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Beste Entertainment-Technologie

Beste Entertainment-Technologie

Dolby Laboratories hat auf dem Mobile World Kongress 2008 in Barcelona und auf der CeBIT 2008 in Hannover die Audio-Postprozessing Plattform „Dolby Mobile“ vorgestellt. Sie erlaubt jetzt Surround-Sound bei Audio- und Video-Nutzung auf dem Handy. Durch die Übernahme von Coding Technologies und Einsatz des aacPlus-Kodierverfahrens will Dolby zudem seine Position im Mobile-Entertainment-Markt deutlich ausbauen.

Die Dolby Laboratories sorgen seit über 40 Jahren für innovative Technologien im Audio-Bereich. Jetzt will das Unternehmen auch verstärkt den Mobile-Entertainment-Markt mit seinen Lösungen bedienen. Auf dem Mobile World Congress 2008 in Barcelona (Februar) und auf der CeBIT 2008 in Hannover (März) wurde dazu „Dolby Mobile“ promotet und die weltweite Vermarktung dieser Audio-Postprozessing Plattform angekündigt.
„Unser Ziel ist es, das Entertainment unterwegs zu revolutionieren. Wir fokussieren uns dabei vor allem auf Mobile-Musik und Mobile-Video“, erklärt Max Taylor, International Marketing Director für den Mobile-Bereich von Dolby Europe. „Wir wollen jetzt auch im Mobile-Bereich die beste Entertainment-Technologie anbieten“, betont er. Die starke Marktposition von Dolby dürfte dem sehr entgegenkommen. Schon heute sind rund 2,7 Milliarden Produkte im Unterhaltungselektronikbereich mit Dolby-Systemen ausgestattet. „Im Entertainment Eco-System arbeiten wir heute mit 500 Firmen in 26 Ländern zusammen“, sagt Taylor.
Auf dem Mobile World Kongress hat Dolby nun auch neue Partnerschaften für Dolby Mobile bekannt gegeben. Die RMI Corporation wird demnach Dolby Mobile auf der RMI Alchemy Plattform für portable Mediaplayer-Applikationen einsetzen. Und auch auf der OMAP-Plattform von Texas Instruments soll Dolby Mobile laufen.
Die Postprocessiong-Technologie ist die Kombination mehrerer Filter- und Optimierungstechniken für das Stereomaterial. Als Quellformat kann jede beliebige Audiodatei genutzt werden, darunter MP3, WMA oder AAC. Auch auf der Ausgabeseite gibt es keine Einschränkungen. Handelsübliche Headsets, Kopf- oder Ohrhörer sind für das Rundumklang-Erlebnis ausreichend. Dieses wird laut Taylor durch ein Virtualisierungskonzept erzeugt, bei dem per Upmixing aus Stereo-Signalen Surround-Sound-Wahrnehmung generiert wird. „Nutzer haben hierbei das Gefühl, als ob der Sound direkt aus dem Inneren des Kopfes kommt“, sagt Taylor.
Die Technologie, die den räumlichen Klang erzeugt, heißt HRTF (Head-Related-Transform-Functions). „Mathematische Funktionen beschreiben hierbei, wie in einem angenommenen Raum ein angenommenes Audiosignal von einer angenommenen Quelle sich zu einem angenommenen Trommelfell bewegt. Das kann man relativ genau machen. Man kann sogar die Kopfform in diesen mathematischen Algorithmen einbeziehen. Wenn man das ganz exakt macht, schafft man es wirklich, das typische Inkopf-Erlebnis zu generieren und einen echten Surround-Höreindruck zu erzeugen“, erklärt Gerald Moser, ehemals Manager Communications & Public Relations von Coding Technologies, und nun Business Development Manager bei der Dolby Germany GmbH in Nürnberg.
Neben dem Surround-Sound bietet Dolby Mobile weitere Features:
- Sound Space Expander: Produziert einen breiteren Stereoklang und separiert zum Beispiel Instrumente voneinander.
- Sound Space for Headphones: Eliminiert den Eindruck bei Kopfhörern, dass Klänge im Zentrum des Stereomix so wahrgenommen werden, als seien sie im Kopfinneren lokalisiert (Inside-the-Head-Effect). Dies führt nach Angaben von Dolby zu schnellerer Ermüdung.
- Natural Bass: Bassoptimierung, die den Dynamikumfang bei tiefen Frequenzen erweitert.
- Sound Level Controller: Limitiert oder vergrößert das Frequenzspektrum, so dass permanente Lautstärkekorrekturen überflüssig werden.
- Mono-to-Stereo Creator: Wandelt Mono- in Stereo-Sound.
Zusätzlich zu den Dolby-Mobile-Algorithmen auf dem Soundchip kann der Benutzer den Frequenzgang für verschiedene Genres anpassen. Diese Profile hinterlegt der Gerätehersteller im Handy. „Wir können unseren Kunden, zum Beispiel den Handy-Herstellern, verschiedene Preference-Settings anbieten, dass sie ihre Endgeräte für spezielle Anwendungsbereiche auch einrichten können“, betont Taylor.
Dolby Mobile setzt keine besondere Hardware voraus und ist unabhängig vom Handy-Betriebssystem. Implementierungen unter anderem für Symbian sind laut Taylor marktreif. Für Microsofts Windows-Mobile-Plattform gäbe es dagegen noch keine Anwendung. Die einzigen Mobiltelefone mit Dolby-Mobile-Technologie verkaufen NTT DoCoMo und Sharp seit November letzten Jahres in Japan.
Dolby Mobile ist bereits seit November 2007 auf dem Markt, allerdings nur in Japan. Dort bietet NTT DoCoMo die Sharp Handys FOMA SH905i und 905iTV für Mobile-TV (seit Februar) mit Dolby Mobile-Technologie an.

