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Netzwerk-Services für die Medienbranche

Netzwerk-Services für die Medienbranche

Colt will seine Geschäfte im Medienbereich weiter ausbauen. Der Dienstleister von Netzwerk-, Rechenzentrums-, Voice und IT Services verfügt weltweit über ein exklusives Glasfasernetz von rund 83.000 Kilometern. In Deutschland besitzt und betreibt die Firma, die seit 2010 die Internationalen Filmfestspiele Berlin bei der Speicherung, Bereitstellung und Verteilung von DCPs (Digital Cinema Package) für ihre Vorstellungen unterstützt, acht sogenannte Metronetze (Metropolitan Area Networks – MAN).

Ziel von Colt ist es, Geschäftskunden Services im Telefon- und Datenübertragungsbereich mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Gigabit anzubieten. Das Glasfasernetz des Unternehmens ist komplett autark und bietet Kunden in 86 Ländern die Möglichkeit der Kommunikation innerhalb privater, unternehmensweiter Netze, die nicht mit dem Internet verbunden sein müssen. In Europa umfasst das Netz rund 40.000 Kilometer und verbindet 47 MANs mit 205 Städten, in denen mehr als 21.000 Gebäude direkt mit Glasfaserverbindungen angeschlossen sind. Ergänzend zu den Netzwerkservices betreibt Colt außerdem 22 carrierneutrale Rechenzentren in Europa und sieben weitere im Asien-Pazifik-Raum. „Wir bieten modifizierte Standardlösungen für alles, was im Kommunikations- und Medienbereich notwendig ist“, bringt es Olaf Stehr, Specialist Projects & Relocations bei Colt Network Services, auf den Punkt.

Der deutsche Backbone, also das Long Distance Network – das Herzstück des Colt-Glasfasernetzes – ist 2.700 Kilometer lang. Es verbindet die acht deutschen Städte (Frankfurt/Main, München, Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Düsseldorf, Stuttgart) untereinander und mit dem Ausland. Der Backbone ist in Ringform angelegt, so dass selbst tiefgreifende Beschädigungen nicht zu einem Ausfall führen. Die Kabel des Backbone sind mit 144 Fasern ausgelegt. Zum Backbone hinzu kommen noch rund 2.000 Kilometer Zuleitungen zu den verschiedenen Kunden. Hierzu gehören unter anderem Banken, Versicherungen, Börsen, Krankenhäuser, mittelständische Unternehmen und nicht zuletzt Kunden aus dem Medienbereich wie etwa die von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) betriebene Eurovision. 2013 übertrug die Eurovision insgesamt mehr als 88.000 Stunden Programm wie Live-Sportübertragungen, Nachrichteninhalte aber auch den Eurovision Song Contest und Shows. Und das norwegische Telekommunikationsunternehmen Telenor leitete das Broadcastsignal der Fußball-WM im vergangenen Jahr von London via Colts Glasfasernetz nach Oslo. Colt baut sein Netzwerk kontinuierlich aus. 2009 bot es seine Dienstleistungen erstmals in den USA an. In Asien hat es den Dienstleister KVH gekauft, der dort über eine Glasfaserinfrastruktur verfügt, analog zu jener von Colt in Europa und den USA.

Colt steht für „City of London Telecommunications” und wurde 1992 nach der Liberalisierung des britischen Telefonmarkts von Fidelity Investments gegründet, die heute noch Hauptanteilseigner der Gruppe sind. 1995/96 kam Colt nach Deutschland und baute ein Netz in Frankfurt auf. Ab 1997 folgten weitere eigene Stadtnetze in München, Hamburg und Berlin. „Colt“, so Olaf Stehr, „ist ein europäisches Unternehmen, das Unternehmen weltweit zusammen schließt.“ Ein großes Augenmerk wird dabei auf die lokalen Besonderheiten und Bedürfnisse der Firmen gelegt. Hierbei sind nicht so sehr die technischen Wünsche gemeint, sondern die Strukturen und Hierarchien in den Firmen sowie die Organisation ihrer Filialen.

Zusammenarbeit mit der Berlinale

Die Zusammenarbeit mit der Berlinale begann mit der Übertragung von Eröffnungsveranstaltung und Preisverleihung in weitere Kinos, um sie einem größeren Publikum live nahezubringen. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Filme entstand die Anforderung, den Filmtransport anders zu gestalten. Für die Berlinale bedeutete das Änderungen an ihrer Infrastruktur, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Teil der Anstrengungen ist die Partnerschaft mit Colt, die die benötigte Transportinfrastruktur, angepasst auf die Erfahrungen des Vorjahres, jedes Jahr neu einrichtet. Mittlerweile werden mit Ausnahme der Filme für die Retrospektive und der Hommage alle Filme digital ins Film Office der Berlinale in der Voxstrasse geliefert. Dort werden die eingehenden Filme geprüft, gegebenenfalls mit der Mastering-Station R&S CLIPSTER von Rhode & Schwarz in DCPs, das erforderliche Format, umgewandelt sowie Workflow und Daten standardisiert, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Das Film Office ist zusätzlich über den Glasfaserring der KBB, Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, dem Veranstalter der Berlinale, mit dem Colt-Glasfasernetzwerk verbunden und dient seit 2015 als Remote-Station, von der alle Abläufe im Rechenzentrum, wie der Filmversand an die Kinos, gesteuert werden. Gespeichert werden die Filme im Rechenzentrum von Colt in Berlin-Moabit auf zwei redundante Spycer-Boxen von DVS mit je 400 Terrabyte. Jede Box hat 100 Platten mit jeweils vier Terrabyte Speicherkapazität. Die Filmdaten liegen verschlüsselt auf dem Speicher ab und eine komplexe Verwaltungssoftware für diese Schlüssel stellt sicher, dass die Filme zu den festgelegten Zeiten und in den festgelegten Spielstätten ausgestrahlt werden. Nach Ende der Berlinale werden die Platten mehrmals überschrieben, um sicher zu stellen, dass die Filmdaten gelöscht sind.

