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Flagge zeigen mit viel Technik und Personal

Flagge zeigen mit viel Technik und Personal

Die FIFA Fußballweltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli 2010) wird vom Host Broadcaster HBS und den nationalen Rechteinhabern mit viel Aufwand für die TV-Übertragung in HD-Qualität und Dolby 5.1 produziert – auch von ARD und ZDF. Um Synergien zu nutzen und Kosten zu sparen, arbeiten sie deshalb bei der Produktion, der Bereitstellung der technischen Infrastruktur und im Studiobereich eng zusammen.

Die 19. FIFA Fußballweltmeisterschaft ist weltweit das absolute Highlight der Rundfunkübertragung in diesem Jahr. In Deutschland übertragen ARD und ZDF 55 der 64 Spiele live, RTL neun und Sky alle 64 Partien im Pay-TV.
Die Eröffnungspartie Südafrika gegen Mexiko wird am 11. Juni in der ARD und das Endspiel am 11. Juli im ZDF zu sehen sein (Kommentator Béla Réthy). Pro Wochentag werden in der Gruppenphase drei Spiele stattfinden. Diese werden jeweils um 13:30 Uhr, 16:00 Uhr und 20:30 Uhr südafrikanischer Ortszeit und somit auch Mitteleuropäischer Sommerzeit angepfiffen.
Für die Präsentation der Fußball-WM werden ca. 550 Mitarbeiter nach Südafrika reisen, um den Zuschauerinnen und Zuschauern zu Hause die Weltmeisterschaft zu präsentieren. Für die Sicherheit des Personals vor Ort werden einheimische Security-Teams und Fahrer beschäftigt. „Um trotzdem so schlank wie möglich zu arbeiten, haben ARD und ZDF starke Heimatredaktionen in Baden-Baden und Mainz“, erklärt Bertram Bittel, SWR-Direktor Technik und Produktion sowie ARD-Teamchef der FIFA WM 2010 und zur Zeit Vorsitzender der Produktions- und Technikkommission von ARD und ZDF.

Für die ARD hat der Südwestrundfunk (SWR) die Federführung bei der rundfunktechnischen Planung und Realisierung der WM-Übertragung übernommen. „Natürlich erhalten wir dabei starke Unterstützung von anderen ARD-Anstalten, insbesondere durch den Bayerischen Rundfunk, den Norddeutschen Rundfunk und den Westdeutschen Rundfunk“, betont Bittel.
Beim Projekt Fußball-WM kooperieren die ARD-Anstalten indes nicht nur untereinander sondern auch mit dem ZDF. Um Kosten zu sparen und Synergien zu nutzen, teilen sich die öffentlich-rechtlichen Sender die technische Infrastruktur. Zudem haben sie ihre Zusammenarbeit bei der Produktion noch weiter intensiviert.

Gespart wird auch an anderer Stelle: Eigene Fußball-WM Sendezentren mit Public Viewing-Möglichkeit wie zur WM 2006 am Potsdamer Platz oder zur EM 2008 an der Seebühne in Bregenz fehlen. ARD und ZDF haben diesmal keine eigenen Studios, sondern senden beide aus dem gemeinsamen Studio im International Broadcasting Center (IBC) im Expo Center von Johannesburg im Bezirk Nasrec, ganz in der Nähe des Stadions Soccer City. Hier befindet sich auch das Sendezentrum der Öffentlich-rechtlichen mit allen weiteren Einrichtungen wie Senderegie, Hauptschaltraum, Redaktionen, Produktion, Schnitt und Sprecherstudios. Neben TV-Teams sind hier auch Radio- und Online-Teams im Einsatz.

