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# Riedel Networks: Der Mehrwert liegt nicht mehr in der Leitung
- URL: https://mebucom.de/business/riedel-networks-der-mehrwert-liegt-nicht-mehr-in-der-leitung/
- Published: 2026-10-05T15:51:46.000Z
- Updated: 2026-10-05T15:51:46.000Z
- Description: Die neue CEO von Riedel Networks will auf dem Kurs ihres Vorgängers Michael Martens aufbauen. Im Interview spricht Gudrun Scharler über Connectivity als Commodity, KI im Netzwerkbetrieb, digitale Souveränität – und darüber, warum Broadcast für Riedel Networks Kernmarkt bleibt.
- Author: Niklas Eckstein
- Tags: Business & Markt, Riedel Networks, #video, #top-story, TechStream

Gudrun Scharler übernimmt bei Riedel Networks ein Unternehmen, das ihr Vorgänger Michael Martens über 14 Jahre aufgebaut und im Markt positioniert hat. Einen demonstrativen Neustart hält die neue CEO deshalb für unnötig. Wichtiger sei es, auf dem bestehenden Fundament weiterzuarbeiten und Riedel Networks dort zu stärken, wo sich das Unternehmen von großen Carriern unterscheiden kann: bei komplexen Netzwerken, persönlicher Betreuung und der Verantwortung für den laufenden Betrieb.

Im Gespräch mit mebucom erklärt Scharler, warum reine Bandbreite für Netzwerkprovider an Wert verliert, wie KI den Betrieb verändern wird und weshalb Security aus ihrer Sicht bereits bei der Architektur eines Netzwerks beginnen muss.

**mebucom: Gudrun, du trittst die Nachfolge von Michael Martens an, der Riedel Networks 14 Jahre geführt hat. Wie viel willst du verändern?**

**Gudrun Scharler:** Ich glaube, es geht gar nicht so sehr ums Andersmachen. Ich habe eine wirklich komfortable Situation: Michael Martens hat Riedel Networks 14 Jahre lang sehr erfolgreich geführt, wachsen lassen und extrem gut im Markt positioniert.

Meine Aufgabe sehe ich deshalb zunächst nicht darin, diesen Kurs grundlegend zu verändern. Ich bin sehr dankbar, dass ich ein starkes und stabiles Fundament übernommen habe, auf dem wir jetzt die nächste Wachstumsphase gestalten können.

Ich bringe viel Erfahrung aus der Telekommunikation und mit komplexen technischen Themen mit, aber auch eine starke Kundenperspektive. Mein Ziel ist es, die Zusammenarbeit innerhalb der Riedel Gruppe weiter zu stärken und unsere Position als persönlicher und kompetenter Partner für unsere Kunden auszubauen. Wir wollen bei unseren Werten Kontinuität bewahren und uns gleichzeitig mit Blick auf die Zukunft weiterentwickeln. Ich möchte keinen Kurs ersetzen, der sehr erfolgreich war, sondern darauf aufbauen.

**Wo soll Riedel Networks in drei bis fünf Jahren stehen? Geht es vor allem um weiteres Wachstum?**

Unser primäres Ziel ist gar nicht die Größe, sondern die Relevanz für unsere Kunden. In drei bis fünf Jahren soll Riedel Networks als einer der führenden Partner für geschäftskritische Konnektivität und internationale Netzwerkstrukturen wahrgenommen werden.

Die Anforderungen steigen kontinuierlich – bei internationaler Vernetzung, Cloud-Anbindungen, Verfügbarkeit oder digitaler Resilienz. Unsere Kunden kommen mit immer komplexeren Anforderungen zu uns. Wenn sie Riedel Networks in einigen Jahren mit maßgeschneidertem Service, guter Beratung, technischer Exzellenz und echter Partnerschaft verbinden, dann bin ich zufrieden.

