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Gold-Standard im Audio-Bereich

Das Mehrkanaltonformat DTS (Digital Theater Systems) dürfte Jedermann noch ein Begriff sein. Im Gegensatz zu anderen Tonsystemen war es nicht auf dem Filmstreifen angelegt wie Dolby Digital oder SDDS sondern wurde auf CDs mitgeliefert. Im Mai 2008 verkaufte das Unternehmen seine Kinosparte und konzentriert sich seitdem auf die Bereiche Home Entertainment und Online. Aktuell arbeitet DTS an der flächendeckenden Einführung seiner Headphone X-Technologie sowie einem Industriestandard für objektbasierte Tonmischungen. MEDIEN BULLETIN sprach mit Jon E. Kirchner, Chairman & CEO von DTS, über die Innovationen, die DTS für 2014 plant.

Die in Calabasas in Kalifornien ansässige DTS hat sich seit ihrer Gründung durch Universal Studios und Steven Spielberg 1993 einen Namen im Bereich von komprimiertem Ton in hoher Qualität gemacht. Der erste im DTS-Verfahren ausgelieferte Film war Steven Spielbergs „Jurrasic Park“ im gleichen Jahr. Die CDs mit dem Ton wurden über Steuerzeichen auf dem Filmstreifen synchronisiert.

Im Laufe der Jahre wurde der DTS-Ton immer weiter verbessert. „Im Kinobereich haben wir viele Innovationen eingeführt“, sagt Jon E. Kirchner. „Die größte Errungenschaft war die Einführung eines immersiveren, überzeugenderen Ton-Erlebnisses für die Zuschauer.“ Diese Vorgabe galt auch für die Entwicklung von Produkten für den Home Entertainment-Bereich, angefangen mit der Laser Disc, gefolgt von DVD, Blu-Ray bis hin zur trägerlosen Online-Verbreitung.

Durch die Digitalisierung der Filmdistribution und -vorführung wurde komprimierter Ton wie DTS obsolet. Die Digital Cinema Initiatives (DCI), die die Standards der digitalen Distribution und Vorführung festlegt, bestimmte, dass der Ton nur noch in der unkomprimierten Puls-Code-Modulation (PCM) vorliegen dürfe. Daraufhin sah DTS in dieser Sparte keine Zukunft und verkaufte sie an Beaufort California Inc., die auch als Datasat Digital Entertainment bekannt sind.

„Die Kinobranche war tiefgreifenden Veränderungen unterworfen und wir sahen die größeren und besseren Chancen im Bereich der Unterhaltungselektronik“, begründet Kirchner diesen Schritt. Daher konzentriere sich DTS fortan komplett auf die elektronische Verbreitung von Audiodateien auf Datenträgern und online in den Bereichen Mobile und Over-the-Top (OTT) sowie der Zulieferung für Musik, Film, Home Entertainment und Videogames. Das Ziel von DTS ist es Standards zu setzen, an denen man als Technikanbieter nicht vorbei kommt. Auch wenn DTS in einem Großteil von Geräten über Autoradios, DVD-Spielern, Spielekonsolen, Home Entertainment-Systemen oder Computern vorhanden ist, war die DTS-Technologie bislang immer optional. Nur bei Blu-Ray ist DTS Teil der Spezifikation, muss also in Abspielgeräten und in der Tonspur implementiert sein.

„Interessanterweise war DTS vor drei, vier Jahren noch überhaupt nicht im Online-Bereich tätig, es ging nur um physikalische Trägermedien. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, wie wir Anbietern von digital vertriebenen Inhalten helfen können bessere und überzeugende Zuschauererfahrungen zu schaffen“, so Kirchner.