Hochqualitative Codecs
Neben der Postprocessing Technologie Dolby Mobile bietet Dolby Lizenznehmern im Bereich des mobilen Entertainments auch die Kodierverfahren aacPlus und MPEG-Surround an. „Die Kombination aus hochqualitativen Codecs und dem Postprozessing Tool Dolby Mobile erlaubt uns, künftig weitere leistungsfähige, kundenspezifische Audio-Lösungen anzubieten“, betont Taylor. „Gerade aacPlus ist wegen der dabei benötigten niedrigen Bandbreite ideal für die Mobile Industrie“, meint er. Das Kodierverfahren sei heute schon in dieser Branche sehr weit verbreitet. Die Top-5 Handy-Hersteller der Welt seien Lizenznehmer von aacPlus. „Und auch MPEG-Surround ist wegen seiner Kompressionsleistung, vor allem aber wegen seiner Multichannel-Fähigkeit für viele Kunden sehr interessant“, sagt Taylor.
Die Lizenzrechte an dem aacPlus Kodierverfahren sind durch die Übernahme von Coding Technologies zu Dolby gelangt. Dieses Unternehmen wurde im November 2007 für 250 Millionen Dollar von Dolby übernommen. Dolby hat angekündigt, aacPlus weiter zu unterstützen. „aacPlus ist eine sehr bekannte Marke, die wir weiterhin pflegen werden. Im Moment besteht keine Absicht, an aacPlus etwas zu verändern“, betont Taylor.
Bei Dolby verspreche man sich in Sachen Forschung und Entwicklung viele Synergien zwischen den Dolby- und den ehemaligen Coding-Teams. „Wir werden diese Synergien nutzen, um gemeinsam neue Produkte zu entwickeln“, sagt der Marketing-Manager von Dolby Mobile.
„Coding Technologies hatte im Mobile-Bereich mit aacPlus einen ganz anderen Stand als Dolby. Dieser Audio-Codec für qualitativ hochwertige Musikwidergabe auf Mobiltelfonen ist bereits in 300 Millionen Handsets weltweit integriert. Von einer solchen Verbreitung war Dolby Mobile weit weg. Die aacPlus-Marktpenetranz hat Dolby mit Coding Technologies nun erworben“, berichtet Dolby Deutschland Business Developement Manager Moser.
„Mit aacPlus kann Dolby nun neue Technologiepakete schnüren und sie auf bestimmte Businesscases abstimmen. Unklar ist noch, wie die aussehen und heißen werden. Diese Dinge werden jetzt diskutiert“, sagt er.

Dolby integriert Coding-Know-how
Das Zusammengehen von Dolby mit Coding Technologies wird seiner Ansicht nach nicht nur für den Mobile Entertainment-Markt von Nutzen sein, sondern auch für den klassischen Broadcast-Markt.
„Im Broadcasting gab es bislang eine klare Konkurrenzsituation zwischen dem Dolby Digital plus-Codec von Dolby und dem aacPlus-Codec von Coding Technologies“, meint Moser. Einige Sender hätten den Dolby-Codec wegen der Bekanntheit der Marke den Vorzug gegeben, andere dem Coding-Codec wegen dessen deutlich höherer Effizienz. Diese war in verschiedenen Tests, unter anderem durch die EBU, bestätigt worden.
„Für die Technologie insgesamt ist die Übernahme von Coding durch Dolby positiv zu sehen. Daraus ergibt sich eine echte Win-Win-Situation für alle Seiten. Coding bietet die effizientere Technologie, Dolby die stärkere Marke“, meint Moser. Auch die Sender seien damit zufrieden, weil sie nun die Garantie hätten, dass die aacPlus-Technik beste Chancen habe, unter dem Dolby-Dach weiter zu leben.
Coding Technologies war traditionell auf offene Standards fokussiert. Alle Standards wurden in MPEG standardisiert. Dolby hat bislang jedoch eher proprietäre Produkte auf den Markt gebracht. Vorstellbar ist nun, dass aacPlus als offener Standard mit weiter Verbreitung als Basis dient und von Dolby durch „proprietäre Erweiterungen“ ergänzt wird. Dadurch könnte sich Dolby weiter von Konkurrenzprodukten absetzen. „Technologie wie aacPlus-Lösungen in Kombination mit qualitätsverbessernden Dolby-Postprocessings können dazu beitragen, dass Hersteller dedizierte Geräte für Musikliebhaber bauen“, meint auch Moser.
Auf der NAB 2008 wird man sicherlich mehr über die Pläne von Dolby in Sachen aacPlus erfahren können. Angekündigt ist dort die Präsentation von „aacPlus by Dolby“. Der aacPlus-Codec soll dabei schon mit wichtigen Dolby-Features wie Dialog-Level und Dynamic Range Control kombiniert werden.
Eckhard Eckstein (04/08)



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