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Digitale Strategie für multimediale Verwertung

Digitale Strategie für multimediale Verwertung

Bei ARD-aktuell werden seit Anfang dieses Jahres sämtliche Nachrichtensendungen wie die 20 Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ oder die „Tagesthemen“ direkt vom Server gesendet. Die digitale Produktionsweise mit dem Quantel-System hat den Workflow erheblich beschleunigt. Neben den klassischen Nachrichtensendungen werden ohne großen Aufwand weitere Produkte wie die „Tagesschau in 100 Sekunden“ für das Handy oder Flashvideos für die Website „Tagesschau.de“ hergestellt

Durch die neu gestalteten Arbeitsabläufe von Redaktion und Produktion, bei denen das Journalisten-Editing eine zentrale Rolle spielt, nimmt ARD-aktuell jetzt europaweit eine Vorreiter-Rolle bei der Nachrichtenproduktion ein. Die Voraussetzung dafür wurde bei ARD-aktuell mit der effektiven Integration der Quantel sQServer-Technik in das bestehende Redaktionssystem Open Media geschaffen. Dank des Einsatzes des Quantel-Systems, das bei ARD-aktuell aus vier sQ Servereinheiten mit je zwölf SDI Ports besteht, ist es möglich, eine Vielfalt an Ausspielwegen zu bedienen. Allein im Ersten Deutschen Fernsehen werden mit derzeit bis zu zwanzig Tagesschau-Sendungen täglich drei Stunden Nachrichten gesendet. Hinzu kommen weitere zehn Stunden für den digitalen Info-Kanal „Eins Extra“. Ab Ende Mai wird das Informationsangebot in dem digitalen Nachrichtenbouquet um eine weitere Stunde von 19 auf 20 Uhr ausgedehnt. „Damit produzieren wir dann 14 Stunden Programm täglich“, berichtet Kai Gniffke, Erster Chefredakteur bei ARD-aktuell. Neben der Website „Tagesschau.de“, die Flashvideos von Nachrichtenbeiträgen im Internet offeriert, ist im Juli 2007 als weiteres Format die „Tagesschau in 100 Sekunden“ für das Handy-TV hinzugekommen.
„Die Vielfalt der Produkte, die wir anbieten, ist nur durch die digitale Produktionsweise möglich“, betont Gniffke. „Ich kann mir vorstellen, dass auch der Bereich Web-TV sehr schnell stark zunehmen wird. Es ist wichtig, dass wir dafür gerüstet sind. Die Digitalisierung war eine unabdingbare Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von ARD-aktuell.“

Sukzessive Umstellung
Bevor am 28. Januar 2008 in der deutschen Nachrichtenzentrale der endgültige Startschuss in das digitale Medienzeitalter erfolgt ist, sind dort über einen Zeitraum von fast sieben Jahren die Workflows sukzessive auf die digitale Nachrichtenproduktion umgestellt worden. Der Grundstein dafür wurde 2001 mit der Einführung des Redaktionssystems Open Media von Dalet ANN gelegt, das zunächst mit dem Sony NewsBase-System verknüpft wurde. Im Rahmen eines zweijähriges Pilot-Projektes, das bei ARD-aktuell am 3. Februar 2003 mit der Einrichtung eines digitalen News Desk begann, wurden die Nachrichten-Sendungen um 18 und 21 Uhr für den Informationskanal „Eins Extra“ erstmals direkt vom Server gesendet. Da das Time-to-Air-Verhalten der Sony-Lösung dem Bandsystem jedoch deutlich unterlegen war, nahm das Team bei ARD-aktuell andere Newsroom-Systeme von verschiedenen Anbietern eingehend unter die Lupe.

