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Globales Kultur-TV aus München

Globales Kultur-TV aus München

Jan Mojto hat etwas geschafft, wovon andere Film- und TV-Produzenten nur träumen. Seine Firma Unitel Classica produziert nicht nur Programme, sondern verfügt gleichzeitig über einen eigenen globalen TV-Sender, der aus ihnen Cash generiert. Es geht um audiovisuelle Produktion und Verbreitung von Klassischer Musik weltweit. MEDIEN BULLETIN sprach mit Jan Mojto über sein Geschäftsmodell, mit Ernst Buchrucker, Geschäftsleiter von Unitel, über Produktion und Technik und mit Johannes Everding, Geschäftsführer von Classica, über sein Programm- und Marketingkonzept für den Pay-TV-Sender, der bereits in 27 Ländern zu empfangen ist.

Drei Gründe nennt der internationale Filmproduzent und Rechtehändler Jan Mojto, warum ihm in seinem verzweigten Firmenimperium mit Hauptsitz in Oberhaching bei München gerade die Tochter Unitel Classica besonders am Herzen liegt. Erstens liebe er selber klassische Musik. Was aber ein schwaches Argument sei, da er auch anderes liebe, ohne es aber zu betreiben. Zweitens hält Mojto „klassische Musik für einen lebenswichtigen Bestandteil nicht nur der Kultur, sondern auch der menschlichen Existenz“. Eine interessante intellektuelle Analyse, über die sich indessen auch ein schönes Business-Modell ableiten lässt. Und so nennt Mojto als dritten Grund: „Es macht Sinn, Unitel Classica zu betreiben“. Hier spricht Mojto als Unternehmer. Wie er selber betont: „Das ist keine Liebhaberei, die ich mir leiste“. Vielmehr sei sein Bestreben darauf ausgerichtet, sowohl die audiovisuelle Produktion der klassischen Musik unter dem Label „Unitel“ als auch die Verbreitung über den Sender „Classica“ in eine solche Situation zu bringen, dass „beide Teile der Aktivitäten wirtschaftlich Sinn machen“.

Geschäftsmodell

Die Grundidee für den Produktionsarm Unitel wurde vor 50 Jahren, 1964, gemeinsam vom damaligen Filmkaufmann Leo Kirch und Dirigent Herbert von Karajan mit der Firma Cosmotel ins Leben geholt. Daraus ging 1966 Unitel hervor. Ziel war von Anfang an, wie Mojto erklärt, „außergewöhnliche Interpretationen der klassischen Musik“, die weitgehend dem mitteleuropäischen Musikkulturraum entstammt, „in bestmöglicher Ton- und Bildqualität“ aufzuzeichnen, um sie „auf allen heutigen und zukünftigen Kanälen so vielen Menschen wie möglich auf der ganzen Welt zugänglich zu machen“. Dabei gelte: „Das Beste vom Bestem ist uns gerade gut genug“. Mojto hat 2004 Unitel Classica für vergleichsweise wenig Geld aus der Insolvenzmasse von Leo Kirchs Medienimperium heraus gekauft. Sowohl als ehemaliger Stellvertreter von Kirch als auch als Klassische-Musik-Liebhaber hatte er gewusst, dass er damit einen Schatz von rund 1.000 zum großen Teil herausragenden und einmaligen Musikproduktionen erwirbt: Einen exklusiven riesigen Filmstock, für dessen Auswertung bereits Kirch den Sender Classica gegründet hatte, den er sich zu seinem 70. Geburtstag am 21. Oktober 1996 selber schenkte und ihn auf seine Pay-TV-Plattform DF1 setzte. In Deutschland kann man Classica heute über die Pay-TV-Plattformen Sky, Telekom-Entertain, Unitymedia, Kabel BW und NetCologne empfangen und weltweit über weitere 32 Plattformen.

In diesem wie im letzten Jahrhundert kann sich Unitel einer „exklusiven Zusammenarbeit mit den besten Dirigenten“ rühmen. Damals, so erinnert sich Mojto, waren es Namen wie Carlos Kleiber, Leonard Bernstein, Herbert von Karajan. Heute sind es beispielsweise Daniel Barenboim, Andris Nelsons, Christian Thielemann, deren künstlerisches Schaffen Unitel dokumentiert und weltweit verbreitet: In Partnerschaft mit Deutsche Grammophon/Universal, Decca, C-Major, Sony Classical, EuroArts und Arthaus vertreibt die Produktionsfirma Unitel ihre Produktionen via DVD, Blue Ray-Disc oder CD. Mojtos Weltvertrieb, die Beta Film-Gruppe, auch aus der Kirch-Insolvenzmasse herausgelöst, verkauft Unitel-Programme an internationale TV-Sender. Auf allen Langstrecken bietet Lufthansa sie auch als VoD an. Last but not least werden die Produktionen über den eigenen Pay-TV Sender Classica verwertet. Wobei der Spartensender Classica aktuell propere 6,8 Millionen zahlende Abonnenten in Europa, Asien und Afrika bedient.

