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Der Aufbruch in die dritte Dimension
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Der Aufbruch in die dritte Dimension

Die Weltpremiere von Pixars digitalen 3D-Animationsfilms „Oben“, den das Cannes Film Festival in diesem Jahr als Eröffnungsfilm präsentierte, markiert den internationalen Durchbruch des stereoskopischen 3D-Films. „Es ist eine große Ehre für uns, das wir mit „Up“ das Festival in Cannes eröffnen durften“, betonte John Lasseter, Kreativ-Chef von Walt Disney und den Pixar Animation Studios. „Wir haben die 3D-Effekte in ‚Oben’ beim Storytelling gezielt eingesetzt, um bestimmte Emotionen zu verstärken.“ In Pete Docters warmherziger Komödie „Oben“ erfüllt sich ein kauziger, alter Witwer seinen Lebenstraum. Anstatt sich ins Altersheim abschieben zu lassen, begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise nach Südamerika. Ermöglicht wird diese märchenhafte Odyssee durch tausende von Luftballons, die er an sein Haus bindet und damit davonfliegen zu können. „Während wir die 3D-Effekte am Anfang des Films sehr sparsam eingesetzt haben, gewinnen die Bilder enorm an räumlicher Tiefe, als er mit seinem ganzen Wohnhaus abhebt“, erläutert Lasseter. „Wir haben komplett auf vordergründige 3D-Effekte im Kinosaal verzichtet“, ergänzt der Produzent Jonas Rivera, „denn es war unser Ziel, den Zuschauer förmlich in die Geschichte hineinzuziehen.“

Neben der spektakulären Präsentation dieses 3D-Films diente das Cannes Film Festival Disney als Promotion-Plattform für Robert Zemeckis Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“, die auf dem Klassiker „Der kleine Lord“ von Charles Dickens basiert. Zu diesem Zweck verwandelten die Produzenten die Croisette vor dem Luxushotel Carlton in eine winterliche Schneelandschaft, durch welche die Hauptdarsteller Jim Carrey, Colin Firth, Robin Wright Penn sowie der Regisseur Robert Zemeckis spazierten. Die Schauspieler sind in dem 3D-Animationsfilm „A Christmas Carol“ gefordert, ihren Figuren mit Hilfe des Motion Capture-Verfahrens Leben einhauchen.

Die technische Ausstattung für die 3D-Projektion
Ermöglicht wurde die Vorführung der 3D-Filme in Cannes durch die digitalen Projektionssysteme, mit der das Festival in diesem Jahr insgesamt 19 Kinosäle ausgestattet hat. Neben den CP2000-SB-Projektoren von Christie sowie den Doremi DCP-2000 und CineStore Solo G3 Server von XDC wurden vier 3D-Systeme von XpanD eingesetzt, für die aktive 3D-Brillen erforderlich sind. „Wir haben uns für dieses 3D-System entschieden“, erklärt Jérome Paillard, Leiter des Marché du Film (MIF) in Cannes, „weil XpandD es erlaubt, schnell zwischen 2D- und 3D-Vorführungen zu wechseln.“ Insgesamt wurden auf dem Filmmarkt in Cannes rund ein Dutzend 3D-Filme präsentiert. Zu ihnen gehörte der 3D-Animationsfilm „Around the World in 50 Years“, in dem der belgische Regisseur Ben Stassen beschreibt, wie sich das Leben einer Wasserschildkröte durch die globale Erderwärmung verändert. Der französische Weltvertrieb Studio Canal konnte dieses 3D-Filmabenteuer in Cannes in fast alle Territorien verkaufen. hat „Around the World in 50 Years“ hat der Firma in Cannes die Hälfte ihrer Einnahmen eingebracht. „Studio Canal hat noch nie so viele Verkäufe abgeschlossen wie in diesem Jahr auf dem Filmmarkt in Cannes“, unterstreicht Paillard.

