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Rainer Beaujean

ProSiebenSat.1 bestätigt Q1-Zahlen

ProSiebenSat.1 bestätigt die bereits am 22. April 2020 veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das erste Quartal 2020: Demnach verlief das erste Quartal 2020 für die ProSiebenSat.1 Group gut, bis ab Mitte März erste Auswirkungen der COVID-19-bedingten Beschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens spürbar wurden.

Insgesamt schloss der Konzern das Quartal mit einem leichten Umsatzanstieg von 1 Prozent auf 926 Mio Euro (Vorjahr: 913 Mio Euro) ab, organisch (bereinigt um Portfolio- und Währungseffekte) sank der Umsatz gering um 1 Prozent. Das Nicht-TV-Werbegeschäft machte im ersten Quartal des Jahres 52 Prozent (Vorjahr: 48 %) des Konzernumsatzes aus, der Digitalanteil am Konzernumsatz lag bei 35 Prozent (Vorjahr: 30 %).

Rainer Beaujean, Vorstandssprecher & Finanzvorstand der ProSiebenSat.1 Media SE: „Bis zum Beginn der Corona-bedingten Einschränkungen in Deutschland waren wir im ersten Quartal gut unterwegs. Seither sehen wir Auswirkungen der Pandemie in vielen unserer Geschäftsbereiche. Wir adressieren deshalb konsequent alle nicht-geschäftskritischen Kosten und stellen ProSiebenSat.1 auch dank einer stabilen Liquidität sicher für die Zukunft auf. Ein großer Dank gilt in dieser besonderen Situation unseren Mitarbeitern, die mit beeindruckender Kreativität, Einsatz und Pragmatismus neue Programm- und Werbeideen kreieren sowie unsere Produktionen und die Services und Produkte der NuCom Group an die sich ständig verändernden Gegebenheiten anpassen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir ProSiebenSat.1 so gemeinsam gut durch diese Krise steuern.“

Im Segment der SevenOne Entertainment Group (vormals: Entertainment) ging der Außenumsatz um 3 Prozent auf 563 Mio Euro (Vorjahr: 579 Mio Euro) zurück. Organisch sank der Außenumsatz ebenfalls um 3 Prozent. Dies reflektiert insbesondere den Rückgang der gesamten Werbeerlöse um 4 Prozent, nachdem im März erste COVID-19-bedingte Stornierungen von Werbebuchungen erfolgten. Das digitale und smarte Werbegeschäft legte um 32 Prozent zu. Auch das Distributionsgeschäft entwickelte sich positiv.

Seit Mitte März verzeichnet der Konzern sowohl linear als auch digital eine ansteigende Sehdauer: So ist die Total Video Viewtime, die Gesamtsumme der gesehenen Minuten auf allen linearen Kanälen und digitalen Entertainment-Plattformen des Konzerns, im März um 16 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Auch die Streamingplattform Joyn verzeichnete im März ein Wachstum von 12 Prozent im Vergleich zum Februar 2020 auf rund 4 Mio Unique User.

Im Segment Red Arrow Studios (vormals: Content Production & Global Sales) waren die Auswirkungen der COVID-19-bedingten staatlichen Einschränkungen ebenfalls bereits spürbar. Der Außenumsatz lag mit 134 Mio Euro auf Vorjahresniveau (Vorjahr: 135 Mio Euro). Organisch bzw. um Währungseffekte bereinigt sank der Umsatz um 3 Prozent. Insbesondere das US-Produktionsgeschäft war im März von Auftragsverschiebungen und -stopps betroffen, was jedoch das Digital-Studio Studio71 mit einem starken Wachstum ausgleichen konnte.

Das Segment der NuCom Group (vormals: Commerce) legte im ersten Quartal um 15 Prozent zu und erreichte einen Außenumsatz von 228 Mio Euro (Vorjahr: 199 Mio Euro). Organisch lag das Wachstum bei 8 Prozent. Während sich die Erstkonsolidierung von Aroundhome, einem Online-Vermittler für Produkte und Dienstleistungen rund ums Haus, positiv auf den gesamten Außenumsatz auswirkte, verzeichneten auch das Partnervermittlungsgeschäft der Parship Group mit eharmony, der Online-Beauty-Anbieter Flaconi sowie das OTC-Geschäft von Windstar Medical deutliches organisches Wachstum. Gleichzeitig waren jedoch die ersten Auswirkungen der Reise- und Ausgangsbeschränkungen vor allem bereits im jeweiligen Geschäft der Portfolio-Unternehmen Billiger Mietwagen (Silvertours) und Jochen Schweizer mydays spürbar.

