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Deutlich mehr  Leben im Broadcast-Markt
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Deutlich mehr Leben im Broadcast-Markt

Auf der IBC 2010 war der strukturelle Wandel in der Broadcast-Industrie stärker den je sichtbar. Insbesondere die großen Equipment-Hersteller beeilen sich, ihre Firmenstrategien der neuen Zeit anzupassen. Und selbst der Veranstalter der Kongressmesse in Amsterdam hat gemerkt, dass er möglichst flexibel auf die sich ändernden Marktverhältnisse reagieren muss. Inhaltlich standen auf der IBC in diesem Jahr die Themen Stereo 3D, IP- und IT-basierte Workflows ganz oben auf der Agenda.

Die IBC 2010 in Amsterdam verbreitete viel Zuversicht. „Der Medienbranche geht es wieder besser, die Geschäfte ziehen an“, lautete die Botschaft. Es gab überwiegend zufriedene Gesichter – auch beim IBC-Veranstalter. Er registrierte die zweitgrößte Veranstaltung in der Geschichte der Kongressmesse – mit 48.521 Teilnehmern, 8,7 Prozent mehr als im Vorjahr, sowie 1.300 Ausstellern. 250 davon waren erstmals in Amsterdam vertreten. Insgesamt waren 13 Hallen mit rund 100.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche belegt. Zum Ende der Messe hatten bereits 80 Prozent der Aussteller wieder für die IBC 2011 gebucht – auch ein Zeichen für die positive Stimmung bei den Ausstellern. Joop Janssen, CEO der Vitec Group erklärte: „Für uns als Herstellerfirma war die IBC 2010 fantastisch. Im Gegensatz zum letzten Jahr laufen die Geschäfte deutlich besser. Ganz allgemein ist jetzt deutlich mehr Leben im Broadcast-Markt.“

Allerdings gab es auch nachdenkliche Töne. „Unsere größte Herausforderung ist, herauszufinden, in welcher Weise sich die Industrie gegenwärtig verändert. Strategische Entscheidungen über Technologien und Wachstum spielen eine immer größere Rolle“, erklärte IBC-CEO Michael Crimp. „Das bedeutet, dass innerhalb einer Medienorganisation Investitionsentscheidungen immer stärker beim Top-Management angesiedelt werden. Die IBC wird deshalb interessanter für Geschäftsführer, die diese Messe in der Vergangenheit möglicherweise nicht so sehr im Fokus hatten.“ Dem wolle man verstärkt Rechnung tragen. Die IBC-Veranstalter seien bemüht, Messe und Kongress mit Mehrwert für die Besucher auszustatten. Dazu zählten Initiativen wie Workshops, Trainingsangebote, die „Connected World“-Sonderausstellung mit Blick auf das Konsumentenverhalten sowie spannende Technologie-Demonstrationen wie die Super Hi-Vision-Präsentation von NHK. „Die gestiegenen Besucherzahl in diesem Jahr ist ein deutliches Indiz dafür, dass die von der IBC-Organisation vorangetriebenen Entwicklungen den Bedürfnissen der Industrie entsprechen“, meinte Crimp. Die nächste IBC würde wieder in Amsterdam stattfinden (Start: 8. September 2011).

Um die Veränderungen in der Medienindustrie und den sich daraus ergebenden nötigen Anpassungs- und Optimierungsmaßnahmen für die Amsterdamer Kongressmesse zu evaluieren, hatten die IBC-Organisatoren eine detaillierte Umfrage unter Herstellerfirmen und Broadcastern gestartet. Ihre Auswertung soll als Grundlage für die innovative Weiterentwicklung der Veranstaltung dienen. Um die Kontinuität der Entwicklung zu gewährleisten ist nun vorgesehen, dass die IBC auch über das kommende Jahr hinaus noch in Amsterdam stattfinden soll. Dabei wurde auf der diesjährigen IBC wieder gemutmaßt, dass die Kongressmesse spätestens 2012 nach Barcelona wechseln wird. Schließlich ist die inhaltliche und strukturelle Ausrichtung der IBC nur eine Seite der Medaille, die andere Seite ist die Infrastruktur der Stadt Amsterdam. Hier gibt es nach wie vor erhebliche Defizite insbesondere im Bereich Hotel und Gastronomie.