Was heißt das nun auf der praktischen Ebene? Da die Geräte dünner und kleiner werden, steigen die Herausforderungen an die Tontechnik überzeugende Qualität abzuliefern, die sich vom unkomprimierten Ton nicht unterscheidet. Das fängt schon damit an, an welche Stelle im Gerät man die Lautsprecher positioniert, wie man erreicht, dass sie sich einigermaßen gut anhören oder wie man es schafft, dass sich Kopfhörer deutlich besser anhören, als das, was man gewohnt ist. „Die letzten sieben bis acht Jahre haben wir daran gearbeitet, diese Probleme zu lösen, mit dem Erfolg, dass wir jetzt der führende Anbieter für im Grunde alle Network Connected Devices, wie Smart-TVs, Computer oder mobile Endgeräte sind“, sagt Kirchner. „Vor drei Jahren gab es noch überhaupt keine Smart-TVs und heute haben wir Verträge mit 13 der 15 wichtigsten Hersteller.“

DTS macht nichts anderes als Kompressionstechnologie für Ton anzubieten. Das ist zwar der Schlüssel zu allem, weil die Datenmenge reduziert werden muss. Aber genauso wichtig ist es unter welchen Umständen die Datei abgespielt wird. Die Frage für DTS lautete daher, wie man genau dieses letzte Stück verbessern könne? „Wir haben viel Arbeit in genau diesen Bereich, die Post-Processing-Area, gesteckt, um die beste Technik zu entwickeln, die auf dem vorhandenen Endgerät möglich ist. Diese Technik koppeln wir mit der Kompression und lizenzieren sie“, erklärt Kirchner das Geschäftsmodell. Der nächste Schritt in der Tontechnik ist der Ton im Kopfhörer. Im Januar 2013 hat DTS Headphone X vorgestellt. Die Technik ist in der Lage einen Ton im Format von 11.1 Surround auf ganz normale Kopfhörer zu übertragen und so das akustische Umfeld eines Raums in Kopf- oder Ohrhörern zu replizieren. Ermöglicht wird dies durch eine fest auf dem Chip implementierte Software im Endgerät, etwa einem Smartphone. Hier arbeitet DTS mit Qualcomm zusammen, die Headphone X auf dem neuen Snapdragon-800-Chip implementieren wird. Wodurch diese Technologie voraussichtlich bis Ende 2014 Bestandteil aller neu auf den Markt gekommenen Smartphones und Tablets sein wird.

Jahrelang wurde der Ton vernachlässigt, weil es nur darum ging, die Geräte kleiner zu machen. Jetzt jedoch ist dieser Prozess abgeschlossen und die Firmen machen sich Gedanken darüber wie man das Tonerlebnis an sich, aber auch in Verbindung mit Bild, besser und immersiver machen kann, da Ton einen sehr großen Einfluss darauf hat wie wir Filme sehen. Schlechter Ton und tolle Bilder schaffen nur ein durchschnittliches Seherlebnis, umgekehrt aber wird das Seherlebnis gleich sehr viel besser und immersiver. Dies zeigen Dolby Atmos und Auro von Barco, die immersiven Tonsysteme fürs Kino. Aber nicht nur die Kinofilm-Produzenten und Kinos auch die Hersteller von Home Entertainment-Produkten messen dem Ton wieder mehr Bedeutung bei, zumal immer mehr Unterhaltung wie Videospiele, Fernsehen, Internetinhalte aber insbesondere Musik, auf mobilen Endgeräten und über Netzwerke konsumiert wird, die geringe Datenraten bei gleichzeitig hoher Qualität verlangen. „Qualität ist jetzt die neue Herausforderung“, betont Kirchner. „Die Firmen sprechen inzwischen über QLS (Quality of Service) und QOE (Quality of Experience). Und DTS als Marke und Innovator hat sich immer auf QOE konzentriert.“

