> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://mebucom.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Prozessauftakt im KI.KA-Betrugsfall
- URL: https://mebucom.de/business/prozessauftakt-im-kika-betrugsfall/
- Published: 2011-06-03T11:19:43.000Z
- Updated: 2022-01-08T08:23:31.000Z
- Description: Der ehemalige Herstellungsleiter des KI.KA muss sich vor dem Landgericht Erfurt verantworten. Der erste Verhandlungstag ist auf den 6. Juni 2011 angesetzt. Vorerst sind vier Verhandlungstage geplant, sodass bereits Anfang Juli ein Urteil gesprochen werden könnte.
- Author: Eckhard Eckstein
- Tags: Business & Markt, #wp, #wp-post, #Import 2026-06-28 14:57

![](https://mebucom.de/wp-content/uploads/2021/12/orig-74.png)

Seit der Verhaftung des früheren Herstellungsleiters Anfang Dezember 2010 arbeiten die Staatanwaltschaft Erfurt sowie die Revisionen von MDR und ZDF daran, das Ausmaß der betrügerischen Handlungen zu erfassen. Der MDR, innerhalb der ARD federführend für den KI.KA zuständig, war seit Bekanntwerden der Vorfälle darum bemüht, den Fall aktiv und so schnell wie möglich aufzuklären. „Die letzten Monate hat der MDR intensiv genutzt, um den Sachverhalt beim KI.KA  
aufzuarbeiten. Dabei konnten wir viel Licht ins Dunkel der kriminellen Vorgänge um den ehemaligen Herstellungsleiter bringen.“, so MDR-Unternehmenssprecher Dirk Thärichen.

Der ehemalige Herstellungsleiter hat sich gegenüber dem MDR zum Sachverhalt bislang nicht geäußert. In dem bevorstehenden Prozess geht es um die Scheinrechnungen zwischen dem KI.KA und der Firma Kopp-Film GmbH. Am 2\. Mai 2011 hatte die Staatsanwaltschaft Erfurt Anklage gegen den früheren KI.KAMitarbeiter erhoben und damit das Hauptverfahren eröffnet. Die Ermittler werfen ihm Bestechlichkeit und Untreue in 48 besonders schweren Fällen vor. Die zuständige 7\. Große Strafkammer des Landgerichts hat nach derzeitigem Stand vier Prozesstage vorgesehen (6.,14\. und 23\. Juni sowie den 5\. Juli). Der Beschuldigte soll im strafrechtlich relevanten Zeitraum zwischen November 2005 und September 2010 insgesamt 61 Rechnungen in Höhe von mehr als 4,6 Millionen Euro zur Bezahlung angewiesen haben, ohne dass dafür in entsprechendem Umfang Gegenleistungen erbracht worden waren. Der ehemalige Herstellungsleiter hat diese Rechnungen begleichen lassen und sich das Geld anschließend mit dem Geschäftsführer der Firma geteilt. Vorgetäuscht sowie zur Bezahlung angewiesen waren vor allem Produktionsleistungen für Internetauftritte, Animationen und grafische Arbeiten.

Der MDR hat nach eigenen Angaben die Ermittlungen der zuständigen Behörden mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten unterstützt, um den Betrugsfall umfassend aufzuklären. Dafür hat der Sender nach Bekanntwerden der Vorfälle eine sofortige und detaillierte Untersuchung aller Geschäftsprozesse des KI.KA angeordnet. Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Revision von MDR und ZDF wurde Mitte März dem Rundfunk- und Verwaltungsrat des MDR in einem vorläufigen Abschlussbericht vorgelegt.

„Welche weiteren Details in der Verhandlung zu Tage kommen, bleibt abzuwarten. Fest steht, der MDR hat in den vergangenen Monaten auf Basis des Revisionsberichtes entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um künftig Vorfälle dieser Art zu verhindern“, erklärt Thärichen.

Die bereits frühzeitig umgesetzten Sofortmaßnahmen des MDR wurden in einem Maßnahmenkatalog verstetigt. Zudem sieht der Sender künftig eine stärkere Anbindung des KI.KA an den MDR vor. Zusätzlich soll beim KI.KA eine Beschaffungsstelle bei der Programmgeschäftsführung eingerichtet und die Compliance-Organisation des MDR durch die Berufung eines Compliance-  
Beauftragten weiterentwickelt werden.

