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Partizipatives Arbeiten

Partizipatives Arbeiten

Prof. Dr. Dr. Birgit Spanner-Ulmer zeichnet seit zwei Jahren als Direktorin Produktion und Technik beim Bayerischen Rundfunk (BR) verantwortlich. Im Fokus Ihrer Aktivitäten steht der trimediale Umbau von Produktion und Technik des öffentlich-rechtlichen Senders. MEDIEN BULLETIN sprach mit ihr über die damit verbundenen Konzepte und Strategien.

Die Technik bei Rundfunksendern ist meist Männer-Domäne in der Ingenieure der Nachrichten- und Informationstechnik den Ton angeben. Als Professorin für Arbeitswissenschaften und Expertin für Produktionsprozesse haben Sie einen ganz anderen Background. Wie reagieren die BR-Mitarbeiter darauf?

Ich bin beim BR von Beginn an herzlich und mit offenen Armen aufgenommen worden. Das hat mir den Einstieg natürlich sehr erleichtert. Ich hatte nie den Eindruck, dass jemand Vorbehalte mir gegenüber hatte. Im Gegenteil: Man hatte eher die Erwartung, dass ich mit neuen Ideen komme und an der einen oder anderen Stelle frische Impulse setzen kann. Auch von den Kollegen aus den anderen Landesrundfunkanstalten habe ich immer beste Unterstützung erhalten.

Ihr Engagement dient dem Management technischer Veränderungen, die dem BR bevorstehen. Wie ist da der Stand der Dinge?

Grundsätzlich befinden sich alle Landesrundfunkanstalten in Veränderungsprozessen. Jede hat die Aufgabe ihre individuellen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen zu betrachten. Beim BR hat der Intendant mit „BR hoch drei” im Oktober 2011 die entsprechenden Initiativen angestoßen. Natürlich kann ein solch großes Projekt der Veränderung nur gelingen, wenn auch die Mitarbeiter dahinter stehen. Daher müssen wir immer einen Blick auf den gesamten Prozess haben, also klassisches Change Management betreiben. Das heißt informieren und kommunizieren, aber auch integrieren.

Wie soll das gelingen?

In der ersten Phase von „BR hoch drei” haben wir konzeptionelle Vorschläge erarbeitet. Jetzt in der zweiten Phase wird an der Umsetzung gearbeitet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Direktionen sind involviert. In Projektgruppen haben sie die Themen entwickelt[ und der Geschäftsführung vorgestellt. Für die Mitarbeiter, die nicht in den Projektgruppen waren, gab es eine Vielzahl an Veranstaltungen, in denen informiert und kommuniziert wurde. Im Intranet gab und gibt es zu dem BR hoch drei-Prozess eine umfangreiche Berichterstattung. Es ist beispielhaft, wie beim BR das Thema Change Management aufgesetzt wurde.

Trotzdem werden nicht alle bereit sein, den Weg mitzugehen. Die Älteren haben meist wenig Interesse daran. Oder etwa nicht?

Das lässt sich natürlich nicht verallgemeinern. Menschen haben nun mal die Eigenart, neuen Dingen erst einmal abwartend zu begegnen. Viele möchten gerne möglichst konkret wissen, was der Veränderungsprozess für sie bedeutet. Das ist beim BR nicht anders als in anderen Unternehmen. Gerade das Erfahrungswissen, aber auch die Routine, die ältere Menschen in den Prozess einbringen sind – aus meiner Sicht – genau so wichtig und wertvoll wie Kompetenzen, die man eher den Jüngeren zuschreibt, wie zum Beispiel Bewährtes in Frage zu stellen. Die Summe der Talente und Kompetenzen macht den Erfolg eines Projekts aus. Speziell bei einem Veränderungsprozess gilt es aber, durch Transparenz, durch viel Kommunikation, mögliche Ängste abzubauen und in der Diskussion die eine oder andere Anregung auch noch einmal aufzunehmen. Wir haben den Prozess auch sehr bewusst so aufgesetzt, dass wir die Sorgen der Mitarbeiter ernst nehmen und in persönlichen Gesprächen wie in großen Runden auszuräumen versuchen.

