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Höchste Steigerungsraten im Gamesmarkt

Höchste Steigerungsraten im Gamesmarkt

Der Spielemarkt gewinnt im Diversifikationsgeschäft der ProSiebenSat.1 Group zunehmend an Bedeutung. Bereits vor gut zwei Jahren wurde deshalb unter dem Dach von SevenOne Intermedia, dem Multimedia-Unternehmen von ProSiebenSat.1, eine eigene Geschäftseinheit „Games“ installiert. Sie ist mittlerweile nicht nur im Bereich Onlinespiele-Portale aktiv, sondern auch im Bereich der PC-, Konsolen- und Mobile-Spiele. Mit SevenGames.com und dem IPTV-Format SevenGames TV wurde zudem die Internationalisierung des Games-Geschäfts eingeleitet.

Das Games-Geschäft boomt. Ob Computer-, Video-, Online- oder Mobile-Spiele – Games gelten heute als Wachstumstreiber in vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik. Gerade die jungen Zielgruppen investieren viel Zeit in Spiele – Zeit, die für den klassischen Medien-Konsum verloren geht. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Games-Markt insbesondere für TV-Veranstalter zunehmend an Bedeutung. Das wurde auch auf der erstmals in München veranstalteten Publikums- und Kongress-Veranstaltung „Munich Gaming“ (5. bis 8. April) deutlich.
Marcus Englert (Foto), Vorstand Neue Medien und Diversifikation von ProSiebenSat.1 sowie Geschäftsführer von SevenOne Intermedia, dem Multimedia-Unternehmen der Sendergruppe, machte auf dem Games Summit der Veranstaltung klar, wohin der Weg geht. „Mit unseren Marken und Inhalten müssen wir als Medienhaus auch im Gaming-Bereich vertreten sein“, betonte er. „Wir müssen den TV- in den Games-Bereich hinein verlängern. Nur so können wir den Verlust einer wichtigen Zielgruppe verhindern.“
Die Zeichen der Zeit hat man bei ProSiebenSat.1 schon frühzeitig erkannt. Seit Jahren ist die Sendergruppe eine Games-affine Größe in der TV-Landschaft, zu der Gamespublisher und Konsolenhersteller die Kooperation suchen. Und auch beim Publikum kamen die ProSiebenSat.1-Spieleangebote bislang gut an. Vor rund zwei Jahren wurde deshalb eine Games Unit als eigener Geschäftsbereich gegründet, in der alle Games-Aktivitäten der ProSiebenSat.1-Gruppe gebündelt wurden. Der Umsatz lag 2007 laut Englert bereits im oberen einstelligen Millionen Euro-Bereich „Und wir rechen in den nächsten Jahren mit weiteren sehr hohen Zuwachsraten“, erklärte er. Er ist davon überzeugt, das sich das Games-Engagement nicht nur format- und markenstrategisch rechnet, sondern auch finanziell.
Mit Marc Wardenga hat sich ProSiebenSat.1 im Sommer 2007 einen ausgewiesenen Experten für den Spielemarkt ins Haus geholt. Seit Februar 2008 zeichnet er nun als Leiter der Games-Unit verantwortlich. Er soll die Entwicklung und Vermarktung Plattform übergreifender Gamesprojekte für Online, PC und Konsole, das In-Game-Advertising und die Erweiterung des Spiele-Portfolios um die digitale Distribution von Vollpreisspielen vorantreiben. Wardenga fühlt sich da richtig in seinem Element. „Ich bin seit 22 Jahren im Games-Geschäft. Ich kann nur Games und nichts anderes“, sagt er von sich. Seine Aufgaben machen indes auch klar, wie vielfältig die Games-Aktivitäten von ProSiebenSat.1 mittlerweile sind.

Online-Portale
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Online-Portale. Sie verzeichnen auch die höchsten Zuwachsraten. Die beiden Gamesplattformen SevenGames.de und Sat.1Spiele.de erreichen derzeit durchschnittlich zwei Millionen Unique User und haben rund 1.000 Spiele in ihrem Angebot. Als Portal ging Sat.1Spiele.de im Herbst 2006 an den Start, SevenGames.de im Februar 2007. Sat.1Spiele.de richtet sich schwerpunktmäßig an die so genannten Casual-Gamer (Gelegenheitsspieler) und SevenGames.de an die engagierteren Browser-Spieler und MMOGs (Massive-Multiplayer-Online-Gamer).
Neben eigenen Spielen sind auf den beiden Portalen vor allem Spiele von Partnerunternehmen präsent. Sie können entweder einzeln oder aber per Spiele-Abonnement gekauft und heruntergeladen werden. Auch kostenfreie Spiele werden angeboten.
Seit Sommer 2007 werden in Partnerschaft mit Metaboli Download-Spiele in zwei Geschäftsvarianten angeboten. Die erste zielt auf „Game-on-Demand“ (Kaufen und Downloaden) und die zweite auf den Abschluss eines Spiele-Abonnement ab. Man zahlt im Monat einen Betrag zwischen 9,90 Euro und 19,90 Euro und kann dafür auf eine bestimmte Anzahl Spiele im Monat zugreifen. Das funktioniert per Streaming-Technologie. Ist ein Teil geladen, kann man schon losspielen.
Laut Wardenga ist die Akzeptanz sehr gut. Konkrete Download- oder Abo-Zahlen will er aber nicht nennen. „Validierte Zahlen und Entwicklungsprognosen können wir erst nach einem Jahr bieten“, meint er.