Der MDR hat ein externes Beraterteam eingesetzt, um die Wirksamkeit der bestehenden Kontrollmechanismen im Ki.Ka und im MDR analysieren und überprüfen zu lassen.

**Chronologie des KI.KA-Betrugsfalls**

**08.10.2010**  
Ein anonymer Hinweis zum Herstellungsleiter des KI.KA geht beim Antikorruptionsbeauftragten des MDR ein.

**27.10.2010**  
Der Programmgeschäftsführer des KI.KA wird vom Insolvenzverwalter der Kopp-Film GmbH schriftlich informiert, dass der Geschäftsführer eine Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin abgegeben hat, aus der hervorgeht, dass er in Zusammenarbeit mit dem Herstellungsleiter den KI.KA finanziell geschädigt habe. Das betreffende Schreiben wird an den Antikorruptionsbeauftragten des MDR weitergeleitet, der den Intendanten informiert und die Juristische Direktion involviert. Die Revision des MDR beginnt mit der Analyse aller Geschäftsbeziehungen des KI.KA.

**23.11.2010**  
Das Landeskriminalamt (LKA) Thüringen hat den MDR als Betroffenen zu einem Gespräch geladen und informiert die Sendeanstalt über die Vorwürfe der Unterschlagung und Hinterziehung von Geldern durch einen Mitarbeiter des KI.KA. Der MDR sagt eine umfassende Kooperation zu und stellt auf Bitten der Ermittlungsbehörde die eigenen Recherchen der internen Revision zunächst zurück.

**07.12.2010**  
Die Ermittlungsbehörden führen wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue Untersuchungen beim KI.KA in Erfurt und beim federführenden MDR in Leipzig durch. Es werden Büroräume beim KI.KA in Erfurt und beim MDR in Leipzig durchsucht. Bei den Verdachtsmomenten stützen sich die Ermittlungsbehörden auf Aussagen und Unterlagen des beschuldigten Geschäftsführers der Firma Kopp-Film, der sich in Berlin selbst angezeigt hatte.  
Der Herstellungsleiter des KI.KA. wird von Beamten des LKA Thüringen am Arbeitsplatz verhaftet. Daraufhin suspendiert der MDR den betroffenen Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung und erteilt Hausverbot. Die Staatsanwaltschaft Erfurt eröffnet das Ermittlungsverfahren gegen den Herstellungsleiter des KI.KA.  
Der MDR kann nun parallel zu den Ermittlern die eigenen internen Überprüfungen wieder aufnehmen. Um den Fall aktiv und so schnell wie möglich aufzuklären, stellt der MDR Antrag auf Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Erfurt.

**08.12.2011**  
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Erfurt und des Landeskriminalamtes Thüringen gegen den betroffenen Mitarbeiter des Kinderkanals ordnet der MDR eine sofortige und detaillierte Überprüfung aller Geschäftsprozesse des KI.KA, die mit dem beschuldigten Mitarbeiter in Verbindung stehen, an. Der MDR erhält bezüglich des Verdachts auf Betrug und Untreue des beschuldigten Mitarbeiters Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft.

**14.12.2010**  
Neben der Revision des MDR beginnt nun auch die Revision des ZDF mit der Überprüfung des Falls. In enger Zusammenarbeit der Revisionen werden ab diesem Zeitpunkt auch die internen Arbeitsabläufe und -prozesse im KI.KA untersucht. Ziel der gemeinsamen Untersuchungen der Revisionen von MDR und ZDF ist eine umfassende Sachverhaltsaufklärung.

**17.12.2010**  
Dem suspendierten Herstellungsleiter wird mit sofortiger Wirkung außerordentlich gekündigt.

**21.12.2010**  
Der MDR ändert als Sofortmaßnahme die bestehenden Zeichnungsberechtigungen im KI.KA. Ziel ist die strikte Trennung von Beauftragung und Abrechnung von Leistungen. Mit der Neustrukturierung der Geschäftsvorgänge soll nicht nur ein formales, sondern auch ein wirksames Vier-Augen-Prinzip durchgesetzt werden. Die Untersuchung der Abläufe im Einzelnen und die Klärung der Frage nach möglichen Mitwissern oder Mittätern werden fortgesetzt.

