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Die Film-Magie hat wieder Zukunft

Die Film-Magie hat wieder Zukunft

Studio Babelsberg - die Wiege des Films, das weltweit älteste Großatelier-Filmstudio – feiert gleich zweimal sein 100jähriges Jubiläum: in diesem und im nächsten Jahr. Es hat alle Querelen der Vergangenheit überlebt und genießt heute wieder internationale Anerkennung, vor allem für die Leistung seines Art Departments und Production Services. Das kommt dem gesamten Medienstandort Berlin-Brandenburg zu Gute, der wieder Filmstandort Nr. 1 in Deutschland ist und auch über eine optimale Infrastruktur für TV-Produktionen verfügt.

Ob das 100jährige Jubiläum von Studio Babelsberg nun schon in diesem November oder erst im Februar 2012 stattfindet, ist in der Hauptstadtregion ein bisschen umstritten. Sicher ist: Das filmtechnologische Fundament wurde bereits im November 1911 architektonisch mit dem Bau eines Filmstudios aus Glas gelegt. Filmkameras waren ja damals noch auf natürliches Licht angewiesen. In der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam, zu dem der Stadtteil Babelsberg gehört, wird das 100jährige Jubiläum schon das ganze Jahr gefeiert.

Immerhin ist Studio Babelsberg, mit der ganzen Medienstadt rundherum ein wirtschaftlicher Schwerpunkt von Brandenburg, der gefördert wird aber auch steuerliche Einnahmen und viele Arbeitsplätze bringt. In der Medienstadt tummeln sich neben den 16 hochmodernen Ateliers, Studios und Außenkulissen mehr als 120 weitere Unternehmen. Beispielsweise rbb, das ARD-Playoutcenter, das Hasso-Plattner-Institut, die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, die Electronic Media School wie das Erich Pommer Institut und auch das schicke fx-Center, wo unter anderem das Medienboard Berlin-Brandenburg, das Postproduktionsunternehmen Telefactory, exozet effects und exozet games untergebracht sind. Und gleich gegenüber, auf der anderen Straßenseite breitet sich das große Bertelsmann-Tochterunternehmen, die Zentrale der TV- und Film-Gruppe UFA samt einiger ihrer Einzelfirmen wie Grundy UFA aus. Diese produziert – auch mit Hilfe vom Dienstleister Studio Hamburg – auf einem Teil des Studio Babelsberg-Geländes die tägliche RTL-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“.

Berlin & Potsdam

Sicher ist aber auch: Die erste Klappe zum legendären Dreh des Asta Nielsen-Stummfilms „Der Totentanz“ im damaligen gläsernen Studio fiel erst am 12. Februar 1912. Dieser Termin kommt Studio Babelsberg besser zu pass, weil man dann richtig berühmt im großen Scheinwerferlicht auf der Berlinale im Februar 2012 in der Hauptstadt feiern kann. Auch als Dienstleister, der Studio Babelsberg mit seinem großen Hallen-Angebot, seinem international renommierten Art Department und dem Production Service seiner Tochter Motion Pictures für Produzenten, Regisseure, Kameramänner und Schauspieler ist, will man mehr die Kreativität des Films an sich in den Mittelpunkt stellen. Wie genau gefeiert werden soll, das ist noch ein großes Geheimnis, das Studio Babelsberg erst im Laufe des Novembers lüften will.

Wenn dann im nächsten Jahr endlich die große Feier steigt, will allerdings auch die Berliner Union Film, BUF, die heute mit ihrem Studiobetrieb in Berlin-Tempelhof auf das TV-Geschäft ausgerichtet ist, auf ihr hundertjähriges Jubiläum hinweisen. Auch die BUF könnte mit Fug und Recht behaupten, Wiege des Films zu sein, zumal das erste gläserne Filmstudio auf ihrem Gelände stand und die Initiative für den Bau eines weiteren Filmstudios in Babelsberg vor den Toren Berlins weiland von der Deutschen Bioscop Filmgesellschaft ausging, die ihren Sitz zuallererst in Tempelhof hatte, wo auch die ersten Drehs begannen.