Games-Publisher
Bei den Online-Games ist ProSiebenSat.1 längst nicht stehen geblieben. „Wir möchten unsere bestehenden TV-Marken auf allen Multimedia-Plattformen ausrollen und zwar nicht nur im Online-, sondern auch im PC- und Konsolen-Spiele-Bereich mit Plattformen wie Nintendo DS und Nintendo Wii. Nicht umsonst sind wir seit Anfang 2008 offizieller Nintendo-Publisher. Und da wird sich in den nächsten Monaten auch noch einiges tun“, verspricht Wardenga.
Mit dem von Bigpoint für SevenOne Intermedia entwickelten Multiplayer-Game „Popstars – The Game“ ist ProSiebenSat.1 2006 erstmals als so genannter Games-Publisher in Erscheinung getreten. Mit diesem Browsergame konnte das TV-Format laut Englert „optimal in den Spielebereich hinein verlängert werden“. Das klappte in der Folge auch bei weiteren TV-Formaten.
Als offizieller Games-Publisher für Nintendo kann ProSiebenSat.1 nun auch eigene PC- und Konsolenspiele für die TV-Formate der Sendefamilie entwickeln und vermarkten. Als erstes Produkt wurde Mitte März 2008 das Spiel „CLEVER – Das Spiel, das Wissen schafft“ für PC und Nintendo DS auf den Markt gebracht. Zum Start des „CLEVER“-Spiels vereinbarte SevenOne Intermedia mit der cdv Software Entertainment AG, einem Full-Service-Dienstleister für den Spielebereich, eine weltweite Vertriebskooperation. Die Lizenz zu „CLEVER“ hatte SevenOne Intermedia zuvor von MM MerchandisingMedia, dem Licensing-Unternehmen der ProSiebenSat.1 Group, erworben.
„Die Positionierung als Publisher ist ein weiterer wichtiger Schritt für unsere Diversifikationsstrategie. Mit unseren starken TV-Marken und deren interaktiven Umsetzungen möchten wir insbesondere unsere Zielgruppen auch auf Konsolen erreichen, die die Content-Marken so noch stärker verankern. Das Wachstum in Deutschland hält ungebrochen an, daran wollen wir partizipieren“, sagte Englert auf der Munich Gaming-Veranstaltung.
Und Wardenga erklärt: „Als Gamespublisher konnte ProSiebenSat.1 bislang immer nur vorhandene Lizenzen an andere Publisher verkaufen. Wir setzen hier nun etwas früher in der Wertschöpfungskette an. Sprich, wir erwerben selber die Lizenz hausintern, machen dann die Auftragsentwicklung und geben das Projekt dann an einen Distributionspartner ab. Das hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen erweitern wir unsere Wertschöpfungskette zum anderen haben wir auch die volle Kontrolle über die Qualität des Produktes.“ Der Anteil an Eigenentwicklungen sei momentan allerdings noch sehr niedrig. „Er liegt bei zirka 10 Prozent, soll aber auf 30 Prozent erweitert werden“, sagt Wardenga.
Beim Ausbau des Games-Geschäfts setzt ProSiebenSat.1 auf Kooperationen. „Wir können natürlich nicht alles mit Eigenmitteln bewerkstelligen. Dafür haben wir nicht die Kapazitäten“, meint der Games Unit-Chef. Ein gesunder Mix aus Eigenentwicklungen und Partnerschaften sei die richtige Lösung. Eine eigene Entwicklungsabteilung wolle man indes nicht aufbauen. „Es gibt in Deutschland phantastische Entwickler-Ressourcen und durch meine langjährige Kenntnis des Marktes ist es hier leicht, zuverlässige Entwickler zu finden. Wir sind da allen Kooperationen gegenüber offen“, betont er.