Das alles kostet viel Zeit. Haben Sie die?

Auf Bedenken einzugehen und in Diskussionen auf gute Lösungen zu kommen, das kostet in der Tat Zeit. Aber die nehmen wir uns ganz bewusst. Das ist von unserem Intendanten, Ulrich Wilhelm, wie auch von der gesamten Geschäftsführung so angelegt. Und natürlich haben wir das auch in unseren Planungen berücksichtigt. Wir wollen bis 2020 neue Räumlichkeiten in Freimann beziehen. Die Gebäude, in denen man gemeinsam arbeiten kann, sind ein Teil Voraussetzung für die trimedialen Workflows. Aber bis 2020 müssen auch die Prozesse und Abläufe der trimedialen Zusammenarbeit eingeübt werden. Das heißt, wir warten nicht, bis die neuen Gebäude stehen, sondern wir versuchen jetzt schon unsere Abläufe zu verändern.

Was ist in den letzten zwei Jahren konkret passiert?

Die trimediale Zusammenarbeit ist beim BR bereits mehr als eine Vision. Wir befinden uns mitten in der Planung der neuen Räumlichkeiten und mitten in der Umsetzung des medienübergreifenden Arbeitens. Es gibt einige Beispiele für konkrete Maßnahmen. So wurde bereits vor einem Jahr die Einrichtung des trimedialen Studios in Schwaben beschlossen, und der Bau des Aktualitätenzentrums „Akzent“ in Nürnberg ist vollzogen.

Wie reagieren die Mitarbeiter des BR auf solche Aktivitäten?

Die Produktions- und Technikdirektion leistet einen wesentlichen Beitrag zur Beförderung des Veränderungsprozesses. Dabei wissen wir genau, dass man Menschen vor allem dort abholen muss, wo sie gerade sind und sie erleben lässt, was es bedeutet, trimedial zu arbeiten. Man hat ein ganz anderes Verständnis für eine Sache, wenn man sie besser kennt.

Deswegen haben wir vor circa einem Jahr einen sogenannten „Treffpunkt Trimedialität“ eingerichtet. Das ist eine Form von geschützter Umgebung, wo man Dinge ausprobieren kann, eine Art Trainingszentrum, das man auf alle Bedürfnisse in der Zukunft anpassen kann. Dort haben vor allem unsere Programmkollegen die Möglichkeit, verschiedene Fallbeispiele zu testen und neue Arbeitsabläufe zu entwickeln. Daraus können sich dann wieder Anforderungen an die Produktionsabläufe und Produktionsmittel ergeben. Aus technischer Sicht betrachtet wollen wir diesen „Treffpunkt Trimedialität“ auch nutzen, um beispielsweise neue Softwareprodukte zu testen, die wir einführen wollen, ohne dabei in den produktiven Prozess einzugreifen. In dieser geschützten Umgebung können wir Stärken und Schwächen eines neuen Tools besser erkennen und den Kollegen aus den Redaktionen zeigen, was sie erwartet und sie in einem agilen Prozess in die Verbesserungen mit einbeziehen. Erstes Beispiel ist unser Planungstool.

Haben Sie Zuständigkeitsbereiche in Ihrer Direktion verändert?

Ziemlich zu Anfang meiner Amtszeit hatten wir mit Blick auf die Trimedialität einen größeren Umbau, der auch sehr gelungen ist. Bis dato war die Hörfunkproduktion beim Hörfunk angesiedelt. Diese wurde in die Produktions- und Technikdirektion integriert. Wenn wir Synergieeffekte zwischen Hörfunk, Fernsehen und Online haben wollen, dann gilt das Gleiche für die technischen Bedingungen und Voraussetzungen. Technisch alles in eine Hand zu geben, ist für den Gesamtprozess sehr sinnvoll.

Die Produktionstechnik- und Planungsabteilungen bei öffentlich-rechtlichen Sendern haben in der Vergangenheit nicht immer Hand-in-Hand gearbeitet. Die Folge waren gewisse Reibungsverluste. Wie gehen sie heute damit um?