Barcelona würde hier für die Besucher der IBC einen echten Mehrwert bieten. Das wissen auch die IBC-Verantwortlichen. Crimp erklärte: „Es ist bekannt, das wir uns ernsthaft mit dem Wechsel nach Barcelona auseinander gesetzt haben und wir sind auch weiterhin sehr beeindruckt von den dort verfügbaren Einrichtungen nicht nur auf dem Gran Fira Convention-Gelände sondern in der ganzen Stadt.“ Auch innerhalb der IBC-Organisation gebe es viele Barcelona-Fürsprecher. In nächster Zukunft wolle man dennoch Amsterdam die Treue halten und die vorhandenen IBC-Ressourcen lieber in die Weiterentwicklung und Verbesserung der Kongressmesse zu stecken. Man wolle nicht riskieren, die hervorragende Reputation der IBC durch einen örtlichen Wechsel der Veranstaltung zu gefährden.

Unternehmen strukturieren um

Die Überlegungen des IBC-Veranstalters in Sachen Messeoptimierung sind durchaus berechtigt. Nicht nur Markt und Besucher ändern sich, sondern auch die Anforderungen der Aussteller. Die großen Player im Broadcast-Business protzen längst nicht mehr mit teuren, riesigen Renommierständen, sondern sind dabei sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Viele stellen ihre Präsenz auf den großen Broadcast-Messen in Frage oder überlegen zumindest, wie sie dort mit deutlich weniger Aufwand mehr Nutzen herausziehen können. Ihnen geht hier auch immer weniger darum, Produkte zu zeigen als vielmehr die Kommunikation mit ihren Kunden zu verstärken und mit ihnen über maßgeschneiderte Lösungen und Systeme zu diskutieren. Bei allen großen Herstellern ist ein deutliches Bemühen erkennbar, den Kundenservice zu verbessern.

VoC (Voice of the Customer) heißt das Kürzel, das neue Unternehmensstrategien bestimmt. Sie fallen dennoch sehr unterschiedlich aus. Die einen setzen verstärkt auf die Kommunikations- und Vernetzungsmöglichkeiten des Internets, die anderen auf bessere Einbindung der Channel-Partner oder auf stärkere Regionalisierung der Marktaktivitäten.
Bei Panasonic hat man vor gut einem Jahr damit begonnen, den Kundenwünschen mehr Gehör zu schenken. „Wir wollen die Beziehung zu den Kunden weiter vertiefen“, erklärte Jerome Berrard, Leiter der Panasonic Division AV Systems Europe (AVSE) bei einem IBC-Pressegespräch. In Deutschland forciere man die entsprechenden Aktivitäten insbesondere in zwei Bereichen. Zum einen würde Panasonic verstärkt an Open House- und Trainingsveranstaltungen teilnehmen und zum anderen unterstütze man die Kunden intensiv über die Servicewebsite „Pass“. Alle Panasonic-Kunden, die sich dort registrieren, erhalten neben umfangreichen Informations- und Supportangeboten die Möglichkeit zum Download aller Software-Upgrades für die von ihnen erworbenen Produkte. 60 Prozent der Panasonic-Kunden in Deutschland nutzen bereits diesen „Concierge-Service“. 80 Prozent sind laut Berrard angestrebt. „Wir versuchen auf vielfältige Weise gerade den Anwendern unserer neuen Camcorder-Systeme wie dem 4/3 Zoll HD-Camcorder AG-AF101 oder dem Doppellinsen-HD-3D-Camcorder AG-3DA1 mit Angeboten von Tipps und Tricks zur Seite zu stehen“, betonte Berrard. Die Kamera AG-AF101 sei fast komplett auf Basis der VoC-Initiative von Panasonic entwickelt worden. Hierbei habe der japanische Elektronik-Konzern so intensiv wie selten zuvor Meinungen und Wünsche professioneller Anwender und Experten berücksichtigt.

Auch bei Harris macht man sich viele Gedanken über den richtigen Weg zum Kunden. Richard Scott, Senior Vice President of Global Sales & Services von Harris, erklärte bei der Pressekonferenz seines Unternehmens: „Wir haben festgestellt, dass eine der wichtigsten Herausforderungen in der Industrie darin besteht, eine engere Zusammenarbeit zwischen den Kreativen, den Technologie- und den Business-Partnern zu realisieren. Und wir glauben, dass Harris hierbei ganz besondere Vorteile hat. Wir bieten schließlich genau die Lösungen an, die Kreativität, Technologie und Business zusammenbringen.“ Scott weiter: „Ich bin wirklich begeistert von dieser IBC. Ich sehe hier echte Anzeichen dafür, dass sich unsere Industrie derzeit auf Erholungskurs befindet. Und Harris hat dabei ausreichend Gelegenheit, seine führende Rolle im Markt deutlich zu machen.“
Die Nähe zum Kunden sucht Harris zudem durch stärkere Regionalisierung seiner Aktivitäten. Die Zahl der Länderbüros wächst. Neue Offices gibt es in Russland, Brasilien, Mexiko, Frankreich etc.. Ein Büro in Deutschland existiert bereits seit zwei Jahren. Ein neues Headquarter in Großbritannien wurde im Juni 2010 bezogen.

