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Medienkonzern mit glänzender Zukunft

Medienkonzern mit glänzender Zukunft

Weltweit beschäftigt Bertelsmann, Europas größter Medienkonzern, rund 100.000 Mitarbeiter. Anlässlich des 28. Mediengipfels am 21. Oktober im Berliner Schloß Charlottenburg verriet der Herr dieses Imperiums, Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski, etwas über seine Person, über die Bertelsmann-Philosophie und vor allem, wie er die wirtschaftliche Zukunft der Medien im Internetzeitalter einschätzt.

›Die Veranstalter des Mediengipfels, Medienboard Berlin-Brandenburg und media.net berlinbrandenburg, hatten die ZDF-Moderatorin Patricia Schäfer auserkoren, Ostrowski zu befragen. Weil sie unbedingt auch etwas Persönliches von ihm erfahren wollte, soll es nicht unerwähnt bleiben. Er isst auch mal gerne eine Currywurst, die bekanntlich recht preiswert ist. Einnahme- und Gewinnkurven waren ihm dennoch schon früh in seiner Kariere bei Bertelsmann wichtig. Als er bei einem monatlichen Gehalt von 15.000 DM gefragt wurde, was sein Ziel in den kommenden fünf Jahren sei, habe er geantwortet: „Ich will mein Gehalt verdoppeln“. Klar hat es Ostrowski geschafft. Seine Fußballleidenschaft als Stürmer – er habe „ein paar Klassen höher“ als Ex-Kanzler Gerhard Schröder gespielt – habe ihn einerseits gelehrt, „immer den direkten Weg zum Tor zu suchen“. Andererseits: „Man kann nur so schnell sein, wie der Langsamste im Team mitziehen kann“.

Die Bertelsmann-Philosophie der Eigentümerfamilie Mohn beschrieb Ostrowski so: Man strebe „keinen Megakapitalismus“ an, eher einen moderaten Wachstum. Das sei auch der Grund, warum die Familie Mohn 2006 „weise“ einen Aktienrückkauf in Höhe von 4,5 Milliarden Euro angeordnet hatte. Allerdings wurde Bertelsmann deshalb damals mit Schulden in Höhe von 6,6 Milliarden Euro belastet. Den Sparkurs, den Bertelsmann daraufhin fuhr, bekam insbesondere das Fernsehgeschäft der RTL Group zu spüren, weil harsche Einschnitte bei Personal und im Programm durchgeführt wurden. Man habe aber in den letzten vier Jahren rund 5 Milliarden Euro wieder eingespart, sagte Ostrowski, der Anfang 2008 den Vorstandsvorsitz bei Bertelsmann in Gütersloh übernommen hatte.

Schon ein Jahr später, Frühling 2009, musste Ostrowski angesichts der globalen Wirtschaftskrise, die die Werbeeinnahmen im Fernseh- und Verlagsgeschäft kräftig reduzierten, das größte Kostensenkungsprogramm in der 175-jährigen Geschichte des Bertelsmann-Unternehmens auflegen. „200 Maßnahmen“ waren das, sagt er. Es hat gewirkt: Ostrowski erklärt die Krise jetzt für beendet und erwartet ein Rekordergebnis für den Konzern. Kaum eine andere Branche als die Medien“, sei „so gut aus der Krise herausgekommen“. Er prognostiziert: Bertelsmann und die Medien werden „eine glänzende Zukunft“ haben, wobei er „das Fernsehen als Leitmedium“ sieht.

Der Grund: „Fernsehwerbung ist notwendig, um Produkte penetrieren zu können“. Dem gegenüber sei nicht bekannt, „ob die Weiterentwicklung der Online-Werbung wirklich so wirkungsvoll wie die vom Fernsehen ist“. Selbstverständlich nehme man „die Chancen wahr, die die Digitalisierung“ biete. Bertelsmann betrachte die Entwicklung aber „nicht als eine Verdrängung der klassischen Medien“. Einen Anknüpfungspunkt für Aktivitäten in der digitalen Welt sieht Ostrowski darin, dass die RTL Group bereits 750 Millionen Videoabrufe registriert habe. Mit den neuen digitalen Kanälen von RTL sieht Ostrowski künftig neue Geschäftsmöglichkeiten über die digitalen Plattformen der Kabelgesellschaften. Man wolle mit den klassischen Medieninhalten „auf allen Plattformen vertreten“ sein. Deshalb sei auch eine Neudefinition des Leistungsschutz- und Urheberrecht im Rahmen der digitalen Welt von enormer Bedeutung: „Wer mit unserem Geld verdient, der muss auch Geld an uns zahlen“. Viel Freude machen Ostrowski die preiswerten Fernsehformate, mit der RTL zurzeit eine immer größere Reichweite gewinnt, wie die Castingshow „Das Supertalent“ und Doku-Soaps nach dem „Scripted-Realiy“-Prinzip. Dass mit solchen Programmen, die zuvorderst die Lust am Voyeurismus bedienen, langfristig der Publikumsgeschmack in tiefste Ebenen gezogen werden könnte, ficht Ostrowski nicht an: „Wir machen Programm, das nicht jedem gefällt“. Sowieso, das stellt Ostrowski zum Klima in Deutschland fest: „Es geht uns gut. Wohlstand. Weniger Arbeitslose. Gutes Konsumklima. Wir exportieren“. Nur „die Intellektuellen“ würden manchmal „eine andere Stimmung verbreiten“.
Erika Butzek
(MB 11/10)




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