Radio- und Online-Angebote
Auch der zentrale Produktionsbereich des ARD-Hörfunks sitzt im IBC. Dort erfolgt die Produktion an 15 vernetzten Arbeitsplätzen sowie die aktuelle Berichterstattung aus zwei Studios. Die WM-Redaktion wird die mehr als 50 Hörfunkprogramme vom frühen Morgen bis Mitternacht mit Vor- und Nachberichten, aktuellen Interviews, Hintergrundstücken sowie Geschichten über Land und Leute beliefern. Zu allen 64 Spielen wird es Live-Reportagen geben, 20 Begegnungen, darunter alle deutschen Spiele, werden als Vollreportage übertragen.
Von der ARD-Online-Redaktion werden zwei Mitarbeiter vor Ort sein. Sie liefern Hintergrundberichte und werden auch beim Bloggen und Twittern eingesetzt. Außerdem werden sie engen Kontakt mit den Kollegen von Fernsehen und Hörfunk halten. „Da machen wir viel von der Heimatredaktion aus, wo sich unter anderem auch die Zentrale für den Online-Bereich befindet“, sagt Bittel.
Er betont zudem, dass auf dem Weg in Richtung trimediale Produktion bereits jetzt alle Redaktionen – TV, Hörfunk und Online – wechselseitig direkten Zugriff auf das gesamte produzierte Material haben.

Im Bereich Internet- und Social Media-Aktivitäten baut die ARD bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft ihr Engagement deutlich aus. Auch hier ist der SWR für die ARD federführend. Er arbeitet jedoch eng mit dem WDR und sportschau.de zusammen. Bereits am 3. Mai startete das große Internet-Special der ARD zur Weltmeisterschaft. Unter sportschau.de findet der User Berichte, Live-Ticker, Audios und Videos zu allen 64 Partien. Sämtliche ARD-Spiele werden im Internet live gestreamt, die wichtigsten können zudem über Facebook live kommentiert werden.
ARD-Reporter sollen zudem ausführlich über ihren WM-Alltag bloggen und twittern.
Eine einzigartige Gemeinschaftsaktion soll das Video-Projekt „Du für Deutschland!" werden. Alle Fans können ihre persönlichen Videos rund um das große Fußball-Fest bei sportschau.de hochladen. Die Videos sind dann auf den WM-Seiten zu sehen und können dort auch bewertet werden.
Auch die Qualität der fernsehtechnischen Produktion von ARD und ZDF wurde weiter optimiert. „Unsere Produktionsstrategie ist sehr stark auf band-
losen, filebasierten Betrieb ausgerichtet. Schnittplätze, Ausspielung, Regie - alles ist miteinander vernetzt. Im Gegensatz zu früheren Großevents ist die komplette Produktionsumgebung diesmal in HD einschließlich dem Sendesignal“, erklärt Bittel. Produziert wird das multilaterale Signal der FIFA WM 2010 vom Hostbroadcaster HBS durchgehend in 1080i. ARD und ZDF nutzen dieses HD-Format auch bei ihren Produktionen vor Ort, wandeln die Signale aber, wie schon bei den Olympischen Spielen in Vancouver, bevor sie ausgestrahlt werden auf 720p.

Leitungsverbindung
Die Fernseh-, Hörfunk-, Daten- und Kommunikations-Verbindungen werden über eine Leitungsverbindung übertragen, die aus Havariegründen über zwei Glasfaserseekabel geführt wird. Eines führt an der West- und eines an der Ostküste Afrikas entlang. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, wurde als weiteres Backup über MEDIA BROADCAST eine Übertragungsmöglichkeit via Satellit gebucht.
Und auch beim Ingest will man lieber nichts dem Zufall überlassen. Trotz filebasiertem Workflow haben ARD und ZDF im IBC noch einige MAZen im Einsatz, um notfalls auch diverses Bandmaterial einspielen zu können. „Wir müssen in der Lage sein, jegliches Material entgegen nehmen zu können“, sagt Bittel. Die eigenen EB-Teams hingegen sind mit XDCAM HD- oder P2-Camcordern unterwegs und liefern ihr Material schon als Datenfiles im zentralen Ingestbereich ab.