**Du hast zuvor für große Carrier gearbeitet. Was kann ein mittelständisches Unternehmen wie Riedel Networks besser?**

Ich denke sehr gerne an meine Zeit bei großen Carriern zurück und habe dort viel gelernt. Was mich an mittelständischen Unternehmen besonders begeistert, ist die Nähe zu Kunden und Mitarbeitenden sowie die Möglichkeit, Entscheidungen schneller umzusetzen.

Große Carrier sind enorm wichtig für den Markt und verfügen über Skaleneffekte, die wir niemals bieten können. Unsere Stärke liegt an einer anderen Stelle: Wir sind leistungsfähig, gerade bei internationalen Netzwerken, haben uns aber gleichzeitig eine hohe Flexibilität bewahrt und können als spezialisierter Partner sehr nah an den Kunden gehen.

Für den Kunden bedeutet das einen direkten Ansprechpartner, kurze Entscheidungswege und Teams, die persönlich Verantwortung übernehmen. Unsere Kunden sollen bei uns keine Ticketnummer sein, sondern mit Menschen sprechen, die ihre Anforderungen verstehen.

**Connectivity lässt sich heute über viele Technologien herstellen. Wird die reine Verbindung damit zunehmend zur Commodity?**

Ja, ich glaube schon, dass Connectivity stärker in Richtung Commodity geht. Die Leitung an sich wird austauschbar, reine Bandbreite immer stärker standardisiert. Unseren Mehrwert werden wir deshalb nicht mehr über Bandbreite oder allein über eine Leitung schaffen.

Er entsteht dort, wo Unternehmen einen Partner brauchen, der komplexe Standorte verbinden und internationale Anforderungen abbilden kann – und vor allem einen stabilen, zuverlässigen und sicheren Betrieb gewährleistet.

Die entscheidende Frage wird künftig also weniger sein: Wer liefert mir die Leitung? Sondern: Wer sorgt dafür, dass mein geschäftskritischer Betrieb stabil und zuverlässig funktioniert? Der Mehrwert liegt in der Fähigkeit, komplexe Infrastruktur zuverlässig und ausfallsicher zu betreiben.

![Gudrun Scharler, CEO von Riedel Networks](https://mebucom.de/content/images/2026/10/Gundrun-Scharler-Querformat-Klein.jpg)

„Der direkte Kontakt zu unseren Kunden ein wichtiger Teil unseres Leistungsversprechens“, sagt Scharler. ©Riedel Networks

**Riedel Networks beschäftigt sich auch mit KI für Netzwerkkonfiguration und Troubleshooting. Wie stark verändert KI den Netzwerkbetrieb?**

Ich glaube, dass KI den Netzwerkbetrieb in den kommenden Jahren massiv und sehr positiv verändern wird. Wir sehen große Potenziale, etwa bei automatisierten oder beschleunigten Fehleranalysen, bei Predictive Maintenance, also der Vorhersage von Störungen, und bei der intelligenten Optimierung von Ressourcen. KI kann dazu beitragen, Netzwerke intelligenter, stabiler und effizienter zu betreiben.

Gleichzeitig bringt sie eine größere Verantwortung mit sich. KI erhöht die Geschwindigkeit auf beiden Seiten – bei Verteidigern genauso wie bei Angreifern. Wir müssen uns dadurch möglicherweise auch auf neue Bedrohungen vorbereiten.

Ich bin überzeugt, dass KI Netzwerkbetrieb und Cybersecurity deutlich verbessern kann. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit und Resilienz. Woran ich nicht glaube, ist, dass KI das Know-how von Menschen ersetzt. KI kann gute Teams leistungsfähiger und schneller machen.

**Wenn immer mehr operative Aufgaben automatisiert werden, was bleibt dann die Aufgabe eines Netzwerkproviders?**

Automatisierung wird künftig viele operative Aufgaben übernehmen. Was bleibt, sind Verantwortung und Vertrauen.

Unternehmen brauchen weiterhin Partner, die sie bei Architekturentscheidungen unterstützen, Risiken bewerten, regulatorische Anforderungen berücksichtigen und einen stabilen Betrieb sicherstellen. Technologie kann Aufgaben automatisieren. Verantwortung und Vertrauen kann sie nicht automatisieren.

