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# Giordanis Plan für ProSiebenSat.1
- URL: https://mebucom.de/business/prosiebensat1-marco-giordani-mfe-strategie/
- Published: 2026-10-22T13:28:47.000Z
- Updated: 2026-10-22T13:28:47.000Z
- Description: Ein Jahr nach seinem Amtsantritt beschreibt Marco Giordani, wie der europäische Medienkonzern das Geschäft von ProSiebenSat.1 verändert: mit gemeinsamer Streaming-Technik, Zugang zu internationalen Werbekunden und einer klaren Priorität für das Mediengeschäft.
- Author: Niklas Eckstein
- Tags: Business & Markt, ProSiebenSat.1, Marco Giordani, Medientage München

Ob der Austausch des Vorstands vor einem Jahr mehr Ruhe oder mehr Unruhe ins Unternehmen gebracht habe, möchte Moderatorin Eva Schulz von Marco Giordani wissen. Der ProSiebenSat.1-Chef verweist auf den Medientagen München zunächst auf die Zuständigkeiten: Der Aufsichtsrat habe den Wechsel nach einer Veränderung der Aktionärsstruktur beschlossen. So weit die formale Antwort. Dann wird Giordani direkter: „Wenn man etwas verändern will, muss man etwas verändern.“

Wohin diese Veränderung führen soll, bestimmt inzwischen ein Hauptaktionär, der selbst aus dem Mediengeschäft kommt. Früher habe vor allem das Management die Strategie und Richtung vorgegeben, erklärt Giordani. Mit MFE sei nun „ein Medienunternehmen mit einer klaren langfristigen Perspektive“ der wichtigste Anteilseigner. Für die übrigen Aktivitäten von ProSiebenSat.1 hat das Folgen: „Jetzt liegt der Fokus auf dem Mediengeschäft, während alles andere im Unternehmen weniger wichtig ist.“

Giordani beschreibt ein Führungsteam, das seine Aufgaben und die Richtung kenne. Einfacher werde das Geschäft dadurch allerdings nicht, denn die Marktlage bleibe schwierig. Umso wichtiger sei es, neben dem linearen Fernsehen auch das Digitalgeschäft und insbesondere Joyn weiterzuentwickeln. „Wir können uns nicht nur an einen Teil der Kunden richten, sonst verlieren wir einen großen Teil des Marktes.“

## Eine Streaming-Plattform für fünf Länder

Am konkretesten wird Giordani bei der technischen Zusammenarbeit innerhalb der MFE-Gruppe. Im ersten Quartal 2027 soll in allen fünf Ländern dieselbe Streaming-Plattform genutzt werden. Dafür habe die Gruppe aus den vorhandenen Lösungen die besten Bestandteile ausgewählt. „Ich denke, wir haben die beste Plattform für die Nutzer und für die Werbekunden gewählt“, sagt er.

Mit der gemeinsamen Plattform verbindet Giordani den Anspruch, die technische Qualität zu verbessern und zugleich die Kosten zu senken: „Wir geben weniger aus und bekommen bessere Technik.“ Weitere gemeinsame Vorhaben ähnlicher Couleur sollen folgen. Zunächst gehe es darum, Kosten und Investitionen für Technologie und Daten zu teilen. Konkrete Einsparbeträge nennt er im Gespräch nicht.

Dass MFE über mehrere Märkte hinweg arbeitet, soll sich außerdem im Werbegeschäft auszahlen. Giordani verweist auf Kunden, deren Entscheidungen auf europäischer Ebene fallen: „Wenn man nicht europäisch aufgestellt ist, hören sie einem gar nicht erst zu“, behauptet Giordani. Über MFE bekomme ProSiebenSat.1 Zugang zu deren Konzernzentralen. Damit verbindet er die Erwartung, dass die größere Gruppe mehr leisten kann als Kostensenkungen: „Wir erzielen auch Vorteile auf der Erlösseite dadurch, dass wir europäisch sind.“

![Marco Giordani, CEO, ProSiebenSat.1](https://mebucom.de/content/images/2026/10/DSC03178.jpg)

„Wir geben weniger aus und bekommen bessere Technik“: Marco Giordani über die geplante gemeinsame Streaming-Plattform der MFE-Gruppe.

## Der Wettbewerb mit den Plattformen

Im Wettbewerb mit den großen US-amerikanischen Digitalplattformen verweist Giordani auf die Verantwortung der Medienhäuser für ihre Inhalte. Gerade angesichts von KI-generierten Beiträgen oder Fake News komme es darauf an, verlässlich und überprüfbar zu arbeiten: „Wir müssen sehr transparent sein und für das einstehen, was wir sagen.“

Bei den Plattformen vermisst er diese Transparenz, auch wenn es darum geht, wie die Inhalte seines Unternehmens dem Publikum präsentiert werden. Zugleich sieht er Unterschiede darin, wer für Veröffentlichungen geradestehen muss. „Wir sind immer im Büro und stehen dafür ein, was wir sagen und produzieren“, sagt Giordani. Die Plattformen nähmen diese Verantwortung aus seiner Sicht weniger wahr.

Ob die Regulierung in Deutschland und auf europäischer Ebene dem Unternehmen die nötige Unterstützung verschafft, beantwortet er allerdings zurückhaltend. Er könne nachvollziehen, wie schwer es den zuständigen Institutionen falle, mit dem schnellen Wandel des Marktes Schritt zu halten. ProSiebenSat.1 bringe Vorschläge und Ideen ein, müsse zugleich aber selbst Lösungen finden: „Ich denke, die Regeln werden immer etwas später kommen. Deshalb müssen wir uns darauf vorbereiten, uns ohne sie selbst zu helfen.“

## Keine Unruhe wegen RTL und Sky

Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch die großen Digitalplattformen sieht Giordani wenig Sinn darin, dass sich die klassischen Medienhäuser beim Einkauf von Inhalten und im Werbemarkt gegenseitig unter Druck setzen. Auch die Übernahme von Sky durch RTL bedeutet für ihn nicht zwangsläufig eine Verschärfung der Konkurrenz zu ProSiebenSat.1: „RTL hat sich im Digitalgeschäft für einen etwas anderen Weg entschieden“, sagt er mit Blick auf die stärkere Ausrichtung auf kostenpflichtige Streaming-Abos. Hinzu kommt, dass die Zusammenführung von RTL und Sky den Nachbarn zunächst beschäftigen dürfte. Giordani erwartet deshalb ein rationales Vorgehen im Programm- und Werbegeschäft, das kurzfristig auch ProSiebenSat.1 zugutekommen könnte.