Stars bei Classica sind unter anderem Anna Netrebko, Anne-Sophie Mutter, Elīna Garanča, Cecilia Bartoli, die Wiener Philharmoniker, die Salzburger Festspiele, die Bayerische Staatsoper, das Festspielhaus Baden-Baden oder der Wiener Musikverein, mit denen Unitel teils exklusiv zusammen arbeitet. Und auch technische Qualität hat bei Unitel Tradition. Einst, als es HD noch nicht gab, wurde in Kinofilmqualität (35mm-Film) aufgezeichnet und speziell im Ton-Bereich auch gerne noch im Studio nachgearbeitet, um perfekte Qualität zu erhalten. Heute produziert Unitel unter dem Motto „Music to watch“ ausschließlich auf HDTV und in Surround Tonqualität. Der Unitel-Filmstock ist unter Mojtos Ägide kräftig auf rund 1500 Titeln angewachsen. Unter anderem umfasst das Programmvermögen 1200 Stunden Full HD mit Surround Sound. Jährlich werden 55 bis 60 neue Produktionen und damit auch weiteres Programmvermögen für den Sender Classica geschaffen. Unitel ist mittlerweile zum größten Produzenten für klassische Musik weltweit avanciert. Allerdings: Dabei handelt es sich in der Regel um Ko-Produktionen, beispielsweise mit ZDF, 3sat, ZDFkultur, Arte, ORF, France 2, RAI oder NHK.

Produktionen von klassischer Musik seien grundsätzlich „nur langfristig, frühestens mittelfristig refinanzierbar“, weiß Mojto. Das führe dazu, dass jeder, der klassische Musik produziert, ob Sender oder Unitel, „vorhandene Ressourcen bündeln müsse, um das Produktionsdefizit, das in der Zukunft refinanziert werden muss, niedrig zu halten“. Für Unitel handele es sich um „ein langfristiges Investment“, bei dem man davon ausgehe, „dass es sich irgendwann rechne“, erklärt Mojto. Das sei wiederum für die beteiligten Sender interessant, weil sie durch die Zusammenarbeit mit Unitel den Produktionsaufwand und damit die Kosten teilen können.

Mit Classica ging Mojto erstmals 2010 in die Offensive. Er kündigte an, dass aus Classica für Liebhaber der klassischen Musik weltweit so etwas Ähnliches wie MTV für die Fans von Popmusik werden solle. Man arbeite daran, dass aus Classica in spätestens drei Jahren ein „globaler TV-Sender“ erwachse. Was denn auch gelang. Offensichtlich war die Zeit reif für diese Idee. Heute, so erklärt Mojto, stünde zum einen weltweit eine Technik unter Kostenbedingungen zur Verfügung, die einen globalen Betrieb von Classica „erstmals wirtschaftlich sinnvoll“ mache. Das sei für den Sender „entscheidend“. Zum anderen: Früher war klassische Musik ein fester Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Fernsehauftrags und des kulturellen Selbstverständnisses der Free-TV-Sender auf der ganzen Welt. Im Zuge der Entwicklung – „was auch immer da passiert“, so Mojto, – gibt es mittlerweile Länder, in denen klassische Musik weder auf öffentlich-rechtlichen, noch auf privaten Free-TV-Sendern stattfindet. „Aber der Bedarf“, so stellt er fest, „ist immer noch da, und den können wir mit Classica befriedigen“. Ein sehr gutes Beispiel sei Italien. In Italien programmiert RAI als öffentlich-rechtlicher Rundfunk auf seinen drei Hauptkanälen praktisch keine klassische Musik mehr, obwohl das Publikum dafür nach wie vor existiert. Das weiß Mojto genau, weil Classica gerade auf der italienischen Plattform von Sky eine sehr hohe Stamm-Seherschaft als Kunden verbucht. Eine ähnliche Entwicklung hat er auch in vielen anderen Ländern beobachtet. In Deutschland sei es „gottlob“ noch so, dass beispielsweise das ZDF ab und zu auch noch klassische Musik im Hauptprogramm zeigt, wenn auch nicht in der Prime-Time. Auch beispielsweise 3Sat, Arte oder dritte Programme wie der Bayerische Rundfunk (BR) bringen mitunter klassische Musik.

