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Guter Draht zur Wohnungswirtschaft

Guter Draht zur Wohnungswirtschaft

Stefan Beberweil ist seit Februar Chief Commercial Officer (CCO) des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus (TC) mit Hauptsitz in Berlin. Nach schwierigen Jahren der Findung steht Tele Columbus heute besser da denn je. Der drittgrößte Kabelnetzbetreiber wurde zur Aktiengesellschaft umfirmiert. Ein Börsengang scheint nicht ausgeschlossen. MEDIEN BULLETIN sprach mit dem Manager über die Ausrichtung der Gruppe und Möglichkeiten der Entwicklung.

Die üblichen 100 Tage, seitdem Sie bei TC angefangen haben, sind ja eigentlich schon vorbei, aber ziehen Sie doch bitte mal ein Fazit Ihrer bisherigen Arbeit.

Wir sind seit einigen Jahren auf dem Weg zum vollintegrierten Anbieter mit eigener Produktwelt und unabhängiger Netzinfrastruktur. Auf diesem Weg sind wir in den vergangenen Monaten ein gutes Stück vorangekommen, und alle Voraussetzungen sind geschaffen, diesen Prozess erfolgreich weiterzuführen. Das ist die spannende Aufgabe der nächsten Zeit!

Sie waren erst bei Vodafone D2 und dann lange Jahre bei KabelBW beziehungsweise Unity Media KabelBW tätig. Was waren die Gründe, zu einem kleineren Betreiber zu wechseln?

Ich habe in meiner Biographie ja schon einmal den Schritt von einem größeren Konzern zum damals kleinen Kabelanbieter KabelBW gemacht – um dann eine spannende Wachstumsgeschichte mit zu entwickeln. Und an Tele Columbus reizen mich persönlich besonders zwei Dinge: Die großen Chancen im Markt mit allen finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten anzugehen und zweitens, das in einem unternehmerisch dynamischen, mittelständischen Umfeld zu tun. Wir wollen ganz klar als regional verankerter Anbieter positioniert bleiben, aber auch über unsere jetzigen Grenzen hinaus wachsen.

Dann lassen wir doch einmal den Status Quo Revue passieren. Wie viele Haushalte versorgt TC denn zurzeit? Der Schwerpunkt ist ja wohl Berlin, wie viele Haushalte sind es denn da?

Allein in Berlin versorgen wir knapp eine halbe Million Haushalte. Unser Schwerpunkt liegt ganz klar in den östlichen Bundesländern. Dort liegen 80 Prozent unserer angeschlossenen Haushalte, darunter Berlin als unser größtes Versorgungsgebiet. Insgesamt versorgen wir, Stand heute, rund 1,7 Millionen angeschlossene Haushalte.

Die meisten dieser Haushalte sind aber im Besitz von Wohnungsgesellschaften?

Ja, den überwiegenden Anteil unserer Kunden versorgen wir über unsere Partner in der Wohnungswirtschaft.

Und wie viele dieser Haushalte sind voll integrierte Netze und werden mit eigenem Signal versorgt?

Das sind bereits über 70 Prozent – mit stark steigender Tendenz!

Sie haben bereits Ihre Abhängigkeit von der Wohnungswirtschaft erwähnt. Was bedeutet das für die Planungssicherheit? Im vergangenen Jahr haben Sie einen Partner mit rund 23.000 Haushalten verloren.

Zunächst einmal würde ich nicht von Abhängigkeit sprechen, sondern von einem großen Wettbewerbsvorteil. Wir versorgen die Wohnungswirtschaft als Betreiber schon seit über 30 Jahren in verschiedenen Organisationsformen. Dabei schließen wir in der Regel Verträge mit einer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren ab, manchmal sogar mehr. Das heißt: Die Kundenbeziehungen sind stabil. Natürlich kommt es trotzdem vor, dass die eine oder andere Gesellschaft auch mal den Betreiber wechselt. Das ist aber keine Einbahnstraße, das geht selbstverständlich auch in die andere Richtung.

Anfang des Jahres haben Sie einen Vertrag über 1.900 Haushalte und kürzlich noch einen weiteren Deal mit mehr als 16.000 Haushalten in NRW verkündet. Sind weitere Zugänge zu erwarten?

Auf jeden Fall – wir haben hier noch was in der Pipeline.

Wenn man Ihre Halbjahreszahlen sieht, dann könnten die ja durchaus ein Indikator sein, dass Ihre Strategie aufgeht.

Wir sehen die Halbjahreszahlen in der Tat als klaren Beleg dafür, dass wir die richtigen Weichen gestellt haben. Der Umsatz ist signifikant gestiegen und das bereinigte EBITDA, also unser operatives Ergebnis, noch viel stärker. Einer der Gründe für das Wachstum ist, dass der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Kunde ganz erheblich nach oben gegangen ist. Das zeigt, welche Bedeutung unsere integrierten Angebote bereits heute haben. Um konkreter zu werden: Der Umsatz ist im 1. Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,6 Prozent auf 107 Millionen Euro gestiegen, das bereinigte EBITDA sogar um 11,6 Prozent auf knapp 49 Millionen Euro. Der ARPU, also der durchschnittliche monatliche Umsatz pro Kunde, stieg um 6,9 Prozent auf über 14 Euro.

