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AV-Matrix ohne Limitierung

AV-Matrix ohne Limitierung

Im Zuge der Reorganisation der ProSiebenSat.1 Gruppe wurden im letzten Jahr auch Gebäudeteile der Sender-zentrale in der Unterföhringer Gutenbergstraße komplett umgebaut. Im Zuge dessen installierte das Mainzer Systemhaus BFE dort ein höchst anspruchsvolles IPTV-System als Mitarbeiter-TV. 1o4 Monitore auf vier Etagen dienen der senderübergreifenden Information und Kommunikation. Die eingesetzte IPTV-Technik stammt zum Großteil von Teracue.

Als Thomas Ebeling im März 2009 den Vorstandsvorsitz der ProSiebenSat.1 Media AG übernahm, war eines seiner wichtigsten Ziele, die einzelnen Sender der Gruppe synergetisch miteinander zu vernetzen. Einerseits ging es darum, Kosten zu sparen, andererseits um eine bessere Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen zu erreichen. Das hatte natürlich gravierende Auswirkungen auf die Unternehmensstruktur. Die Zuständigkeiten innerhalb der Gruppe wurden senderübergreifend neu sortiert. Bislang nach Sendern getrennte Aktivitäten auf Leitungsebene, in den Redaktionen, im Marketing und anderen Bereichen wurden zusammengelegt. Und die Senderchefs residieren heute nicht mehr in getrennten Häusern sondern sind in einem Gebäudekomplex auf einer Etage zusammen gerückt. Stärkere Kommunikation miteinander ist angesagt.

Erleichtert wird das durch die Umgestaltung der Räumlichkeiten in der Unterföhringer Gutenbergstraße 3. Die ProSiebenSat.1-Gebäudeteile wurden dort 2009 komplett renoviert und der neuen Struktur angepasst. Die Büroetagen präsentieren sich dort heute hell, freundlich und transparent. Durch den Einsatz innovativer Technik unterstützt ProSiebenSat.1 sein kommunikationsorientiertes Raumkonzept.
Auf Initiative des Konzernmarketings hatten die Haustechnik-Verantwortlichen und Architekten den Einbau von Displays als Informations- und Kommunikationsstationen in den einzelnen Etagen geplant. Allerdings waren sie mit der dafür nötigen Technologie nicht wirklich vertraut. So kam die ProSiebenSat.1 Produktion ins Spiel. Die Tochterfirma des ProSiebenSat.1-Konzerns suchte eine professionelle Lösung für ein leistungsstarkes „Mitarbeiter-TV“ und beauftragte schließlich BFE mit der Realisierung eines IP-basierten Systems.
Das Mainzer Systemhaus wiederum holte sich Unterstützung, Technik und Know how von Teracue. Die IPTV-Spezialisten sind für ProSiebenSat.1 keine Unbekannten. „Wir pflegen seit vielen Jahren auf der Broadcast-Schiene gute Kontakte zu Teracue“, erklärt Thomas Schwarz, Leiter der 20 Mitarbeiter starken Abteilung Media Base Systems. Sie ist innerhalb der ProSiebenSat.1 Produktion für die Broadcast-Technik zuständig und derzeit auch für den technischen Support der IPTV-Anlage in der Unterföhringer Gutenbergstraße. Für die Inhalte des Mitarbeiterfernsehens hingegen sorgt die Marketing-Abteilung des Konzerns.