Aber egal. Die Hauptstadtregionen Berlin und Potsdam, gehören sowieso zusammen, wofür auch das Medienboard Berlin-Brandenburg als gemeinsamer Vermarkter und Ansprechpartner steht. Aus Marketingsicht ist es ohnehin logisch, den großen Geburtstag der Wiege des Films anlässlich der Berlinale, nicht in Potsdam, sondern am Potsdamerplatz in Berlin Mitte, zu feiern. Dann sind nicht nur aus Hollywood, sondern auch aus aller Welt Filmschaffende in der Hauptstadt zu Gast, die sich für die Heimat ihres Metiers interessieren: den Ort, wo die Magie, der Zauber für die Leinwand entstand. Es ist der Ort, an dem legendäre UFA-Regisseure und Schauspieler wie von Sternberg, Fritz Lang („Metropolis“), Wilhelm Murnau („Nosferatu“), Ernst Lubitsch („Carmen“) und Marlene Dietrich („Der blaue Engel“) die Raffinesse des Filmschaffens ausloteten, bevor sie von den Nazis nach Hollywood vertrieben wurden und mit zu dem späteren Hollywood-Ruhm beigetragen haben. Die internationalen Filmfestspiele, die Berlinale, ist eine ideale Plattform, um 100 Jahre Film zu feiern.

Hollywood & Bollywood

Dass Babelsberg nicht in Berlin, sondern in Potsdam liegt, ist kaum einem Filmschaffenden aus dem Ausland bekannt. Beide Städte liegen so dicht beieinander, dass man den Übergang kaum merkt. Zumal wenn man die berühmte Glienicker Brücke – wo sich bekanntlich früher Spione aus Deutschland West und Ost nächtens im Nebel trafen – per Pedes oder Auto passiert, ist man mir nichts, dir nichts vom Bundesland Berlin in Brandenburg oder umgekehrt gelandet. Spitzfindigkeiten, um den 100. Geburtstag genau zu terminieren, sind nur ein Streit um Kaisers Bart. Viel wichtiger ist, dass Studio Babelsberg über alle Querelen der Vergangenheit, in der man beispielsweise zwischen Mühlsteinen der Medienstandortinteressen der Länder Berlin und Brandenburg geriet, längst erhaben ist.

So hat die Motion Pictures von Studio Babelsberg in der jüngeren Vergangenheit eine Menge großer internationaler Filme und große Kinostars wie Brad Pitt nach Babelsberg geholt und diese wie die Resonanz zeigt, prima betreut. Es sind viel Filme, die mit internationalen Preisen wie dem Oscar ausgezeichnet wurden, beispielsweise Roman Polanskis „Der Pianist“, „V wie Vendetta“, „In 80 Tagen um die Welt“, „Das Bourne Ultimatum“, „Die Bourne Verschwörung“, „The International“, „Operation Walküre“, „Der Vorleser“, Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ oder auch Roland Emmerichs „Anonymous“.

Dabei begeistert Studio Babelsberg mittlerweile nicht nur Hollywood. Auch das indische Bollywood hat Tuchfühlung mit der Hauptstadtregion aufgenommen und im vergangenen Jahr in Berlin und in den Babelsberger Studios „Don 2“ mit dem Superstar Shah Rukh Khan gedreht. Da kam auch der große Wassertank, über den Babelsberg für Unterwassertricks und Stuntszenen verfügt, zum Einsatz. Höflich wie die Inder sind, haben sie sich kürzlich auf einer Messe in Mumbai auch bei der Berlin Brandenburg Film Commission, bbfc, eine Abteilung des Medienboards, mit einem Preis für „Best Support by Foreign Destination to Indian Film“ bedankt. Was zeigt, wie gut ihnen der 50tägige Dreh in der Hauptstadtregion auch noch im Nachhinein gefallen hat. Sie werden bestimmt wieder kommen.