Produktion und Technik

Beispiel: Odeonsplatz München, 6. Juli 2014, 20:15 Uhr. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Chefdirigent Mariss Jansons spielt Open-Air in der wunderschönen Kulisse unter einem dramatischen Himmel auf. Es wird eine „Russische Nacht“ mit Werken von Tschaikowski, Schostakowitsch und Rimski-Korsakov und dem berühmten russischen Balalaika-Ensemble, das Terem-Quartet, als Gast. Der BR produziert und sendet live, was in Deutschland immerhin auch 460.000 Fernsehhaushalte einschalten werden. Unitel ist Ko-Produzent. Es ist eine von 70 Live-Produktionen, die Unitel-Geschäftsleiter Ernst Buchrucker in diesem Jahr „auf der Uhr hat“. Technisch verantwortet Unitel die Übernahme und die Aufbereitung des Signals für internationale Partner, einem russischen Sender und eben auch für Classica, wo die Russische Nacht allerdings live zeitversetzt ausgestrahlt wird. Für das digitale Playout und die Auslieferung bei Classica ist wie immer SES als technischer Partner tätig sowie die SES-Tochter Virtual Planet bei der Live-Abwicklung.

Die Senderabwicklung für Classica in den 26 verschiedenen Ländern „passiert bei uns im Haus“, erklärt Buchrucker. Obwohl er vor zehn Jahren eigentlich als Jurist für das Rechte-Business zu Mojtos Unternehmensgruppe stieß, hat er sich peu à peu mit der Unitel-Produktionstechnik und ebenso mit dem Aufbau von Classica als Global-TV vertraut gemacht. „Das ganze Set, das wir aufgesetzt haben, um Classica in 26 Ländern zu übertragen, ist von uns selber als Modell entwickelt worden“, berichtet Buchrucker nicht ohne Stolz, zumal es sich um eine „technisch hoch komplexe Angelegenheit“ handele. Man habe sich selber technisch durchbeißen müssen, weil die Lösungen, „die uns von Spezialisten angeboten wurden, für uns als Nischensender nicht funktioniert hätten, weil sie zu teuer gewesen wären“. So viel verrät Buchrucker dazu: „Wir haben ein internationales Signal, das auch die Classica-Zuschauer in Deutschland empfangen. Das geht von München raus in 25 Länder. Und in Italien und Japan gibt es eigenständige Playouts“. Rund um den Globus müssen dabei für Classica wie für internationale Senderpartner beispielsweise verschiedenste HD-Standards und ihre fehlerfreie Wandlung berücksichtigt werden, weil mal in 1080/60i und mal in 1080/50i ausgestrahlt werde. Unitel hat für sich mit Apple ProRes HQ und alternativ DnxHD 185 X einen sehr hohen Bild-Aufzeichnungsstandard als Minimum festgelegt, „womit wir bereits viele Partner – inklusive den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – oftmals vor technischen Herausforderungen stellen, da deren Systeme auf niedrigere Codes ausgelegt sind“.

Vom Aufwand, den der BR in der Produktion am Odeonsplatz betreibt, ist Buchrucker begeistert. 12 Kameras sind im Einsatz, Steadycam, verschiedene Kräne für die Vogelperspektive und dynamische Bildbewegung. All das wurde schon bei der Generalprobe minutiös unter sich wandelnden Lichtverhältnissen geprobt. Wie bei allen Produktionen, an denen Unitel beteiligt ist, ist eine „kleine spezialisierte Gemeinde von Kameraleuten und Regisseuren“ am Werk, wobei Buchrucker im Fall Odeonsplatz insbesondere den routinierten Regisseur Michael Bayer hervorhebt, der sich im Bereich der Klassischen Musik weltweit einen Namen gemacht hat. Nicht nur vom Orchester, sondern auch vom Team im Ü-Wagen wird die Partitur gelesen. Man weiß genau, wann etwa die dritte Geige, der Dirigent oder ein Bläser ins Bild zu setzen ist und wann man Zeit für einen Schwenk auf die Kulisse hat. „Weltweit gibt es vielleicht noch fünf Produktionen klassischer Musik im Jahr, für die ein solcher Aufwand betrieben wird“, sagt Buchrucker. Generell versuche Unitel drei Abende aufzuzeichnen, um Möglichkeiten zum Schneiden zu haben. Dabei sei eine Open Air Produktion im Vergleich zu einer Übertragung aus einem geschlossenen Bühnenraum oder Konzertsaal besonders anspruchsvoll, weil es vor allem wegen der sich verändernden Lichtverhältnisse auch in der Postproduktion praktisch keine Möglichkeiten gebe, kleine Fehler mit Material aus der Generalprobe oder einer Aufzeichnung eines anderen Abends zu ersetzen.

