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Dr. Christian Wegner

ProSiebenSat.1 baut „Shoppingfenster“ aus

Die ProSiebenSat.1 Media AG will durch Verstärkung ihrer E-Commerce-Aktivitäten Fernsehen „noch mehr als Shoppingfenster erweitern“. Dabei soll mittelfristig HbbTV via Second Screen für das Einkaufen zum Tragen kommen.

Damit strebe man an, den bisherigen Umsatz des Konzerns im Bereich verschiedenster Internet-Plattformaktivitäten von rund 610 Millionen Euro Umsatz in 2014  auf rund eine Milliarde Euro in 2018 auszubauen. Das kündigte der Digitalvorstand des Konzerns, Dr. Christian Wegner, am 19. März in Berlin an. Der Gesamtumsatz von ProSiebenSat.1 betrug in 2014 rund 2,9 Milliarden Euro, wobei laut Wegner bereits 300 Millionen Euro aus den eCommerce-Aktivitäten stammten. Um diese zu bündeln, hat der Münchner Medienkonzern die Tochterfirma 7Commerce gegründet, die von Claas van Delden und Daniel Raab geleitet wird.

Hintergrund: ProSiebenSat.1 hat bereits seit 2010 ein Geschäftsmodell aufgesetzt, das Start ups Werbepräsenz bei den Sendern der TV-Gruppe ermöglicht, wofür man im Gegenzug von ihnen entweder Unternehmensanteile nach dem Prinzip „Media for Equity“ oder eine Umsatzbeteiligung nach dem Prinzip „Media for Revenue Share“ erhält (vergl. MEDIEN BULLETIN Oktober 2013). Hintergrund sei, wie Wegner erklärte, dass das Angebot an TV-Werbezeit schon seit vielen Jahren weit höher sei als der Bedarf dafür. Deshalb stelle man die übrig gebliebene Werbezeit, deren Wert Wegner auf 1 Milliarde Euro beziffert, im Rahmen des speziellen Geschäftsmodells ausgewählten Start ups zur Verfügung. Dank der TV-Werbepower hatte sich zuerst Zalando so prima entwickelt, das das Unternehmen mittlerweile an der Börse notiert ist, also als Start up seinen Exit gemacht hat. Als weitere positive Beispiele, die die Kraft der TV-Unterstützung belegten, nannte Wegner die Start ups myday.de und weg.de.

Parallel zu dieser Strategie aus Werbezeiten Cash zu machen, die man nicht an klassische Werbetreibende verkaufen konnte, setzt Wegner nun verstärkt darauf, dass ProSiebenSat.1 selber als eCommerce-Betreiber mit Mehrheitsbeteiligung Umsätze generiert und diese Aktivitäten unter dem Dach der neuen Tochter 7Commerce bündelt und nach vorne treibt. Hierbei wird dann wohl nicht nur die TV-Werbepower zum Einsatz kommen, sondern auch das Studio71 in Berlin, wo Wegner seine Strategie erläuterte. Dabei handelt es sich um das Multi-Channel-Network der ProSiebenSat.1 Media AG, das nach eigenen Angaben „führender Anbieter von Web-Produktionen im deutschsprachigen Raum“ ist.

Zeitgleich zur Gründung von 7Commerce hat ProSiebenSat.1 sein schon bestehendes üppiges Portfolio an Online-Mehrheitsbeteiligungen in den Bereichen Reise, Sport, Beauty, Gesundheit, Mode, Wohnen und Lifestyle durch zwei weitere Zukäufe erweitert. So hat man die Online-Parfümerie Flaconi zu 100 Prozent übernommen und die Mehrheit an Amorelie, einem Online-Shop für das Liebesleben übernommen. Zudem will 7Commerce sämtliche Anteile der Sixt e-ventures an Preis24.de übernehmen, einer Preisvergleichsplattform für Mobilfunktarife und Smartphones.

Auch wenn Medienkonsumenten zurzeit noch zögerlich sind, HbbTV für das Einkaufen am großen Bildschirm während des Fernsehens über den Second Screen zu nutzen, ist Wagner sicher, dass es soweit kommen werde. Dank Split Screen werde man die Zuschauer ja dann auch nicht aus dem TV-Programm herausjagen, sondern sie hätten die Möglichkeit parallel mal schnell zu shoppen, wie eben ein in einer Show gesehenes Kleid oder in der Werbung präsentiertes Parfum. Ein maßgeschneidertes persönliches Auto aber wohl eher nicht? Na, das kommt dann aus dem 3D-Drucker heraus, lacht Wegner. Und er ist übrigens auch davon überzeugt, dass er sein eCommerce-Modell im Rahmen einer Europäischen Allianz vermarkten kann: „Wir reden mit allen, wir bringen die Assets und zeigen den TV-Sendern, dass wir es online rüber bringen. Wir sind Wachstumspartner“.

Wird aber nicht durch das Modell die Grenze zwischen Information, zwischen TV-Programm und Werbung, endgültig im Fernsehbereich ausgehebelt, zumal die Werbung gleich zum Abverkauf führt? Aber das findet ja nicht im Fernsehen, sondern im nicht regulierten Internet statt. Und Werbung und Verkauf wird nicht von ProSiebenSat.1, sondern Tochtergesellschaften durchgeführt. (3/13) Erika Butzek

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