Das Mammutprojekt „Cloud Atlas“ mit Tom Hanks und Halle Berry unter Regie von den Wachowski-Geschwistern („Matrix“, „Speed Racer“) und Tom Tykwer („Das Parfüm“, „Drei“), das schon seit Oktober auf dem Programm von Studio Babelsberg stand, ist in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Es wird von der Berliner Produktionsfirma X-Filme Creative Pool als bislang teuerster deutscher Film aller Zeiten gestemmt mit einem Budget von rund 100 Millionen Euro. Und es ist auch ein großes Kompliment an den Production Service wie das Art Department von Studio Babelsberg, dass sowohl die Wachowskis wie Tykwer sich abermals für sie entschieden haben.

Herzstück Art Department

Mit „Cloud Atlas“, so viel verrät Art Department-Geschäftsführer Michael Düwel schon einmal, „werden wir wieder auf Entdeckungsreise gehen“. Was heißt: Das kreative Herz, das das Art Department für Studio Babelsberg bildet, wird wohl kräftig pochen. Düwel versteht sich und sein Handwerker-Team als „räumliche Erzähler“, die Kulissen, Dekorationen aller Art und den kompletten Innenausbau in den Hallen verantworten. Im Art Department steckt eine 100 jährige Magie-Erfahrung am Ort, die kontinuierlich auch in den verschiedenen politischen Systemen vom Kaiserreich über Weimarer Republik, der Nazi-Diktatur, dem realen Sozialismus bis heute gepflegt worden ist.

Heute wirkt das Department mit seinen 50 festen Mitarbeitern, die dann zusammen mit Freien auch mal auf 250 anschwellen, als eigenständige Tochtergesellschaft der Studio Babelsberg AG und hat nationales und internationales Renommée gefunden. Düwel betont, dass die Leistungen nicht nur den großen internationalen Filmprojekten zur Verfügung stehen, sondern mit der gleichen Kompetenz und Freude auch kleinere Projekte wie etwa Ausstellungen, Messeauftritte oder Events betreut – und sogar Einzelleistungen für Teilbereiche angeboten werden. So hat man beispielsweise den Kulissenbau für das Mitmach-Museum „Wort-Reich“ in Bad Hersfeld gestaltet. Die Kulissen wurden in den Babelsberger Werkstätten hergestellt und auf mehr als 15 Sattelzügen nach Bad Hersfeld transportiert. Zum vierten Mal in Folge hat das Art Department auch den Sony-Messestand auf der IFA gestaltet, den großen Publikumsbereich wie den gesamten Innenausbau.
Ebenso wurden beispielsweise Kunstinstallationen gefertigt, etwa der „Kühlschrank-Iglu“ oder der Nachbau des ehemals größten deutschen Weinfasses, das jetzt in Bad Königstein bei Pirna steht, zwölf Tonnen wiegt und 13.000 Weinflaschen beherbergt.

Dann stellt Düwel im Gespräch eine „Fangfrage“, wie er kokettierend sagt: „Haben Sie schon Die drei Musketiere 3D von Constantin gesehen? Dafür wurden neben umfangreichen Setbauten auch ein 50 Meter langes und 12 Meter hohes Luftschiff und ein venezianischer Wasserstraßenzug errichtet.
Erstaunlich, dass in Computerzeiten, wo man doch angeblich alles künstlich am Schirm erzeugen könnte, doch noch so viel Handarbeit beim Film erforderlich ist. Düwel erklärt, dass man zwar vor zehn Jahren schon mal von manchen tot gesagt wurde. Zu Unrecht aber. Ziemlich schnell hat sich nämlich herauskristallisiert, dass sich Schauspieler vor einer grünen Wand „keinen räumlichen Bezug“ vorstellen können. Deshalb sei man dazu übergegangen, die Computerleistung on ad hinzufügen. Beispiel: Man stellt eine Etage eines sechsstöckigen Kaufhauses handwerklich her, in dem sich Schauspieler echt bewegen und haptische wie optische Bezüge haben. Der Rest wird dann vom Computer hochgerechnet.