**Das heißt, es werden auch künftig Menschen in Butzbach den Hörer in die Hand nehmen und mit Kunden sprechen?**

Ja. Gerade in einer zunehmend automatisierten Welt bleibt der direkte Kontakt zu unseren Kunden ein wichtiger Teil unseres Leistungsversprechens.

**Security nimmt bei Riedel Networks eine größere Rolle ein. Wie eng müssen Netzwerk und Sicherheit heute zusammengedacht werden?**

Sicherheit und Netzwerk lassen sich mittlerweile nicht mehr voneinander trennen. Sicherheit beginnt für mich auch nicht beim Produkt, sondern bei der Architektur. Sie ist kein Add-on, sondern muss von Beginn an integraler Bestandteil einer modernen Netzwerkarchitektur sein.

Wir müssen Netzwerke von Anfang an so konzipieren, dass die Sicherheitsanforderungen darin berücksichtigt werden. Das bedeutet vor allem einen stärkeren Fokus auf Architektur, Governance und die Auswahl der jeweils passenden Technologien und Partner.

**Gibt es etwas, das Unternehmen beim Thema Security noch unterschätzen?**

Mir wäre vor allem wichtig, dass sich wirklich alle Unternehmen damit beschäftigen. Wir stellen immer noch fest, dass Sicherheit teilweise unterschätzt wird. In einer Klinik, einer größeren Arztpraxis oder auch in kleinen Unternehmen ist das Thema längst nicht überall in dem Maße angekommen, wie es nötig wäre. Ich hoffe sehr, dass sich das in den kommenden Monaten und Jahren verändert.

**Eng damit verbunden ist die Debatte um digitale Souveränität. Ist „Made in Europe“ inzwischen ein Verkaufsargument?**

Wir sehen, dass das für Unternehmen immer wichtiger wird. Digitale Souveränität war lange ein eher politischer Begriff. Mittlerweile hat sie sich zu einer echten Management-Aufgabe entwickelt, weil Unternehmen sich intensiv mit Transparenz, Abhängigkeiten und Kontrolle beschäftigen.

Sie wollen Wahlfreiheit haben und informierte Entscheidungen treffen können. Wir beobachten, dass europäische Anbieter bei vielen Kunden wieder stärker in den Fokus rücken. Vertrauen, Transparenz und klare Verantwortlichkeiten spielen dabei eine wichtige Rolle.

Wenn wir über digitale Souveränität sprechen, geht es letztlich um Transparenz, Kontrolle und die Möglichkeit, technologische Entscheidungen selbstbestimmt treffen zu können.

**Media und Broadcast gehören zu den Wurzeln von Riedel Networks. Bleibt die Branche auch unter deiner Führung ein Kernmarkt?**

Auf jeden Fall. Media und Broadcast werden immer ein Kernmarkt für uns bleiben, weil dort die Wurzeln von Riedel Networks liegen und das zur DNA der gesamten Riedel Gruppe gehört. Deshalb wird dieser Markt für uns strategisch wichtig bleiben.

Hinzu kommt, dass Broadcast und Medien bei vielen Themen technologische Vorreiter sind – etwa bei IP-basierten Produktionsumgebungen, Remote Production oder Cloud Workflows. Manche Innovationen entstehen zuerst im Broadcast-Markt und finden später ihren Weg in andere Industrien. Diesen Weg können wir gut begleiten, weil wir einerseits aus diesem Markt kommen und andererseits auch andere Branchen bedienen.

**Was ist derzeit die größte Herausforderung in der Netzwerkbranche?**

Wenn ich mit unseren Kunden spreche, ist das ganz klar die zunehmende Komplexität. Netzwerke, Cloud, KI, regulatorische Anforderungen und globale Geschäftsmodelle wachsen immer stärker zusammen.

Unsere Aufgabe ist es, diese Komplexität beherrschbar zu machen, sie zu reduzieren und Orientierung zu geben. Technologie wird leistungsfähiger, gleichzeitig aber auch komplexer. Genau damit müssen wir umgehen können.