Die Vergangenheit kann ich nicht beurteilen. Für mich ist aber gerade die Planungsabteilung eine ganz wichtige. Wenn wir gut voraus planen, dann müssen wir nachher nicht mehr korrigieren. Meine Hauptabteilungsleiter sind mit mir einer Meinung, dass wir die Planung stärken und die Vernetzung zwischen Planung und Betrieb deutlich vorantreiben müssen. So haben wir gemeinsam eine kleine aber feine Gruppierung mit dem Namen Strategische Vorprojektevaluierung (SVPE) ins Leben gerufen, die im Grunde so etwas wie eine Vorplanung darstellt. Wir reagieren somit nicht erst auf die Wünsche der Betriebe oder der Produktion, wenn die Überlegungen dort schon sehr weit gediehen sind, sondern viel früher. Das bedeutet auch, dass wir Synergien und Wechselwirkungen schon frühzeitig beleuchten können. Es kommen oft Ideen aus den Betrieben, die es sich zu überprüfen lohnt. Es existiert eine große Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen aus der Produktion, die SVPE zu unterstützen und sich besser mit der Planung über die richtigen Strategien auszutauschen.

Was ist für Sie die größte Herausforderung im Rahmen der anstehenden Veränderungsprozesse?

Es gibt auf der einen Seite viele Aspekte, die uns zwingen, den Veränderungsprozess durchzuführen. Dazu zählen auch die zum Teil sanierungsbedürftigen Gebäude des BR. Auf der anderen Seite müssen wir gleichzeitig mit eingeschränkten finanziellen Ressourcen klar kommen. Wir müssen mehr sparen denn je, auch wenn in der öffentlichen Berichterstattung teilweise ein anderes Bild vermittelt wird. Damit ist die größte Herausforderung ganz klar: wenn ich auf der einen Seite Veränderungen und neue Prozesse anstoße will und auf der anderen Seite aber Einsparungen vornehmen muss, dann ist das etwas, was erst einmal entgegengesetzt wirkt.

Andererseits ist Technologie heute immer günstiger zu haben. Durch den Einsatz IT-basierter Systeme lassen sich Kosten sparen. Andere Branchen haben diesen Prozess schon hinter sich.

Genau. Deshalb beschreibe ich es ja auch als meine größte Herausforderung, diesen ersten Gegensatz aufzulösen. In der Tat birgt der Veränderungsprozess viele neue Chancen. Es ist deshalb wichtig, über neue Lösungen und Technologien nachzudenken, um das ein oder andere vielleicht auch preiswerter machen zu können und so Einsparungen vorzunehmen.

Finanzielle Aspekte behindern dennoch den Prozess?

Nicht notwendigerweise: Die genannten Chancen und die Synergieeffekte durch die Trimedialität werden die Spielräume dafür schaffen. Allerdings ist die Diversifizierung deutlich größer als in der Vergangenheit. Wir haben viel mehr Verbreitungswege und sind mit ganz anderen Nutzergewohnheiten konfrontiert. Wir müssen uns vielmehr darauf fokussieren, was unsere Zuhörer, Zuschauer und Internet-User wollen. Die Bedürfnisse sind einfach vielfältiger als in der Vergangenheit, wo wir nur das lineare Programm bedient haben. Wir hoffen natürlich auch, weitere Medienkonsumenten zu gewinnen, indem wir die Diversifikation unseres Angebots nicht nur inhaltlich sondern auch über die technischen Möglichkeiten erweitern.

Muss denn der BR unbedingt auf der ganzen Klaviatur der Medienverbreitung spielen?

Ich persönlich bin der Auffassung, dass das vom Rundfunkstaatsvertrag auch so gewollt ist und notwendig ist für die Demokratie. Letztlich ist es auch Ziel unseres gesamten Veränderungsprozesses, die journalistische Schlagkraft zu erhöhen, die Sichtbarkeit und die Relevanz des BR zu stärken und den Menschen Orientierung zu geben, die durch die vielen Informationsquellen und Medien an der einen oder anderen Stelle vielleicht verunsichert sind. Das sehe ich als unseren Auftrag, und das kann nicht auf einen bestimmten Bereich eingeschränkt sein. Bei dieser Fragestellung geht es klar um die inhaltliche und technische Qualität des Senders. Wir müssen einfach sehen, dass es zu einer erheblichen Fragmentierung bei der Mediennutzung und auch der Empfangswege und -geräte gekommen ist. Jüngere Nutzer müssen wir über andere Inhalte und auch Verbreitungswege abholen.