„Es gibt kein nennenswertes System auf dem Markt, das wir nicht geprüft haben“, betont der redaktionelle Projektleiter Georg Grommes, der gemeinsam mit seinen Kollegen die digitale Strategie bei ARD-aktuell umgesetzt hat. Bei Quantel stieß er schließlich auf das passende System, das die Ansprüche von ARD-aktuell bedient. „Quantel hat uns sehr früh signalisiert, dass sich diese Software in unser Redaktionssystem Open Media integrieren lässt, was neben dem Tempo und der Systemstabilität ein entscheidender Faktor für uns war“, erklärt Gniffke. „Die Akzeptanz durch die Redaktion war uns sehr wichtig, denn das beste System nützt nichts, wenn die Menschen, die damit arbeiten sollen, es nicht bedienen können.“
Zu diesem Zweck musste beispielsweise das Schnitt-Tool so gestaltet werden, dass es sich als Active X-Applikation in das Redaktionssystem Open Media integrieren ließ und eine intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche erhielt. Quantel hat das System entsprechend konfiguriert und damit eine Maßanfertigung für ARD-aktuell geliefert, die inzwischen zu einem Standardprodukt von Quantel geworden ist. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Firma Dalet sei erreicht worden, dass diese beiden Systeme miteinander kommunizieren und stabil laufen. „Bei Quantel in Newbury wurde uns eine Versuchsanordnung gestellt, so dass wir dort mit unserem eigenen Material all unsere Workflows abbilden konnten“, erläutert der Chefredakteur. „Alles, was wir uns vorgestellt haben, ist von Quantel eingelöst worden.“

Schnellere Workflows durch Vernetzung
Nach der mehrjährigen Projektphase sind damit 2006 die entscheidenden Weichen für die Zusammenarbeit gestellt worden, die jetzt in den Dauerbetrieb mit dem Quantel-System gemündet ist. Durch den Einsatz dieser innovativen Newsroom-Technologie haben sich einige Arbeitsabläufe bei ARD-aktuell entscheidend verkürzt. „Die sicherlich am tiefsten greifende Veränderung für die Redaktion ist die Einführung des Journalisten-Schnitts“, so Gniffke. „Dies ermöglicht uns, die Arbeitsabläufe deutlich zu straffen und so zu gestalten, dass die Produktion und die Redaktion im Newsroom sehr eng miteinander zusammenarbeiten und damit letztendlich ein besseres Produkt anbieten.“ Im Zuge dieser vernetzten Arbeitsweise sind die rund hundert Nachrichtenredakteure bei ARD-aktuell gefordert, das eingehende Bildmaterial direkt an ihrem Rechner zu sichten, ihre Beiträge zu schneiden, texten, vertonen und zur Abnahme in den Sendeablauf zu stellen.

Schon während der Umstellungsphase auf die digitale Produktionsweise haben die Redakteure bei ARD-aktuell das eingehende Nachrichtenmaterial mit dem Quantel-System gesichtet, um sich an die Optik gewöhnen, ohne dabei unter Produktionsstress zu stehen. „Das Graphical User Interface (GUI) ist den Kollegen recht schnell vertraut geworden“, sagt Ben Buck, Redakteur vom Dienst (RvD) bei ARD-aktuell. „Die meisten Elemente sind selbsterklärend. Ich kann ein Anfangsbild auswählen, indem ich einen ‚In’- Punkt setze, es laufen lassen und den ‚Out’-Punkt markieren. Mit einem Return kann ich sofort einen Schnitt setzen. Die Tastaturkürzel sind sehr eingängig wie ‚I’ für ‚In’ und ‚O’ für ‚Out’. Sobald der Fokus auf dem Fenster liegt, funktionieren diese Befehle.“ Aufgrund dieser leichten Handhabung sind viele Redakteure inzwischen dazu übergegangen, die Bedienung per Maus auf Tastaturbefehle umzustellen, was beim Sony-System nicht der Fall war. „Dadurch sind wir jetzt schneller geworden, weil wir beim Schnitt die linke Hand verstärkt für Tastaturbefehle benutzen und mit der rechten Hand andere Funktionen abdecken.“
Wenn sich ein Beitrag in Bearbeitung befindet, ist er für andere Mitarbeiter automatisch gesperrt. Die sendefertigen Beiträge, die bereits vom CvD abgenommen worden sind, werden mit einem „o. k.“ im Sendeablauf gekennzeichnet. Die Erstellung des Sendeablaufs, in dem die einzelnen Beiträge, aber auch die Standbilder, Inserts und Prompter-Texte jeweils mit der entsprechenden Ablaufposition verknüpft werden, erfolgt durch die Mediengestalter und Programmassistenten. Im Zuge der vernetzten Arbeitsweise ist jede redaktionelle Änderung im Sendungsablauf unmittelbar an allen Produktionsarbeitsplätzen bis hin zur Regie sichtbar. In dieser neuen Produktionsstruktur übernehmen die Mediengestalter auch senderelevante Aufgaben wie Schnitt, Triggern und Playout, während die Techniker im Ingest das Material aufzeichnen und die Serverinhalte verwalten.

