser eigenes und angemietetes Gerät nach Peking.

Sie arbeiten nicht mit technischen Dienstleistern in Peking zusammen?
Ich erwähnte am Anfang des Gesprächs, dass wir von ARD und ZDF eigene Grundtechnik für große Events wie die Olympischen Spiele vorhalten. Das ist gewissermaßen unsere „Herztechnik“. Wir nennen diese technische Einheit MPE – Mobile Produktionseinheit. Das ist unsere eigene, auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene technische Grundkonstellation, die wir so woanders gar nicht anmieten können. Diese Produktionseinheit – die zum Transport in Kisten verpackt ist – wird von unseren Ingenieuren konzipiert, aufgebaut und betrieben.

Zusätzlich brauchen wir je nach Ereignisgröße aber jede Menge weiterer Technik, zum Beispiel für Schneideräume und Tonbearbeitung, die wir bei so großen Events im Vorlauf anmieten. Dazu haben wir in größeren Ausschreibungsläufen Lieferanten ausgewählt, etwa Gearhouse aus England für die Venuetechnik und Wellen & Noethen aus Deutschland. Weitere Lieferanten für zusätzliche IBC-Technik sind Avid, Mal Seh’n und Prokon. Um in Peking weniger kostspielige Zeit mit dem Aufbau zu verschwenden, haben wir mit unseren Lieferanten teilweise verabredet, dass die eingesetzte Technik ein Stück weit schon in Europa vorkonfektioniert werden muss.

Es gibt gar keine Kompatibilitätsprobleme zwischen Ihrer eigenen Technik und dem offiziellem HD-Produktionsformat?
Wir nehmen uns vom Host nur das von ihm vertragsgemäß auch anzufertigende SD Live-Sendesignal. Vom Host werden insgesamt 86 Fernsehsignale von den verschiedenen Sportstätten in das IBC geschickt. Davon kommen bis zu 25 Signale parallel in unserem Schaltraum an. Eine Auswahl wird dann nach unserer Regie mit unseren eigenen Signalen verschönert beziehungsweise „eingedeutscht“. So entsteht das Sendesignal für das Hauptprogramm von ARD und ZDF. Das Weltbild hat ja lediglich die Aufgabe, den Wettkampf mit in der Regel den ersten drei Gewinnern zu zeigen. Wenn der Deutsche aus Versehen Vierter geworden ist, kommt er im Weltbild gar nicht vor, – außer eventuell beim Start. Das gleichen unsere eigenen Kameras aus.

In China finden die ersten Olympischen Spiele statt, die ausschließlich in High Definition produziert werden, nur ARD und ZDF gehen noch nicht auf HD …
Richtig. Aber wir werden sicher das eine oder andere an HD-Signal selber aufbewahren für eine mögliche zukünftige Nutzung.

Daran wird also doch schon gedacht?
Natürlich! Aber es bleibt auch in der Zukunft noch ein Archiv-Rechteproblem, das wir mit dem IOC in Bezug auf die Nutzung diskutieren müssen. Man kann das HD-Material haben, aber die Nutzung ist mit einer Lizenzgebühr verbunden.

Wie groß ist der Anteil zwischen Weltbild und Eigenproduktion?
Schwer zu sagen, – schätzungsweise 10 zu 1

Erstmalig bei Olympischen Spielen wollen ARD und ZDF die komplette Signalerstellung und Auswertung ausschließlich digital bewerkstelligen. Gibt es da Besonderheiten oder spezielle Probleme, die zu meistern sind?
Na klar. Digitalisierung klingt sexy. Tatsächlich ist aber die dadurch möglich gewordene Vernetzung aller Arbeitsschritte auch noch ein kleiner Fluch.

Das Hauptproblem für alle, die mit dieser digitalen Welt umgehen ist, dass das gesamte Material nicht mehr auf einem physikalisch greifbaren Band läuft, das man so abgrenzen kann, dass man weiß, an welcher Stelle der 100-Meter-Lauf ist. Es gibt keine Kassette mehr und keinen Begleitzettel dazu, wann welcher Gewinner durch das Ziel gelaufen ist oder wer wann gestürzt ist. In einer digitalen Welt befindet sich das irgendwo auf der Festplatte.
Wenn das nicht ganz genau benannt und kategorisiert wird, würde man das allein wegen der riesigen Masse an Bild- und Ton-Material auf der Festplatte niemals wieder finden. Deshalb müssen wir bereits im Vorfeld der Aufzeichnung ganz klare Regeln definieren, nach welchen Suchkriterien die hereinkommenden Signale sortiert werden sollen. Man muss permanent sortieren, in Ordern und Unterordnern um der Masse Herr werden zu können.
Daran müssen sich die einzelnen Mitarbeiter voll diszipliniert halten: der Storymacher, der jeweilige Redakteur, die Cutter. Sie müssen beim Anschauen der einlaufenden Signale sofort wissen, nach welchen Kriterien es im Computer gespeichert werden muss, so dass es eineindeutig – und somit auch wieder auffindbar ist.