Der BR hat in den letzten Jahren großen Aufwand beim Umstieg auf die HD-Produktion getrieben. Ist das jetzt abgeschlossen?

Mit Blick auf die Ertüchtigung in HD haben wir inzwischen alle unsere Komponenten HD-fähig gemacht. Von den Kameras angefangen bis zu den Schnittsystemen und den Produktionsservern. Das hat uns etwas Herzklopfen bereitet. Die neuen Harris Server sind seit 2013 alle on Air und alles läuft. An der Stelle sind wir einen großen Schritt weiter. Ein weiterer wichtiger Schritt, der uns in diesem Jahr noch gelingen wird, besteht darin, die Sendeabwicklung HD-fähig zu machen. Das ist heute noch unser Flaschenhals. Um wirklich natives HD verbreiten zu können, müssen wir die Sendeabwicklung umstellen. Das haben wir vorgezogen, um unseren Zuschauern die HD-Qualität jetzt auch nativ zu präsentieren. Bis Ende 2014 werden wir Full-HD ausstrahlen können.

Bei der Winterolympiade in Sotschi spielt das Thema Videostreaming wieder eine wichtige Rolle? Wie ist der BR hier aufgestellt?

Mit dem Jahreswechsel 2012/2013 hat der BR eine wichtige Aufgabe für die ARD übernommen. Die Erzeugung des 24-Stunden-Live-Streaming von „Das Erste“ erfolgt seit dem 2. Januar 2013 zentral für die ARD durch den BR vom Standort Ismaning aus. Seit 6. November 2013 werden nun auch die BR-Programme „Bayerisches Fernsehen Süd“, „Bayerisches Fernsehen Nord“ und „BR alpha“ als 24-Stunden-Live-Stream im Eigenbetrieb im Internet verbreitet. Alle BR-Hörfunk-Programme werden seit 10. Dezember 2013 für die 24-Stunden-Internet-Verbreitung ebenfalls in Ismaning aufbereitet. Die Signalzuführung der Hörfunkprogramme über Satellit zum externen Dienstleister wurde dabei auf eigene Glasfaserleitungen zum BR-Encoder umgestellt. Bei den Olympischen Winterspielen kommt uns das zugute. Dort werden wir ergänzend zu dem Livestream noch vier weitere Eventstreams anbieten.

Warum lässt man das nicht weiter externe Dienstleister erledigen?

Bei uns stellt sich immer die Frage: Make or Buy? Wir haben das Thema Streaming analysiert und dabei festgestellt, dass wir mit unseren technischen Kapazitäten das Streaming günstiger selbst realisieren können und vor allem flexibel reagieren können. Konkret werden wir damit bei den Olympischen Winterspielen auch zusätzliche Eventstreams anbieten.

In welche Technik werden Sie im nächsten Schritt investieren?

Wir sind erst einmal sehr zufrieden, wenn wir das ganze Thema HD abschließen können, das in den letzten Jahren doch erhebliche Mittel gebunden hat. In Sachen Technikinvestitionen möchte ich im Moment lieber etwas auf Sicht fahren, weil ich am Horizont auch nicht sehe, dass wir in den nächsten Jahren noch einmal große Investitionen vornehmen können. Natürlich sind neben den notwendigen Ersatz- und Ergänzungsinvestitionen auch kleinere Investitionen möglich. Wir beschäftigen uns zum Beispiel zunehmend damit, wie wir sinnvoll mobile Produktionssysteme nutzen können, als komplementäre Ergänzung zu den stationären Produktionsmitteln. Es ist ja auch Ziel des Hauses, die Regionalität und die regionale Berichterstattung zu stärken. Das bedeutet für uns dann auch, mit immer kleineren Produktionseinheiten und immer flexibleren Teams vor Ort zu arbeiten. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise in mehrere LiveU-Rucksacksysteme investiert, um die Teams vor Ort über LTE mit dem Studio zu verbinden. Die sind sehr gut angenommen worden. Damit reagieren wir genau auf die Anforderungen, die die Redaktionen an uns stellen. Sie wollen möglichst flexibel, mobil und schnell arbeiten können. Wir werden hier die Trends verfolgen, den Markt analysieren und an der einen oder anderen Stelle auch weiter investieren.

