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Bahnbrechende Entwicklung
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Bahnbrechende Entwicklung

Just zu ihrem zwanzigsten Geburtstag veranstaltete die Deutsche TV-Plattform am 3. November in Berlin ein Symposium, das eine für die Unterhaltungselektronik- und Broadcastindustrie hoch bedeutsame wirtschaftliche Frage klären sollte: „Ist Deutschland bereit für 3DTV?“ Allein der Symposiumstitel „Von HDTV zu 3DTV – Markterfolg oder Hype?“ deutete allerdings grundsätzliche Fragezeichen an.

Zur Erinnerung: Auf den Hype rund um 3D und die super Kinokassen-Geschäfte, die durch den riesigen weltweiten Erfolg des Science Fiction 3D-Films Avatar seit Ende letzten Jahres ausgelöst worden waren, war die Unterhaltungselektronik- und Broadcast-Industrie blitzschnell aufgesprungen. So wurde ein Großteil der Spiele der Fußball-WM im Juli bereits live in 3D produziert und mit großem Werbegetrommel begleitet. Im August kündigte dann die Unterhaltungselektronikindustrie auf ihrer Marketingplattform „IFA – Consumer Electronics Unlimited“ den Start des Fernsehens in die dritte Dimension an. Mit beeindruckendem Aufwand hatten Unterhaltungselektronik-Anbieter in den Messehallen ein Feuerwerk an 3D-Effekten installiert, die man mit verschiedenste Typen von Shutterbrillen bewundern konnte. Da gab es die dritte Dimension, die aus dem Flat Screen „springt“, sogar ohne Brille zu erleben, weil das Fraunhofer HHI diese Möglichkeit in Entwicklung hat, die, laut HHI, in sechs bis sieben Jahren startklar sein könnte. So wurden viele TV-Konsumenten auf 3D neugierig gemacht – mehr als auf das Hybrid-Fernsehen.

Die Unterhaltungselektronikindustrie hat ein schnelles Entwicklungstempo vorgelegt. 3DTV-Geräte wurden binnen kürzester Zeit in den Handel gebracht. Hans-Joachim Kamp, CEO Philips Deutschland, der gleichzeitig Vizepräsident des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) ist und im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik, gfu, sitzt, wagte auf dem Symposium eine euphorische Prognose: „Wir stehen am Anfang einer bahnbrechenden Entwicklung“. Die 3DTV-Akzeptanz der Konsumenten sei von Anfang an wesentlich höher gewesen als bei anderen TV-Innovationen der jüngeren Vergangenheit. Das Breitbild 16:9 habe zehn Jahre für den Durchbruch gebraucht, HDTV fünf Jahre. Wobei Kamp das Jahr 2005 als Startjahr für den Versuch der HDTV-Markpenetrierung nannte, als man erstmals mit dem Logo „HD ready“ den Geräte-Absatz ankurbeln konnte.

Dagegen rechne man damit, dass bereits Ende dieses Jahres 150.000 3D-Geräte in deutschen Haushalten stehen und Ende 2011 sogar 750.000, eine enorme Steigerung. Bis Ende September, also vor dem anstehenden Weihnachtsgeschäft, hat man allerdings erst 43.000 verkaufte 3D-Geräte in Deutschland gezählt. Der Markt erhalte einen zusätzlichen Push, weil Konsumenten auch auf Peripheriegeräte zugreifen würden, sagte Kamp. Beispielsweise werde 3D-Blue-ray für einen nächsten Schub sorgen wie auch Videospiele. Man habe herausgefunden, so Kamp, dass bereits heute für 95 Prozent der Bevölkerung das 3D Fernsehen ein Begriff sei. Fernsehen stehe seit 75 Jahren für Faszination, und die würde durch 3D noch einmal unterstrichen.

Offene Fragen

Doch war Kamp wie anderen Vertretern der Deutschen TV-Plattform und den 160 Symposiums-Teilnehmern klar, dass trotz aller Faszination noch eine Menge Probleme gelöst werden müssen, um aus 3DTV ein Massengeschäft in Richtung 3D-Geräte für Konsumenten und Verkauf von neuem Produktionsequipment zu machen. Eine Goldmine sprudelt nicht von allein. Man muss sie beackern.
Noch sind viel zu wenige 3D-Inhalte auf dem Markt, um ein vielfältiges kontinuierliches Programmangebot für Fernsehen oder 3D-Blue-ray-Geräte realisieren zu können. Im DVB-Übertragungsbereich für 3DTV fehlen noch die Standardisierungen. Die Interoperabilität, also ein gemeinsamer Standard für 3D-Brillen von unterschiedlichen Geräte-Herstellern, ist noch nicht gegeben. Es sind noch keine Geschäftmodelle entwickelt worden, um Free-TV-Sender zum Einstieg in einen Realbetrieb mit dritter Dimension zu motivieren, zumal diese die Umrüstung auf HDTV noch gar nicht abgeschlossen haben. HDTV ist aber die technologische Grundvoraussetzung für 3DTV.

