Gefragter Dienstleister

Weltweit bekannt ist ARRI in erster Linie für seine Film-Kameras. Aber auch die Lichttechnik spielt in der Firmengeschichte des Münchner Unternehmens schon früh eine zentrale Rolle. Heute zählt ARRI zu den führenden LED-Licht-Anbietern. und die in Berlin ansässige System Gruppe, als Teil der Business Unit Lighting, rüstet weltweit Fernseh- und Filmstudios mit Licht- und Hebetechnik aus, darunter auch das Tagesschau-Studio des NDR in Hamburg.

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Gefragter Dienstleister

Wie wichtig Licht bei ARRI ist, kann man auch daran ablesen, dass die Firma, die mit Filmproduktion und Kopiergeräten anfing die Entwicklung von Licht genauso wichtig nahm wie die von Kameras. In beiden Bereichen kamen die ersten Produkte 1924 auf den Markt. 1937 folgte die Fresnellinse und 1972 wurde die ARRISONNE 2000 W als erste Tageslichtlampe eingeführt. Erste LED-Lampen folgten 2009. 2011 wurde mit der L-Series eine Produktlinie von LED Fresnel-Scheinwerfern eingeführt, die laut ARRI mittlerweile zur bevorzugten Ausstattung von TV-Studios geworden ist.

Die LED L-Series gibt es in den drei Varianten Color, Kunstlicht und Tageslicht. Sie sind in Dimmung, Farbtemperatur und Grün/Magenta-Anpassung stufenlos regelbar. In der Color Variante ist die Farbtemperatur von 2.800K bis 10.000K stufenlos einstellbar. Zur Zeit gibt es die drei Modelle L5, L7 und L10, die sich in Lichtstärke und Linsengröße unterscheiden.

In diesem Jahr neu hinzugekommen sind die LED-Flächenleuchten ARRI SkyPanels, die es sowohl in einer Farbversion als auch in einer rein-weißen Remote Phosphor Variante als S30 mit 200W und S60 mit 400W gibt. Die Leuchten beider Serien können über einen Onboard Controller direkt an der Leuchte oder via DMX mit einem Lichtstellpult bedient werden.

Den LED-Produkten ist gemeinsam, dass sie ihre Farbtemperatur auch dann erhalten, wenn sie gedimmt werden. Im Werk werden die Leuchten einem ausgiebigen Kalibrierungsprozess unterzogen, um eine perfekte Farbwiedergabe über das komplette sichtbare Lichtspektrum zu gewährleisten. „Entscheidend ist, dass die LED-Scheinwerfer all das können, was herkömmliche Scheinwerfer auch können und noch viel mehr, denn Farbfilter haben sich erübrigt, wie auch Wechseln von Leuchtmitteln und energiefressende Dimmer“, bringt es Hans Pfleiderer, Project Manager der Berliner System Gruppe, auf den Punkt. „Das heiß, es wird kamerataugliches Licht produziert, das bei Dreharbeiten für Film- und Fernsehproduktionen benötigt wird. Das ist unser Plus als Hersteller von Kameras und Licht gegenüber jenen, die nur Licht anbieten. Der Austausch oder ‚Wissenstransfer‘ zwischen den einzelnen Abteilungen findet bei ARRI auf höchstem wissenschaftlichem Niveau statt.“

Dies macht sich gerade bei den LED-Leuchten bemerkbar, bei denen es durchaus billigere Angebote gibt. Diese sind jedoch meist nicht in der Lage, Farben richtig wiederzugeben. Das Auge nimmt dies in der Regel zwar nicht wahr, die sensitiven Sensoren der Kameras registriert dies jedoch, wodurch es zu Darstellungsfehlern kommt. Die ARRI System Gruppe ist ein gefragter Dienstleister für die weltweite Medienindustrie, was die große Flut an vielseitigen Anfragen zeigt. Die Planungsaufgaben reichen vom „Wohnzimmerstudio“ bis hin zum 2.000 qm-Atelier oder großen Veranstaltungsorten aller Art. In Europa ist es üblich, dass potentielle Auftraggeber eine lange detaillierte Planungsphase haben und sich über die existierende Technik und ihre Einsatzmöglichkeiten einen Überblick verschaffen, bevor sie eine Ausschreibung veröffentlichen. In Zentralasien und dem Mittleren Osten, von wo sehr viele Anfragen und Aufträge kommen, ist großer Handlungsbedarf und die langjährige Erfahrung und Kreativität der ARRI Sales Manager, Ingenieure und Koordinatoren ist hier stärker gefragt. Es ist notwendig, unter straffen Zeitvorgaben zu arbeiten und sich mit den jeweiligen örtlichen Begebenheiten auszukennen. Hier gibt es einen Nachholbedarf an modern eingerichteten Studios. Das bedeutet einen hohen Beratungsbedarf, wobei die Verantwortlichen verschiedene Lösungen, die ihren Anforderungen gerecht werden, abwägen können. Andere Gewerke oder Baubeteiligte werden mit kompetenten Informationen versorgt, worauf man beim Bau beziehungsweise der Einrichtung eines Studios achten sollte. Das fängt bei der Planung des Gebäudes an, dessen Decken stark genug sein müssen, um die Lasten für die Beleuchtungssysteme zu tragen und geht weiter bis zur optimalen Stromversorgung der Studios. Folgerichtig bietet die ARRI System Gruppe schlüsselfertige Lösungen an, das heißt sie übernimmt neben der technischen und konzeptionellen Beratung auch Planung, Design, Projektierung, Lieferung, Installation der Leuchten und der dazu gehörigen Bedien-, Hebe- und Befestigungstechnik. Dazu kommen die technische Abnahme und ein professionelles Training in Studiobeleuchtung, Bedienung und Wartung. Auch in Fällen, in denen ARRI nur die Technik stellt, bietet die ARRI System Gruppe ihre Expertise an.