Bedeutet das, dass neben den Rucksackübertragungssystemen auch kleine Ü-Wagen angeschafft werden?

Das könnte eine Konsequenz sein. Genau an dieser Stelle prüfen wir gegenwärtig in enger Abstimmung mit den Redaktionen jede Investition, weil wir hier sehr kostenbewusst vorgehen wollen und auch müssen. Dort verändert sich ja auch die Arbeitsweise in Summe – durch das trimediale Arbeiten allemal. Da sind dann die etablierten Produktionseinheiten zu prüfen, ob nicht etwas kostengünstiger und geeigneter ist.

Die neuen technischen Möglichkeiten unterstützen also den Trend hin zu mehr Live-Produktionen?

Das eine bedingt hier natürlich das andere. Je mehr flexible Produktionseinheiten wir haben, umso mehr werden sie dann auch eingesetzt. Ziel des Bayerischen Rundfunks ist es, die journalistische Schlagkraft und unsere Position in der Region zu verbessern. Live-Berichte tragen dazu bei.

Wie stellt sich das Entwicklungsszenario beim Aufbau der trimedialen Produktion dar. Was ist technisch geplant? Gibt es schon Ausschreibungen?

Die trimediale Produktion hat ihren Anfang bei der Idee, der Recherche und der Planung. Also setzen wir im ersten Schritt bei einer übergreifenden Recherche- und Planungsplattform an. Wie und in welchen Schritten die Trimedialität dann in die einzelnen Produktionsprozesse von Hörfunk, Fernsehen und Online Einzug hält, werden wir uns Stück für Stück anschauen. Das ist ein noch laufender Prozess an dessen Ende dann Ausschreibungen stehen.

Das trimediale Aktualitätszentrum wird in Freimann gebaut. Was haben sie da vor, wie viele Mitarbeiter werden dorthin verlagert?

Wir befinden uns derzeit in der Phase zwei des „BR hoch drei”- Veränderungsprozesses. Der betrifft nicht allein die Trimedialität, sondern auch die Umbrüche und technologischen Fortschritte im Medienmarkt, den ganzen demographischen Wandel, den man berücksichtigen muss, und alles was mit den baulichen Gegebenheiten zu tun hat.

Die Frage, wie viele Menschen im trimedialen Aktualitätenzentrum unterkommen und welche Redaktionen zusammengelegt werden, lässt sich konkret noch nicht beantworten, weil wir in Projektgruppen und Workshops gerade erst dabei sind, solche Szenarien zu entwickeln.

Und Phase drei mit der Umsetzung beginnt dann wann?

Unser Ziel ist, in den nächsten Monaten einen Architektenwettbewerb zu initiieren, im Rahmen dessen Ausschreibungen und Fortentwicklungen der Workflows stattfinden.

Sind in Freimann Neubauten oder Umbauten vorhandener Einrichtungen geplant?

Der Standort Unterföhring und Teile des Funkhauses werden nach Freimann verlegt, um die räumliche Nähe zu schaffen. Daher kommen zum Bestand in Freimann neue Gebäude hinzu. Das können wir an den bislang drei Standorten Funkhaus, Freimann und Unterföhring nicht bewerkstelligen.

Was passiert mit dem Standort Unterföhring?

Unterföhring werden wir auflösen, weil wir der Überzeugung sind, dass sich die Studiotechnik in Freimann besser integrieren lässt – und auch mit Blick auf Effizienz und Synergieeffekte an einem Standort zusammen führen. Das wird aber erst im Jahr 2023 der Fall sein.