Das schnellste System auf dem Markt
Um rund um die Uhr mit den aktuellsten Nachrichten auf Sendung gehen zu können, wenn mehrere Großereignisse parallel stattfinden, war es von zentraler Bedeutung, das Tempo bei der Bildbearbeitung mindestens zu halten oder aber zu erhöhen. Das serverbasierte System ist deshalb gezielt auf die Bedürfnisse der Nachrichtenredaktion zugeschnitten worden: Wird während der laufenden Sendung aktuelles Bildmaterial von den Korrespondenten oder Fernsehnachrichtenagenturen im In- und Ausland überspielt, kann dieses bereits während der Aufzeichnung mit minimalem Zeitverzug gesendet werden. „Diese Schnelligkeit der Verarbeitung bietet derzeit kein anderer Konkurrent auf dem Markt“, versichert Buck. Dabei sei es weniger die Technik, welche die Grenzen setze, sondern die Geschwindigkeit, mit der die Redakteure das eingehende Material verarbeiten können. Die langsamste Komponente in diesem System, dessen Time-to-Air-Verhalten praktisch gegen Null tendiere, sei daher der Faktor Mensch.
„Wir können das Material schon senden, während es noch überspielt wird“, versichert Grommes. „Das ist der große Vorteil des Quantel-Systems.“ Seine extreme Schnelligkeit verdankt das Quantel-System dem so genannten ‚Frame Magic’-Prinzip, das eine Speicherverwaltung auf der Basis von Einzelbildern vorsieht. Dabei wird das zu bearbeitende Rohmaterial nur einmal vom System vorgehalten und nicht in anderer Form auf dem Server abgelegt, so dass sich die Renderprozesse dabei jeweils nur auf die betroffenen Bilder (delta frames) beschränken.
Insgesamt bietet das Quantel-System bei ARD-aktuell 660 Stunden Speicherkapazität für das eingehende Rohmaterial, das in SD in sendefähiger IMX-Qualität eingespeist wird. „Dadurch ist gewährleistet, dass eingehendes Material ohne nennenswerten Qualitätsverlust geschnitten und gesendet werden kann“, erläutert Wolfgang Kuhlmann, Projektleiter für Systemplanung Fernsehen. Die Sichtung des Rohmaterials erfolgt in Low-Res mit 1,5 Mbit/s und bietet durch das Frame-genaue MPEG-1-Format eine ausgezeichnete Bildqualität, die sicherstellt, dass jedes Detail im Bild sichtbar ist. Die Ausspielung des Materials in High Res wird mit 50 Mbit/s in MPEG-2 im Standardkompressionsformat IMX vorgenommen.

Garant für Stabilität und Sicherheit
Da gerade die „Tageschau“ bei ARD-aktuell für absolute Stabilität und Sicherheit steht, ist die gesamte Systemarchitektur darauf ausgelegt, dass es selbst bei einem kompletten Serverausfall zu keinerlei Sendestörungen kommt. „Das gesamte Material wird in zwei räumlich voneinander getrennten Zonen mit je zwei Servern vorgehalten“, erklärt Grommes. „Für den Fall, dass eine Zone ausfällt, gibt es noch eine weitere Zone, die uns im Hot-Standby-Modus immer zur Verfügung steht.“ Welche Zone zu verwenden ist, wird durch Lichtzeichen an der Decke der Redaktionsräume angezeigt. „Diese gewollte Havarie-Einrichtung ist eine exzeptionell gute Lösung, die das Projektteam um Wolfgang Kuhlmann gemeinsam mit Quantel entwickelt hat“, so Grommes, „denn die ‚Tagesschau’ kann sich keinerlei Unsicherheiten leisten.“
Aus diesem Grunde sind die Sendungen bei ARD-aktuell sukzessive auf die Produktionsweise mit dem Quantel-System umgestellt worden. Als erste Nachrichtensendungen direkt vom Server gesendet wurden die kurzen „Tagesschau“-Ausgaben für das Mittagsmagazin und „Eins Extra“. Danach folgten das „Nachtmagazin“ sowie die „Tagesschau“-Ausgaben in der Nacht und für das Morgenmagazin. Bevor schließlich die Umstellung des renommierten Flagschiffs „Tagesschau“ sowie der „Tagesthemen“ auf die serverbasierte Nachrichtenproduktion erfolgte, wurde das ganze System einem Härtetest unterzogen. „Wir haben es mehrfach unter Voll-Last laufen lassen, indem wir höchste Belastungen simuliert haben“, erläutert Gniffke. „Erst danach haben wir das System akzeptiert, denn Quantel hat diese Tests mit Bravour bestanden.“