Hohe Flexibilität und Skalierbarkeit

Das ProSiebenSat.1 Mitarbeiter-TV zeichnet sich durch hohe Flexibilität und Skalierbarkeit aus. Es bezieht seine Inhalte aus verschiedenen Quellen.
Über DVB-100 TV-Gateways von Teracue werden die Satellitenkanäle in das IP Netz eingespeist. Dabei handelt es sich in der Regel um die Programme von SAT.1, ProSieben, kabel eins und Sixx. „Grundsätzlich könnte natürlich auch jedes andere Satellitenprogramm eingespeist werden“, sagt Peter Ehlert, zuständig für Solutions Architecture und Postproduction bei Media Base Systems.
Als zweite Signalquelle dient ein PC System auf dem eine Powerpoint-Applikation läuft. Hier werden die tägliche Speisekarte der Konzern-Kantine und die aktuellen TV-Quoten präsentiert. Die Powerpoint-Screeninhalte werden als Multicast-HD-Signale in das Netzwerk eingespeist und stehen dort wie die DVB TV-Programme als Streams zur Verfügung. Mit dem MultiCoder „MC-SCREEN“ kommt hierbei eine Encoding- und Streaming-Softwareapplikation von Teracue zum Einsatz. Sie sorgt dafür, dass die auf dem Powerpoint-PC dargestellten Bilder als IPTV-Streams ins Netzwerk gelangen. Die Screendarstellung wird dabei in nativer Auflösung, ohne Skalierung oder Konversion „gecaptured“ und kann in einer HD-Auflösung bis zu 1080p ausgeliefert werden. Selbst 2K HD wird unterstützt. Auch Flash-Streaming ist möglich via Wowza Media Server.

Die dritte Quelle des Mitarbeiter-TV von ProSiebenSat.1 ist ein iCue-Server, der als Multikanal-Playout-Server dient. Von ihm werden tagesaktuell produzierte Trailer und Image Clips abgespielt. Aktuell werden parallel fünf Kanäle ausgespielt. „Das System ist jedoch sehr flexibel. Man kann die Zahl der Kanäle leicht auf 10 oder 20 erhöhen“, meint Karl-Heinz Wenisch, CTO und Miteigentümer von Teracue.
iCue ist eine Art eigene TV-Station für Streaming Medien mit integriertem Videoarchiv. Das iCue Streaming-System ermöglicht die digitale Verteilung, Verwaltung und Aufzeichnung von TV-Kanälen und Kamerasignalen. Es kann für Live Video und Video on Demand mit MPEG-2 und H.264 SD/HD für Intranet IPTV eingesetzt werden.

Die zur Mitarbeiter-Information eingesetzten Trailer werden klassisch produziert und als File zum Transcoder geschickt, der das verwendete Profil des Transportstreams – MPEG-2 SD mit 4 bis 6 Mbit/s – einstellt. Nach der Wandlung durch den Transcoder wird das Material indexiert bzw. mit Metadaten versehen auf dem Server abgelegt. Es steht dann zur Nutzung in Playlisten und zum Streaming bereit.
„Beim ProSiebenSat.1-Mitarbeiter-TV findet also eine richtige Produktion statt, wenn auch eine mit sehr schlanker Personalstruktur“, sagt Ehlert. „Im Prinzip lässt sich alles von einem PC aus steuern. Es reicht eine Person, um die Inhalte den Monitoren zuzuweisen und über entsprechende Playlists zu bespielen“, berichtet Ehlert. Insgesamt sind mittlerweile 104 LCD-Monitore (Sony Bravia 40“) an das Mitarbeiter-TV-System angeschlossen. Die in den Wänden eingelassenen Monitore befinden sich im Empfangsbereich, im Fahrstuhl und in den Gängen der vier Etagen – also in den Bereichen der Geschäftsleitung ebenso wie in denen der Redaktion, des Marketings oder der Postproduktion.

Die Fahrstuhlbespielung besteht aus der Powerpoint-Präsentation auf der im 30-Sekunden-Wechsel Speiseplan und Einschaltquoten gezeigt werden.
„Wir verzeichnen hier auf das Info-Angebot auf den Displays sehr gute Resonanz. Das merkt man daran, wenn irgendwo etwas ausfällt. Dann gibt es gleich Beschwerden“, betont Ehlert.

