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Wieder auf Expansionskurs

Wieder auf Expansionskurs

Die WIGE MEDIA AG will nach gelungener Restrukturierung expandieren. Geplant ist unter anderem ein verstärktes Engagement im Ü-WagenGeschäft.Vorstandsvorsitzender Stefan Eishold erklärte im MEDIEN BULLETIN-Interview, dass sein Unternehmen den derzeit hier stattfindenden Konsolidierungsprozess aktiv vorantreiben wolle. Ganz aktuell gab die WIGE jetzt zudem eine Beteiligung an der Frankfurter MOOD AND MOTION AG bekannt.

2009 stand die WIGE MEDIA AG kurz vor dem Aus. Stefan Eishold hat das Unternehmen als neuer Vorstandsvorsitzender wieder auf Vordermann gebracht, die Kosten zurückgeschraubt und die Kapitalbasis gestärkt. Von 210 Mitarbeitern mussten 60 das Unternehmen verlassen.

Die operative Sanierung konnte bereits im 1. Quartal 2010 abgeschlossen werden, die bilanzielle Sanierung nach entsprechenden Absprachen mit den Banken (Schuldenverzicht) im 2. Quartal 2010. Zwei Kapitalerhöhungen spülten frisches Geld in die Kassen und der Aktienkurs kletterte auf 3,50 EUR. Im vergangenen Jahr verzeichnete die WIGE MEDIA AG einen Umsatz von rund 30 Mio. EUR. Ein Jahresabschluss liegt zwar noch nicht vor, jedoch rechnet Eishold mit einem Gewinn von deutlich über einer Millionen Euro. Im operativen Geschäft geht er 2011 von einer Gewinnverdoppelung aus. In der zweiten Jahreshälfte 2010 konnten laut Eishold neue Strukturen und nötigen Prozesse im umgebauten Unternehmen realisiert werden. „Jetzt starten wir die nächste Phase in der Unternehmensentwicklung. Und die bedeutet Expansion im Vertrieb, im Neugeschäft und mit Blick auf die Kundenbasis“, betont er.

Die WIGE MEDIA AG verfügt aktuell über fünf Geschäftsbereiche: Außenübertragung, Redaktion, Event, Event-Technik, und internationale TV-Vermarktung. Als eigenständige Unternehmen agieren die Bereiche Event (Wige Event GmbH), Event-Technik (Wige Performance GmbH) und internationale TV-Vermarktung (Wige internationale TV-Vermarktung GmbH). Der Bereich Außenübertragung soll laut Eishold in Kürze ausgegründet werden, ebenso wie der Bereich Redaktion in der zweiten Jahreshälfte 2011. Das Hauptgeschäft der Wige Event GmbH ist unter anderem die Veranstaltung von Incentive-Reisen für Versicherungsunternehmen als Hauptkunden. „Das Unternehmen bietet aber auch Hospitality- und Corporate Event-Dienstleistungen an“, berichtet Eishold. Die Wige Performace GmbH ist vor allem in Sachen Zeitnahme bei Sport-Veranstaltungen und Veranstaltungstechnik unterwegs. Sie hat ihr Geschäft in letzter Zeit deutlich ausgebaut und unterstützt unter anderem jetzt auch Hauptversammlungen von DAX-Unternehmen mit Veranstaltungstechnik. „Die Wige Performance hat auch kleine Übertragungswagen mit der sie zum Beispiel das Fan-TV für den 1.FC Köln produziert“, berichtet Eishold.

Der Bereich Redaktion der WIGE MEDIA AG agiert als eine Art Sportproduzent und verfügt über eigene Grafik und Postproduktion. Neben TV-Beiträgen produziert die Wige-Redaktion auch Image-Filme für Unternehmen.
Besonders erfolgreich ist laut Eishold derzeit die Wige internationale TV-Vermarktung GmbH. Sie vermarktet zum Beispiel die TV-Bilder der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) in über 100 Länder. „Die Wige internationale TV-Vermarktung ist eine Art Mittler zwischen Unternehmen und Fernsehen. Ihr Job ist es, Unternehmen, Produkte, zuletzt auch vermehrt Städte ins Fernsehen zu bringen“, erklärt Eishold.