Zu den weiteren 3D-Filmen die auf der Croisette angepriesen wurden, gehörte das australische 3D-Action-Abenteuer „Bait“ über Haifische, der 3D-Thriller „Dark Country“, die 3D Animationsfilme „Amphibious“ und „Dino Mom“ sowie das 30 Millionen Dollar teure Fantasy-Epos „Legend of the Magic Bell“, das von John Woo und Terence Chang produziert wird.
Mit der James Bond-Persiflage „Delusion 3D“ von Christina Kinne wurde auch ein deutscher 3D-Film in der Short Film Corner in Cannes präsentiert. Für diesen 20-minütigen Kurzfilm zeichnet Alaric Hamacher als Produzent verantwortlich, der als langjähriger 3D-Experte den Vertrieb des xPanD-System in Deutschland übernommen hat. „Mit ‚Delusion 3D’ wollten wir die filmischen Möglichkeiten zeigen, die der 3D-Film bietet“, erläutert Aleric Hamacher. Dazu gehöre beispielsweise die Verdichtung eines Raums durch optische Parameter. „Jetzt sind die Kreativen gefragt, diese dritte Dimension sinnvoll auszufüllen.“ Aufgenommen wurde der 3D-Kurzfilm mit der HD-Kamera Canon XL H1. Für die Bildgestaltung zeichnete Andy Kaiser verantwortlich, der auch die Stop.Motion-Kamera bei der MTV-Erfolgsserie „Celebrity Death Match“ geführt hat. „Er besitzt ein Gespür dafür“, so die Regisseurin Kinne, „optisch etwas aus einem Raum herauszuholen.“

3D ist der Katalysator für die Digitalisierung der Kinos
Da sich die Kinos durch die Auswertung von 3D-Filmen zusätzliche Einnahmen versprechen, fungiert 3D als der stärkste Katalysator für die Digitalisierung der Kinosäle. Am 1. Januar 2009 gab es der Audiovisuellen Informationsstelle in Straßburg zufolge 1.529 digital ausgestattete Kinoleinwände in Europa, was einem Zuwachs von 70 % innerhalb des letztes Jahres entspricht. An der Spitze steht dabei Großbritannien mit 303 digitalen Leinwänden, gefolgt von Frankreich mit 253 digitalen Kinosälen. Auf Platz 3 steht Deutschland mit 161 digitalen Kinosälen. Wird jedoch die digitale Marktsättigung in Bezug zur Größe des Landes gesetzt, ist die Digitalisierung der Kinos in Luxemburg und Belgiem am weitesten fortgeschritten. Die Digitalisierung der Produktionskette führt aber auch zu einem wesentlich höheren Kinofilm-Output. In Europa ist die Anzahl der abendfüllenden Spiel- und Dokumentarfilme im vergangenen Jahr auf die Rekordsumme von 1.145 Filmen angestiegen, was ein Plus von mehr als zehn Prozent bedeutet. Ähnlich gestaltet sich die Situation in den USA, wo es immer schwerer wird, unabhängig produzierte Filme ins Kino zu bringen. Der erfahrene New Yorker Arthouse-Verleiher Mark Lipsky hat deshalb das neue Label Gigantic Digital gegründet, das auf einen Day- and Date-Release der Filme mit paraller Kino- und Online-Auswertung setzt. „Unser Ansatz sieht vor, die Filme nur in Großstädten wie New York oder Los Angeles ins Kino zu bringen“, erklärt Lipsky, „und die weitere Auswertung über unsere Online-Plattform vorzunehmen.“ Damit in den Kino-Städten keine Online-Auswertung erfolgt, werden die IP-Adressen dort geographisch blockiert. Bei der Vermarktung der Filme kann Gigantic Digital von seinem Know-How als Arthouse-Verleiher profitieren und ganz gezielte Pressearbeit für die Filme leisten.

Streaming-Angebote in der jeweils optimalen Qualität
Der Preis für das Streaming-Angebot pro Film, das jeweils drei Tage lang gilt, kostet 2,99 Dollar. Um den Nutzern die optimale Qualtät anzubieten, will Lipsky demnächst einen neuen Mediaplayer einsetzen, der die Auswahl von sechs unterschiedlichen Übertragungsraten von 300 kb/s bis hin zur DV-Auflösung ermöglicht. „Wir möchten in Zukunft auch fremdsprachige Filme auf unserer Plattform anbieten.“

Der deutsche Weltvertrieb Bavaria Film International (BFI) plant, künftig seine Online-Rechte separat zu verkaufen. „Dienste wie Video-on-Demand oder andere alternative Auswertungsformen können diese Masse an Filmen jedoch nicht aufnehmen“, sagt Thorsten Ritter, Leiter von Bavaria Film International. „Es gibt eine starke Fragmentierung des Marktes, doch das wird nicht die Antwort sein. Die Kunden benötigen eine Orientierung, die durch eine Vorauswahl erfolgt.“

Aber auch auf YouTube sollen künftig Spielfilme gezeigt werden. Seine Premiere soll dort der Film „Home“ von dem französischen Umwelt-Aktivisten Yann Arths Bertrand feiern, den Luc Besson mit Europa Corp. produziert hat. In Cannes verkündete das
Team, den Film am internationalen Umwelttag als Day-and Date-Release gleichzeitig im Kino, Fernsehen, auf DVD sowie im Internet zu starten.
Birgit Heidsiek (MB 06/09)

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