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Wirrwarr an Geschäftsmodellen

Wirrwarr an Geschäftsmodellen

Die Enteractive GmbH ist auf die digitale Distribution von Inhalten spezialisiert. Für Pionierleistungen als Entwickler von Blue-Ray-Games wurde das im Jahr 2000 gegründete Hamburger Unternehmen kürzlich mit dem Video Entertainment Business Award ausgezeichnet. MEDIEN BULLETIN sprach mit Lothar Kerestedjian, Director Product & Business Development von Enteractive, über die Dienstleistungen des Unternehmens und die allgemeine Marktsituation.

Welche Services bietet Enteractive an?
Wir digitalisieren, archivieren und sichern audiovisuelle Inhalte für den non-physischen Vertrieb schon seit vielen Jahren. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern haben wir eine zuverlässige und effiziente Plattform für die Digitalisierung, das Encoding und den Versand geschaffen. Durch neuartige und automatisierte Produktionsprozesse garantieren wir somit Plattform- und Formatunabhängigkeit, hohe Zuverlässigkeit und Termintreue. Zu unseren Dienstleistungen zählen Asset-Management inklusive Eingangskontrolle, AV-Capturing und Enhancement, Encoding in die benötigten Formatvariationen WMV, H.264, MPEG2 und HD, Versions- und Formatkontrolle, Qualitätskontrolle, Digitales Wasserzeichen, Anlieferungsprozesse über Aspera, SmartJog etc. sowie Verwaltung und Abrechnung.

Sind Sie dabei auf besondere Inhalte oder Technologien fokussiert?
Wir encodieren alle audiovisuellen Inhalte vom Spielfilm bis hin zur kompletten Serie für mobile, tragbare und stationäre Endgeräte. Für einige unserer Kunden stellen wir unser eigens entwickeltes Metadaten-Creation Softwaretool bereit, welches bei der Zusammenstellung aller notwendigen Komponenten für die digitale Ausspielung erforderlich ist. Durch unsere langjährigen Geschäftsbeziehungen zu weltweit allen relevanten Anbietern aus den Bereichen Telekommunikation, Rundfunk, Pay-TV, Video-on-Demand – VOD, Electronic-Sell-Through – EST, IPTV und Film können wir alle Branchenstandards, Plattformen, Formate, Bitraten und Anlieferungsprozesse national und international realisieren. Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland digitalisieren wir seit kurzem für den iTunes Store von Apple, im Auftrag von Warner Bros., TV-Serien und Spielfilme für den deutschsprachigen und französischen Raum.

Welche Angebotsformen werden sich in der digitalen Welt durchsetzen?
Der Trend, insbesondere bei den jungen Leuten – und das ist die hauptsächliche Ziel- und Nutzergruppe – geht heute schon weg vom klassischen programmbasierten Fernsehen hin zur abrufbasierten Nutzung neuer Angebote. Streaming- und Downloadverfahren sind die beiden favorisierten Technologien der Nutzergruppe, um Angebote aus dem Netz zu beziehen. Die heutige Nutzergruppe besteht aus Schülern, Studenten und Jungfamilien, die keinen hohen Anspruch auf die Bildqualität legen und überwiegend ein Notebook verwenden. In 2008 werden voraussichtlich 230.000 Haushalte ihren DSL-Anschluss ausschließlich für den TV-Empfang und für zusätzliche Pay-Per-View-Angebote aus dem Netz nutzen. Marktstudien prognostizieren bis 2011 mehr als zwei Millionen angeschlossener DSL-TV-Haushalte in Deutschland, wobei 58 Prozent aller Haushalte nur über einen 2 Mbit/s Internetzugang verfügen. Wenn die Industrie diesen Massenmarkt erschließen will, dann müssen optimale Voraussetzungen geschaffen werden.

Welche technischen oder strukturellen Hürden stehen zur Marktdurchdringung von VOD und EST im Weg?
Leider herrscht ein Wirrwarr an Geschäftsmodellen und technischer Infrastruktur. Langfristige Kundenbindung, keine transparenten Angebote und viele Insellösungen verunsichern weiterhin den Kunden. Hinzu kommt die Vielzahl an neu verfügbaren Receivern, integrierten Fernsehgerätlösungen, proprietären Streaming-Boxen und PC-Software-Playern die leider nicht mit- oder zueinander kompatibel sind. Video-Streaming- und Download benötigen eine zuverlässige Übertragungsleistung, die heute immer noch nicht gewährleistet ist. Attraktive und leistungsstarke Breitbandangebot mit 25 bis 30 Mbit/s Downloadraten sind für optimale Bedingungen und Performance, um VOD, DTO, IPTV und User-Generated-Content zu empfangen, Pflicht. Hier haben zurzeit die Kabelnetzbetreiber die Nase vorne. Die empfangbare Bildqualität und die Aktualität der Inhalte müssen im Fokus der Anbieter stehen. Nur dann erzielt man Reichweite und kann mit Premiumpreisen die Inhalte vermarkten. Zu bedenken ist, dass die jährlichen Haushaltskosten inklusive GEZ für ein Rundum Sorglos TV-, Internet-, Pay-TV- und VOD-Abo mit Telefon-Flatrate inbegriffen bei nur knapp unter 2.000 Euro liegt. Das ist viel Geld.

Steile Lernkurve

Was sollte also künftig geschehen?
Digital (Managed) Copy – mit dem der Käufer einer Blu-ray Disc oder -DVD eine zusätzliche, kostenlose digitale Kopie des Films erhält – ist eine richtungsweisende Entwicklung. Nicht nur, um die Piraterie von Raubkopien und gerippten Filme einzudämmen – mit diesem Geschäftsmodell beziehungsweise dieser Art von Angebot wird der Kunde mit dem non-physischen Medium vertraut gemacht. Die Akzeptanz, diesen attraktiven Mehrwert über das Netz zu beziehen, dürfte in kürzester Zeit erreicht sein. Userfreundliches Handling und Aktualität erlauben hier eine steile Lernkurve. Diese Form vom non-physischen Vertrieb wird den VOD, Pay-Per-View und DTO Markt massiv beflügeln. Aber: Vorsicht ist geboten! Der Formatstreit HD DVD versus BD hat viele Early-Adopter und Technologie-affine Menschen verprellt und dazu bewegt, nur noch Inhalte über den non-physischen Weg zu beziehen. Um so formatunabhängig zu bleiben, aber auch, um die Inhalte gleich für mehrere Endgeräte zu erwerben beziehungsweise zu verwalten.

Ihr Fazit?
Nur jene Geschäftsmodelle werden nachhaltig erfolgreich sein, welche die Bedürfnisse der Nutzer umsetzen und im Fokus haben. Die technische Infrastruktur muss schnellstmöglich flächendeckend auf Basis einer harmonisierten Geräteplattform umgesetzt werden. Nur so können kompatible und attraktive Empfangsgeräte, die es ermöglichen, alle verfügbaren Inhalte und Angebote aus dem Hör- und Rundfunk und Netz zu empfangen, entwickelt werden.
Eckhard Eckstein (MB 12/08)

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