Internationalisierung
ProSiebenSat.1 will nicht nur in Deutschland, sondern auch international am Games-Boom partizipieren. Aus diesem Grund startete man im Dezember 2007 mit SevenGames.com eine englischsprachige Version des deutschen Games-Portals. Muttersprachliche Versionen sind vor wenigen Tagen in Norwegen und Schweden gestartet. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen dann acht weitere Länder-Versionen von SevenGames in Europa installiert werden. „Wenn man Portale in der jeweiligen Landessprache anbietet, hat man rund 500 Prozent mehr Registrierungen“, erklärt Wardenga.
Die Internationalisierung im Games-Geschäft hat ProSiebenSat.1 auch mit seinem im Herbst 2007 gestarteten SevenGames TV im Fokus. Seit Februar gibt es die kostenlose Internet-Show zum Thema Games auch als internationale Version in englischsprachiger Sprache. Geplant ist, SevenGames TV auch in verschiedenen europäischen Ländern mit muttersprachlichen Untertiteln auszustrahlen. SevenGames TV läuft laut Wardenga bislang recht erfolgreich. Allein im Januar 2008 wurde die Sendung über 150.000 Mal abgerufen. „Wir bewegen uns auf dem Niveau von Ehrensenf, dem meist geschauten Web-TV-Angebot. Darauf sind wir schon sehr stolz“, berichtet der Games Unit-Chef.
Er ist überzeugt davon, dass das Spiele-Thema in den nächsten Jahren für deutliche Umsatzzuwächse in der ProSiebenSat.1 Group sorgen wird. „Wir wachsen dieses Jahr im Games-Bereich im dreistelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahr. Das liegt insbesondere daran, dass wir innerhalb von SevenOne Intermedia eine sehr enge Verknüpfung der einzelnen Plattformen haben, aber auch eine sehr enge Anbindung an die TV-Sender und die Vermarkter, so dass hier alle Zahnräder einer Kampagne beim Ausrollen eines Formats optimal ineinander greifen“, betont er. Bestes Beispiel dafür sei „Germany´s next Topmodel“. Wardenga: „Da kann man zunächst mal die TV-Sendung sehen. Wer sie verpasst hat, kann sie später kostenfrei auf ProSieben.de ansehen. Und man kann „Germany’s next Topmodel“ auf Nintendo DS oder auch auf dem Handy spielen. Der Fan kann also jeder Zeit und überall sein Topmodel erleben.“

In-Game-Advertising
Hohe Zuwächse erwartet ProSiebenSat.1 im Games-Bereich auch durch den stetigen Ausbau des Angebots. „Wir werden jetzt ab 1. Juni das Thema Olympia in Form eines Browser-Games präsentieren“, verspricht Wardenga. Jede Woche soll es dann eine neue Sportart geben, free-to-play. „Durch aktuelle, attraktive Angebote werden wir hier noch eine erhebliche Reichweiten- und User-Steigerung erleben“, ist sich Wardenga sicher. Mit den Free-to-play-Angeboten mache man dabei neuen Besuchern der ProSiebenSat.1-Plattformen den Games-Einstieg leicht. „Diese Spiele sind dann meist werbefinanziert. Hier greift das Thema In-Game-Advertising“, berichtet Wardenga. Gerade bei Sport-Events wie Ski- und Rad-Challenge oder den Olympischen Spielen ist die virtuelle Bandenwerbung sehr willkommen. „Da wird die Werbung glaubhaft in ein Spiel integriert“, meint Wardenga. Die Vermarktung von In-Game-Advertising erfolgt über den ProSiebenSat.1-Vermarkter SevenOne Interactive.
Wardenga räumt ein: „Wir sind zwar im Bereich In-Game-Advertising schon sehr erfolgreich unterwegs. Manche Markenartikler tun sich aber mit einem Engagement immer noch schwer, weil es erst relativ wenige Marktzahlen gibt. Das Ganze steht halt noch am Anfang.“ Insbesondere bei Sportspielen und Autorennen sei In-Game-Advertising für die Werbewirtschaft aber schon heute eine sehr attraktive zusätzliche Werbeform.
Der Games Unit-Leiter betont: „Bei SevenOne Intermedia müssen wir keine so steile Lernkurve hinlegen wie bei anderen Sendern. Durch die Kompetenz, die hier im Hause ist, können wir Dinge schneller bewerkstelligen als unsere Mitbewerber.“ Nicht zuletzt auch deshalb sei der Bereich Games einer der größten Wachstumsfelder im Diversifikationsgeschäft von ProSiebenSat.1 in den nächsten drei bis fünf Jahren.
Diversifikations-Vorstand Englert sieht das genauso. Beim Gaming-Engagement der TV-Gruppe setzt er dabei auf ein möglichst sicheres Spiel. „Unsere Erfahrung zeigt: Je bekannter und beliebter ein TV-Format ist, desto besser lässt es sich in den Gamesbereich hinein verlängern, da der Wiedererkennungswert bei den Zuschauern entsprechend hoch ist. Aus einmaligen Filmen ein Spiel zu entwickeln, kann durchaus riskant sein. Daher konzentrieren wir uns darauf, aus den starken Marken unserer Sendergruppe erfolgreiche Games zu kreieren“, konstatierte er auf der eingangs erwähnten Munich Gaming-Veranstaltung. Eckhard Eckstein (MB 06/08)






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