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Digital weit fortgeschritten

Digital weit fortgeschritten

Einen starken Umbruchprozess vollzieht die CinePostproduction-Gruppe, die an fünf Standorten in Deutschland vertreten ist. So wurde auch bei Atlantik Film in Hamburg-Rahlstedt digitale Dienstleistungen in den Bereichen On-Set Services und Postproduktion weiter ausgebaut.

Die Nachfrage für klassische Negativentwicklung und Erstellung von Serienkopien ist bei Cinepostproduction dramatisch rückläufig. Christian Sommer, Vorstand der CineMedia AG in München, und CinePostproduction-Geschäftsführer Stefan Müller bestätigten im MEDIEN BULLETIN-Interview, dass Filmkopien nur noch am Berliner Standort angeboten werden sollen. Das Kopierwerk in der Hansestadt soll im Sommer endgültig schließen. Den Standort Hamburg sieht Müller „digital schon sehr weit fortgeschritten“, dort liefen gar keine Anfragen mehr für Negativentwicklungen ein. „Landesweit wird nur noch jeder zehnte bis zwanzigste Film auf Negativ gedreht“, weiß Müller. Rückläufig ist der Filmdreh auch im Bereich der TV-Serien. Von den aktuellen Aufträgen werden nur noch die „Rosenheim Cops“ in München auf 16mm gedreht, weshalb der dortige Kopierwerks-Betrieb noch bis Ende des Jahres weiter läuft. Für die Kunden, die künftig analoge Endbearbeitung nachfragen, bleibe der Service in Berlin erhalten, wobei am Standort Hamburg weiterhin noch die Abtastung erfolgen könne. Wie lange analoge Kinokopien noch im Einsatz sein werden, lässt sich nicht genau bestimmen. Sommer erwartet für das laufende Geschäftsjahr deutliche Rückgänge. Der exakte Schwund ließe sich für das gesamte Geschäftsjahr noch nicht beziffern, da der Digitalisierungsprozess progressiv verlaufe.

Die Gruppe hat als Antwort auf diese Entwicklung in den letzten Jahren die Bereiche Digitales Lab, Film Lab, digitale Postproduktion und die On-Set Betreuung an allen Standorten ausgebaut. An Spielfilmen wurde bei Atlantik in Hamburg in den letzen Wochen die Verfilmung von Irvine Welshs Kultroman „Filth“ (eine internationale Koproduktion von Egoli Tossell) betreut (Dailies), die Jugendbuchverfilmung der Bavaria „Der Geschmack von Apfelkernen“ von Vivian Naefe sowie in diesem Sommer und Anfang nächsten Jahres der neue Jim Jarmusch-Film  „Only Lovers Left Alive“ der Pandora Filmproduktion. TV-Reihen und Serien wie „Bella Block“ (Ufa), „Morden im Norden“ (ndF) oder „Polizeiruf 110“ (Filmpool) gehören zu den Stammkunden in Rahlstedt. Die Umstrukturierungen zu den digitalen Dienstleistungen seien weitgehend abgeschlossen, weiter ausgebaut werden fachspezifische Bereiche für Programmierung und Anwendungen. Eine der Eigenentwicklungen für den On-Set Service ist die COPRA-App, mit der CinePostproduction Muster direkt aufs iPad beziehungsweise iPhone bringen kann. Mit dieser App können Regisseure und Kameraleute ihre Aufnahmen beurteilen, Kommentare hinzufügen und die Muster weiterschicken. 

COPRA unterstützt außerdem eine Vielzahl von Metadaten, bietet ein vollständiges Prüfprotokoll und Szenenmarker. Nahezu alle Kunden von CinePostproduction nutzen diese App inzwischen, erklärt Sommer, der eine erweiterte und verbesserte Version für den Markt ankündigt. „Wir können wohl ohne Übertreibung sagen, dass diese App für digitale Muster auf mobilen Endgeräten auf dem Weg ist, Branchenstandard zu werden.“ Jüngster Kunde ist ein großes amerikanisches Postproduktionshaus von der Westküste der USA. „Diese Entwicklung von COPRA, bei der Hamburg stark involviert gewesen ist, steht auch stellvertretend für unsere neue Strategie: Die digitale Postproduktion bleibt weiterhin unser Kerngeschäft. Aber ein wesentliches Standbein wird der innovative Entwicklungsbereich für Software, Applikationen und Services sein.“ Zur Setbetreuung in Hamburg gehören außerdem der Cinema-Trailer, ein mobiles Abnahmekino auf Rädern mit 2K-Projektor und vier Meter breiten Leinwand, der sich insbesondere auch zur Beurteilung von 3D-Material direkt am Drehort anbietet. Und im umgebauten Geländefahrzeug „Colormog“ mit Allradantrieb können die Spezialisten für digitale Bildbearbeitung zu abgelegenen Drehorten auch im schwierigen Gelände fahren. „Der Ausbau der On-Set Betreuung wird seit zwei Jahren intensiv voran getrieben unter anderem mit dem Erwerb des On-Set Dailies-Systems von Colorfront, mit dem sich die Muster- und Lichtbestimmungen erstellen lassen. Die qualitative Stärke des Systems liege darin, dass sich in extrem kurzer Zeit sogar Töne anlegen lassen, wodurch Muster mit Ton ausgeliefert werden können, erklärt Müller. Zudem können zeitgleich mehrere Streams ausgespielt werden. Mit dem Colorfront-System lasse sich der Upload auf COPRA, eine Ausspielung auf DVD oder im Quicktime-Format auf Festplatte zeitgleich bewältigen. Die digitale Postproduktion in Hamburg wurde im vergangenen Herbst durch zwei Schneideräume für den Kreativschnitt ergänzt. Angesichts der steigenden Nachfrage für Schnitt bei CinePostproduction hat die Gruppe im Mai des Jahres in bester Citylage im Stadtteil Winterhude noch drei weitere Schnitträume eröffnet: „Firmen mit Schnittplatzangeboten haben ihren Service heute auf die komplette Postproduktion ausgeweitet, weil die Kunden es schätzen, wenn sie alles aus einer Hand geliefert bekommen können. Das war für uns das Signal, nun den kompletten Postproduktionsbereich einschließlich Schnittkapazitäten bereit zu stellen. Wir stellen uns in diesem Bereich in Hamburg, wie an unseren anderen Standorten, gezielt nach dem jeweiligen Bedarf auf“, erklärt Müller.

Als weitere Geschäftszweige der Gruppe kündigen sich die Sparten Promotion-Design mit grafischer Gestaltung für Logos, Filmplakate und Webseiten an. Der Agenturservice sei in Berlin sehr erfolgreich angelaufen, dass diese Dienstleistung nun auch in München einziehe und je nach Bedarf später auch in Hamburg oder Köln angeboten werden könne. Eine Nische hat sich die Gruppe mit hochwertigen Fotobüchern erobert. Diese Bildbände werden auf höchster Qualitätsstufe auf echtem Fotopapier ausbelichtet. „Wir bewegen uns da in einem sehr hochwertigen Segment“, erklärt Müller. Die Cinebooks seien für Firmen oder Produktionen interessant, die bei besonderen Anlässen eine exklusive Promotionauflage einsetzen wollen. 
Bernd Jetschin
(MB 07/8_12)

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