Datentransporttechnologie FASP von Aspera

Vom Rechenzentrum wird das jeweilige Tagesprogramm eines Kinos in der Nacht zuvor über das insgesamt 250 Faserkilometer umfassende Netzwerk von Colt via Ein- und Zehn-Gigabit-(Ethernet-)Leitungen an die Kinos verschickt. Nur die Kinos der Reihe „Berlinale goes Kiez“ erhalten die Filme per Festplatte, da sie lediglich einen Film spielten, wodurch es sich nicht lohnte sie an das Colt-Netz anzuschließen. Die Kinos des European Film Market (EFM) hingegen zeigen etwa sechs Filme am Tag. Eine Anlieferung per Festplatte ist durch den erforderlichen Zeitaufwand beim Überspielen der Filme nicht realistisch. „Ohne die Technik von Colt ist die zeitige und sichere Filmanlieferung fast unmöglich zu stemmen“, erklärt Ove Sander, Technischer Leiter Digitales Kino bei der Berlinale, und verweist darauf, dass der Kraftakt der Digitalisierung der Berlinale ohne Partner wie Colt, die Datentransporttechnologie FASP von Aspera, die Highspeed-Datentransfer- und Automatisierungslösungen von komplexen Medien-Workflows in Echtzeitverarbeitung ermöglicht, sowie weiteren Technikpartnern wie Barco, Dolby, Rhode&Schwarz und Arri, nicht zu bewältigen wäre. Während der Berlinale sind im Film Office rund 30 Leute mit der Prüfung und Logistik der Filmdateien beschäftigt. Beim EFM wurden über 700 gezeigt, beim Festival selbst 441, inklusive der Analogkopien in Retrospektive und Hommage. Zusätzlich arbeiteten 20 Kinotechniker vor Ort in den Theatern sowie 100 Vorführer. Während der zehn Tage dauernden Berlinale wurden circa 500 Terrabyte Daten in 51 Vorführsäle geschickt.

Für den normalen Kinobetrieb noch zu teuer

Was für die Berlinale mit ihrem hohen Filmaufkommen in wenigen Tagen eine absolute Notwendigkeit ist, um eine effiziente, schnelle, sichere und zeitsparende Filmbelieferung zu gewährleisten, ist für den normalen Kinobetrieb noch zu teuer, weshalb Filme via Festplattenversand an die Kinos geliefert werden. Dort werden die Dateien auf die Kinoserver überspielt und stehen nach positiv verlaufender Prüfung zum Abspiel bereit. In der Regel reichen dafür eine Nacht und ein Vormittag. Nur in Ausnahmefällen werden Filme via Satellit oder VDSL-Kabel übertragen. Ersteres ist ebenfalls mit erhöhten Kosten verbunden, letzteres dauert drei, vier Tage.

Dennoch ist Colt dabei, die Erfahrungen, die es bei der Berlinale gemacht hat, für den normalen Kinobetrieb zu übertragen. „Die Anforderungen unterscheiden sich zwar deutlich voneinander“, erklärt Olaf Stehr, „aber wir sprechen mit Kinounternehmen.“ Erschwerend kommt bei der Übertragung des Modells hinzu, dass viele Kinobetriebe in den Städten weit vom Colt-Netzwerk entfernt liegen wie Multiplex-Kinos, die in Vorortzentren entstehen. Den Betreibern ist die Anlieferungsart der Filme egal, solange sie für sie kostengünstig bleibt. Insofern wird die Filmbelieferung in Zukunft eher auf eine internetbasierte Lösung hinaus laufen, eventuell in Form eines Peer-to-Peer-Netzwerks. „Von daher ist es realistischer, unsere Services Verleihen und Postproduktion anzubieten“, sagt Olaf Stehr daher auch. „Denn gerade hier kommt es auf Geschwindigkeit, Sicherheit und Effizienz an.“

Hier, wie im Broadcast- oder Alternative Content-Bereich für Kinos, steigt der Bedarf an schnellen, verlässlichen Breitbandverbindungen ständig. Nicht nur, dass in der Postproduktion und im filebasierten Workflow viele Daten schnell zwischen den einzelnen Standorten (und den dort stehenden Virtual Desktops) hin und her geschoben werden, sie nehmen mit zunehmender Verwendung von 3D und 4k/UHD auch noch exponentiell zu. Und der nächste Standard – 8k beziehungsweise UHD2 – steht bereits vor der Tür.

Thomas Steiger

MB 3/2015

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