Cookie Consent by TermsFeed
      business-news
      mebucom
                
Fiktionsserien: Aktueller Stand und Trends

Fiktionsserien: Aktueller Stand und Trends

Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle hat eine neue Studie zu europäischen High-End-Fernsehserien* veröffentlicht. Zu sehen ist, dass vor allem SVoD-Akteure wie Netlix den Markt beleben und eine Verlagerung von Fernsehfilmen hin zu Serien stattfindet. Eine Übersicht aller wichtigen Erkenntnisse.

Aufwärtstrend mit Budgetfolgen

Die Produktion von High-End-Serien weist einen Aufwärtstrend auf, der einerseits durch die Investitionen der reinen SVoD-Akteure, vor allem Netflix, in Fernsehfiktion, aber auch durch eine Verlagerung von Investitionen der Rundfunkveranstalter von Fernsehfilmen hin zu Serien - ein Schritt, um das Publikum stärker an sich zu binden - angetrieben wird. Die vorliegenden Zahlen deuten darauf hin, dass nur eine begrenzte Anzahl an Projekten mit deutlich höheren Budgets, die mit dem durchschnittlichen Budget eines europäischen Films vergleichbar sind oder darüber liegen, ausgestattet ist. Tatsächlich stellt der Bericht für eine Auswahl erfolgreicher europäischer Serien ein um durchschnittlich etwa 30 % höheres Budget fest.

Das Vereinigte Königreich spielt sowohl bei der Produktion als auch bei der Verwertung hochwertiger Fernsehserien in vielerlei Hinsicht eine Schlüsselrolle. Für den Zeitraum 2015-2018 (also vor dem Verlassen der EU) war das Vereinigte Königreich der führende Produzent (nach Anzahl der Staffeln, Folgen und Stunden) und sowohl für transaktionales Video-on-Demand (TVoD) als auch für Abonnenten-Video-on-Demand (SVoD) der Hauptexporteur innerhalb der Europäischen Union. Im gleichen Zeitraum war das Vereinigte Königreich mit einem beeindruckenden Anteil von 67 % aller Fernsehserien, die bei außereuropäischen SVoD-Diensten verfügbar waren, auch der wichtigste europäische Exporteur in Gebiete außerhalb Europas.

Gegensätzliche Modelle in Europa

Europäische Rundfunkveranstalter (die häufig auf dem SVoD-Markt tätig sind) stehen einerseits in Konkurrenz mit globalen Akteuren und ihrer Investitionskraft und andererseits unter Druck auf ihre Einnahmen und damit letztlich auf ihre Möglichkeit, in Fernsehproduktionen zu investieren. Das Paradigma der Produktion von High-End-Serien ergibt sich aus der Notwendigkeit der Rundfunkveranstalter, ihre Projekte entweder durch internationale Vorverkäufe ohne Auswirkungen auf den kreativen Inhalt (zum Beispiel Vereinigtes Königreich) oder durch Koproduktionen (zum Beispiel Frankreich, Italien, Deutschland) für Drittfinanzierung zu öffnen. Eine derartige Dynamik impliziert eine zentralere Rolle des Produzenten bei Finanzierung und Rechteverwaltung.

Gleichzeitig setzen die SVoD-Plattformen in einer Art Paradoxon auf das Modell „100% Finanzierung für 100% der Rechte“, ein Modell, das in einigen größeren europäischen Ländern vorherrschend war (und in gewissem Umfang immer noch ist). Hohe Investitionen von SVoD-Plattformen kommen insbesondere Ländern zugute, die praktisch nicht im High-End-Produktionssegment vertreten sind (zum Beipiel Spanien).

SVoD nicht der einzige wegweisende Faktor

Würde man sich bei einer Betrachtung der Entwicklung des Produktionssegments für High-End-Serien ausschließlich auf Veränderungen konzentrieren, die durch SVoD-Plattformen verursacht werden, wäre dies zu kurz gegriffen. Bei SVoD-Plattformen ist eine Vielzahl von Akteuren involviert, einerseits global, andererseits national und häufig mit Fernsehsendern verbunden. Ganz gleich, welcher Art die SVoD-Dienste sind, stellen sie immer noch einen kleinen (wenngleich wachsenden) Anteil des Produktionssegments für High-End-Serien, bringen jedoch neue Produktionsmodelle mit sich und verschärfen die Situation bei knappen Talenten und technischen Einrichtungen.