Wo kommen die Zuwächse her, alleine vom ARPU?

Unsere Wachstumsstrategie fußt auf drei Säulen: Erstens läuft das Cross-Selling unserer Zusatzprodukte Internet und Telefonie schon seit geraumer Zeit sehr gut; das gilt auch für das laufende Jahr. Zweitens sind wir dabei, unsere Beziehungen zur Wohnungswirtschaft auszubauen, auch dank der wieder erlangten finanziellen Stärke nach unserer abgeschlossenen Refinanzierung, die uns umfangreiche Investitionen in die Netze ermöglicht. Und drittens wirkt die Erweiterung unseres Produktportfolios, auf das wir aktuell viel Wert legen, und die wir in der näheren Zukunft verstärkt vorantreiben werden.

Wie schaut Ihr Produktportfolio aktuell aus? Die Internetgeschwindigkeit haben Sie ja gerade erst auf bis zu 150 MB/sec erhöht.

Im Downstream stehen unseren Kunden zwischen 16 und 150 MB/sec zur Verfügung. Für Neukunden liegt der Preis in den ersten zwölf Monaten bei 19,99 Euro für alle Geschwindigkeiten. Bei dem Tarif mit 16 MB/s bleibt es anschließend bei diesem Preis. Bei den Geschwindigkeiten mit 50, 100 und 150 MB/s geht es nach dem ersten Jahr jeweils um zehn Euro nach oben. Das heißt, bei 150 MB/sec ist ein Kunde nach der Promotion-Phase mit 49,99 Euro im Monat dabei. Bei uns bekommt der Kunde auch reinrassige Flatrates, wir drosseln nicht, wenn ein bestimmtes Volumen ausgeschöpft ist. Es gibt ja durchaus schon Wettbewerber auch im Kabel, die da andere Modelle fahren. Bei uns gilt ganz klar: Flat ist flat!

Wie viele der Haushalte nutzen denn bereits Ihr Internetangebot?

Inzwischen ist in den Gebieten, in denen wir das Produkt anbieten, etwa jeder Fünfte unserer Kunden auf Internet per Kabel umgestiegen. Unser langfristiges Interesse ist es natürlich, dass sich diese Zahl deutlich erhöht – und die aktuelle Entwicklung geht genau in die richtige Richtung.

Bei den genannten Preisen ist dann Telefonie schon dabei? Wie sieht es mit den TV-Angeboten aus?

Telefonie ist in den vermarkteten Bundles meistens schon mit drin. TV und die TV-Pakete werden zusätzlich bepreist, der Standardanschluss aber meist im Rahmen der Nebenkosten über die Wohnungswirtschaft abgerechnet. Was das Fernsehen angeht glauben wir im Übrigen daran, dass sich die Entwicklung fortsetzt, die sich schon heute im Markt abzeichnet: dass Pay-TV mit der allgemeinen Digitalisierung nun auch in Deutschland an Bedeutung gewinnt und für breitere Zuschauergruppen attraktiv wird. Deshalb arbeiten wir daran, künftig auch voll integrierte Triple-Play-Pakete anzubieten – mit einem Kombi-Vorteil für unsere Kunden.

Und wie sieht es mit Video on Demand aus?

Auch daran arbeiten wir mit Hochdruck, mit einem Produktlaunch rechnen wir allerdings erst im nächsten Jahr.

Bei Ihren TV Angeboten arbeiten Sie ja traditionell mit dem Eutelsat Kabelkiosk zusammen, der inzwischen zu M7 gehört. Werden auch die VoD Aktivitäten mit diesem Partner realisiert?

Da sondieren wir noch – es ist noch nichts entschieden. Wir reden selbstverständlich mit allen Anbietern, die uns und unseren Kunden ein hochwertiges Produkt und erstklassiges Nutzererlebnis bieten können – und werden dann eine sorgfältige Entscheidung treffen.

Die anhaltende Konsolidierung im Kabelmarkt haben wir ja bereits genannt. Jetzt kamen wieder die Gerüchte auf, die Telekom stünde kurz vor einem Einstieg bei TC und Primacom.

Wie ist da die Lage?

Wenn ein Unternehmen wie die Telekom öffentlich Interesse an Tele Columbus zeigt, spricht das nur für die Attraktivität und das große Potential unserer Firma. Wir nehmen das als Anerkennung und Ansporn, uns weiter auf unser operatives Geschäft zu fokussieren – und hier sind wir derzeit sehr erfolgreich als Stand-alone-Anbieter unterwegs.

Wäre ein solcher Einstieg kartellrechtlich überhaupt gangbar?

Wenn man sich die letzten Entscheidungen des Kartellamts ansieht, erscheint eine Konsolidierung unter den großen Playern in Deutschland derzeit sehr schwierig. Kabel Deutschland wurde eine Übernahme von Tele Columbus ja trotz Zugeständnissen letztlich nicht genehmigt. Auf der anderen Seite kann sich eine Marktbetrachtung mit der Zeit natürlich auch ändern – aber darüber möchten wir nicht spekulieren.

