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Mit OTT auf Erfolgskurs

Mit OTT auf Erfolgskurs

Video-Streaming-Angebote über das Internet Protocol (IP) boomen: Der Umsatz der Dienste Over-the-top (OTT) soll weltweit im Jahr 2016 bis zu 37 Milliarden US-Dollar betragen. Das Wachstum von jährlich 30 Prozent basiert dabei auch auf der verstärkten Nutzung von mobilen Empfangsgeräten. Die Alternative zur herkömmlichen TV- und Videoübertragung über Terrestrik, Satellit oder Kabel stellt allerdings auch einige technische Herausforderungen an die Betreiber. In einer aktuellen Fallstudie zum Schweizer Multiscreen-Angebot Wilmaa zeigen die Experten von Elemental Technology, wie ein OTT-Service schnell, preisgünstig und zukunftssicher aufgebaut werden kann.

In Deutschland ist Over-the-top noch ein sehr junger Markt: Sowohl die OTT-Plattform Germany´s Gold der öffentlich-rechtlichen Sender als auch das gemeinsame Portal von ProSiebenSat.1 und der RTL-Mediengruppe wurden vom Bundeskartellamt gebremst. Urheberrechts- und Lizenzvereinbarungen dürften andererseits dafür gesorgt haben, dass der US-Anbieter Netflix bislang noch einen Bogen um Deutschland macht.

In der Schweiz hingegen ist das Internet-TV Wilmaa seit dem Start zum Jahresende 2008 auf Erfolgskurs. Derzeit erreicht das „Fernsehen im Browser“ 253.000 Unique User (einzelne Nutzer, die das Angebot mindestens ein Mal im Monat aufrufen). Die Popularität zeigte sich auch beim Swiss Web Award 2010, als die Wilmaa-Macher den Publikumspreis erhielten. Idealtypisch für das OTT-Prinzip ist auch bei dem Schweizer Angebot die kostenlose Online-Übermittlung von Video- und Audioinhalten, die durch einen zahlungspflichtigen Zugang ergänzt werden (siehe auch wilmaa.ch). Derzeit stehen im Basisangebot mehr als 70 frei empfängliche Fernsehprogramme in verschiedenen Sprachen zur Auswahl. Wilmaa Premium, das für 5,50 Schweizer Franken (4,51 Euro) pro Monat angeboten wird, beinhaltet zusätzlich acht HD-Kanäle, eine TV-Wiederholungsfunktion, Live-Pause oder schneller Vor- und Rücklauf. Die Abonnenten von Wilmaa können zudem einen interaktiven Programmführer und Video-on-Demand von Spielfilmen oder TV-Shows per IP-Streaming nutzen.

Zum Empfang dienen alle Geräte, die mit dem Internet verbunden sind. So gibt es neben einer IOS-Version für Apples Smartphones und Tablets auch eine App für Android-Betriebssysteme. Die Nutzungszeiten des werbefinanzierten Browser-TV liegen zwar deutlich unter dem herkömmlichen Fernsehkonsum, steigen jedoch stetig: Im September 2013 verzeichnete das Basisangebot Wilmaa Free fast zwölf Stunden Nutzung pro User, Wilmaa Premium mehr als 55 Stunden. „Wilmaa kann diese Nutzungszeiten auf die Sekunde heruntergebrochen angeben“, betont Kolja Wehleit, Geschäftsführer der OTT-Plattform, die von Solutionpark und dem Schweizer Werbevermarkter Goldbach Media betrieben wird. Wehleit hebt zudem hervor, dass die Nutzungszeiten seines IP-TV in der Schweiz „bei weitem an der Spitze“ lägen. „Wir leiten daraus ab, dass sich unsere User sehr stark mit Wilmaa und unserem ‘Look & Feel’ verbunden fühlen und daher ihr Gerät sehr lange nutzen“, interpretiert der Geschäftsführer die Daten des Marktforschungsunternehmens NetMetrix. Die Bedienfreundlichkeit und das Design sind zweifellos zentrale Erfolgsfaktoren im WWW. Zudem müssen die audiovisuellen Inhalte die Publikumsvorlieben treffen.

Daher baut Wilmaa beständig die verfügbaren Programme und Dienste aus. Neben den Schweizer TV-Sendern SF1, SF2 und SFInfo gibt es die deutschen Privatstationen ebenso wie französische oder italienische Programme. Die Betriebssicherheit der OTT-Angebote spielt eine nicht minder wichtige Rolle, denn bei der Vielzahl an Fernsehinhalten in verschiedenen Sprachversionen für die digitale Multiscreen-Welt ist ein zuverlässiger und störungsfreier Empfang auf jedem Gerät entscheidend. Bei Wilmaa basiert die Technik auf den Lösungen von Elemental Technology. „Die hohe Güte des Encoding, die Bildqualität und die Flexibilität der Software, die uns die Systeme von Elemental bieten, sind wesentlich dafür, damit wir die Nutzer und die TV-Sender gleichermaßen beglücken“, lobt Geschäftsführer Kolja Wehleit. In einer aktuellen Fallstudie erläutert Elemental, derzeit unter anderem technischer Dienstleister für die BBC bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotchi, wie die Herausforderungen beim Betrieb des OTT-Angebotes gemeistert wurden. Dank der Elemental Live Systeme werden zum Beispiel Real Time Messaging Protocol (RTMP) und HTTP Dynamic Streaming (HDS) von Adobe oder HTTP Live Streaming (HLS) von Apple unterstützt.

Um die multimediale Nutzung auf unterschiedlichen Endgeräten in der Schweiz weiter anzukurbeln, baut Wilmaa derzeit die Technik aus: Einerseits soll das System auf Dynamic Adaptive Streaming over HTTP (MPEG-DASH) erweitert werden, um Angebote für vernetzte Smart-TV zu kreieren. Andererseits will Wilmaa mit einer eigenen Set-top-Box und der Unterstützung durch Kabel- oder Satellitenbetreiber neue Kundenkreise ansprechen. Ob eine Erweiterung des Schweizer Angebots auf europäische Nachbarländer möglich ist, hängt von lizenzrechtlichen Fragen und den Verhandlungen mit Programmanbietern ab. Zudem soll das OTT-Angebot Zattoo nach Medienberichten in Deutschland bereits über 6,3 Millionen registrierte Nutzer und eine Reichweite von 700.000 Unique Usern im Monat haben. Allerdings bietet der OTT-Markt durchaus stattliche Wachstumsraten: Die Marktforscher IHS und Informa Research zum Beispiel prognostizieren ein jährliches Plus von 30 Prozent auf weltweit bis zu 37 Milliarden US-Dollar Umsatz für Multiscreen Video Delivery. Das US-Unternehmen Elemental, dessen Produkte in Deutschland etwa von der LOGIC media solutions GmbH vertrieben werden, expandiert derzeit jedenfalls kräftig.

Michael Stadik

(MB 1/14)

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