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Erweiterte Kapazitäten

Erweiterte Kapazitäten

Hofmeir Media Hofmeir Media hat Mitte August ein neues IPTV-Playoutcenter in München in Betrieb genommen. Als IPTV-Dienstleister und Technologielieferant streamt das Unternehmen Livesignale verschiedener TV- oder Radiosender und ist Media-Hostingprovider für On-Demand-Videostreams. Neben dem Bereich IPTV forciert Hofmeir Media den Unternehmensbereich Webhosting und verwaltet als direktes DENIC-Mitglied Media Domains und Webpräsenzen. Das Unternehmen setzt auf eigene Hardware in zwei Münchner Rechenzentren. MEDIEN BULLETIN sprach darüber mit Unternehmenschef Stefan Hofmeir.

Seit wann ist Hofmeir Media im IPTV-Geschäft?
Die Hofmeir Media GmbH wurde 2000 gegründet. Angefangen haben wir als Hosting-Dienstleister mit eigener Hardware in einem Rechenzentrum in München-Moosfeld. Das hat sich gut entwickelt. Wir verwalten mittlerweile als offizielles DENIC-Mitglied über 10.000 Präsenzen. Das Webhosting wird von uns auch weiter forciert, im B2B-Bereich, in dem wir inzwischen auch Server von Siemens und anderen großen Firmen bei uns stehen haben, ebenso wie im Consumer-Bereich. Daneben sind wir auch in den IPTV-Bereich eingestiegen und haben dafür im August des Jahres ein eigenes IPTV-Playoutcenter in München eröffnet. Mit Video-Streaming angefangen haben wir 2005 mit dem Streaming der Medientage München. Seitdem realisieren wir IPTV-Services auch für viele andere Veranstaltungen, zeichnen Events vor Ort in Bild und Ton auf und bereiten das Material für die Live- oder zeitversetzte Nutzung im Internet auf.

Haben Sie dabei eigenes Kamera-Equipment am Start?
Wir haben mehrere eigene semiprofessionelle HD-Kameras, wie zum Beispiel Sonys HDR-FX1. Die reichen aus, um selbst hoch auflösende Bilder für das Internet zu produzieren.

Inzwischen haben Sie auch IPTV-Kunden aus dem Rundfunkbereich. Wie hat sich das entwickelt?
Der erste Sender-Kunde aus dem TV-Bereich war Volksmusik TV – Volksmusiktv.de. Es war für uns von Vorteil, dass wir auf den Dachflächen eines Münchner Rechenzentrums eigene 1,2 m große Kathrein-Antennen aufgebaut haben. Damit können wir verschiedene Satellitenpositionen empfangen, so auch die auf 23,5 Grad Ost über die Volksmusik TV damals abgestrahlt wird. Mit den Antennen vor Ort sparen wir unnötige Zuführungskosten und können höchste Verfügbarkeit garantieren. Von dort wird das jeweilige Programm direkt ins Internet eingespeist. Weitere TV-Kunden sind mittlerweile Bibel.TV – www.bibeltv.de – sowie der Jugendsender trutv – www.trutv.de – und die beiden Shoppingsender meintvshop – www.meintvshop.de – und SpiritON.TV – www.spiriton.de. Letztes Jahr bekamen wir schließlich den Auftrag, die Bibel TV-Mediathek aufzubauen. Diese haben wir komplett selbst entwickelt und befüllen sie als Komplett-Dienstleister heute auch selbst mit Material. Inzwischen existieren in der Mediathek weit über 1.000 Sendungen, die man jederzeit abrufen kann. Schließlich betreuen wir noch einige Radiosender. Der bekannteste davon ist wohl Radio 2day in München – www.radio2day.de. Darüber hinaus stellen wir unsere Streaming-Server auch anderen Dienstleistern zur Verfügung. Es kommen immer mehr Anfragen von Unternehmen, die Videoinhalte als kleine Zusatzinfos auf ihrern Websites oder als dauerndes Bewegbild verbreiten wollen. Deshalb haben wir letztlich auch den Entschluss gefasst, unsere Server-Kapazitäten weiter auszubauen. Zwischen Hauptbahnhof und Bayerischen Rundfunk in der Münchner Innenstadt haben wir ein eigenes IPTV Playout-Center aufgebaut. In der ehemaligen Hopfenpost haben wir eigene Räumlichkeiten angemietet und mit eigenem Equipment wie zum Beispiel Racks bestückt.