Harris Morris, Präsident von Harris Broadcast, erklärte in einer sehr interessanten Rede auf der IBC-Pressekonferenz des Unternehmens seine Vision von der Broadcast-Zukunft. Er machte dabei klar, dass der klassische Rundfunk weiter existieren wird, auch wenn die traditionellen Erlösmodelle durch das sich verändernde Medienkonsumverhalten unter Druck geraten. Er riet dazu, den Herausforderungen der Zukunft mit Kreativität zu begegnen, statt aus der Defensive heraus alte Besitzstände zu verteidigen. „Die Gewinner der Zukunft sind die Kreativen und nicht die Defensiven“, betonte er und machte zugleich deutlich, dass die richtigen technischen Tools für die Kreativen bei Harris zu finden sind. Zudem betonte er, dass gerade in der Zeit des Wandels das Vertrauen in einen Technologiepartner eine wichtige Rolle spiele. „Harris genießt dieses Vertrauen von vielen der größten Networks weltweit“, sagte er.

Mehr Kreativität hatte sich indes nicht nur Harris auf die Fahnen geschrieben. Insbesondere Sony Professional reklamierte das Thema für sich. Das Unternehmen startete zur IBC 2010 seine „Creatology“-Tour und bezeichnete das Herzstück seines IBC-Messestandes als „Creativity Space“.
Bei der IBC-Pressekonferenz von Sony verkündete David Bush, Marketing Director Professional Solutions Europe, dass sich die Marketing- und Vertriebsaktivitäten des Konzerns künftig noch stärker an den Kundenbedürfnissen orientieren sollen. „Wir brauchen ein noch tieferes Verständnis dafür, wie die Geschäfte unserer Kunden laufen und wie wir sie dabei am besten unterstützen können“, erklärte er. Das bedeute, dass man stärker Produkte und Lösungen aus der Kundensicht heraus entwickeln müsse. Wie bei anderen Technologiefirmen auch, führe die neue Art der Kundenansprache zu einigen grundsätzlichen Veränderungen im Unternehmen. „Die Veränderungen haben vor allem mit verstärkter Kooperation und mit Beschleunigungen und Entscheidungen zu tun“, berichtete er weiter. Schnellere Reaktionen und besserer Support seien nur durch mehr Kundennähe möglich. Nicht nur die großen Broadcaster sollten davon profitieren, sondern auch die kleinen Unternehmen und unabhängigen Produzenten. „Gemeinsam mit unseren Channel-Partnern wollen wir die Beziehungen zu ihnen verstärken“, meinte Bush.

Um diesen Anspruch zu unterstreichen hatte Sony auf seinem IBC-Stand ein „Professional Dealer Village“ aufgebaut. „Wir präsentieren uns den Kunden hier erstmals mit unseren Channel-Partnern zusammen“, berichtete Bush. Er machte deutlich, dass Sony in den Ausbau der Channel-Partnerschaften künftig kräftig investieren werde. „Wir wollen ihnen helfen, die notwendigen Fähigkeiten zu erlangen, um die Erfordernisse ihrer immer anspruchsvoller werdenden Aufgabe zu erfüllen“, sagte der Marketing-Manager. Das sei ein sehr wichtiger Bestandteil von Sonys Zukunftsstrategie.

Fusionen und Kooperationen

Während die ganz großen Hersteller an ihren neuen Marktstrategien feilen, ist bei den kleineren eher der Trend zu Kooperationen und Fusionen erkennbar. Zur IBC gab es wieder ein paar News zum Thema.
Miranda Technologies kündigte auf der Amsterdamer Messe die Übernahme von OmniBus Systems, eines Spezialisten für Playout- und Media-Management-Lösungen für Rundfunk und Internet-Fernsehen, an. Hauptprodukt des britischen Unternehmens ist die auf Standard-IT-Hardware aufsetzende Playout- und Automationslösung iTX.

„Durch die Übernahme von OmniBus und insbesondere der Software-Plattform iTX ist Miranda nun in der Lage, die komplette Bandbreite an Playout-Lösungen anzubieten – von traditionellen Hardware- bis hin zu komplett softwarebasierten Lösungen. Wir können nun unseren Kunden noch günstigere Betriebsmöglichkeiten eröffnen indem wir ihnen genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Hard- und Software-Produkte anbieten“, erklärte Strath Goodship, Mirandas Präsident und Chief Executive Officer. Und OmniBus Systems-CEO Mike Oldham betonte: „Durch das Zusammengehen mit Miranda können wir viele Produktsynergien erzielen, insbesondere mit Blick auf den Grafik-Workflow und erweiterte Monitoring-Möglichkeiten.“ Außerdem rechne man mit starker Unterstützung beim weltweiten Produktverkauf und -support. Dadurch könne der Kundendienst deutlich verbessert werden. Zu den Omnibus-Kunden zählen unter anderem ABC, Ascent Media, Astro, AT&T, BBC, Chellomedia, Corus, Direct TV, Discovery, E!, FOX, SkyPerfect TV, Starz und Turner.