Gemeinsames Vermarktungsdach

Alle fünf Bereiche bzw. GmbHs der WIGE MEDIA AG sollen jetzt ein gemeinsames Vermarktungsdach erhalten. „Cross-Selling“ heißt die Devise. Key Accounter sollen „aus Kundensicht denkend“ über die Geschäftsbereiche hinweg agieren. Auch im technischen, kaufmännischen und kreativen Bereich soll eine stärkere Vernetzung innerhalb der Gruppe stattfinden. „Jeder Geschäftsbereich soll für sich erfolgreich sein, aber trotzdem die gemeinsamen Stärken nutzen können. Unser Vorteil ist schließlich, dass wir eine so breite Wertschöpfung abdecken können“, meint Eishold. Er weist darauf hin, dass sich alle Bereiche gut vom Ü-Wagen-Bereich, aus dem die WIGE ja eigentlich kommt, emanzipiert haben. Auch vor der Restrukturierung hätten alle Geschäftsbereiche außer dem AÜ-Bereich profitabel gearbeitet. Letzterer habe aber so hohe Verluste gemacht, dass er den Bestand des Gesamtunternehmens gefährdet habe. „Bei meinem Einstieg in die Gruppe war ganz klar, dass ich mir insbesondere den AÜ-Bereich genauer anschauen musste“, betont der WIGE-Vorstandsvorsitzende. Der sei auch heute noch das wichtigste Standbein der AG.

Verstärktes AÜ-Geschäft

Eishold kündet ein verstärktes Engagement im Außenübertragungsgeschäft an. „Wir haben wieder Geld in der Kasse, um hier investieren zu können“, betont er.
Die WIGE MEDIA AG hatte in der Restrukturierungsphase ihren großen HD-Ü-Wagen HD1 an Studio Hamburg verkauft. Der war bereits 2006 für viel Geld zum Einsatz bei der Fußball-WM 2006 gebaut worden. Mit dem Verkauf des Wagens schloss die WIGE einen Kooperationsvertrag mit Studio Hamburg. Er erlaubt dem Unternehmen zu den eigenen noch verbliebenen SD-Ü-Wagen aus dem Pool von Studio Hamburg HD-Ü-Wagen anzumieten. „Das funktioniert grundsätzlich auch gut. Die strategische Alternative ist jetzt jedoch, wieder eigene HD-Ü-Wagen zu beschaffen“, sagt Eishold.

„Mit unserer finanziellen Stärke und natürlich auch mit der Möglichkeit, den Kapitalmarkt zu nutzen, sehe ich gute Chancen die Konsolidierung im Ü-Wagen-Markt aktiv voran zu treiben“, meint er, „und davon dann letztlich auch zu profitieren.“ Nur ein oder zwei HD-Ü-Wagen im Angebot zu haben, macht nach Ansicht des WIGE-Vorstandsvorsitzenden jedoch keinen Sinn. „Tendenziell brauchen wir eine Flotte. Die neue Marktkraft von WIGE haben einige Mitbewerber offensichtlich schon erkannt. „Da klopfen schon die ersten Interessenten an, die bei uns im AÜ-Business unterkommen wollen“, orakelt Eishold.

Beim Ausbau der Ü-Wagen-Aktivitäten suche WIGE MEDIA „faire Konstellation“ mit Partnern wie Studio Hamburg in Kombination mit eigenen Ü-Wagen. Eishold: „Wir werden in diesem Jahr strategisch den Hebel umlegen und die Markt-Konsolidierung voran treiben. Wir bieten uns als starker Partner an und wären auch selbst bereit, die Kapazitäten zu bündeln. Letztlich hat diese Branche neben Kundenkontakten sehr viel mit Kapazitätsmanagement zu tun.“ Wir müssen die Kapazität bündeln um eine vernünftige Durchschnittsauslastung zu bekommen.