**17.01.2011**  
Der Intendant des MDR informiert den Rundfunk- und Verwaltungsrat des MDR zum aktuellen Sachstand und zu ersten Konsequenzen im Betrugsfall um den ehemaligen KI.KA-Herstellungsleiter. Die Gremien des MDR fordern eine weitere rückhaltlose und schnelle Aufklärung der Vorfälle. Um die bisher bekannt gewordenen Schwachstellen bei der Funktionstrennung zwischen Anforderung, Beauftragung, Rechnungsprüfung und Zahlungsanweisung zu beseitigen, werden beim KI.KA entsprechende Sofortmaßnahmen eingeleitet. Die Revisionen vom MDR und ZDF arbeiten an dem abschließenden Prüfbericht mit Vorschlägen für weitergehende Maßnahmen. Der Abschlussbericht wird für März 2011 angekündigt. Ziel ist es, die Sicherheit in den Geschäftsvorgängen zu erhöhen.

**18.03.2011**  
Der Intendant des MDR legt dem Rundfunk- und Verwaltungsrat in einer Sondersitzung den vorläufigen Abschlussbericht der Revisionen von MDR und ZDF zum Betrugsskandal beim KI.KA vor. Durch kriminelle Scheingeschäfte zwischen dem früheren Herstellungsleiter und fünf involvierten Firmen, die im Zeitraum von 2002 bis 2010 abgewickelt worden sind, ist ein Schaden von insgesamt 8,2 Millionen Euro entstanden. MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser stellt vor diesem Hintergrund ohne Anerkennung eines eigenen Verschuldens sein Amt zur Verfügung, um einem personellen Neuanfang nicht im Wege zu stehen. Der MDR hat zudem personelle Konsequenzen gezogen. Kika-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp wird wegen mangelnder Ausübung seiner Kontrollfunktion abgemahnt, Fernsehdirektor Wolfgang Vietze ermahnt.  
Bei vier weiteren Mitarbeitern gibt es Anhörungen wegen arbeitsrechtlicher Maßnahmen. Eine Mitarbeiterin in der Herstellungsleitung wird fristlos gekündigt. Neben personellen gibt es auch organisatorische Konsequenzen um derartige Betrugsfälle künftig zu vermeiden. Der MDR hat einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, der u.a. eine stärkere Anbindung des KI.KA an den MDR vorsieht. Zusätzlich soll beim KI.KA eine Beschaffungsstelle bei der Programmgeschäftsführung eingerichtet und die Compliance-Organisation des MDR durch die Berufung eines Compliance-Beauftragten weiterentwickelt werden.  
Der MDR-Verwaltungsrat nimmt den vorläufigen Abschlussbericht der Revisionen von MDR und ZDF zum KI.KA-Betrugsfall und die vom Intendanten dargestellten Konsequenzen zustimmend zur Kenntnis.

**02.05.2011**  
Die Staatsanwaltschaft Erfurt erhebt Anklage gegen den ehemaligen Herstellungsleiter des KI.KA. Ihm werden Bestechlichkeit und Untreue in 48 besonders schweren Fällen vorgeworfen. Der Angeschuldigte soll im strafrechtlich relevanten Zeitraum zwischen November 2005 und September 2010 insgesamt 61 Rechnungen in Höhe von mehr als 4,6 Millionen Euro zur Bezahlung angewiesen haben, ohne dass dafür Gegenleistungen erbracht worden seien.

**16.05.2011**  
Im Rahmen der weiteren Umsetzung des Maßnahmenkatalogs zur Aufarbeitung der kriminellen Handlungen beim KI.KA lässt der MDR die Wirksamkeit seiner bestehenden Kontrollmechanismen von externen Beratern analysieren und prüfen.  
Dazu wird ein externes Beraterteam unter Leitung des Experten für Wirtschaftskriminalität und früheren Direktors des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern, Ingmar Weitemeier, eingesetzt. Auftrag des externen Beraterteams ist es, mit unabhängiger Expertise Verwaltungsabläufe und Prüfungsszenarien auf Schwachstellen zu analysieren.

**06.06.2011**  
Prozessbeginn: Der in der Betrugsaffäre angeklagte frühere Herstellungsleiter des KI.KA muss sich mit dem Vorwurf der Bestechlichkeit und Untreue in 48 besonders schweren Fällen vor dem Landgericht Erfurt verantworten. Es sind vier Verhandlungstermine anberaumt. (6/11)