Ein Bandarchiv haben ARD und ZDF nicht dabei. „Alles was wir vor Ort benötigen, haben wir auf XDCAM-Medien in HD mitgebracht. Was nicht da ist, muss überspielt werden“, berichtet Bittel.
Die Technik wurde diesmal nicht allein aus Deutschland zum Produktionsort geschickt. Vielmehr wurde ein Großteil des bei den Olympischen Winterspielen und den Paralympics in Vancouver eingesetzten technischen Equipments, einschließlich Hörfunktechnik, in rund 17 Containern per Schiff direkt auf den Weg von Kanada nach Südafrika gebracht. Dabei handelt es sich zumeist um Bestandteile der Mobile Produktionseinheiten (MPE), eines gemeinsamen Technikpools von ARD und ZDF. Zusätzlich kommen aus Deutschland weitere 23 Container in denen unter anderem auch Dekorationselemente für das ARD-ZDF-Studio im IBC und die Präsentationsplätze in den Stadien transportiert werden.

Zugemietete Technik
Wie schon bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver werden ARD und ZDF auch bei der Produktion der FIFA WM 2010 in Südafrika mit umfangreicher Technik unter anderem von Wellen+Nöthen unterstützt. Das Kölner Systemhaus stellt ihnen insgesamt 16 non-lineare Avid Media Composer Nitris DX-Systeme sowie drei Media Composer Software Workstations bereit.
Um dem hohen Speicherbedarf der HD-Produktion gerecht zu werden, wird das Avid Unity ISIS-System aus der MPE durch Wellen+Nöthen zur Fußball-Weltmeisterschaft mit 192 TB Avid-Storages erweitert. Durch dieses großformatige System kann der Produktionsbereich so rund 1.300 Stunden Material in HD-Qualität speichern und weiterverarbeiten. Insgesamt 14 Avid AirSpeed-Plattformen inklusive DNxchange Boxen (für HD-SDI) sorgen dabei für die Ein- und Ausspielung. Aufgrund des hohen Datentransferaufkommens zwischen den EVS- und Avid-Systemen werden zusätzlich drei Avid Interplay Transfer Engines in die IT-Umgebung mit eingebunden.

Wellen+Nöthen stellt den Öffentlich-rechtlichen auch rund 20 HD-Maz-Geräte aus seinem Mietportfolio zur Verfügung, darunter komplett bestückte Sony SRW-5800, Sony DVW-M2000P, sechs PDW-HD1500 mit SDI/O Board sowie zehn Panasonic AJ-HD1800 und AJ-SD965 SDI.
Auch bei der Konvertierung des Weltbild-Signals setzen sie auf Equipment des Kölner Systemhauses. Zur HD-Formatwandlung von 1080i/50 auf 720p/50 werden drei Alchimist Ph.C HD und sieben Mach HD-Systeme von Snell eingesetzt. Für die Signalverarbeitung sorgen zudem diverse Kreuzschienen von Harris. Für die 3D-Grafikaufbereitung stehen mehrere Viz Trio-Systeme von Vizrt bereit, die durch einen 2-Kanal Inscriber von Harris als Schriftgenerator für das On-Air-Design ergänzt werden.

Zudem liefert Wellen+Nöthen umfangreiches Monitoring-, Regie- und Studio-Equipment nach Südafrika. Dazu gehören rund 180 Monitore (40 20“-Monitore von EIZO, 65 Sony LMD-Displays von 9“ bis 24“ sowie 20 32“-Full HD-Displays von Panasonic) und und 9 Multiviewer-Systeme von Evertz mit rund 400 Inputsignalen. Darüber hinaus sollen HD-Farbkorrektoren des Typs Fig von TCube die einheitliche Farbwiedergabe auf den verschiedenen Display-
typen sicher stellen.
Für den reibungslosen Ablauf der Kommunikation sorgen insgesamt vier Riedel Matrixen 128x128 mit 154 Sprechstellen inklusive Erweiterungspanels. Im WM-Studio kommen außerdem Vinten Quattro Kamerastative aus dem Mietpool von Wellen+Nöthen zum Einsatz. Anfang Mai wurde das vorkonfigurierte Equipment per Luftfracht ins IBC nach Johannesburg transportiert und dort installiert.
Für die Hörfunkproduktionstechnik wurde ein Nova-Kreuzschienensystem bei der Firma Lawo angemietet.