Aktuell hat WIGE drei große SD-Ü-Wagen und zwei SNGs. „Die drei sind bislang noch ganz gut ausgelastet. Wir produzieren damit sehr viel Motorsport wie die GT Masters für Kabel 1 aber auch Boxen, Golf und Zweitliga-Fußball“, sagt Eishold. Nach wie vor gebe es noch ausreichend Bedarf für SD-Produktionen. Für RTL hat die WIGE zwei große Flight-Container mit umfangreicher Ü-Technik entwickelt mit der sie weltweit die Formel 1-Rennen für RTL produziert – auch noch in SD. „Die Container könnten wir aber auch sehr schnell für die HD-Produktion aufrüsten“, meint Eishold. Neben der reinen Ü-Technik bietet die WIGE im Broadcast-Bereich auch Spezialtechnologien wie Drahtloskameras sowie ein umfassendes 3D-Know-how an.
Eishold will mit der WIGE „neue Weg“ gehen, kreativer und aktiver werden sowie mehr kundenspezifische Produkte und Lösungen anbieten. Dadurch wolle man auch versuchen, sich dem reinen Preiswettbewerb ein gutes Stück weit zu entziehen.

Positives Momentum

Der WIGE-Vorstandsvorsitzende spricht von einem „positiven Momentum“, in der Entwicklung der Gruppe. Dies gelte es nun unbedingt aufrecht zu erhalten. Eishold: „Der Aktienkurs steigt, die Kunden sehen uns wieder als verlässlichen Partner, die Freien arbeiten wieder gerne bei uns und manche Dienstleister sehen die Chance, unter unser Dach zu schlüpfen.“

Die positive Unternehmensentwicklung nach der Sanierung dürfe nicht dazu führen, sich mit dem bislang Erreichten zufrieden zu geben. „Von der Sanierung müssen wir mental auf Expansion umschalten. Das heißt, wir treten jetzt in eine andere Unternehmensphase ein müssen wieder mutigere Entscheidungen treffen. Das ist auch deshalb nötig, weil die Märkte sich heute sehr schnell verändern und man kaum Zeit, sich da lange zu orientieren“, betont Eishold. Erfolg auf dem Kapitalmarkt erfordere ständiges Vorausdenken. Mit Lorbeeren aus der Vergangenheit könne man da nicht avancieren.

Bislang konnte die WIGE AG den Aktienmarkt gut für sich nutzen. Im Zuge der Sanierung gab es einen Kapitalschnitt im Verhältnis 6:1. Dadurch wurde das Aktienkapital von sechs auf eine Millionen reduziert. Der Kurs lag da nur noch bei 60 Cent. Mit der ersten Kapitalerhöhung zum Aktienpreis von 1,80 Euro stieg der Kurs auf 1,90 Euro. Die zweite Aktienausgabe im Dezember 2010 konnte schon für 2,90 Euro pro Aktie realisiert werden. 399.500 neue Aktien spülten da 1,2 Millionen Euro in die WIGE-Kassen. Der Aktienkurs steigt und steht mittlerweile bei über 3,80 Euro (25. Februar). „Wenn Vertrauen da ist, kann man den Aktienmarkt gut nutzen, um sich neue Mittel zu beschaffen.

Und da sind wir im Gegensatz zu allen anderen Mitbewerbern in Deutschland, die diese Möglichkeit nicht haben, in einer sehr glücklichen Situation“, sagt Eishold. Er weiß jedoch auch, dass man mit rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz (2010) an der Börse nicht wirklich avancieren kann. Sein erklärtes Ziel ist deshalb, mittelfristig den Umsatz auf 100 Millionen Euro zu steigern. Allein durch organisches Wachstum sei das jedoch schlecht möglich. „Nur durch Zukäufe können wir schneller wachsen“, meint er. Eine Eigenkapitalquote von über 40 Prozent und ausreichend Liquidität erlaube es der WIGA, wieder zu investieren. Das wurde in einem erster Schritt jetzt auch getan. Am 22. Februar gab das Unternehmen eine Beteiligung in Höhe von 26,2 Prozent an der Frankfurter MOOD AND MOTION AG bekannt. Alle Details dazu finden sich auf www.mebucom.de
Eckhard Eckstein
(MB 03/11)

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