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Zuverlässigkeit ist Trumpf

Zuverlässigkeit ist Trumpf

Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Medienwelt gewinnt das Thema Channel-in-a-box (CiaB) zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es im Prinzip um die Integration vormals getrennter Produktions- und Playout-Systeme auf einer Plattform. Auf der IBC 2012 präsentierten rund 40 Aussteller entsprechende Lösungen. Dazu zählten etablierte Broadcast-Hersteller wie Grass Valley, Harris, Snell, Evertz und Miranda, aber auch viele neue Player – insbesondere aus dem IT-Umfeld.

Ein klarer Trend geht heute zum Einsatz automatisierter IT-basierter Playout-Lösungen. Unternehmen wie Oasys und Playbox sind zwar schon seit vielen Jahren mit All-in-one-Playout-Systemen auf dem Markt, aber erst jetzt scheint das Geschäft damit richtig in Schwung zu kommen. Das gilt auch für andere Bereiche der Produktionskette im Rundfunk. Die Integration von ursprünglich separat eingesetzten technischen Systemen und Lösungen „in einer Box“ gilt als wichtige Hilfe beim Umbau von technischen Infrastrukturen bei Sendern mit Blick auf die Erfordernisse der sich schnell verändernden Broadcastwelt. Getrieben wird diese Entwicklung insbesondere vom neuen Medien-Nutzerverhalten. Immer mehr Medien-Konsumenten schauen Videos und TV-Angebote auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets oder auf ihren Laptops und PCs. Die IP-basierte Verteilung von Inhalten wird so immer wichtiger. An einer Multiplattform- und Multiscreen-Distribution, darüber ist man sich einig, kommt heute kein Sender mehr vorbei.

Mehr Verbreitungswege und Formate verursachen jedoch auch eine zunehmende Komplexität der Workflows von der Produktion über das Management bis hin zur Distribution von Inhalten. Und natürlich auch mehr Kosten. Etablierte TV-Sender wie auch neue Web-TV- oder IPTV-Anbieter müssen heute in der Lage sein, möglichst schnell, flexibel und kostengünstig neue Kanäle on-Air zu bringen, um ihr Geschäftspotenzial optimal nutzen zu können. Wollen sie avancieren, dann müssen sie mit ihren Angeboten auch auf den Endgeräten präsent sein, die ihre Zielgruppen nutzen. Viele Hersteller und Systemanbieter aus dem Broadcast- und IT-Bereich haben das längst erkannt und bieten Lösungen an, die den Sendern das Leben einfacher machen sollen. Die grundsätzliche Zielrichtung mag dabei zwar die gleiche sein, die angebotenen Systeme und deren Leistungsvermögen sind aber meist grundverschieden. Das wurde auch wieder auf der Hamburg Open-Veranstaltung von MCI Studio Hamburg am 24. Januar 2013 deutlich.

Stefan Geradts, Vertriebsdirektor für Zentral- und Ost-Europa bei Snell, erklärte im Gespräch mit MEDIEN BULLETIN, dass bei der Vielzahl an CiaB-Lösungen und ihrer sehr unterschiedlichen Ausprägungen eine Vergleichbarkeit praktisch nicht gegeben ist. „Das ist wie beim Autokauf. Man kann sich für ein sehr hochwertiges Modell mit reichlich Zusatzausstattung entscheiden oder für ein sehr schlichtes“, sagte er. Und Snells CiaB-Lösung ICE sieht er klar im oberen Segment angesiedelt. „Im Broadcast-Geschäft hundertprozentige Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit gefragt. Das können nur Unternehmen bieten, die wie Snell das dafür nötige technische Know-how über viele Jahre aufgebaut haben“, betonte er.

Auf der IBC 2012 hat Snell die neue Version v3.0 seiner CiaB-Lösung ICE vorgestellt. Ihre neuen Features sollen nach Angaben des Unternehmens für weitere Kostenvorteile bei den Anwendern sorgen. ICE verfügt nun über leistungsstarke integrierte 3D- und 2D-Grafik und CG-Funktionalitäten mit Timeline-Editing-Kontrolle und der Möglichkeit, Planungsdaten aus Snells Morpheus Automationssystem einzupflegen, ebenso wie aus anderen externen Datenquellen. ICE v3.0 verfügt zudem über SD/HD-Simulcast-Fähigkeit und hat einen zusätzlichen Delay-Server an Bord. Er erlaubt nun das Ausgangssignal eines Kanals für zeitverzögerte Playout-Services aufzuzeichnen. ICE bietet zudem variable Playout-Geschwindigkeiten und Audio-Processing-Funktionalitäten.

Snells Chefentwickler Neil Maycock wies auf der IBC 2012 darauf hin, dass die ICE-Plattform bereits heute schon bei vielen Broadcastern erfolgreich im Einsatz sei. Dank ihrer einzigartigen Architektur und ihrer hohen Skalierbarkeit reiche ihr Einsatzgebiet von einer einfachen Ein-Kanal-Lösung über zentralisierte Playouts mit mehreren Standorten bis hin zu großen Multikanal-Playout-Umgebungen.