Über welche Kapazitäten verfügen Sie dort?
Seit Mitte August haben wir dort eine Kapazität für über 1.000 Streaming-Hochleistungsserver. Jedes Serverrack hat bereits in der Grundausstattung eine Anbindung von 24 GBit/s. Normale Racks bieten gewöhnlich nur eine Anbindung von 100 MBit/s. Je nach Kundenwunsch gibt es Routing-Möglichkeiten zu den verschiedensten Carriern. Zusammen mit unserem zweiten Standort realisieren wir damit ein leistungsfähiges Content-Delivery-System – CDN. Um ganz Deutschland mit massenattraktiven IPTV-Inhalten zu versorgen, muss man nicht in zehn Rechenzentren zuhause sein. Genauso gut kann man die Inhalte auch über verschiedene Carrier verfügbar halten, um ein besseres und schnelleres Routing zu den einzelnen Teilnehmer zu gewährleisten. Im gleichen Rechenzentrum stehen übrigens inzwischen auch über 20.000 Server von Google und vielen anderen großen Firmen.

Wie schaut es mit der Redundanz aus?
Wir garantieren eine Verfügbarkeit von weit über 99,9 Prozent. Jedes Rack verfügt über drei unabhängige Stromkreise. Fällt einer davon aus, sind immer noch zwei weitere verfügbar. Der Strom enthält keine Spannungsspitzen und wird über große Batteriepuffer abgesichert. Sollte die Stromzufuhr von außen gestört sein, überbrücken die Batterien die Zeit, bis der Dieselgenerator angelaufen ist. Der Strom ist also ebenso wie die Uplinks ins Internet redundant ausgelegt.

Modulares Angebot
Welche Kunden werden vom neuen IPTV-Playout speziell bedient?
Wir machen ein modulares Angebot, je nachdem wie viel Dienstleistung der Kunde benötigt. Zum einen können andere Dienstleister im Streaming-Bereich unsere breitbandigen Racks anmieten und zum anderen treten wir selbst als Komplettdienstleister auf, um Fernsehsender live zu streamen und Mediatheken anzubieten. Wir haben verschiedenste Streamingserver wie den Adobe Flash Media Server oder den Wowza-Server im Einsatz und bieten natürlich auch Windows-Media-Streaming an. Ab 2009 bieten wir auch das neue Microsoft Silverlight-Format an. Außerdem sind wir in der Lage, Kunden, die eine Veranstaltung für einen begrenzten Zeitraum 20.000 Leuten gleichzeitig via IPTV verfügbar machen wollen, mit unserer Plattform zu bedienen. Wir bekommen mittlerweile auch Aufträge von Firmen im Dax 30-Bereich, die eigentlich ein eigenes Rechenzentrum betreiben, aber trotzdem outsourcen.

Zum Beispiel?
Seit Sommer sind wir Hosting-Provider für das Videoportal der Siemens-Presseabteilung. Wir managen die Playout-Server und sind für die Überwachung zuständig. In dem Videoportal können Journalisten aus den Siemens Video-Industriefilmen Sequenzen auswählen und das gewünschte Endformat anwählen können. Dann wird auf dem Server genau diese Videosequenz in das endgültige Format transcodiert und den Journalisten zur Verfügung gestellt. Das Portal und die Transcoding-Software kommt dabei vom Münchner Unternehmen FlowWorks.

Welche Planziele verfolgen Sie?
Wir setzen auf stetiges Wachstum und darauf, dass wir uns in München als feste Größe im Streaming-Bereich etablieren können.