Obendrein ist auch noch gar nicht geklärt, wie viel 3D der TV-Zuschauer überhaupt verträgt – oder beim TV-Konsum im Wohnzimmersessel haben will. Häufig wird darüber geklagt, die 3D-Effekte würden zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen.
Sicher scheint zu sein: Junge Menschen lassen sich vor allem von 3D-Science Fiction oder Games begeistern. In den USA allerdings, so merkte Prof. Dr. Reimers, Leiter des Instituts für Nachrichtentechnik, TU Braunschweig, beim Symposium an, sei die Begeisterung zumindest des Kinopublikums in Bezug auf 3D schon wieder rückläufig.

Die Live-Übertragung von Fußballspielen in 3D anlässlich der WM in Südafrika hatte selbst 3D-Fans noch nicht davon überzeugt, dass es sich um einen absoluten Qualitätssprung für ein neues TV- Erlebnis handele. Ganz klar, so formulierte es Dietrich Westerkamp, Direktor Standard Koordination Technicolor in seiner Eigenschaft als Leiter der Arbeitsgruppe 3D-HD-TV der Deutschen TV-Plattform bereits vor dem Symposium: „Ohne Schwarzmalerei zu betreiben, gibt es noch eine Reihe offener Fragen bei 3DTV“. Oder anders ausgedrückt: „Es gibt noch viel zu tun“.

Auf der Habenseite von 3DTV steht aber bereits: Man kann es schon im deutschen Fernsehen sehen. So hat der Pay-TV-Sender Sky einen 3D-Eventkanal in seinem Plattform-Angebot aufgenommen wie auch die Deutsche Telekom über ihre IPTV-Plattform T-Entertain. Stephan Heimbecher, Head of Innovation and Standards bei Sky, berichtete, der Kanal, der für HDTV- Abonnenten bis Ende Dezember kostenlos auf Sky frei geschaltet werde, sei im Oktober „gut angelaufen“: mit der Übertragung des Golfturniers Ryder Cup, dem Konzert der Fantastischen Vier, zwei Live-Produktionen vom DFB-Pokal und weiteren Film-Highlights. Es reiche zunächst voll aus, mit wenigen, rund neun Events, auf dem 3D-Kanal aufzuwarten, meinte Heimbecher, der 3D für ein „völlig neues Stilmittel hält, das eine neue Herangehensweise erfordere.

Michael Ortlepp, Excutive Producer Entertain bei der Deutschen Telekom AG hat für das 3D-Angebot ebenso „tolle Zahlen in der Resonanz“ registriert. Telekom-Kunden zahlen für 3D genauso viel wie für den Einzelabruf von HD-Programmen, 4,99 Euro. Zurzeit verfüge man über 22 3D-Titel, sagte Ortlepp. Man habe bereits Deals mit Hollywood gemacht, so dass man demnächst über die jeweils neuesten Titel verfüge. Generell aber gehe der 3D-Content-Trend in Richtung Sport. Für die Telekom sei 3D als „Innovationsmerkmal“ wichtig.
Auch Eutelsat plant einen Kanal im Rahmen seines Kiosk-Angebots, „um das 3D-Erlebnis zu demonstrieren“, wie Eutelsat- visAvision-Geschäftsführerin Martina Rutenbeck auf dem Symposium ankündigte.

Keine „Titanic“

Kein Wunder also, dass „Pay-TV-Anbieter bei der Signalisierung von 3D-Inhalten den Vortritt haben sollen“, wie Thomas Wrede, Vice President Product Management Media, SES Astra referierte. Denn die aktuellen Standardisierungsbemühungen für 3D erfolgen bei Astra „auf Basis kommerzieller Anforderungen“. Im gesamten Sendegebiet von Astra habe man bislang 100.000 3D Flachbildschirme gezählt, was Wrede als „wenig“ bezeichnete. Man gehe davon aus, dass sich 3D zunächst als Event-TV und Pay TV etablieren werde.