Problemlose Umstellung auf HD
Technisch ist es mit diesem System sogar möglich, im laufenden Betrieb auf die Produktion in HD umzustellen, die bei ARD-aktuell bereits auf der Agenda steht. „System-technisch wird es damit keine Probleme geben“, versichert Grommes. Ins Gewicht falle dabei eher die Zulieferung der Qualität, da eine Produktion in HD die Ausstattung mit entsprechenden Kameras voraussetze. „In dieser Hinsicht besteht sowohl bei den öffentlich-rechtlichen als auch bei den privaten Sendern ein erheblicher Investitionsbedarf“, weiß Grommes. „Unser Vorteil bei ARD-aktuell ist, dass wir nur Studiokameras benötigen und keine Teams für Außendrehs damit ausstatten müssen.“
Bereits im Sommer 2007 ist bei ARD-aktuell die Umstellung auf 16:9 erfolgt. „Damit sind wir schon jetzt sowohl auf dem deutschen Markt als auch europaweit ein einsamer Vorreiter“, sagt Buck, „denn die meisten Bilder aus der Eurovision werden nach wie vor in 4:3 gesendet. Mit der Quantel-Technik haben wir die Möglichkeit, alles in 16:9-Fenstern zu sehen. Von unseren Arbeitsmitteln her sind wir optimal auf diese neuen Anforderungen eingestellt.“

Multimediale Nachrichten-Verwertung
„Das Entscheidende beim Einsatz einer neuen Technologie ist, dass diese stabil läuft, um die Mitarbeiter von einer neuen Art des Arbeitens zu überzeugen“, bilanziert der Chefredakteur nach den ersten vier Wochen komplett serverbasierter Nachrichtenproduktion bei ARD-aktuell. „Natürlich verfügen wir nach vier Wochen noch nicht über die gleichen Routinen wie in den 55 Jahren vorher in der Film- und Bandwelt. Aber Quantel hat es verstanden, eine intuitiv bedienbare Oberfläche abzubilden, die bei uns in der Redaktion sehr schnell auf Akzeptanz gestoßen ist.“
Die Umstellung der gesamten Nachrichtenproduktion von einer bandgestützten Lösung auf eine serverbasierte Architektur besitze für ARD-aktuell geradezu geschichtliche Bedeutung. „Die eigentliche Sensation ist, dass dieses System sicher läuft“, resümiert Grommes, „denn es ist in seiner Server-Architektur in Deutschland einmalig.“ Durch die vernetzte Arbeitsweise von Redaktion und Produktion besitze ARD-aktuell einen deutlichen Vorsprung, da sich jetzt viele Zusatzprodukte ohne großen Aufwand herstellen ließen. Die Grundphilosophie bei ARD-aktuell lautet: „Einmal produzieren und mehrfach ausspielen“. „Wir möchten den heutigen Fernsehzuschauer mit unserer Marke auch erreichen, wenn er sich woanders bewegt – im Netz, auf dem Handy oder unterwegs mit seinem Laptop. Unser Prinzip ist, mit der ‚Tagesschau’ dort präsent zu sein, wo der Nutzer einen Vorteil davon hat. Mit dem System von Quantel sind wir jetzt dafür gerüstet.“
Birgit Heidsiek (MB 04/08)




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