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Modulare Lösungen für den Klimaschutz
Norbert Paquet, Head of Product Management und Live Production bei Sony Europe

Modulare Lösungen für den Klimaschutz

Kann Live-Produktion nachhaltig sein? Diese Frage versuchte Sony zuletzt in einem Whitepaper aufzuarbeiten. Im mebucom-Interview spricht Norbert Paquet jetzt über die unternehmenseigene klimaneutrale Zukunft und geht auf die branchenweiten Herausforderungen beim Klimaschutz ein.

In Sonys neuem Whitepaper zum Thema Nachhaltigkeit sagen Sie, dass eine komplette Neuausrichtung (auf dem Weg zur Klimaneutralität in der Live-Produktion) riskant und teuer ist, es aber trotzdem Lösungen gibt. Können Sie bitte die Hauptrisiken und -kosten für Sony Professional näher erläutern und wie planen Sie, das Geschäft in Zukunft umzugestalten? 

Das Whitepaper beschreibt Prozesse, durch die unsere Kunden nachhaltiger produzieren können. Die Live-Produktion ist von Natur aus unternehmenskritisch, und daher müssen wir als Lösungsanbieter sicherstellen, dass wir unseren Kunden die richtigen Tools an die Hand geben und Verfahrensweisen aufzeigen, die sowohl Nachhaltigkeitsziele erfüllen als auch die richtige Produktionsqualität liefern. Aus der Sicht von Sony müssen wir an mehreren Aspekten arbeiten. Wir müssen zum einen darauf achten, nachhaltige Materialien und Komponenten einzusetzen und mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Auch die Nutzung erneuerbarer Energien in unseren Produktionsstätten und eine optimierte Logistik gehört dazu. 

Der zweite Teil ist die Entwicklung und Bereitstellung nachhaltiger Lösungen. Als Teil des Networked Live Solutions-Ökosystems von Sony sind wir bestrebt, unseren Kunden Lösungen anzubieten, die IP- und Cloud-Technologien nutzen. Wir möchten nicht nur neue Systeme und Arbeitsabläufe entwickeln, die für mehr Effizienz sorgen. Unsere Lösungen sollen Kunden auch dabei helfen, ihre eigenen Produktionsmethoden nachhaltiger zu gestalten.  

Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Kunden mit einer realistischen wirtschaftlichen Perspektive unterstützen müssen – die wenigsten Projekte beginnen auf einer grünen Wiese. Und zu guter Letzt erfordert die Migration und Weiterentwicklung von Arbeitsabläufen zudem, dass wir Unternehmen durch Trainings und Professional Services mit den richtigen Kompetenzen schulen müssen. Nur so kann das volle Potenzial der Remote- und verteilten Produktion ausgeschöpft werden. 

Wie versucht Sony, wirtschaftliche und nachhaltige Ziele auf dem Weg zur Klimaneutralität in Einklang zu bringen?  

Wie bereits angedeutet, steht jedes Unternehmen vor anderen Herausforderungen und Möglichkeiten. Gemeinsam mit Nevion analysieren wir zunächst gemeinsam mit unseren Kunden, welche Ziele sie haben und wie wir diese in ein entsprechendes Geschäftsmodell umsetzen können.  

Natürlich stehen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit oft im Widerspruch zueinander, vor allem, wenn man sie aus einer kurzfristigen Perspektive betrachtet. Wir neigen daher dazu, diese Diskussionen unter eher strategischen und langfristigen Gesichtspunkten zu führen und stellen die Auswirkungen der Erstinvestition der TCOO (Total Cost of Ownership & Operations) gegenüber.

Wie wirken sich Produktdesign und -entwicklung im Hinblick auf die Klimaneutralität aus? 