Grundsätzlich sei die Satellitenstruktur von Astra auch für 3D ausgelegt, wie der Astra 3D Demokanal beweise. Die Standardisierungsarbeiten, die gegenwärtig laufen, würden vermutlich erst Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden.
Es gebe dabei ein Problem, über das man „nicht gerne rede“ verriet Wrede offen: Wenn 3D in bei der HDTV-Übertragung eingebunden werde, müsse ein Qualitätsverlust bei den HD-Bildern in Kauf genommen werden. Auch wenn, wie er betonte, das Gesamtergebnis dennoch bei den Konsumenten gut ankomme. Allerdings habe man aktuell ein Problem, wie man 3D mit einem Logo gut präsentieren könne. Die Wortmarke „3D Full HD“ jedenfalls könne man nicht benutzen, weil sie nicht der Tatsache entspreche.

Auf dieses Logo-Problem ging Dr. Andreas Bereczky, Produktionsdirektor ZDF, bei seinem Impulsvortrag zur Frage, ob Deutschland für 3DTV bereit sei, gar nicht ein. Er stellte trocken fest, dass die Geräteindustrie nach HDTV nun „the next big thing“ suche, um neue Geräte auch für die Produktion zu verkaufen.
In den letzten Jahren seien aber nur 60 3D-Filme produziert worden, weshalb man für 3DTV über so gut wie gar keinen Inhalt verfüge. Für Free-TV-Sender bestehe das Kostenproblem, dass man nicht mit ein- und derselben Produktionsmannschaft sowohl 2D wie 3D produzieren könne. Für 3D brauche man „eine spezielle Ausbildung“ und es gebe produktionstechnische Unterschiede, ob man Inhalte für große oder kleine Bildschirme herstelle. Zwar seien in den TV-Haushalten Einzelgeräte für den 3D-Empfang vorhanden. Darauf käme es aber nicht an. Man müsse die Brillen zählen, die benutzt würden. Die Übertragungstechnik sei noch nicht standardisiert. Und bis es das 3DTV Erlebnis ohne Shutterbrille gebe, vergingen noch einige Jahre.

Deshalb: Der D3-Markt, so prognostizierte Bereczky, werde vom Kino, Blue-Ray, VoD und Pay TV angetrieben, nicht aber von den den Massenmarkt bestimmenden Free-TV-Sendern. Weder bei den Öffentlich-Rechtlichen, noch bei den Privaten lägen 3D-Pläne vor.
Was aber nicht ausschließe, dass man hin und wieder mit 3D experimentieren werde, zum Beispiel über Arte, modifizierte Bereczky, nachdem Kamp sich über die all zu negative Absage an 3DTV seitens des ZDF mokiert hatte, ohne neuen Regelungen für die Zukunft eine Chance zu geben.

„Wir haben keine konkreten Pläne mit 3D“ bestätigte allerdings Klaus Steffens, Leiter Technik und Distribution bei ProSiebenSat.1, Bereczky. 3D müsse sich in naher Zukunft erst einmal als Event on demand bewähren. Danach könne man schauen, ob man auch einmal eine Show in 3D produzieren werde. Gleichwohl sitze man mit im 3D-„Beibötchen“, weil man immerhin 3D nicht als „Titanic“ betrachte. Dieser Sichtweise schloss sich Bertram Bittel, Vorsitzender der Produktions- und Technikkommission von ARD und ZDF, an. Er fügte hinzu: „Bei uns steigen die Produktionskosten. Die Rechte für Fußball sind teuer genug“. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er sich nicht vorstellen, dass das lineare Fernsehen voll auf 3D umgewandelt werde.

Kreatives Stilmittel

Zurück zur Habenseite von 3D. Das ist die Faszination von 3D als „kreatives Stilmittel“, wie Constantin-Geschäftsführer Oliver Berben auf dem Symposium sagte. Er erinnerte daran, dass der „echte Durchbruch“ für 3D nicht der Technik, sondern einem Inhalt zu verdanken sei, den Drehbuch-Autor und Regisseur James Cameron mit seinem Kinofilm Avatar geschaffen habe.
Die Technik selber sei im Grunde genommen schon seit Jahrzehnten bekannt. Worauf übrigens auch viele andere während des Symposiums mit verschiedensten Rückdatierungen hingewiesenen haben. Nüchtern betrachtet ist 3D ja nur ein althergebrachter stereoskopischer Aufnahmetrick, der 2D-Bildern die räumliche Illusion der dritten Dimension beimischt.
Alfred Hitchcock beispielsweise, so Berben, sei schon 1954 gezwungen worden, einen 3D-Film zu drehen, wohl weil man sich schon damals ein gutes Geschäft erhoffte, was nicht stattfand.