Gerade beim Dreh mit den neuen digitalen Filmkameras und erst Recht wenn sie auch noch in 3D erfolgen, sei eine ganz präzise handwerkliche Arbeit erforderlich. Wegen der speziellen Tiefenschärfe, die die bewegten Bilder dann haben, erklärt Düwel. Ebenso haben auch Kostüm und Requisite, die man in Babelsberg von Anfang an pflegte, viel zu tun. Beispielsweise für die Produktionen „Rommel“ und „Der Turm“ der UFA-Tochter teamworx werden ganze Regale leer geräumt, und es entstehen ebenso Neuanfertigungen für unter anderen den Schauspieler Ulrich Tukur.

TV-Studiobetrieb BUF

Während in den Zeiten, als in Berlin noch die Mauer stand, das Babelsberger Studiogelände von der staatlichen DEFA betrieben wurde, hatte man im Studiobetrieb der Berliner Union Film (BUF) in Tempelhof mit dem ZDF einen Dauerkunden aus dem Fernsehgeschäft zu betreuen. Als dann Deutschland wiedervereint war, zog das ZDF es vor, ein eigenes Hauptstadtstudio in der neuen Berliner Mitte, Nähe Regierungsviertel, zu beziehen. Die BUF musste sich völlig neu orientieren. So entschloss man sich vor drei Jahren unter Geschäftsführung von Helge Jürgens, der zuvor bei Endemol war, sich im Zuge einer Insolvenz zu restrukturieren. Waren früher über 100 feste Mitarbeiter bei der BUF beschäftigt, sind es heute nur noch 25, und man hat damit „wesentlich weniger Fixkosten“, sagt Jürgens.
Mittlerweile habe man sich auch auf „die die Sprunghaftigkeit des Marktes eingestellt“, erklärt Jürgens: „neues Image – neue Kunden“. Das Studio Babelsberg sieht Jürgens überhaupt nicht als seine Konkurrenz: „So ganz große internationale Kinoprojekte können wir gar nicht machen“. Vielmehr hat Jürgens an etlichen Konzepten gefeilt, um das BUF-Leistungsspektrum speziell für TV-Produzenten noch interessanter zu machen. Gut ausgelastet ist die BUF in ihrem Rental-Bereich für Außendrehs. Die Kundschaft erhält dabei von der BUF alles aus einer Hand: von Kameras, Kränen, Komplett-Ausstattung und Spezialanfertigung bis zu Postproduktionsleistungen im 360 Grad HD-Workflow: ein Rundum-Sorglos-Paket – alles im One-Stop-Shop zu beziehen.

Weniger zufrieden stellend sei die Studioauslastung. Weil in der Hauptstadtregion sehr viel Fiktionales für das Fernsehen gedreht wird, hat Jürgens das BUF-Angebot nun genau darauf eingestellt. Der Ansatz war: Wie kann man das Studio für Produzenten „noch kostengünstiger machen“? Weil besonders viele Krimis in Berlin produziert werden, ist Jürgens auf die Idee gekommen, ein multifunktionales Polizeiset bauen zu lassen, „das unterschiedliche Produzenten brauchen können“. Jürgens weiß, dass Original-Locations dafür heute in Berlin sehr teuer und kaum mehr zu finden sind. Wobei das Studio sowieso den Vorteil habe, dass man keine Drehgenehmigung braucht. Und hinzu kommt noch für Produzenten, die das Polizei-Set nutzen: Sie müssen dafür gar nicht extra-, sondern nur die Studiomiete zahlen!
Für unter anderem die Produktion von Werbespots oder Testimonials steht bei der BUF auch ein Green Studio zur Verfügung – was intensiv genutzt wird. „Man kann ja nicht immer in der Südsee drehen“, fügt Jürgens geschäftstüchtig hinzu.

Überhaupt hat sich in der letzten Zeit auf dem BUF-Gelände einiges geändert. Mit der Postproduktionsfirma „Mediafactory“ und dem Kameraverleih Ludwig auf dem Gelände ist ein Produktionscenter entstanden, dass alles bietet was man beim Dreh braucht. Und erst kürzlich hat sich die neue Produktionsfirma Deutsches Entertainment Fernsehen (DEF) in Schnitträumen und Büros auf dem Gelände angesiedelt, die sie unter anderem für die Endfertigung der RTL-Reihe „Bauer sucht Frau“ braucht. Sogar der BUF-Standort an sich hat sich deutlich verbessert: Weil der Flughafen Tempelhof vor einiger Zeit still gelegt worden ist, entsteht in direkter BUF-Nachbarschaft auf dem riesigen Flughafen-Areal ein „neuer Central Park von Berlin“, wo man auch drehen kann, wenn man will. Und schon seit längerer Zeit zählt auch die UFA zu den Partnern der BUF: die Tochterfirma Phoenix Film, die unter anderem die Prime-Time-Serie „Danni Lowinski“ für SAT.1 produziert und zusammen mit ihrer Tochterfirma Deutsche Synchron, auf dem Gelände angesiedelt ist.