Und die frei werdenden Flächen im Funkhaus?

Zum einen können bisher räumlich ausgelagerte Bereiche zurückgeführt werden. Weiter werden die Flächen für die Regionalstudios München und Oberbayern und das Rundfunkorchester und den Chor, aber auch für die Gremienbüros mit Konferenzräumen und ein Multifunktionsstudio genutzt.

Welchen Stellenwert haben die Internetaktivitäten im Rahmen der trimedialen Prozesse? Haben Sie den Bedeutungszuwachs des Internets in der Mediennutzung im Fokus? Ist es so, dass das klassische TV mittelfristig nicht mehr den Stellenwert hat wie internetbasierte Produktions- und Distributionsmethoden?

Das Thema Internet wird von uns selbstverständlich intensiv bedient. Es bietet uns die Möglichkeit, dass wir an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt Informationen verbreiten oder abrufen können. Ich glaube, dass wir uns in den vergangenen Jahren an der Stelle auch schon ganz gut aufgestellt haben. Natürlich kann man da noch mehr tun. Da lernen wir auch permanent dazu. Eine Erkenntnis, die wir dabei gewonnen haben, ist, dass sich ein Internetauftritt nicht nur aus einem Exzerpt einer bereits gelaufenen linearen Sendung ergibt, sondern, dass es wichtig ist, dass man das Web als einen eigenen Verbreitungsweg mit eigenen Anforderungen begreift. Deswegen werden wir in Zukunft immer wieder Web-only-Angebote machen.

Das Internet bietet die Möglichkeit einer bidirektionalen Kommunikation mit unseren Nutzern. Das heißt wir sind nicht nur Sender, sondern auch gleichberechtigter Partner. Die Technik bietet damit eine große Bandbreite an Möglichkeit, in Interaktion mit unserem Publikum zu treten, seien es zum Beispiel über das Social-Media-Angebot, ein Google Hang Out, oder auch zum Beispiel die PULS-App. Das kann im Moment niemand genau abschätzen; für uns ist jedoch der komplementäre Ansatz entscheidend: Das eine und das andere.

Gibt es dazu schon Test-Szenarien beim BR?

Die gibt es schon sehr konkret. Mit der RundShow haben wir über mehrere Wochen ein multimediales und interaktives Format pilotiert. Social Media ist integraler Bestandteil vieler Sendungen. Wir werden diesen Weg konsequent weiter verfolgen.

Aber wenn alles so miteinander verwoben ist, dass eine klare Trennung zwischen Online, Hörfunk und TV nicht mehr möglich ist, dann müssen die Mitarbeiter in Redaktion und Technik doch am Ende in der Lage sein, alles zu können. Ist das so? 

Hier gilt, ein klares sowohl als auch. In allen Bereichen ist das sicher nicht das Ziel. Aber für manche Formate und Inhalte, zum Beispiel im Bereich der Aktualität, sind solche Szenarien durchaus denkbar. Hier lässt es sich sehr gut bewerkstelligen, dass der Hörfunker auch mal ein Bild vor Ort aufnimmt, das dann im Online-Bereich verwendet werden kann oder auch ein Bewegtbild, das für einen kurzen Beitrag in der „Abendschau“ geeignet ist.

Die Kompetenzen dafür werden jetzt schon in der Ausbildung gelegt, ein breites Weiterbildungsangebot steht zur Verfügung. Unsere Mediengestalter beispielsweise können bereits mit Video und Audio umgehen. Die jungen Volontäre werden in allen Bereichen ausgebildet. Hier gibt es diese strikte Trennung zwischen Fernsehen, Hörfunk und Online sowieso nicht mehr.

Für die nachwachsende Generation ist die Unterscheidung in Mediengattungen schon heute nicht mehr wichtig. Da reden wir auch nicht mehr über Hörfunk oder Fernsehen sondern über Audio und Video.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es im Laufe der Jahre eine Auflösung der Mediengattungen geben wird und man viel vernetzter miteinander arbeiten wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass man auf die Spezialisten verzichten kann. Wenn sich jemand in der Vergangenheit entschieden hat, Kameramann zu werden, dann wollte er nicht unbedingt Cutter sein. Nur werden wir künftig davon ausgehen, dass ein Kameramann durchaus in der Lage sein wird, auch mal einen Schnitt durchzuführen.