Neu allerdings ist heute, wie Berben betonte, dass eine Vielzahl von Techniken für den 3D-Dreh zur Verfügung steht, wobei allerdings die Qualität stark variiere. Es käme vor allem darauf an, 3D als Stilmittel so einzusetzen, dass der Zuschauer es nicht als vordergründigen Effekt, sondern als Erlebnis-Bereicherung empfinde. Dann könne 3D „ganz anders packen“ und den Zuschauer noch mehr in die Erzählung „reinziehen“. Es sei für Constantin sehr wichtig, dem weltweiten Markt zu beweisen, dass man mit 3D optimal umgehen könne.

Berben demonstrierte drei Filmausschnitte aus Constantin-3D-Projekten, die in Deutschland alle „auf Anhieb die magische Zahl von einer Million Zuschauern erreicht haben“, sich aber auf ganz verschiedene Art und Weise des Stilmittels 3D bedienten. Im Tanzfilm „Step up 3D“, in dem Streetdancers im Ausschnitt auf einem wasserüberströmten Boden tanzen, wird die Choreographie durch das in drei Dimensionen spritzende Wasser betont und gerät zu einem neuen ästhetischen Erlebnis, das Tanzbewegungen noch lebendiger macht. Bei „Resident Evil afterlive 3D“ bekommt die Action durch 3D noch mehr Dynamik und der Horror eine naturalistische Note.

Beim dritten Beispiel, der Verfilmung von Erich Kästners „Konferenz der Tiere“, die komplett in Deutschland hergestellt worden sei, handele es sich um ein „Gegenprogramm“. Hier sei, so Berben, 3D als Stilmittel für Emotion eingesetzt worden und nicht um Effekte zu erzeugen. Dabei rückt 3D in der von Berben demonstrierten Szene niedliche Tiergesichter so präsent in den Vordergrund, dass man sie streicheln mag und sie Kinderherzen mit Sicherheit erobern, zumal mit wenig aufdringlichen 3D-Effekten drumherum im gezeigten Ausschnitt eine zauberhafte Traumwelt entsteht.

Für einen Liebesfilm indessen hält Berben 3D überhaupt nicht geeignet. Eine Ansicht, die einigen anwesenden kreativen 3D-Experimenteuren überhaupt nicht gefiel, weil sie alle Optionen offen sehen. Der Vision aber, dass in Zukunft Kinofilme nur noch in 3D gedreht werden würden, stellte Berben ein harsches „Nein“ entgegen. Schon deshalb, weil man sich schwer tue, HD und 3D in Einklang zu bringen.

Mit „Die drei Musketiere“ hat Constantin aktuell seine teuerste Produktion aller Zeiten in Arbeit, in 3D. Solche Produktionen, so prognostiziert Berben, würden in Zukunft nicht nur im Kino, sondern über Blue-ray oder Online on demand zu Hause geguckt. An 3D findet er prima, dass man bislang davon keine Raubkopien ziehen kann.
Auch Berben sieht in Bezug auf 2D und 3D völlig unterschiedliche Produktionsweisen. Die Schnittfrequenzen bei 2D seien höher. Bei 3D sei eine längere Erzählweise Trumpf. Die Kamera müsse anders bedient werden, Vorder- und Hintergrund anders berücksichtigt werden.

Genau die gleiche Erfahrung hat David Bush, Marketingdirector, Sony Professional Solutions Europe, bei den Live-Produktionen zur Fußball-WM gemacht, wie er als ein Beispiel seiner „Lessons learned“ referierte. 3D, so betonte Bush, „kann emotionalisieren“. Der Zuschauer müsse aber zuvor in eine „eher beschauliche Situation gebracht werden, um selber auszuwählen, was er sehen will“.
Bush bedauerte, dass man bei der Fußball-WM mit nur acht Monaten Vorbereitungszeit für die 3D-Liveproduktionen sich nicht so profunde mit der einzusetzenden Technik habe befassen könne, wie es im nachhinein wünschenswert gewesen wäre. Zumal es verschiedenste Vorgaben zu berücksichtigen galt, bei einem niedrigen Budget, das nicht mit dem von Camerons Avatar vergleichbar sei.