Studio Berlin

Studio Hamburg darf bei einer Übersicht zu den TV-und Filmstudiobetrieben in der Hauptstadtregion auf keinen Fall fehlen. Die Hamburger NDR-Tochter ist blitzschnell nach Berlin gekommen, kaum war die Mauer gefallen. Auf dem ehemaligen DDR-Fernsehgelände hat man tüchtig in vorhandene Hallen investiert, neue aufgebaut und insbesondere die Fernsehtechnik auf dem neuesten Stand gebracht. Es hat sich gelohnt. Denn Studio Berlin ist auch aktuell gut ausgelastet, man blickt optimistisch in die Zukunft und registriert insbesondere eine sehr gute Nachfrage für die Großraumstudios H und G.

Dr. Robin Houcken, Geschäftsführer Studio Hamburg stellt fest: „Zwar leidet Berlin-Brandenburg darunter, dass es neben dem rbb keinen weiteren großen, insbesondere privaten Sender gibt, der dem Standort verpflichtet ist. Aber Berlin ist und bleibt der Standort mit der größten Attraktivität und Anziehungskraft für Produzenten, Regisseure und Schauspieler.“ Berlin ist weltweit Kult und hipp, wovon nicht zuletzt der Medienstandort profitiert.

Zurzeit werden in den Adlershofer Hallen „The Voice of Germany” (Pro7), „Der klügste Deutsche“ (ARD), mit Kai Pflaume, „Das Quiz der Deutschen“ (ARD), mit Frank Plasberg, „Anne Will“ (ARD), „Eins gegen eins“ (Sat.1) mit Claus Strunz, „Upps – die Pannenshow“ (RTL2) und ab März nächsten Jahres „Soko Wismar“ (ZDF) produziert. Für „Günther Jauch“ (ARD) leistet Studio Berlin technischen Support im Gasometer. Studio Berlin ist darüber hinaus bei fiktionalen TV-Produktionen mit dem Productionservice (Postproduktion, Filmtechnik und Studiovermietung) beteiligt. Die fünf HD-Übertragungswagen, über die Studio Berlin verfügt, fahren sowohl die Sendungen in den Studios und übertragen auch die erste und zweite Bundesliga.

Vor zwei Jahren hatte Houcken angekündigt, über die speziell dafür gegründete Pinewood Studio Berlin Services in den Studios auch Kinofilme zu produzieren. Bislang ist daraus nichts geworden. Zum einen hat Studio Berlins Fernsehgeschäft doch besser als erwartet angezogen. Zum anderen ist das britische Pinewood Studio mittlerweile gar nicht mehr so erpicht über die Partnerschaft mit Studio Berlin Fördergelder aus dem Deutschen Filmförderungsfond (DFFF) zu beziehen. Der Grund: Neuerdings ist die britische Produktionsförderung (Tax Credit) wieder attraktiver geworden.
Glück für Studio Babelsberg, weil damit erstmal Studio Berlin als Konkurrenz um DFFF-Gelder entfällt. Dass Studio Babelsberg schuldenfrei ist, und internationale Großproduktionen anlocken kann, ist, was auch niemand mehr bestreitet, dem DFFF zu verdanken.