Telestream erklärte zur IBC 2010 den Abschluss der Übernahme von Anystream. Das Unternehmen teilte mit, dass die Übernahme die Position des Unternehmens im Video-Transcoding-Markt stärke. Durch die Kombination der eigenen Expertise in den Bereichen Video-Transcoding, Workflow-Design und -Automation mit Anystreams Fähigkeiten im Bereich Medien-Produktionsmanagement könne man künftig deutlich umfangreichere IT-basierte Produktionsworkflows realisieren. Telestream-CEO Dan Castle sagte: „Wir können unseren gemeinsamen Kunden jetzt sehr umfassende, stark integrierte Workflows anbieten und so sicherstellen, dass ihre Inhalte geschützt sind und sie damit erfolgreicher Geschäfte machen können.“
Anystreams Agility- und Avalon-Produkte sollen weiterhin auf dem Markt angeboten werden, ebenso wie Telestreams Produkte Flip-Factory, Episode, Vantage und Pipeline.
Eine weitere Übernahme zur IBC betraf Megahertz Broadcast Systems. Das britische Systemhaus gehört nun zu KIT digital, einem Anbieter von Video Asset-Management-Lösungen.

Top-Thema Stereo 3D

Das Top-Thema auf der IBC 2010 war zweifelsohne Stereo 3D. Allerdings war gut erkennbar, dass die europäischen Broadcaster die 3D-Entwicklung eher nüchtern betrachten. Hype-Symptome gab es nicht. Viele der Hersteller hatten natürlich 3D-Technik am Stand – allein um auch zu zeigen, dass sie bei innovativen Technologien natürlich ganz vorne mit dabei sind. Im Kongress- und Messeteil der Veranstaltung wurde umfänglich über 3D-Produktionsverfahren und -Technologien diskutiert. Dabei gab es einige sehr interessante Präsentationen. Dazu gehörte sicherlich auch die des 3D-Tages am Montag, den 13. September. Steve Schklair, Gründer und CEO von 3ality Digital Systems zeigte hier unter anderem in einer Live Demo anhand von einigen Beispielen wie man richtig 3D aufzeichnet und was man auch alles dabei falsch machen kann. Eingesetzt wurden bei dieser Live-Demonstration 3ality 3D-Rigs mit LDK8000-Elite-Kameras und LDK8300-Superslomo-Kameras sowie K2-Summit-Server (für Replay) mit K2-Dyno-Controller von Grass Valley sowie ein auf dem RAI-Gelände parkender 3D-ready-Ü-Wagen von Alfacam. Der belgische Produktionsdienstleister hat mittlerweile, das berichtete Grass Valleys Senior Vice President Jeff Rosica während der IBC-Pressekonferenz des Unternehmens, 250 LDK-Kameras von Grass Valley im Einsatz.

Grass Valley präsentierte auf der IBC 2010 mit zwei Superzeitlupen-Kameras LDK8300, einem 3D-Mirror-Rig von 3ality und einem K2-Dyno-Serversystem erstmals eine technisch und kommerziell brauchbare Lösung für Superzeitlupenaufnahmen in 3D. Klaus Weber, Produktmarketing-Direktor Kameras von Grass Valley, berichtet über das Highlight im IBC-Video-Blog von MEDIEN Bulletin (www.mebucom.de).

Natürlich zeigten insbesondere auch Sony und Panasonic, die vielleicht wichtigsten Treiber der 3D-Entwicklung ihre Lösungen zum Thema. Am Sony-Stand war 3D neben der vernetzten Produktion das Top-Thema. Gezeigt wurden die neuen Produkte und Optimierungen für die flexible, End-to-End-Lösung für Live-Produktionen in 3D und Workflow-Möglichkeiten für unterschiedliche 3D-Projekte. Auch der Prototyp eines ersten Sony-3D-Schultercamcorders wurde gezeigt.
Um die 3D-Entwicklung voranzutreiben, wollen sowohl Panasonic als auch Sony eigene Entwicklungs- und Fachzentren für 3D eröffnen. Panasonic startet mit einem 3D-Innovationszentrum am 1. Oktober in Wiesbaden, Sony hat für Herbst die Eröffnung eines 3D-Fachzentrums am europäischen Hauptsitz in Basingstoke, UK, angekündigt.
Eckhard Eckstein
(MB 10/10)

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