Noch wichtiger als das Bild ist für Unitel der Ton. Das hängt schlicht damit zusammen, dass die Künstler, mit denen Unitel Classica weltweit in Sachen klassischer Musik zusammenarbeitet, genau das fordern. „Es geht um ein extremes Vertrauensverhältnis“, sagt Buchrucker: „Wir wissen auch, welche Künstler mit welchem Tonmeister am liebsten arbeiten“. Auch für den Ton hat Buchrucker technisch einen hohen Standard als Minimum festgelegt: „Immer eine Multitrackaufnahme mit mindestens 48 Kilohertz, aber wir versuchen inzwischen 96 Kilohertz durchzusetzen, was nicht immer geht“.

Buchrucker hat die „Zukunftssicherung“ der Produktionsqualität für den Filmstock im Visier, weshalb er für einen höchstmögliches technisches Level kämpft. Deshalb wird sich mitunter auch Zeit für langwierige Mikrofonproben genommen, um herauszufinden, welches Mikro für den Künstler am besten passt. So ist es Teil der Unitel-Expertise an jedem Ort der Welt nicht nur die richtigen Bild- sondern auch Ton-Spezialisten zusammen zu holen. Als das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks vor einigen Monaten auf einer Tour durch Nordamerika im Teatro Colón in Buenos Aries gastierte und der BR Unitel mit der Aufzeichnung beauftragte, hat man den BR-Tonmeister nach Argentinien geholt, weil der natürlich die Ansprüche des Dirigenten Jansons und seines Orchesters am besten kennt. Weil es trotz des „unglaublich historisch schönen Opernhaus“ in Buenos Aries in Argentinien nur noch wenige Kamera- und Tonleute gibt, die versiert im Bereich der klassischen Musik sind, hat man eine entsprechende Crew aus Deutschland mitgebracht. Und trotz allerlei Umständlichkeiten wurde auch technisches Equipment aus Deutschland eingeschleust, weil das, was vor Ort vorhanden war, „unseren Qualitätsansprüchen nicht genügte“. Um einen geeigneten Ü-Wagen aufzutreiben, ist man bei einer spanischen Firma fündig geworden, die für Fußball und Formel 1 einen Ü-Wagen stationiert hatte.

Der hohe technische Anspruch bei den Live-Aufzeichnungen samt den Proben ist Voraussetzung, um dem höchsten Qualitätsanspruch in der Postproduktion gerecht zu werden. Schließlich sollen Produktionen von erstklassigen klassischen Musik-Events über Jahre und Jahrzehnte quasi in aller Ewigkeit für einen ansteigenden Wert des wachsenden Filmstocks auch für künftige Auswertungswege sorgen. Mal wird in der Postproduktion ein Hüsterchen aus dem Publikum weggeputzt. Mal wird ein Arien-Ton – es könnte beispielsweise das berühmte hohe F bei „Die Nacht der Königin“ sein, der live etwas danebengegangen war – durch die Aufnahme bei der Generalprobe ersetzt. Es herrscht bei der Postproduktion „ein Ping Pong zwischen Video- und Tonleuten“, sagt Buchrucker. Wobei die Tonleute die Gerüstvorgabe geben. Darauf werden die Bilder geschnitten.

Weil es immer auch um die Zukunftssicherheit des eingefangenen Bild- und Tonmaterial geht, hat Unitel Ende Mai in Berlin auch schon die erste Produktion in 4k aufgezeichnet – was etwas untypisch im sonstigen klassischen Musikprogramm ein Konzert von Max Raabe war. Im Moment sei es aber noch schwierig, meint Buchrucker, zu beurteilen, wann ein regelmäßiger Einsatz von 4k sinnvoll sei, zumal die Senderpartner – außer in Korea – das Thema noch gar nicht anfassen würden. Außerdem sind seiner Auffassung nach die technischen Standards für 4k noch nicht definiert. Derweil hat er sich mit seinem Team in Japan bereits zu NHKs Super High Vision 8k schlau gemacht. Schließlich gehört auch NHK zu den Unitel-Partnern. Grundsätzlich, so betont Buchrucker: „Wir sind gerne Sparringspartner für technische Innovationen“.