„Als erstes müssen wir verstehen, was der Kunde möchte, denn manchmal ist es nicht das, was er anfragt. Daher ermitteln wir, was er braucht und was er sich leisten kann und in dieser Schnittmenge planen wir unsere System Lösung“ sagt Paul Flemming, Head of Project Team ARRI System Group.

Letztendlich bedient ARRI einen Markt bei dem für jedes Format wie Talkshows, Nachrichten, Soap, Magazin – mit oder ohne Zuschauer – oder fiktionale Studioproduktion ihre jeweiligen spezifischen Anforderungen bestehen, woraufhin die lichttechnische Ausstattung individuell konzipiert werden muss.

Im ARD Tagesschau-Studio in Hamburg, wo Beamer oder Monitore mit einer Farbtemperatur von um die 7.000K eingesetzt werden, ist die Anpassungsmöglichkeit der Farbtemperatur der ausschlaggebende Faktor. Um das Farbspektrum im Studio zu erhalten, ist es am besten, sich mit der Farbtemperatur des Allgemeinlichts, zum Beispiel auf den Moderatoren sowie dem Licht der Rückprojektion zu orientieren. Leuchten, die diese Anforderungen erfüllen konnten, bot zu dem Zeitpunkt als das ARD Tagesschau-Studio eingerichtet wurde, nur ARRI an. Dass LED-Leuchten im Betrieb erheblich kostengünstiger sind, als herkömmliches Licht, ist ein zusätzliches Argument, gerade wenn das Licht wie im ARD Tagesschau-Studio sieben Tage die Woche rund um die Uhr in Betrieb ist. Die Stromersparnis von LED gegenüber konventionellen Tungsten-Leuchten liegt bei circa 80 Prozent. Gleichzeitig verringern sich auch die Kosten für die Verkabelung, da kleinere Kabeldurchschnitte und kleinere Stromverteilungen ausreichen. Weiterhin verringern sich Entlüftungskosten erheblich, da die Temperaturentwicklung nur etwa ein Fünftel der von herkömmlichen Leuchten beträgt.

Die geringe Temperaturentwicklung spielt gerade bei Studios im Mittleren Osten und Afrika eine erhebliche Rolle, wo ARRI unter anderem Studios in Bahrain, Oman, den Vereinigten Emiraten, Ägypten und Kuwait ausgestattet hat. „Am Golf ist eine Kühlleistung von drei KW für ein KW Lichtleistung notwendig, weil die Außentemperatur so hoch ist“, sagt Torsten Hauer, Projektingenieur und Lichtdesigner der ARRI System Gruppe. Und Strom ist dort oft genug ein Problem, weshalb Generatoren mit eingeplant werden müssen. Gleichzeitig verweist er darauf, dass immer wieder auf die reinen Anschaffungskosten, nicht aber auf die Folgekosten geschaut wird. Dabei ist eine 1:1-Angleichung hier inzwischen erreicht. „Für ein Angebot in Kuwait haben wir das mal durchgerechnet“, sagt er. „Bei gleicher Anzahl an LED- gegenüber Tungsten-Leuchten mit den dazu nötigen Dimmern und größeren Kabelquerschnitten kommen wir auf den gleichen Anschaffungspreis, aber bei LED sind die Folgekosten günstiger.“

Um alle Faktoren schon vor der Ausschreibung zu bedenken, bietet die ARRI System Gruppe spezielle Beratungen an. „Das Erarbeiten von kundenspezifischen Lösungen und die Bedarfsermittlung vor der Ausschreibung ist sehr wichtig, besonders in Ländern wie die im Mittleren Osten“, sagt Flemming. Das gilt auch für die Einbeziehung von Kameraleuten und Beleuchtern, die mit der Einrichtung letztendlich arbeiten müssen. Etwa wie bei einem Studiobau des Ministeriums für Information in Bahrain im Herbst 2014. „Ursprünglich durch einen ausländischen Consultant konventionell geplant hat unser ARRI-Planungsteam während der Montageplanung flexibel reagiert und auf neueste LED-Technologie des Lichtsystems und der Hebegeräte umgestellt “, berichtet Hauer.

Hergestellt werden die ARRI-Leuchten in Stephanskirchen in der Nähe von Rosenheim in Handarbeit. Dort werden seit 1953 auf über 6.000 qm Produktionsfläche jährlich bis zu 50.000 Scheinwerfer gefertigt, die eine Produktpalette von 200 Modellen umfasst.

Thomas Steiger

MB 5/2015

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