So musste 3D mit der HD-Planung übereinstimmen und sich ihr anpassen. Die Produktion sollte für kleine wie für große Schirme, für Blue-ray, für TV und Kino geeignet sein. Das alles live, mit so gut wie unbekannten 3D-Workflows und Test-Kameras. Es waren ja noch keine Standards für die 3D-Live Produktion vorhanden, die eine gute Qualität garantierten, bedauerte Bush in seinem Vortrag. Man sei an einem kreativen Umbruch in der Live-Produktion von Fußballspielen beteiligt gewesen, für die eigentlich noch viel mehr Sorgfalt notwendig gewesen wäre.
Vielleicht besänftigten Bushs Pioniererfahrungen alle diejenigen, die als Fußballfans oder als Technikexperten noch nicht so richtig von den 3D-Live-Produktionen aus Südafrika überzeugt waren. Learning by doing.

Gesundheitsprobleme?

Und was ist nun mit den Kopfschmerzen und der Übelkeit, die 3D offensichtlich bei einigen Zuschauern erzeugt? Dazu nahm Hans Hoffmann, Programm Manager, European Broadcasting Union, EBU, als Referent auf dem Symposium Stellung. Er nahm es salopp: „Unverträglichkeit? Wenn der Mensch schielen muss, wird er gestresst“. Womit er wohl meinte, dass es auf den Blickwinkel ankommt, wie der Mensch durch die Shutterbrille auf 3D-Produktionen guckt. Auch zu viel Bier, das man beispielsweise vor einem Kinobesuch mit 3D-Angebot genossen habe, könne zur Übelkeit führen. Junge Leute hätten mit den Brillen nicht so ein Problem. Übelkeit habe auch etwas mit der Bewegung der Augen zu tun.

Abseits von launigen Beobachtungen hatte Hoffmann eine klare Botschaft: „Der gute Content zählt und der gute 3D-Effekt“. Leider: Die Qualitätsbewertung von 3D sei „nicht wissenschaftlich möglich, sondern nur vom Common Sense“.
Man darf Hoffmann an dieser Stelle interpretieren: Wer Science Fiction oder beispielsweise Horrorfilme nicht mag, der wird erst recht zu Kopfschmerzen neigen, wenn er dann auch noch mit 3D-Achterbahn-Effekten durch die Kamera überschüttet wird. Wer Fußball-Fan ist, erwartet keine Effekte, sondern eine ausgewogene Mischung zwischen Emotion und Information über den Verlauf des Spiels – und will selbstredend keine schlechteren Bilder erleben, als die, die er bereits vom digitalen Fernsehen kennt. Vordergründige Effekte können vielleicht eine super Wirkung in Werbespots entfalten, weil man ihnen nicht länger als ein paar Sekunden ausgesetzt ist.

Die EBU, so sagte Hoffmann, begleite das Thema 3D und die Arbeitsgruppen dazu „finden großes Interesse“. Man sei sich aber bewusst, dass 3D nur dann Erfolg haben könne, „wenn es mit Bedacht angegangen“ werde, „angefangen vom Drehbuch“.
Hoffmann räumte einerseits durchaus ein dass die 3D-Faszination auch auf EBU gegeben sei. Er bemängelte allerdings, dass die „Automatisierung des Produktionsprozesses“ dafür noch nicht gegeben sei. Und, dass man sich unsicher sei, ob 3D bei den Zuschauern eher nur als „vereinzeltes Event oder auch kontinuierlich“ ankommen werde. Die öffentlich-rechtlichen Sender, so resümierte Hoffmann „werden nicht die Treiber für 3D sein, sondern Pay-TV und Kino“.
Nun ja. Fernsehen mutiert ohnehin immer mehr zu einer „intelligenten Multimediazentrale“, das verschiedenste Inhalte für verschiedenste Zielgruppen offeriert. Da ist natürlich auch Platz für 3D dabei, wie man dem Vortrag von André Schneider. Head of Product Strategy, Samsung, entnehmen konnte.
Jesko Jockenhövel von der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam, die verschiedene Forschungsprojekte zur Akzeptanz von 3D bei Jüngeren durchgeführt hat, hatte drei Erkenntnisse auf dem Symposium anzubieten.

Erstens: Die Akzeptanz bei Jüngeren sei am größten bei den Genres Science Fiction und Animation. Zweitens: Wenn Jüngere extra für 3D zahlen, wollen sie auch 3D erleben. Aber drittens, andererseits: 3D sollte auch für jüngere eine „narrative Motivation“ haben. Reine 3D-Effekte werden auf Dauer auch von jungen Menschen als unangenehm empfunden.
Die Probleme rund um 3DTV wurden auf dem Symposium konkret auf den Tisch gelegt. So kann man sich im nächsten Schritt, um die Lösungen kümmern.
Erika Butzek
(MB 12/10_01/2011)

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