Das adjusted EBITDA der Gruppe ging im ersten Quartal um 17 Prozent auf 157 Mio Euro (Vorjahr: 190 Mio Euro) zurück, wobei sich insbesondere die niedrigeren Erlöse im TV-Werbegeschäft sowie die unterschiedlichen Ertragsstrukturen der einzelnen Segmente auswirkten. Das adjusted net income (bereinigter Konzernüberschuss) sank auf 58 Mio Euro (Vorjahr: 94 Mio Euro).

Die Liquiditätslage von ProSiebenSat.1 ist zum Ende des ersten Quartals 2020 mit 898 Mio Euro Barmittelbestand weiterhin gut. Darüber hinaus hat der Konzern Anfang April 350 Mio seiner syndizierten revolvierenden Kreditfazilität (RCF), die ein Rahmenvolumen von 750 Mio Euro hat, in Anspruch genommen, um angesichts des COVID-19-geprägten Umfelds jederzeit einen Zugriff auf die Liquiditätsreserven des Unternehmens abzusichern. Weitere 400 Mio Euro der RCF sind jederzeit verfügbar. Zum Ende des ersten Quartals 2020 betrug die Brutto-Verschuldung der ProSiebenSat.1 Group 3.192 Mio Euro, die Nettofinanzverschuldung 2.294 Mio Euro und der Verschuldungsgrad damit 2,7x. 

Ausblick

Die ProSiebenSat.1 Group erwartet in allen Segmenten eine starke Beeinträchtigung ihres Geschäfts durch die COVID-19-Pandemie. Für den Monat April 2020 gingen die gesamten TV-Werbeeinnahmen um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Der Anfang März 2020 veröffentlichte Finanzausblick 2020 der Gruppe berücksichtigt nicht die möglichen negativen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten im Hinblick auf Dauer und Schwere der Krise kann der Vorstand derzeit keinen verlässlichen Ausblick für das zweite Quartal und für das Gesamtjahr geben. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sämtliche im per Anfang März veröffentlichten Finanzausblick genannten Zielgrößen nicht zu erreichen sein werden. Der Finanzausblick für das Gesamtjahr 2020 wurde daher bereits am 22. April 2020 zurückgenommen.

In diesem Umfeld hat das ProSiebenSat.1 Management Business-Continuity-Pläne erarbeitet und konzentriert sich darauf, Kosten, Cashflow und Profitabilität der Gruppe aktiv zu steuern. Der Konzern legt den Fokus weiter auf seine strategischen Kernprojekte und hat in allen Geschäftsbereichen Maßnahmen ergriffen, um negative Auswirkungen auf die Profitabilität der Gruppe abzuschwächen und die Liquidität zu sichern. Dazu zählen insbesondere reduzierte Investitionen in das Programm, zusätzlich werden aktuell IT-Aufwände und Reise- und Beratungskosten verringert. Zudem setzt der Konzern das Instrument der Kurzarbeit in einigen Portfolio-Unternehmen der NuCom Group ein und prüft dessen Einsatz innerhalb des Entertainment-Geschäfts.

Die NuCom Group fokussiert sich vorrangig auf Marketinginvestitionen bei den ProSiebenSat.1-Plattformen und verstärkt so die Kostensynergien innerhalb der Gruppe. Maßnahmen zur Liquiditätssicherung beinhalten die Anpassung von Steuervorauszahlungen sowie die Verbesserung von Zahlungszielen. Um die Liquidität auch in einer möglicherweise länger andauernden COVID-19-Krise zu schützen, haben Vorstand und Aufsichtsrat am 22. April 2020 entschieden, der Hauptversammlung vorzuschlagen, für das Geschäftsjahr 2019 keine Dividende auszuschütten. Gleichzeitig hat der Konzern seine bisherige Dividendenpolitik mit einer Ausschüttungsquote von 50 Prozent des bereinigten Konzernjahresüberschusses der Gruppe bestätigt. (05/20)

Foto: Rainer Beaujean, Vorstandssprecher & Finanzvorstand der ProSiebenSat.1 Media SE

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