Ich glaube, im Laufe der Zeit wird die Entwicklung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr in Richtung Multifunktionalität gehen. Aber das ist für mich ein mittel- bis langfristiger Prozess. Die heutigen Mitarbeiter müssen nicht fürchten, dass sie jetzt plötzlich alles können müssen.

Ein Indiz für diese Entwicklung ist ganz sicher, dass der BR-Intendant jetzt eine Informationsdirektion eingerichtet hat. Der neue Informationsdirektor wird im Mai zu uns stoßen. Und genau da versuchen wir auch diese Aufhebung der Trennung durch die Mediengattungen hin zu einer inhaltlichen Orientierung. Sie ist durch die Klammer Information gegeben. Und darin finden sich diejenigen Redaktionen, die sich mit diesen Inhalten beschäftigen.

Zusammenlegungen von Abteilungen bewirken gerne Kompetenzstreitereien. Auch beim BR?

Ich nehme hier eher eine positive Grundstimmung wahr. Mein Empfinden ist, dass ein Großteil der Kollegen die Entwicklung auch als eine neue Chance begreift und dass diese Neuordnung auch eine berufliche Herausforderung für sie beinhaltet. Die positive Sichtweise wird auch dadurch gestützt, dass wir als öffentlich-rechtliche Anstalt den Auftrag haben, hervorragend recherchieren zu können und eine bestmögliche inhaltliche Qualität abzuliefern.

Wie steht es mit Ihrem Engagement, um mehr Frauen in technische Berufe zu bekommen?

Mir ist der Girls Day ein besonderes Anliegen, bei dem es darum geht junge Mädchen für eine technische Ausbildung zu begeistern. Aber auch eine Vielzahl von Vorträgen sowie Kamingespräche im Rahmen unserer Führungskräfteentwicklung sind für mich immer wertvolle Gelegenheiten, Frauen für technische Berufe zu begeistern und ihnen Mut zu machen, sich zu trauen. Die Förderung von Frauen in Männerberufen ist mir ein wichtiges Anliegen, allerdings verhehle ich auch nicht, dass es nicht immer ganz einfach ist.

Vor Ihrem Wechsel zum BR haben Sie sich beruflich mit der Optimierung der Mensch-Maschine-Schnittstelle befasst. Steht der Mensch für Sie bei technischen Veränderungsprozessen immer im Vordergrund?

Das ist ein Leitmotiv. Ich bin der festen Überzeugung, dass am Ende die Menschen es ausmachen, was uns wirklich an Erfolgen gelingt. Deshalb ist es notwendig Begeisterung für Neues zu wecken und den Mehrwert, der zum Beispiel durch eine technische Veränderung entsteht, zu erklären.

Das Spannende daran ist, immer zu fragen: Nutzt uns die Technik, wenn wir sie nutzen wollen? Wie müssen wir sie gestalten, damit sie uns dann auch tatsächlich einen Mehrwert bietet? Am besten gelingt dies in einem permanenten iterativen Prozess.

Bedeutet die Mitarbeiterbeteiligung bei Entscheidungsprozessen, gerade vor dem Hintergrund sehr schneller technologischer Entwicklungen, nicht ein Manko? Kann man mit Entscheidungen von oben nicht viel besser auf die gegenwärtigen Technologiesprünge reagieren?

Das ist eine Philosophiefrage. Ich bin der Meinung, dass ein partizipatives Führen genauso wie ein partizipatives Arbeiten erfolgreicher ist als ein direktives Führen. Wobei man immer auch betonen muss: es kommt auf die Situation an. Aber wir haben ja jetzt die Möglichkeit, uns auf die neuen Gegebenheiten und die neuen Herausforderungen einzustellen. Und da halte ich es eben für den einzig richtigen Weg, das gemeinsam zu tun.

Eckhard Eckstein
(MB 1/14)

© Bayerischer Rundfunk / Ralf Wilschewski

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