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# RTL Group: Streaming kippt von Verlust in Gewinn
- URL: https://mebucom.de/business/rtl-group-streaming-profitabel/
- Published: 2026-08-12T11:55:04.000Z
- Updated: 2026-08-21T08:33:18.000Z
- Description: RTL Group verdient im ersten Halbjahr 2026 erstmals Geld mit Streaming – und wird mit Sky Deutschland zur Nummer drei im deutschsprachigen Markt.
- Author: Niklas Eckstein
- Tags: Business & Markt, RTL, #wp, #wp-post, #Import 2026-08-20 12:19

RTL Group hat mit seinem Streaminggeschäft im ersten Halbjahr 2026 zum ersten Mal Geld verdient. RTL+ und M6+ erwirtschafteten einen operativen Gewinn von 31 Millionen Euro, den der Konzern intern Adjusted EBITA nennt. Vor einem Jahr stand an dieser Stelle noch ein Verlust von 34 Millionen Euro. Weil sich der Trend fortsetzt, hat RTL Group seine Prognose für das Gesamtjahr kräftig angehoben und rechnet jetzt mit rund 100 Millionen Euro Gewinn aus dem Streaminggeschäft, statt der bisher erwarteten 25 bis 50 Millionen Euro.

## Warum RTL+ und M6+ jetzt Geld verdienen

Der Wendepunkt hat vor allem zwei Gründe. Zum einen wächst die Zahl der zahlenden Kunden weiter: RTL+ und M6+ zählen inzwischen zusammen 8,7 Millionen Abonnenten, ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Zum anderen ist die Technik dahinter günstiger geworden. Im April schloss RTL Deutschland die Migration von RTL+ auf die neue Streaming-Plattform Bedrock ab, seither läuft der Dienst spürbar kostengünstiger.

## Was die Sky-Übernahme für RTL Group bedeutet

Parallel zum Streaming-Turnaround ist RTL Group durch die Übernahme von Sky Deutschland auch schlicht größer geworden. Am 1\. Juni hat der Konzern den Bezahlsender vollständig übernommen und damit Zugriff auf dessen Sportrechte bekommen, darunter Bundesliga, DFB-Pokal, Premier League und Formel 1\. RTL-Group-CEO Clément Schwebig sieht den Konzern dadurch als „klare Nummer drei im deutschsprachigen Streaming-Markt“. Zusammen zählt RTL in Deutschland, Österreich und der Schweiz inzwischen 12,4 Millionen zahlende Kunden. Da RTL+ in Deutschland allein für 7,6 Millionen davon steht, dürfte Sky Deutschland selbst rund 4,8 Millionen Abonnenten mitbringen.

Bezahlt hat RTL Group dafür allerdings mit der eigenen Bilanz. Ende 2025 hatte der Konzern netto noch mehr Geld als Schulden, ein Polster von 126 Millionen Euro. Nach dem Kauf von Sky Deutschland steht RTL Group nun mit rund einer Milliarde Euro in der Kreide. An Comcast, den bisherigen Eigentümer von Sky, zahlte RTL Group beim Closing 65 Millionen Euro in bar. Über die Fusion will der Konzern das wieder hereinholen: Binnen drei Jahren sollen 250 Millionen Euro jährlich an Synergien anfallen.

Auch am Gesamtumsatz lässt sich ablesen, wie sehr Sky Deutschland den Konzern derzeit prägt. RTL Group setzte 2,89 Milliarden Euro um, 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Ohne die Übernahme wäre davon kaum etwas übrig geblieben: Aus eigener Kraft wuchs der Umsatz nur um 0,1 Prozent.

## Fernsehwerbung sinkt, Fremantle bremst beim Umsatz

Der Grund für das schwache organische Wachstum liegt vor allem im klassischen Fernsehgeschäft. Die Werbeeinnahmen im linearen TV gingen zurück, weil Zuschauer und Werbebudgets weiter Richtung Streaming abwandern. Digitale Werbung auf RTL+ und M6+ wuchs zwar deutlich, glich den Rückgang aber nur zum Teil aus.

Ähnlich zwiespältig sieht es beim Produktionsgeschäft Fremantle aus. Der Umsatz sank, weil sich mehrere große Produktionen ins zweite Halbjahr verschieben, darunter „Baywatch“ und „Kill Jackie“. Der Gewinn stieg trotzdem deutlich, die Marge nähert sich dem Neun-Prozent-Ziel, das sich RTL Group für das Gesamtjahr gesetzt hat.

Einen Sonderfall bildete die Fußball-Weltmeisterschaft. Sie bescherte der französischen Sendergruppe Groupe M6 Rekordreichweiten, 60 Millionen Menschen in Frankreich verfolgten das Turnier über M6 und M6+. Wegen höherer Programmkosten trieb sie zugleich die Ausgaben im linearen Geschäft in die Höhe.

Für das Gesamtjahr rechnet RTL Group nun mit 7,1 bis 7,2 Milliarden Euro Umsatz und rund 725 Millionen Euro Adjusted EBITA, das entspricht der bisherigen Prognose. Mittelfristig will der Konzern auf eine Milliarde Euro kommen. Wie schnell das gelingt, dürfte auch davon abhängen, wie schnell sich die versprochenen Einsparungen aus der Sky-Übernahme materialisieren. Die Uhr dafür läuft seit dem 1\. Juni.