Das erfordert eine enorme Konzentrationsarbeit?
So ist es. Es erfordert eine sehr hohe Konzentration über einen sehr langen Zeitraum. Besonders schwierig – auch in psychologischer Hinsicht – ist das natürlich für Reporter und Redakteure, die schon lange in der analogen Welt mit Bändern gearbeitet haben. Der technische Umbruch muss auch in den Köpfen ankommen, um dann den Vorteil der digitalen Speicherung nutzen zu können, dass man im Endeffekt viel schneller und von verschiedensten Plätzen an das Material herankommen kann und es schneller weiterbearbeiten kann.
Der digitale Vorteil liegt ja vor allem in der digitalen Vernetzung verschiedenster Arbeitsplätze, von denen man auf ein einmal gespeichertes Material immer wieder gezielt und schnell zugreifen kann. Beispielsweise kann ein Tagesschau-Redakteur, der einen Nachrichtenbeitrag macht, zeitgleich zu einem Sport-Redakteur auf das Material zugreifen, der daraus eine Reportage formt.

Mit welchem System arbeiten Sie bei der digitalen Bearbeitung, das Sie dann vermutlich auch auf große Fahrt nach Peking schicken?
Ja, auch unser AVID ISIS System, ein in sich redundantes, gespiegeltes System wird nach Peking gebracht. Im Kern hat er einen Gesamtarbeitsspeicher von 96 Terabyte. Damit werden 12 Schnittplätze für die Erstellung von Beitragen und 5 zusätzliche Schnittplätze für die schnelle Live-Zuspielung vernetzt. Hinzu kommen einige EVS-Einheiten, Audiomix-Räume und die notwendige Grafiktechnik.

Ist die volle digitale Bearbeitung zu den Olympischen Spielen noch ein Experiment oder schon Business as usual?
Es ist in dem Umfang zwar eine neue Herausforderung, aber kein Experiment. Ein geglücktes Experiment haben wir schon bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 hinter uns gebracht. Im kleineren hat es die ARD schon bei den Olympischen Winterspielen in Turin umgesetzt. Aufgrund unserer Erfahrungen haben wir jetzt gesagt: ‚Das ist State of the Art’. Und gerade weil wir aufgrund der Zeitverschiebung China/ Deutschland ganz unterschiedliche Arbeitszeiten haben, haben wir uns entschlossen das zentrale Hirn, das die digitale Vernetzung bietet, aufzubauen, so dass wir darauf flexibel zu unterschiedlichen Zeiten und für unterschiedliche Sendungen zugreifen können. Wir benutzen es ja auch schon längst bei der Berichterstattung über die Bundesliga und bauen es in den Stadien auf. Und auch die Tageschau arbeitet bereits in diesem System, wenn auch in einer anderen Technik.

Der Vorbereitungsstatus, den Sie jetzt Anfang Juni erreicht haben, ist offensichtlich, dass Sie alles geplant haben, so dass jede Steckdose ihren Platzt hat. Was kommt noch auf Sie zu?
Die technischen Planungen wurden durch unsere technischen Leiter Dieter Thiessen (ARD) und Gunnar Darge (ZDF) vorbereitet. Die Bestellungen werden jetzt alle abgegeben, so dass der Hostbroadcaster BOB das alles für uns zusammen mit dem Veranstalter vor Ort, BOCOG – Beijing Organisation Commitee of the Olympic Games. zusammenstellen kann. Sie stellen die von uns benötigten Produktionscontainer an den verschiedensten Sportstätten hin. Beispielsweise unsere drei Container für die Ruder-Berichterstattung.

Alles, was die Redaktion, die Produktion und die Fernsehtechnik braucht, muss im Detail geplant und gelistet werden. Berücksichtigt werden muss beispielsweise auch die Leistung aller notwendigen Klimaanlagen, um die Wärme, die unsere jeweiligen Geräte erzeugen auszugleichen. Im August liegen die Temperaturen in Peking wohl bei 33 Grad Celsius mit einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 98 Prozent. Da brauchen wir eine sehr hohe Kühlleistung, die wir bestellen und die geliefert wird.
Parallel dazu mieten wir nach unseren notwendigen Bedürfnissen weitere Fernsehtechnik an und verschiedene Fahrzeuge für unsere Mitarbeiter: Busse, Vans für die Kamerateams. Wir brauchen Dolmetscher, die uns bei unseren Arbeitsverhältnissen zum Beispiel auch durch ihre Ortskenntnisse unterstützen können, Mit denen müssen wir auch eine Hongkong ganz anders „ticken“. Die Hongkonger sind hemdsärmlicher, sie kommen mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein als die Chinesen aus Peking daher und würden am liebsten alles so machen, wie sie es selber für richtig ansehen. Da gibt es für uns durchaus Verständigungsprobleme, je nachdem, ob wir es mit einer Organisation aus Peking oder Hongkong zu tun haben.

Das Kommunikationsproblem ist dabei auch in der englischen Sprache verankert. Das merken wir bei verschiedenen technischen Anmeldungen, sei es für Frequenzen, Mikrophone kleine Kopfhörer, beispielsweise. Da kommen immer wieder viele Fragen auf, bei denen man merkt das Englisch war doch nicht so genau. Um die Verständnisschwierigkeiten zu reduzieren, ist es wichtig, dass man ganz einfach spricht. Komplexere Sachlagen muss man ganz klein teilen, um nur einfache Dinge zu sagen. Sonst versteht der Chinese etwas ganz anderes als wir. Sie haben ihr Englisch, wir haben unser Englisch …

Wann sind Sie wieder in Peking?
Ich bin Anfang Juli da. Wir sind dann einen Monat mit dem Aufbau unserer temporären Fernsehanstalt und dem Aufbau der einzelnen Schauplätze beschäftigt. Und dann freuen wir uns auf den 2. August. Da wollen wir zum ersten Mal eine Sportschau und ein Sportstudio von da aus senden. Und am 8. August geht es dann wirklich los!

Erika Butzek (MB 06/08)

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