Einige Privatsender (zum Beispiel RTL, ITV, TF1, Mediaset) haben eine Strategie zur Integration von High-End-Produktionstätigkeiten entwickelt, die zwei Ziele verfolgt, nämlich sich einerseits mehr Verwertungsrechte für die künftige Nutzung auf ihren VoD-Plattformen zu sichern und andererseits ihr zentrales Geschäft teilweise auf die Produktion und Verwertung von Inhalten auszurichten, die als zukünftiger Kern der audiovisuellen Wertschöpfungskette angesehen werden.

Mehr Koproduktionen, mehr Vorfinanzierung

Koproduktionen, die oft als die richtige Strategie für Rundfunkveranstalter dargestellt werden, um mit SVoD-Plattformen zu konkurrieren, stellen nach wie vor eine kleine Minderheit bei High-End-Fiktionsprojekten dar (16 % im Jahr 2018, wobei der Anteil 2015 bei 10 % lag). In Anlehnung an ein von skandinavischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstaltern geschaffenes Muster, das zum Erfolg des „Nordic noir“-Genres geführt hat, wechseln einige Sender (zum Beispiel France Télévisions, RAI, ZDF) vom projektbezogenen Koproduktionsmodell zu Koproduktionslisten, das heißt zu einem systematischen Prozess der gemeinsamen Prüfung und Koinvestition in Projekte.

Dennoch wäre es verfrüht, daraus den Schluss zu ziehen, es gebe in Europa eine neue Struktur für die Produktion von High-End-Serien. Unter den Projekten gibt es zahlreiche Variationen. Die Akteure experimentieren, Rundfunkveranstalter und SVoD-Dienste können sowohl miteinander konkurrieren als auch kooperieren. Und die kommenden zusätzlichen SVoD-Dienste, die auf den Markt drängen, könnten die Landschaft erneut verändern.

Welche Rolle hat der Produzent?

Wozu auch immer die aktuellen Veränderungen führen mögen, die Rolle des Produzenten wird gleich mehrfach in Frage gestellt. Einerseits hat die Zunahme der Koproduktionen dem Produzenten die Möglichkeit gegeben, die Produktionsfinanzierung zu gestalten, einen Teil der Verwertungsrechte zu behalten und somit langfristig vom Erfolg der von ihm produzierten Sendung zu profitieren. Andererseits stellen die Investitionen von SVoD-Akteuren in hochwertige Fernsehserien eine neue Chance für Produktionsunternehmen dar: Unmittelbaren Gewinn zu erzielen erscheint in bestimmten Fällen attraktiver, als auf hypothetische Einnahmen in der Zukunft zu wetten. Die hundertprozentige Finanzierung bestimmter Projekte und das damit verbundene Produzentenhonorar sind jedoch nicht unbedingt eine Antwort auf die Notwendigkeit des Produzenten, die Entwicklung anderer Projekte zu finanzieren - auch solcher, die am Ende niemals produziert werden. Und die Produzenten stehen möglicherweise auch vor der Notwendigkeit, eine Brückenfinanzierung zu stellen, bevor das Projekt fertiggestellt ist.

Ein Wettbewerb um Talente?

Produzenten, Verleiher und Rundfunkveranstalter kämpfen um geistiges Eigentum ebenso wie um Talente, unter anderem Autoren, Showrunner, erfolgreiche Produzenten und Schauspieler. Die Sicherung der besten Showrunner und der wichtigsten Talente ist notwendig, um im Rennen um Inhalte zu bleiben, was auch zu einem Mangel an verfügbaren Fachkräften führt.

Die gesamte Studie können Sie hier kostenfrei herunterladen: European high-end fiction series: State of play and trends

*Kurzserien (2 bis 13 Folgen pro Staffel) für die Hauptsendezeit definiert

Zurück


Ähnliche Artikel