IP-fähige Set-top-Boxen

Jedes der Display im Haus ist mit einer eigenen IP-fähigen Set-top-Box ausgerüstet, die alle IP-Streams im Netz empfängt. Die Monitore sind mit den Set-top-Boxen über HDMI-Kabel verbunden. „Dadurch, dass jeder Monitor eine eigene Set-top-Box hat, ist er auch leichter fernzusteuern. Man kann theoretisch für eine einzelne Set-top-Box eine eigene Playlist erstellen. Oder man kann auch Gruppen von Monitoren zusammen führen und ihnen bestimmte Programminhalte zuweisen“, berichtet Wenisch. „Mit der Management Software lässt sich jede einzelne Set-top-Box kontrollieren und ihr Status überprüfen.“
Die eingesetzten Set-top-Boxen stammen von dem Hersteller Amino (Typ A130). Wenisch: „Wir setzen die seit sieben Jahren ein und haben damit gute Erfahrung gemacht. Es sind die wohl am weitesten verbreiteten IP-Set-top-Boxen. Amino liefert die Boxen mit einer Grundsoftware aus. Wir mussten nur noch die Steuerungsprotokolle zur Fernsteuerung der Set-top-Boxen entwickeln und integrieren.“ Teracue hat dazu auch eine grafische Oberfläche für Infrarot-Fernbedienung entwickelt. Damit ist es möglich, dass man jede Set-top-Box direkt auf den Server zugreifen lassen kann. Das heißt, das System lässt sich nicht nur von zentraler Stelle aus fernsteuern, sondern auch vor Ort per Fernbedienung nutzen. Bei ProSiebenSat.1 ist diese Option jedoch derzeit nicht im Einsatz.

Playout, Scheduling und die Steuerung der Set-top-Boxen wird mit der IP-basierten Fernsteuerungs- und Konfigurations-Applikation „ElementManager“ von Teracue erledigt. Damit lassen sich Encoder und Set-top-Boxen und Displays fernsteuern. Der Ingest in den iCue-Server, die Playlist-Erstellung, Sendeabwicklung sowie die Überwachung und die Umschaltung der Set-top-Boxen wird im Mitarbeiter-TV-Kontrollraum erledigt. Verantwortlich hier ist Wolfgang Hess, Abteilungsleiter On Air Promotion von ProSiebenSat.1.
Die im Kontrollraum eingesetzte Technik ist sehr überschaubar. Da gibt es lediglich einen Rechner mit MC-SCREEN zur Erzeugung der Fahrstuhlbespielung, einen großen Kontroll-Monitor mit Set-top-Box, einen PC mit ElementManager für Scheduling und Playout und eine Arbeitsstation mit Teracues iCue-Player für den Ingest.

Die gegenwärtig fünf Hauskanäle können vom Kontrollraum aus beliebig bespielt werden, unter anderem auch mit Kampagnen-, Image- und Ankündigungstrailern, die wöchentlich von den SWPs (Senior Writer Producer) angeliefert werden. Ein Kanal wird auch für Poster-Loops genutzt, ein anderer für jahreszeiten- und eventorientierte Stimmungsbilder.
Die Live-Programme ebenso wie die Clips vom iCue-Server werden beim ProSiebenSat.1-Mitarbeiter-TV derzeit nur in SD-Qualität auf die Monitore gebracht. „Das System an sich könnte jedoch genauso gut HD-Signale verteilen. Eine Erweiterung auf HD ist aber zunächst nicht vorgesehen“, sagt Schwarz. Auch könnten weitere Kanäle über zusätzliche DVB TV-Gateways eingespeist werden. „Man könnte unsere IP-Encoder zur Einspeisung von SDI-Signalen einsetzen, wenn zum Beispiel im Haus ein Event stattfindet und Live-Bilder davon auf allen Monitoren gezeigt werden sollen“, berichtet Wenisch.
Er macht klar: Das bei ProSiebenSat.1 eingesetzte Mitarbeiter-TV-IP-Netzwerk funktioniert wie eine sehr flexible AV-Matrix. „Das System arbeitet wie eine Kreuzschiene, jedoch ohne Limitierung von Quellen und Senken. Es ist voll-skalierbar. Weitere Sender können jederzeit über zusätzliche TV Gateways oder Encoder eingespeist werden.

Ebenso kann die Zahl der Displays und Set-top-Boxen im System beliebig erweitert werden. Das Netzwerk ist transparent für alle Eingangssignale (DVB/TV, SDI, DVI, PC). Nichts muss extra gewandelt werden. Das übernehmen automatisch die Decoder der Set-top-Boxen. Jedes Signal ist über dies an jeder Stelle des Netzwerks abrufbar“, fasst er zusammen. Das komplette System ist schon heute HD fähig.
Das technische Konzept des ProSiebenSat.1-Mitarbeiter-TV ist so gesehen beispielhaft für die neue strategische Ausrichtung des gesamten Konzerns – in technischen wie in organisatorischen Fragen.
Eckhard Eckstein
(MB 12/10_01/2011)

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