Nun, nachhaltiges Denken und Handeln findet auf allen Ebenen unseres Unternehmens statt, von der obersten Führungsebene des Sony-Konzerns bis hin zur Entwicklung und Herstellung unserer Lösungen. Wie bereits erwähnt, achten wir bei der Entwicklung darauf, dass wir Komponenten beschaffen, die geringere Klimaauswirkungen haben. Zudem überprüfen wir unsere eigenen Zulieferer auf ihre Bemühungen zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks. Außerdem möchten wir unsere Produkte möglichst klein und leicht bauen. Die Venice 2-Kamera ist beispielsweise 40 Prozent kleiner und 20 Prozent leichter als eine F65, was direkte Auswirkungen auf Betrieb und Logistik hat. 

In dem Whitepaper "Can Live Production Be Sustainable?" wird die Remote-Produktion als einer der Schlüsselfaktoren für eine nachhaltige Zukunft beschrieben. Wie weit ist die Branche Ihrer Meinung nach schon gekommen und wo können sich die meisten Sendeanstalten noch verbessern? 

Die Remote-Produktion ist bereits da und wächst weiter. Covid war ein Beschleuniger, der einige Hindernisse aus dem Weg geräumt hat - vor allem die Überzeugung, dass Remote-Produktionen von den Produktionsteams nicht akzeptiert werden würden.  

Wir sehen auch, dass unsere Branche die Kompetenzen für die Entwicklung, Implementierung und den Betrieb von Remote-Produktionsabläufen aufbaut, was bei allen Technologien der Schlüssel für eine schnellere Akzeptanz ist.  

Auf der technologischen Seite wird die zunehmende Verfügbarkeit von IP- und anderen Konnektivitätslösungen bald durch die Einführung von 5G, das übrigens auch den Energieverbrauch im Vergleich zu bestehenden 4G/LTE-Netzwerken senkt, weiter verbessert. Und auch die Entwicklung neuer Komprimierungstechnologien wie JPEG-XS wird weitere Remote-Produktionsmodelle in Zukunft ermöglichen.  

Sie sprechen davon, dass Transport und Logistik ein wichtiger Bereich seien, wenn es um die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen in der Branche geht. Broadcaster sind dennoch in hohem Maße auf Ü-Wagen und große Teams angewiesen, vor allem bei der Produktion von Tier-1-Events, bei denen maximale Produktionssicherheit gewünscht ist. Wie kann die Branche Ihrer Meinung nach dieses Dilemma überwinden?  

Kameras werden immer vor Ort benötigt, um eine Veranstaltung zu übertragen, das ist eine Tatsache! Betrachtet man jedoch das gesamte Ökosystem einer Veranstaltungsproduktion, so lassen sich viele Dinge optimieren, insbesondere durch einen modularen Ansatz. Modular zu sein bedeutet, agiler und flexibler zu sein, nur das Nötigste vor Ort zu haben und dadurch die Logistikkosten und den CO2-Ausstoß zu reduzieren.  

Bei Großveranstaltungen kommt es darauf an, welchen Bereich man betrachtet: Bei einer multilateralen Produktion geht es um Risikomanagement. Im Zuge der technologischen Entwicklung wird in Zukunft die Konzeption und Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen entscheidend sein, um Ausfälle vorzubeugen. Was unilaterale Produktionen betrifft, so sehen wir bereits heute, dass viele Sendeanstalten bei Großereignissen auf Remote-Produktion umsteigen. 

In dem Whitepaper erwähnen Sie das Konzept der Modularität, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Wie können Broadcaster das Thema angehen, wenn sie es nicht schon getan haben? 

Jede Organisation hat ein anderes Betriebs- oder Geschäftsmodell. Es gibt keine vorgefertigte Lösung. An dieser Stelle empfehlen wir den Unternehmen, sich mit unseren Experten zu treffen. Sie verfügen über das Fachwissen, um modulare Lösungen für Medienunternehmen zu entwerfen, zu implementieren und bereitzustellen. Wir untersuchen die verschiedenen Aspekte ihres Produktionsprozesses und helfen ihnen, die richtigen Arbeitsabläufe und Systeme zusammenzustellen, um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Foto: Norbert Paquet ist Head of Product Management und Live Production bei Sony Europe

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