UFA wieder Kinomarke

Alle Studiobetriebe in der Hauptstadtregion haben ihre ganz spezifische Ausrichtung. Der vierte Studiobetrieb übrigens, die Parkstudios in Babelsberg, in dessen Hallen ebenfalls bereits 20er-Jahre-Klassiker gedreht wurden, sind ohnehin voll mit einer Daily-Produktion ausgelastet und ansonsten mit ihren Ü-Wagen unterwegs, um beispielsweise „Schlag den Raab“ oder „Das Supertalent“ in Köln zu produzieren. Man kommt sich nicht in die Quere.
Das war vor Jahren ganz anders, als Studio Babelsberg noch Tochter der französischen Vivendi-Gruppe war, und den deutschen renommierten Regisseur Volker Schlöndorff beauftragt hatte, das Studio nach vorne zu bringen und vom grauen DDR-Schleier zu befreien. Die Länder Berlin und Brandenburg hatten sich Knüppel zwischen die Beine geschmissen, weil jeder seinen eigenen Studiobetrieb haben wollte.
Entnervt, gab Vivendi schließlich auf und übergab 2004 überraschend das Studio für einen negativen Kaufpreis an die damals noch Branchenunbekannten Dr. Carl Woebcken und Christoph Fisser, die es seitdem leiten. Für ihre Liebe zum Film, so hat Schlöndorff neulich verraten, hatten die Franzosen rund eine halbe Milliarde Euro in den Sand gesetzt.

Kaum bei Studio Babelsberg angetreten, begannen Woebcken und Fisser intensiv für die Bildung des Fördertopfes DFFF beim Kulturstaatsminister zu werben. Im Jahr 2007 hatte dann Studio Babelsberg vermittelt darüber bislang sein glänzendes Geschäft. Dann ist es etwas weniger geworden. Vermutlich, weil deutsche Kinofilmproduzenten es nicht hinnehmen wollten, dass soviel vom DFFF-Geld in amerikanische Produktionen floss. Doch nun scheint sich alles zum Guten gewendet haben. Die Deutschen Filmemmacher haben jetzt selber Mut zur Größe und produzieren selber mit Finanzierungshilfe des DFFF auf dem Babelsberger Gelände. Dank des DFFF ist mit UFACinema dann Anfang 2008 auch ein neuer Player für die Produktion für „kommerzielles Kino mit großer Bandbreite“ in der Hauptstadtregion auf die Bühne gekommen. Viele Jahre lang zuvor hatte UFA-Chef Wolf Bauer das Kinogeschäft als zu wenig lukrativ gesehen und allein – mit sehr seltenen Ausnahmen – auf das TV-Geschäft gesetzt. Das, obwohl das UFA-Mutterunternehmen Bertelsmann vor Jahren die alte Kinomarke UFA gekauft hatte, um sie auf moderne Weise wieder zu beleben. Erst kürzlich hat nun Bertelsmann-Aufsichtsratschef Gunter Thielen aller Welt verraten, dass er sicher ist, „Der Medicus“, der bei UFACinema in Vorbereitung ist, und auch in Babelsberg verfilmt werden soll, der erste „Blockbuster“ des Unternehmens werde. Schon 2010 war UFACinema – zumal mit „Hanni & Nanni“ auf dem Siegertreppchen der erfolgreichsten Kinofilmproduzentin auf Platz 2 nach der Münchner Constantin aufgestiegen.

Was will man mehr? Der deutsche Kinofilm wird immer erfolgreicher. Der Wiege des Films geht es zurzeit gut. In der Hauptstadtregion werden jährlich rund 300 Filme produziert. Und neben Hollywood und Bollywood ist in der Region auch noch die „Berliner Schule“ erfolgreich geblieben. Die, so erklärt Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus, genau das Gegenteil von Hollywood verkörpert. Nicht „bigger than live“ wird produziert, sondern „nah am Leben“: „Spielfilme mit dokumentarischen Mitteln“, wie sie beispielsweise von Christian Petzold („Gespenster“, „Yella“) und Andreas Dresen („Wolke Neun“, „Halbe Treppe“) stammen.
Niehuus fasst das Ergebnis der 100jährigen Babelsberg-Geschichte in nur zwei Sätzen zusammen: „Eine Institution hat sich von der Vergangenheit in die Zukunft gerettet“. Und: „Die Magie des Ortes ist der Region erhalten geblieben.“
Erika Butzek
(MB 11/2011)

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