TC stand vor einigen Jahren auch bereits kurz vor der Fusion mit Primacom, was dann aber wieder aufgegeben wurde. Wäre eine Übernahme in der aktuellen Situation ein mögliches Szenario?

Der deutsche Kabelmarkt bietet derzeit sicherlich noch viel Potenzial für Konsolidierung – von größeren Unternehmen bis hin zu sehr vielen kleineren Anbietern. Und wir sind entschlossen, hier eine aktive Rolle zu spielen. Im Übrigen haben wir bereits angekündigt, dass wir alle strategischen Optionen für eine mittel- und langfristige Positionierung und Finanzierung prüfen.

Das heißt Börsengang?

Eine dieser möglichen strategischen Optionen ist es, zu prüfen, welchen Vorteil ein Börsengang – verglichen mit anderen Optionen – in der Zukunft für die Gesellschaft, die Gesellschafter und Kreditgeber bringen könnte. Eine Entscheidung ist bisher nicht gefallen.

Wie hoch sind denn Ihre Investitionen in den Netzausbau und das Angebotsportfolio?

Wir hatten bereits im Februar im Zusammenhang mit der seinerzeit vereinbarten mittelfristigen Sicherung unserer Finanzierung angekündigt, dass wir in den kommenden Jahren über einen Investitionsrahmen von 300 Millionen Euro verfügen, den wir natürlich voll für Kundenprojekte einsetzen werden.

Versuchen wir es mal etwas allgemeiner zu formulieren. Der Kabelmarkt ist insgesamt schon recht weit konsolidiert und die Penetration insgesamt relativ hoch. Wo liegen da überhaupt noch Wachstumspotentiale, gerade für einen eher kleinen und regionalen Betreiber?

Erstens ist der Markt immer noch stark fragmentiert, mit einer Vielzahl von kleineren Anbietern. Zweitens muss man jede Nische, die sich ergibt, möglichst breit besetzen. Dabei werden wir zwar nicht jede Konfrontation, die sich mit großen Wettbewerbern ergibt, gewinnen können. Aber in vielen Punkten werden wir schneller und flexibler sein können als die großen Konzerne, die teilweise aus dem Ausland heraus und mit großen Organisationen und viel Abstimmungsbedarf gesteuert werden.

Und im Zweifel fressen nicht die Großen die Kleinen, sondern der Schnelle überholt den Langsamen – und genau darauf werden wir setzen. Grundsätzlich gibt es zwei Wege zu Wachstum: einmal durch ein Upgrade der Kundenanschlüsse in den bestehenden voll integrierten Netzen; da sind wir schon kräftig dabei. Der andere Weg ist das Wachstum über die bestehenden Netze und Regionen hinaus. Dazu gehört auch der Ausbau neuer Netze und nicht nur der Zukauf von bestehenden. Unser aktuelles Netz ist ja auch durch Ausbau zustande gekommen und nicht durch „Erbe“, wie das bei anderen Anbietern durchaus der Fall war.

Ausbau ländlicher Raum und Breitbandinitiative des Bundes sind da ja ganz aktuelle Stichworte. Die Telekom hat bereits Subventionen gefordert. Das wäre dann also auch eine Refinanzierungsoption für Sie?

Subventionen sind grundsätzlich nur dort sinnvoll, wo sie auch wirklich sicherstellen, dass ansonsten unversorgte Gebiete angebunden werden. Andernfalls laufen wir schnell Gefahr, dass eine Wettbewerbsverzerrung entsteht und bestehende Netze mit Mitteln der öffentlichen Hand sinnlos überbaut werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die flächendeckende Breitband-Erschließung in einem sinnvollen Technologie-Mix gelingen wird. Und wo es möglich ist, auf Basis von bestehender Infrastruktur von Tele Columbus durch öffentliche Mittel eine mögliche Wirtschaftlichkeitslücke zu schließen und so zusätzliche Haushalte mit superschnellen Internetdiensten über unser Breitbandkabel zu versorgen, stehen wir natürlich gerne bereit.

Wie sehen jetzt Ihre Planungen für den Rest des Jahres aus?

Was sind Ihre Ziele bis zum Jahresende?

Wir haben ein ganz einfaches, klares Hauptziel: Wir wollen weiter wachsen, beim Umsatz und beim operativen Ergebnis.

Und was sind Ihre ganz persönlichen Ziele im Unternehmen? Was ist Ihre Vision?

Ich möchte daran mitarbeiten, einen vollintegrierten Kabelnetzbetreiber aufzubauen, der flexibel agiert und innerhalb seines Netzwerks die Nummer Eins der Internetanbieter ist, der die Wachstumsmöglichkeiten im Umfeld der Wohnungswirtschaft voll ausnutzt und der noch mehr, als es heute schon der Fall ist, als starker, innovativer Player im deutschen Markt gesehen wird.

Dieter Brockmeyer

MB 6/2014

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