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# Riedel und ARRI verwischen die Grenze zwischen Cine und Live
- URL: https://mebucom.de/business/riedel-arri-strategie-nab-2026/
- Published: 2026-04-19T15:20:03.000Z
- Updated: 2026-04-19T15:20:08.000Z
- Description: Thomas Riedel sowie die ARRI-Geschäftsführer David Bermbach und Chris Richter stellten auf einer Pressekonferenz im Umfeld der NAB 2026 in Las Vegas ihre gemeinsame Vision vor: zwei eigenständige Marken, komplementäre Produktwelten und ein Bekenntnis zu Innovation statt reiner Kostenoptimierung.
- Author: Niklas Eckstein
- Tags: Business & Markt, ARRI, David Bermbach, Riedel, Thomas Riedel, #wp, #wp-post, #Import 2026-06-28 15:06

Thomas Riedel, Gründer und Inhaber der Riedel Communications Gruppe aus Wuppertal, hat die ARRI Group zu 100 Prozent übernommen – privat und ohne Private-Equity-Beteiligung. Wenige Tage nach der offiziellen Ankündigung trat der neue Eigentümer gemeinsam mit den ARRI-Geschäftsführern David Bermbach und Chris Richter im ARRI-Haus in Las Vegas vor die internationale Fachpresse. Rahmen der Pressekonferenz war die NAB 2026.

Mit Riedel und ARRI kommen zwei deutsche, inhabergeführte Technologieunternehmen zusammen. Ihre Produktportfolios überschneiden sich kaum, ihre Kundenmärkte bewegen sich jedoch zunehmend aufeinander zu. „ARRI ist blau, Riedel ist rot, und die Farben werden bleiben", stellte Thomas Riedel klar. Beide Häuser bleiben eigenständig und behalten ihre Identität als Schwesterunternehmen in einer Eigentümerfamilie.

## Innovation statt Kostenreduktion

Riedel positioniert die Übernahme als Antwort auf die Transformationsphase der Medienbranche – im Kino ebenso wie in Broadcast und Live-Event. Die dominierende Diskussion über Effizienz und Kostensenkung hält er für zu kurz gegriffen. „Ja, wir können das nicht ignorieren. Aber das treibt uns nicht. Uns treibt Innovation." Genau dieses gemeinsame Verständnis sieht er als Kern der Transaktion. Beide Unternehmen wollen die Branche mit neuen Ideen durch den Umbruch begleiten, statt sich im Preiswettbewerb zu verlieren.

Bermbach ergänzt die Strategie auf Produktseite. ARRI werde die Spitzenposition im High-End-Motion-Picture-Segment verteidigen – das sei die Heimat des Unternehmens. Der Live-Bereich solle nun zur zweiten Heimat werden. Der Ansatz geht dabei bewusst über die reine Kamera hinaus und zielt auf integrierte End-to-End-Lösungen.

## Komplementäre Technologie-Bausteine

Den entscheidenden Hebel sieht Riedel in der Systemperspektive. Sein Unternehmen bringt Funk- und Audiotechnik, Intercom, Signalverteilung und Broadcast-Control ein. ARRI steuert Kameras, Color Science, Optik und Lichttechnik bei. Entsprechend sollen neue Systemlösungen entstehen, die bestehende Marktangebote nicht ersetzen, sondern um Funktionen erweitern, die es in der Live-Produktion bislang nicht gibt.

Als Anwendungsbeispiel nannte Riedel die laufende Zusammenarbeit mit der Segelsport-Liga SailGP. Dort kommen ARRI-Kameras auf stabilisierten Systemen in Helikoptern und Kamerabooten zum Einsatz, eingebunden in die bestehende Riedel-Infrastruktur. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist der Eurovision Song Contest am 16\. Mai 2026\. Der ORF setzt zum 70\. Jubiläum der Show 26 ALEXA-Live-Kameras ein. Damit produziert erstmals ein Unterhaltungs-Großformat dieser Größenordnung vollständig mit cinematischen Kameras.

Bermbach benannte dabei auch die Baustelle, an der beide Unternehmen jetzt gemeinsam arbeiten: die Integration in bestehende Broadcast-Workflows. Gerade hier beschleunigt die Riedel-Expertise die weitere Entwicklung.