Wieviel Leute sind denn nun bei Unitel Classica beschäftigt? Es sind tatsächlich nur 17 Mitarbeiter, allerdings sei man in der Beta Filmgruppe eingebunden, „sonst wären wir sicher mehr“. Bei einer Produktion wie am Odeonsplatz , so schätzt Buchrucker, waren sicher 150 Leute tätig.

Programm und Marketing

Nachdem Unitel-Produzent Buchrucker den hauseigenen Verwertungskanal Classica in den letzten Jahren mehr oder weniger nebenbei aber mit Erfolg betreut hat, ihn immerhin zu einem Global-TV auf den drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika aufbaute, hat Classica mit Johannes Everding seit Anfang des Jahres eine eigene Geschäftsleitung und ein neues Gesicht erhalten. Der Sohn des berühmten 1999 verstorbenen Generalintendanten, Opernregisseurs und Kulturmanagers Professor August Everding hat zwar die Leidenschaft für klassische Musik schon in die Wiege gelegt bekommen. Doch war er bisher in diesem Metier beruflich noch nicht tätig. Wie allerdings Sparten- und Pay-TV funktioniert, hat er acht Jahre lang zuerst bei Discovery Communications Deutschland und dann bei Spiegel Geschichte und Spiegel TV Wissen in verantwortlichen Positionen gelernt. Seine Aufgabe ist nun, die Verbreitung und Entwicklung von Classica weltweit noch weiter voran zu treiben. Im Mai ist er zunächst mit einem Relaunch vorgeprescht: Neues Design, neue Programmierung, neue Programmformate. Dabei will Everding auch die Kommunikation optimieren, insbesondere auch im Internet.

Everding will die Marke Classica stärken, indem er den Zuschauern „mehr Orientierungspunkte“ gibt und damit gleichzeitig das breite Programmspektrum und seine besondere Qualität sichtbar macht. Dabei hat er sich für eine Event-Programmierung entschieden. Jeden Donnerstag gibt es beispielsweise das Must See-Event „On Stage“, und er setzt insbesondere auch auf die Fortsetzung von Live-Übertragungen von internationalen Opernhäusern und Konzerten, wovon es 2013 bereits 17 gab. „Live zeigt“, so Everding, „dass wir etwas Besonderes bieten können, etwas, was uns von allen anderen Sendern unterscheidet, die Programm nur einkaufen können“. Mit „missionarischer Leidenschaft, die nicht aus dem Geschäft heraus kommt“, will er „der Hochkultur mehr Raum geben“. Gleichzeitig weiß er auch: „Leidenschaft und Geschäft sind nicht voneinander zu trennen“.

Seine nächsten Ziele? Everding: „Was wir sind, müssen wir allen anderen auch bewusst machen: dass Classica die beste Marke für die audiovisuelle Darstellung klassischer Musik ist. Ein Sender steht nie still. Es gibt immer bessere Programmierungen, bessere Slots. Wir wollen nicht reaktiv, sondern voraus denkend arbeiten. Wir haben den ersten Schritt hin zu sozialen Medien getätigt, um uns auch darüber weiter zu verbreiten, noch mehr Menschen zu erreichen“. Vor allem hat Everding vor, noch ein paar zusätzliche Flächen in Europa und dann auch Amerika mit Classica zu beglücken. Schließlich gebe es in den USA und Canada viele gute und starke Philharmonie-Orchester wie auch in Südamerika, gewachsen durch die spanisch portugiesische Geschichte. „Da müssen wir hin“.

Starke Zielgruppe

Als ein gutes, rentables Geschäft möchte Jan Mojto den Pay-TV-Sender Classica noch nicht bezeichnen. „Wir sind nahe an der Wirtschaftlichkeit“, sagt er trocken. Lässt sich seiner Meinung nach die Erfüllung des Produzententraums, Produktion und Sender als Auswertungsquelle auf einmal zu haben, auch auf andere TV-Programme übertragen? „Klassische Musik ist ein besonderes Feld, meint Mojto, „weil man praktisch ohne Sprache auskommt“. Selbst eine italienisch gesungene Oper muss nicht unbedingt übersetzt werden. „Klassische Musik ist ein universelles Produkt“. Wichtiger noch für das Classica-Geschäft ist die besondere Kernzielgruppe. „Der Hardcore der Klassik-Liebhaber sind Leute, die interessiert sind und mit denen man fest rechnen kann“. Weltweit, offenbar.

Erika Butzek

© Markus Schlaf

MB 5/2014

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