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# „In 90 Prozent der Fälle unterschätzen Kunden den Produktionsbedarf"
- URL: https://mebucom.de/business/kst-moschkau-corporate-studios-automation-ip/
- Published: 2026-02-18T12:32:44.000Z
- Updated: 2026-02-18T12:32:51.000Z
- Description: KST Moschkau baut hochwertige Studios für Broadcaster und Unternehmen. Co-CEO Axel Moschkau erklärt auf den Hamburg Open 2026, warum die Nachfrage nach der Pandemie nicht abgerissen ist, welche Rolle IP-Infrastrukturen spielen und weshalb Automation der Schlüssel zum einfachen Betrieb ist.
- Author: Niklas Eckstein
- Tags: Business & Markt, Events, Axel Moschkau, Hamburg Open, KST Moschkau, #wp, #wp-post, #video, #Import 2026-06-23 12:20

Corporate Studios haben seit der Pandemie einen festen Platz in der Unternehmenskommunikation. Der akute Handlungsdruck ist zwar vorbei, doch die Nachfrage bleibt – und die Anforderungen steigen. Axel Moschkau, [Co-CEO von KST Moschkau](https://mebucom.de/job-karriere/felix-moschkau-geschaeftsfuehrer-kst/), berät und baut Studios für Unternehmen wie Bosch, RWE und DHL. Auf den Hamburg Open 2026 sprach er über typische Kundenwünsche, technologische Entwicklungen und eine Erkenntnis, die sich in fast allen Projekten bestätigt: Der tatsächliche Produktionsbedarf übersteigt die ursprüngliche Planung deutlich.

## High-End statt Entry-Level

KST Moschkau bedient ein breites Spektrum – von einfachen Webinarstudios bis zu komplexen Produktionsumgebungen in Broadcast-Qualität. Doch der Fokus hat sich verschoben. „Ehrlich gesagt ist eher unser Zielmarkt, Corporate Studios im High-End-Bereich zu bauen", erklärte Moschkau. Große Unternehmen wollen sich qualitativ hochwertig präsentieren; einfache PTZ-Lösungen aus der Pandemiezeit reichen dafür nicht mehr aus.

Was alle Kunden verbindet: die Erwartung, aus einem kleinen Studioraum heraus in die Welt kommunizieren zu können. Streaming-Fähigkeit und digitale Distribution sind der Dreh- und Angelpunkt. Hinzu kommt ein wachsendes Interesse an Remote Production – Satellitenstudios an verschiedenen Standorten, die von einer zentralen Regie aus gesteuert werden. Vorstände sollen an Town Hall Meetings teilnehmen können, ohne reisen zu müssen.

## Der Druck ist raus – die Sorgfalt zurück

Die Pandemie hat den Trend zur digitalen Kommunikation beschleunigt, aber auch zu Projekten unter hohem Zeitdruck geführt. „Manchmal waren das Halbsachen", räumte Moschkau ein. Inzwischen habe sich die Situation normalisiert. Unternehmen nähmen sich wieder mehr Zeit, gründlicher über Anforderungen und Ziele nachzudenken.

Die grundsätzlichen Treiber bleiben bestehen: interne und externe Kommunikation, Flexibilität, Unabhängigkeit von externen Dienstleistern. Doch die Qualitätsansprüche sind gestiegen. Wer heute ein Studio baut, will nicht nur funktional kommunizieren, sondern sich professionell präsentieren.

## IP als Fundament für die Zukunft

Technologisch setzt KST Moschkau konsequent auf IP-basierte Infrastrukturen. „Wir haben seit 2020 nur noch 2110-Projekte gemacht", berichtete Moschkau. SDI spiele allenfalls noch als Zwischenlösung eine Rolle, etwa zwischen Kamera und Konverter.

Der Vorteil liegt weniger im einzelnen Webinarstudio als in größeren Anlagen. Bei gebäudeweiten oder standortübergreifenden Installationen rechnet sich IP schnell: Ein Meter LWL-Kabel kostet rund 25 Cent, ein Meter hochwertiges SDI-Kabel zwischen sechs und zehn Euro, rechnet Moschkau vor: „Über Glasfaser lassen sich mitunter mehrere Signale gleichzeitig übertragen."

Für Moschkau liegt der eigentliche Vorteil jedoch in der Zukunftsfähigkeit. „Selbst wenn sich Codecs ändern, wenn sich Formate ändern, wenn sich Seitenverhältnisse ändern – über meine Netzwerkinfrastruktur kann ich alles transportieren", erklärte er. Unternehmen müssten nicht alle paar Jahre Kreuzschienen austauschen, sondern könnten auf einer stabilen Basis weiterentwickeln.