![Erklärten auf der NAB 2026 die gemeinsame Strategie von ARRI und Riedel (v.l.n.r.): ARRI-Geschäftsführer David Bermbach, Riedel-Gründer und neuer ARRI-Eigentümer Thomas Riedel sowie ARRI-Geschäftsführer Chris Richter. ©mebucom](https://mebucom.de/content/images/wordpress/2026/04/DSC01222.jpg)

Erklärten auf der NAB 2026 die gemeinsame Strategie von ARRI und Riedel (v.l.n.r.): ARRI-Geschäftsführer David Bermbach, Riedel-Gründer und neuer ARRI-Eigentümer Thomas Riedel sowie ARRI-Geschäftsführer Chris Richter.

## Gegenseitige Inspiration auf Produktseite

Über einzelne Projekte hinaus wollen beide Unternehmen ihre Produktentwicklung systematisch gegenseitig befruchten. Cinematische Bildästhetik soll stärker in hochwertige Live-Formate einfließen – von Sport über Entertainment-Shows bis zu Corporate-Produktionen. Umgekehrt sollen Live-Technologien wie drahtlose Übertragung, Signalverteilung und Intercom den Workflow am Filmset vereinfachen.

Besonderes Potenzial sieht Riedel in der Verbindung von Lichttechnik und Kamera. Als einziger Hersteller vereint ARRI beide Welten unter einem Dach. Daraus ergeben sich Möglichkeiten für ein intelligentes Zusammenspiel, die bei Wettbewerbern so nicht darstellbar sind – etwa bei Metadatenaustausch, Farbabstimmung oder Szenensteuerung. Konkrete Produkte nannte Riedel dazu nicht, betonte aber, dass genau solche Szenarien ein zentrales Innovationsfeld seien.

## Engineering-Brücken zwischen beiden Häusern

Organisatorisch haben beide Unternehmen bereits erste Schritte eingeleitet. Auf Engineering-Seite benannten sie „Brücken-Verantwortliche", die den Wissenstransfer zwischen den Häusern strukturieren. Hinzu kommen Arbeitsgruppen und regelmäßige Austauschformate. Ziel ist ein systematischer Blick über die jeweiligen Technologie-Grenzen hinweg – bis auf Ebene einzelner Bausteine wie Imager, Color Science, RF-Übertragung oder Control.

## Aktiver Gesellschafter, eigenständige Geschäftsführung

Bermbach und Richter bleiben als Geschäftsführer der ARRI Group verantwortlich. Riedel beschreibt seine eigene Rolle als die eines „sehr aktiven Gesellschafters". Das operative Tagesgeschäft liege bei den Managing Directors. Er selbst werde sich jedoch intensiv in Produktmanagement, kreative Prozesse und Kundenprojekte einbringen. Unmittelbar nach der Transaktion reiste er nach Los Angeles, um den größten ARRI-Kunden persönlich zu besuchen.

Diese Führungsstruktur unterscheidet sich spürbar von der vorherigen Konstellation, in der die Gesellschafter weniger operativ agierten. Bermbach sieht darin einen klaren Vorteil für die weitere Entwicklung des Unternehmens: schnellere Entscheidungen, neue Impulse aus einem unternehmerischen Umfeld und eine engere Verzahnung zwischen Inhaber und operativer Führung.

## Zwei Marken, ein gemeinsamer Kurs

Was die beiden Unternehmen jetzt vorhaben, lässt sich an den ersten konkreten Projekten ablesen: SailGP, der Eurovision Song Contest, die engere Verzahnung von Kamera, Licht und Kommunikationstechnik. Daraus soll in den kommenden Monaten ein gemeinsames Angebot entstehen, das Cine- und Live-Produktion enger zusammenführt – ohne eines der beiden Segmente zu schwächen.

Die Rahmenbedingungen dafür sind günstig: zwei eigentümergeführte Häuser, komplementäre Technik, ein Gesellschafter, der sich sichtbar in Produkt- und Kundenthemen einbringt. Ob daraus die angekündigte Innovationsplattform wird, entscheidet sich an den nächsten Produkten und Projekten. Die Richtung haben Riedel, Bermbach und Richter auf der NAB 2026 jedenfalls klar vorgegeben..