Die Bedeutung der Skalierbarkeit spielte auch im interessanten Vortrag von Marcel Tölkemeier, Presales Manager Selenio von Harris, zum Thema „Broadcast in a box“ auf der Hamburg Open 2013 eine wichtige Rolle. Er machte hier deutlich, dass sein Unternehmen mit Produkten wie der Platinum-Kreuzschiene, der Modular-Plattform Selenio und der neuen, auf der IBC 2012 gestarteten „Integrated Channel Solution“ Versio, die Verschmelzung differenzierter Arbeitsbereiche verstärkt unterstützen will und dabei den Kunden viele Vorteile in Sachen Effizienz, Flexibilität, Kompatibilität, Platz- und Energiebedarf biete – alles auf Basis bewährter Harris-Technologie. „Wir bieten alles, was moderne Broadcaster brauchen“, erklärte er selbstbewusst. Diese müssten neue Wege in Richtung „Zentralisierung unterschiedlicher Produktionsabläufe“ gehen und könnten sich dabei auf Harris verlassen. Das Geld, das man durch die Zentralisierung und Integration von technischen Lösungen einspare, könnte man sinnvoller anlegen, zum Beispiel durch den Aufbau neuer Kanäle. „Die Sender können mehr Programm mit der gleichen Mannschaft machen. Dabei wollen wir von Harris ihnen helfen“, betonte er.

Vereinfachung bedeutet Integration

Harris-Chef Harris Morris hatte auf der IBC 2012 schon erklärt: „Die Transformation der Rundfunksender hin zu Multiplattform-Medienhäusern führt zur wachsenden Komplexität ihrer Betriebstechnik. Sie bedarf dringend einer Vereinfachung“. Harris Broadcast biete dafür die richtigen Lösungen. Vereinfachung bedeutet Integration unterschiedlicher Funktionalitäten für den Senderbetrieb in einem System. Folgerichtig steige Harris mit Versio deshalb auch in den CiaB-Markt ein. „Da gibt es zwar schon viele Mitbewerber, aber Harris sieht sich mit seinem umfangreichen Know-how und Produktportfolio besser aufgestellt als die Konkurrenz“, betonte er.

Wie Stefan Geradts betonte auch Morris, dass die wichtigste Herausforderung für automatisierte IT-based Playout Systeme deren absolute Zuverlässigkeit sei. Und hier könne sein Unternehmen trumpfen. Außerdem würden CiaB-Platformen sehr stark auf Automationstechnik basieren. Harris sei hier mit Lösungen wie ADC und D-Series Marktführer und bei Broadcastern, die sich für integrierte IT-basierte Playoutlösungen interessierten, allein schon deshalb erste Wahl. Mit Versio biete Harris einen zuverlässigen kostengünstigen Weg für Sender, die schnell neue Services und digital Zusatzkanäle aufbauen wollten oder Backup-Kanäle für den Notfall benötigten.

Bei Harris weist man auch darauf hin, dass CiaB heute nicht mehr allein günstig produzierende Nischenanbieter adressiere sondern auch große Sender und Plattformbetreiber. Das würde mittlerweile auch in der Broadcast-Industrie so wahrgenommen.

Ähnlich argumentiert man auch bei Grass Valley. Allerdings betrachtet man den CiaB-Markt dabei sehr differenziert. Michael Zabolitzki, Geschäftsführer der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz), erklärte gegenüber MEDIEN BULLETIN: „Channel-in-Box ist nicht unbedingt der Stein der Weisen. Es kommt vielmehr darauf an, wie integrativ sich so ein System am Ende zum ganzen restlichen Geschäftsmodell eines Senders verhält. Wenn ein solches System unabhängig vom Geschäftsablauf ist und eben nicht integrativ funktioniert, dann wird es uneffizient. Wir setzen deshalb klar auf die integrative Variante und arbeiten an einer offeneren, flexibleren CiaB-Lösung, die einfach zu nutzen ist und sich jedem Geschäftsablauf individuell anpassen lässt.“ Im Gegensatz zu anderen Herstellern könne man dabei aus einem umfassenden Produkt-Portfolio schöpfen und sich so von vielen Mitbewerbern deutlich abgrenzen. „Wir wollen von A bis Z mit der Integration und Software alles als Solution anbieten können“, betonte er. Zum ganzheitlichen Angebot von Grass Valley gehöre auch, dass man Broadcaster bedienen können – von klein bis groß mit den für sie passenden Lösungen. Zentrales Element bei Grass Valley spielt dabei das Serversystem K2 Edge und die integrierten Playout-Lösungen der Ende 2011 von Grass Valley übernommenen Firma PubliTronic.
Eckhard Eckstein
(MB 02/13)

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