Objektbasierter Ton

Neben der Entwicklung von Kompressionstechnologien für Ton hat DTS eine Plattform zum Mischen von objektbasiertem Ton entwickelt. Die Plattform ist eine Weiterentwicklung von MDA – Multidimensional Audio der SRS Labs, die DTS 2012 gekauft hat. Ziel ist es MDA zu einem Industriestandard zu machen. Das erste Echo aus der Industrie war, laut Kirchner, positiv. Wenn der Plan aufgeht, wird DTS in einem nächsten Schritt objektbasierten Ton auch in Produkte der Unterhaltungselektronik einbauen. Kirchner ist zuversichtlich, dass MDA innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate als Industriestandard spezifiziert wird. Die Idee hinter MDA ist, dass im Grunde alles ein Objekt ist und man den dazugehörigen Ton im dreidimensionalen Raum beinahe unbegrenzt mischen kann. Dies ist jedoch sehr datenintensiv. Da im Kino genügend Kapazitäten vorhanden sind, stellt dies hier kein Problem da, für den Streaming-Bereich kommt das allerdings nicht in Frage. Also stellt sich die Frage wie viele Objekte pro Bild genutzt werden sollen und wie viele überhaupt notwendig sind, um ein tolles Unterhaltungserlebnis zu schaffen. Hinzu kommt noch wie man die Mischung am besten konfiguriert. „Wir glauben, dass wir darauf Antworten haben und wir arbeiten hart daran sie umzusetzen“, gibt sich Jon E. Kirchner zuversichtlich.

DTS-UHD

In diesem Jahr wird DTS mit der Technik-Plattform DTS-UHD den Schritt zur nächsten Ton-Generation gehen, die einerseits komprimierten Ton für die aufkommenden Ultra High Definition-Fernseher bereit stellen sowie Mischungen unterstützt, die 11.1, 22.2 und mehr Kanäle hat. „Mit DTS-UHD kann man eine unbegrenzte Zahl an Audiospuren mischen“, erklärt Kirchner. „Das ist eine der wichtigsten Sachen, die sich über die nächsten paar Jahre verändern wird. Dazu gehört die Kombination von objektbasiertem Ton der nächsten Generation mit einer brandneuen Kopfhörer-Plattform, die es so bisher nicht gibt.“

Erfolg und Philosophie von DTS basieren darauf, der Qualität des Tons immer Vorrang vor seiner Kompression zu geben. Bei der Kompression kommt es darauf an nur jene Teile zu entfernen, die man nicht hört oder die für die Qualität des Hörens nicht notwendig sind. Wenn es zwei Frequenzen gibt, hört man zwar die eine, aber nicht die andere. Zur Kunst der Psychoakustik gehört es daher die Daten einer Frequenz zu entfernen, die man nicht hört. Das Problem ist aber, dass man ab einer bestimmten Kompression auch in jenen Bereichen etwas weglassen muss, in denen man etwas hört. Das kam für DTS nie in Frage. Dort hat man es vorgezogen Datenraten zu nutzen, die höher sind als die anderer Kompressionsverfahren – wie etwa bei mp3.

Über die vergangenen zehn bis zwölf Jahre konnte die Datenraten immer weiter verringert werden. Jetzt ist DTS in der Lage, Qualität und Effizienz miteinander zu verbinden. Vor 15 Jahren war das noch nicht machbar. Möglich macht dies die Leistungsstärke der neuen Chips, die dabei hilft eine bessere Qualität bei kleineren Datenübertragungsraten zu liefern. In den letzten zwei Jahren ist es möglich geworden, Qualität, Bequemlichkeit und Mobilität im Tonbereich zusammen zu führen, weil es genügend Kapazitäten und Prozessorgeschwindigkeit gibt. Wie genau jedoch die DTS-Technologie Informationen aus dem Ton entfernt und später beim Abspielen in der Lage ist, das Vorhandensein dieser Informationen zu suggerieren oder sie gar wiederherzustellen, erklärt Jon E. Kirchner nicht. Aber es schient so gut zu funktionieren, dass er nicht ohne stolz sagt: „Unsere Marke ist als Gold-Standard im Audio-Bereich bekannt und wir nehmen niemandem etwas weg.“

Thomas Steiger

(MB 1/14)

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