![](https://mebucom.de/content/images/wordpress/2026/02/DSC00160.jpg)

Ein nachdenklicher Axel Moschkau (li.), der die Entwicklung der Studiotechnik seit vielen Jahren aufmerksam begleitet. Das Studio auf den Hamburg Open wurde übrigens von MCI Studio Hamburg und EngineRaum realisiert.

## Virtualität, Automation, Robotik: Nur gemeinsam sinnvoll

KST Moschkau ist in drei Technologiebereichen aktiv: virtuelle Studios, Automation und Robotik. Mit dem Mantis hat das Unternehmen einen eigenen Kameraroboter entwickelt; bei virtuellen Umgebungen arbeitet es unter anderem mit Zero Density zusammen.

Die einzelnen Bausteine lassen sich zwar separat einsetzen, doch Moschkau rät davon ab. „Man verliert viel Synergieeffekte, wenn man so ein Konstrukt auseinanderreißt", betonte er. Ein virtuelles Studio ohne Automation sei im Betrieb komplex und manuell aufwändig. Erst die Kombination ermögliche das, was KST Moschkau als „Easy Operating Workflow" bezeichnet: komplexe Vorgänge mit wenigen Handgriffen steuern.

Die Erfahrung zeige zudem, dass Unternehmen, die mit einzelnen Bausteinen starten, den nächsten Entwicklungsschritt oft nur schleppend oder gar nicht vollziehen.

## Das Innovation Center als Einstieg

Viele Corporate-Kunden kommen ohne Vorwissen. „Der Vorstandsvorsitzende hat sich in den Kopf gesetzt, wir brauchen ein eigenes Studio, und beauftragt irgendjemanden, sich darum zu kümmern", beschrieb Moschkau eine typische Ausgangslage. Die beauftragten Mitarbeiter hätten häufig keine Ahnung von Studiotechnik.

Für genau diese Situation hat KST Moschkau ein Innovation Center eingerichtet. Dort können sich Interessenten zeigen lassen, was Studioproduktion bedeutet – vom Webinar bis zum High-End-Setup. Vor allem aber vermittelt das Team, wie Automation den Betrieb überhaupt erst handhabbar macht.

Eine wichtige Lektion aus früheren Projekten: Operatoren sollten nicht zu früh in komplexe Setup-Prozesse eingebunden werden. „Die haben gesagt: Oh Gott, was kommt da auf uns zu", erinnerte sich Moschkau. In der Praxis hätten dieselben Personen dank Automation dann aber kaum noch Berührungspunkte mit der technischen Komplexität.

![Messe: Hamburg Open 2026](https://mebucom.de/content/images/wordpress/2026/01/ho-2026.jpg)

Hamburg Open 2026

## Die unterschätzte Lawine

Die größte Überraschung für Kunden kommt oft erst nach der Inbetriebnahme, berichtet Moschkau: „In 90 Prozent unserer Projekte unterschätzen die Kunden den Produktionsbedarf." Was als gelegentliche Nutzung geplant war, entwickelt sich schnell zum Vollzeitbetrieb.

Das Paradebeispiel: RWE. Bei der ersten Beratung im Innovation Center hieß es, man wolle drei bis vier Produktionen im Monat machen. Drei Monate nach Inbetriebnahme waren es drei bis vier Produktionen am Tag. Nicht nur Vorstände wollten das Studio nutzen, sondern auch Bereichsleiter, der Betriebsrat und weitere Abteilungen.

„Wir versuchen, die Kunden rechtzeitig vor dieser anrollenden Lawine zu warnen", so Moschkau. Die meisten glaubten nicht daran – und lägen in 90 Prozent der Fälle daneben.

## Einfacheres Operating für weniger Fachkräfte

Den Blick in die Zukunft formulierte Moschkau pragmatisch: Die Technik im Hintergrund werde immer komplexer, das Operating müsse immer einfacher werden. Je mehr Unternehmen sich für eigene Studios entscheiden, desto weniger Fachkräfte stünden zur Verfügung.

„Wir haben jetzt schon einen Fachkräftemangel, merken wir auch selbst, wenn wir Leute einstellen wollen", räumte er ein. Für Unternehmen ohne Medienexpertise sei die Situation noch schwieriger. Die Konsequenz: Studios müssen so konzipiert sein, dass auch Nicht-Fachleute sie bedienen können. Easy Operating sei keine Option, sondern Notwendigkeit.