Inwieweit ist Hofmeir Media von den neuen Lizenz-Regeln für Live-Streaming-Angebote in Bayern betroffen?
IPTV-Anbieter, die mehr als 500 Kunden gleichzeitig mit Live-Streams erreichen, sollen ja genehmigungspflichtig werden und Lizenzgebühren zahlen.
Die neue Medien-Regulierung hat keine Auswirkungen auf die Expansion der Hofmeir Media. Im Endeffekt ist das ja auch keine bayerische Endscheidung. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien – BLM – hat nur frühzeitig umgesetzt, was nach dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag deutschlandweit eingeführt werden soll. Meiner Meinung nach sind die wenigsten IPTV-Sender davon betroffen. Sämtliche Fernsehsender, die wir simulcast im Internet live streamen, haben ohnehin schon alle eine Rundfunklizenz. Die neuen Regeln betreffen lediglich die Sender, die neu im Internet starten. Über 95 Prozent aller neuen TV-Sender starten über Satellit und Kabel und erst dann auch im Internet. Und selbst die, die zuerst im Internet senden, bemühen sich oft frühzeitig um eine Lizenz und mieten bei Erfolg Sendekapazität auf Satellit dazu. Aktuelles Beispiel hierfür ist das Deutsche Anlegerfernsehen. Die Änderung der bayerischen Fernsehsatzung im Bereich Live-Streaming wird meiner Meinung nach eher den Trend weg vom Livestream hin zu nicht-linearen IPTV-Angeboten weiter beschleunigen. Denn die Zuschauer wollen bei IPTV zunehmend selbst entscheiden, wann eine Sendung starten soll. Eine Nachrichtensendung als jederzeit startbares und regulierungsfreies On-Demand-Video ist meiner Meinung nach mehr meinungsrelevant und für Webuser eh sinnvoller als ein Livestream, der nach 15 Minuten wieder vorbei ist. Solange Provider unabhängiges IPTV im Unicast-Standard verbreiten, ist echtes Livestreaming nur bei den wenigsten Angeboten notwendig. Livestreaming ist im Grunde ja nur dann nötig, wenn irgendwelche Interaktionen damit verbunden sind, zum Beispiel per Telefon gestellte Fragen, die mit ausgestrahlt werden, oder etwa bei TV-Wettspielen.

Wie sieht die Lizenzlage bei Ihren Kunden aus?
Wir weisen unsere Kunden auf die neuen Regelungen hin, jeder TV-Sender ist für die Einhaltung selbst verantwortlich. Die von uns ausgestrahlten Sender haben entweder eine Rundfunk- oder eine Mediendienste-Lizenz. Wir überlegen derzeit, ob wir nicht selbst eine Rundfunklizenz für eine Art Mischkanal beantragen sollen. Dieser könnte dann mit zeitlich begrenzten Programmen von verschiedenen Kunden bestückt werden. Die medienrechtliche Verantwortung liegt dann bei uns. Gerade für kleinere zeitlich begrenzte Veranstaltungen wäre das die beste Lösung.

Sat-Signal auf DSL umleiten?
Gibt es weitere Pläne?
Es gibt viele Menschen in Deutschland, die gerne Satellitenprogramme empfangen würden, aber keine Möglichkeit haben, eine Sat-Schüssel dafür aufzustellen. Unsere Idee ist es, die Fernsehsender im Rechenzentrum zu empfangen und dann per DSL-Leitung an die TV-Zuschauer zu schicken. Das wäre dann sozusagen ein Provider unabhängiges IPTV-Angebot auf Basis der frei empfangbaren Satellitensignale. Hierfür haben wir ein technisches Testszenario aufgebaut. Uns ist natürlich klar, dass wir da ein vermintes Feld betreten und klären derzeit rechtlich ab, ob wir dies überhaupt weiter verfolgen können. Es gilt hierbei insbesondere, die Urheberrechtsproblematik zu klären. Allein der Ansatz, dass der Satellitenreceiver nicht im Wohnzimmer des TV-Zuschauers steht, sondern im Rechenzentrum und dazwischen ein öffentlicher Internetweg liegt, ist neu und bedarf eingehender Prüfung. Wir werden dennoch in den nächsten Wochen ein Showcase zeigen und abwarten, wie die Resonanz bei den Privatsendern ausfällt. Mit unserer Idee könnte man auch in die Kabelnetze Parallelangebote hinein bringen. TV-Programme, die der Kabelnetzbetreiber nicht selbst anbietet, könnten so trotzdem den Weg in die Wohnzimmer finden. Wobei es natürlich auch so ist: Streaming im freien Internet kostet viel Traffic. Die Telekom kann ihr IPTV-Angebote im eigenen Netz trafficsparend im Multicast-Standard ausstrahlen. Die T-Home-Entertain-Programme werden jeweils mit einem Stream ins Netz geschickt – und jeder Receiver kann sich dann auf das gleiche Signal einklinken. Über die einzelnen Providergrenzen hinweg wird das Multicast-Protokoll derzeit jedoch nicht unterstützt. Technisch wäre es schon möglich. Aber die einzelnen Provider haben kein Interesse, fremde Videosignale durchzulassen. Deshalb muss aktuell jeder Haushalt mit einem eigenem Unicast-Stream bedient werden. Und das geht sehr ins Geld. Die Traffic-Kosten bei IPTV sind wie das Benzin beim Auto. Wer viel fährt, zahlt auch viel.
Eckhard Eckstein (11/08)

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