Ü- und SNG-Wagen
Auch die in Südafrika benötigten Ü-Wagen und SNGs (Satellite News Gathering) haben ARD und ZDF angemietet. Fünf Ü-Wagen von Alfacam sind für die Öffentlich-rechtlichen im Einsatz, um live aus den zehn Stadien zu übertragen. Hierfür stehen gemeinsam vier Technikteams von ZDF, SWR, NDR und WDR bereit. „Je nach Spielkategorie werden fünf bis zwölf Kameras, zum Beispiel bei Spielen mit deutscher Beteiligung, das Weltbild ergänzen“, berichtet Bittel.
Die ersten beiden Spiele werden vom Studio im IBC moderiert und das Abendspiel beziehungsweise das Spiel des Tages live aus dem jeweiligen Stadion. Die beiden Digital-Kanäle EinsFestival und ZDFinfo übertragen am Ende der Gruppen-Phase live die Parallelspiele – allerdings nicht in HD sondern in SD.
Für die Berichterstattung aus dem DFB-Quartier gibt es ebenfalls ein identisches redaktionelles und technisches Konzept bei ARD und ZDF. „Ein Ü-Wagen mit vernetzten Server-Schnittplätzen sowie ein Studio für ARD und ZDF bilden eine kompakte Fernseh-Produktionsumgebung. Auch das ist eine wichtige Komponente unserer WM-Übertragung“, erklärt Bittel. Beim DFB-Quartier stünden zudem ein SNG-Fahrzeug, ausgestattet mit zwei Kameras und zwei Schnittplätzen und weitere in Container integrierte Schnittplätze zur Verfügung.
Zwei Reise-SNGs mit je einer Kamera und einem Schnittplatz sind unterwegs, um beispielsweise die Berichterstattung vor Spielbeginn im Umfeld der Stadien, von Fanfesten oder Public Viewings zu gewährleisten. „Auch alle Fahrzeuge und mobilen Produktionsmittel werden von ARD und ZDF gemeinsam genutzt“, sagt Bittel.

Die fünf SNGs wurden von MEDIA BROADCAST angemietet. Sie wurden am 18. Mai auf Tiefladern vom Hafen in Durban nach Johannesburg zum IBC gebracht. Hintergrund war, dass sie wegen eines Hafenstreiks das Hafengelände nicht als Selbstfahrer verlassen durften.
Auch weitere Dienstleister unterstützen ARD und ZDF. Media Online liefert Avid Systeme und Sono Studiotechnik EVS-Maschinen. Von Annova Systems schließlich wird OpenMedia als Redaktionssystem eingesetzt. „Damit organisieren wir bei der ARD vor allem die Sendeablaufplanung und stellen sicher, dass alle Beteiligten die richtigen Informationen haben“, erklärt Bittel. Für Automationsaufgaben oder die Steuerung von Bildmischern wird das Redaktionssystem nicht eingesetzt. „Im Sport passiert schließlich immer noch sehr viel auf Zuruf“, sagt er.

Gerechtfertigter Aufwand
Der ARD-Teamchef der FIFA WM 2010 hat zwar Verständnis für die gelegentlich geäußerte Kritik am personellen Aufwand der öffentlich-rechtlichen Sender bei der WM-Produktion, betont aber: „Im Vergleich zu den vielen Programm-Stunden und den vielen Zuschauerinnen und Zuschauern, die wir damit bedienen, ist das absolut gerechtfertigt“, ein Sender, der für Deutschland die FIFA-WM-Übertragungsrechte 2010 besitze, müsse auch mit ausreichend eigenem Personal vor Ort, gerade bei der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent, Flagge zeigen.
Nur so sei eine authentische, umfassende sowohl dem Sport als auch den Ländern Afrikas gerecht werdende Berichterstattung möglich. „Diese sowohl inhaltliche als auch technische Qualität sind wir unseren Zuschauerinnen und Zuschauern schuldig. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist das mediale Ereignis mit der größten Aufmerksamkeit und Reichweite auf der ganzen Welt“, so Bittel.
Eckhard Eckstein
(MB 06/10)

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