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Innovation und Wissensvernetzung
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Innovation und Wissensvernetzung

Komplette Workflow-Lösungen, die den Format-Mix im Bereich HD ebenso bewältigen wie Stereo 3D von der Aufnahme bis zur Endproduktion, standen im Fokus der 8. Hands-on-HD-Tage in Hannover (2. bis 7. August), veranstaltet von Nordmedia, der Mediengesellschaft von Niedersachsen und Bremen in Kooperation mit Band Pro-Munich. Ziel von Hands-on-HD ist die nachhaltige Vernetzung von Akquisition und Endbearbeitung sowie der Branche ein Wissenscluster für digitale Produktion im High-end-Bereich zu bieten.

›Im Zentrum der Hands-on-HD-Tage in Hannover stand der komplette Workflow einer digitalen Produktion sowie die Schulung der Teilnehmer an der neuesten Gerätetechnik. „Dieses Konzept ist einzigartig“, erklärte Sebastian Wolters, Projektleiter für den Bereich Digital Media Cluster bei der Nordmedia: „In gerätespezifischen Klassen für die Bereiche Kamera, 3D-Stereoskopie und Postproduktion können die Teilnehmer bestimmte Aufgabenstellungen umsetzen und dabei lernen, mit besonderen situativen Gegebenheiten der Produktion umzugehen.“

„Ein starker Schwerpunkt liegt in diesem Jahr vor allem auf der Produktion von Stereo 3D“, berichtete Wolters. Da habe die Nachfrage die Aufnahmekapazität deutlich überschritten. Mit insgesamt 25 Teilnehmern sei „Stereo 3D“ die größte Klasse bei Hands-on-HD gewesen. Als Equipment standen vier verschiedene Kamera- und 3D-Riggsysteme (Parallel und Spiegel) zur Verfügung von P+S, Sony und Grass Valley. Neben der Aufnahme lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Postproduktion. Die Teilnehmer hatten schließlich die Möglichkeit in einer 3D genuinen Projektion die Arbeitsproben zu sichten und zu diskutieren.
Das hochauflösende Fernsehen konfrontiert die Postproduktion mit einer Vielzahl von Formaten. Bei den HD-Systemen gibt es heute 30 Formatversionen und noch mehr Kompressions- und Codec-Verfahren. Wolters: „Die zentrale Frage für Produzenten und Postproduktions-Studios ist daher heute der Workflow. Darauf haben wir alles ausgerichtet und die gesamte Produktionskette komplett vernetzt.“ Als zentrale DI-Station fungierte in diesem Jahr das DVS-Clipster-System, das als Hardware gestützte Plattform in der Lage ist, die vom Ingest des aufgenommen Materials über die Weiterverarbeitung bis zum Playout komplette Strecke abzubilden und dies mit allen gängigen Produktionsformaten.

„Wichtig ist ein System einsetzen zu können, das alle Aufnahmeformate ein- und auslesen kann, um möglichst ohne Zeit- und Substanzverluste am nativen Material arbeiten zu können.“ Das gelte auch für das Playout der Formate, da ja zumindest derzeit auch noch in der Distribution zum Endkunden hin Formatunterschiede bestehen. „Wir haben in diesem Jahr die Situation, dass wir mit AVID, Apple und Adobe einige der führenden Postproduktionssysteme nach Hannover holen konnten. Damit decken wir den High-End- sowie den Low-End-Bereich komplett ab“, sagte Wolters. Beim Schnitt eingesetzt wurden auch die Systeme Clipster und SpycerBox von DVC. Für Grading und Finishing standen neben Apple Color, AVID DS Nitris und Iridas Speedgrade noch ein Nucoda System sowie eine Adobe CS5 Premium-Suite zur Verfügung.

HD-Forum der ARD/ZDF-Medienakademie

Neben den Workshop-Schwerpunkten bot die erstmals veranstaltete zweitägige HD-Tagung, organisiert von der ARD/ZDF-Medienakademie, ein Forum für Erfahrungsberichte aus der Praxis. Dabei wurden Fragen der Produktion, Distribution und Auswertungsmöglichkeiten behandelt.
Zentrales Thema für Rundfunksender in der digitalen Welt ist die Archivierung. Sie stehen hier in zweifacher Hinsicht vor großen Herausforderungen. Zum einen steigt mit HD-Produktion der Speicherbedarf rasant und zum anderen müssen die meisten Sender heute dringend ihre alten analogen Bandarchive auf digitale Speichermedien übertragen. Christian Dietl, selbstständiger Consultant für Broadcast und IT sowie Dozent an der ARD/ZDF-Medienakademie, referierte über die hier von der ARD angestrebten Lösungen. Er erklärte, dass die ARD-Anstalten bei der Material-Archivierung vor allem aus Kostengründen auf LTO-Datenbandtechnologie (Linear Tape Open) setzen. Die fünfte LTO-Generation (LTO 5) bietet eine Speicherkapazität von 1,6 TB pro Band und Transferraten von bis zu 180 MB/s.

Zwar reiche die Haltbarkeit der Bänder höchstens 15 bis 20 Jahre, sie seien aber auch leicht ersetzbar, meinte Dietl. Discs mit einer Haltbarkeit von bis zu 30 Jahren sowie die Festplatte seien letztlich zu teuer als Archivlösung. Das gelte erst recht für P2-Karten, die zwar eine Haltbarkeit von 40 Jahren aufweisen würden und sehr schnell beim Auslesen der Daten (300 MB/s) seien.
Die wichtigsten HD-Produktionsformate bei der ARD sind derzeit Sonys XDCAM 4:2:2 mit einer Übertragungsrate von 50 MB/s (MPEG-2) und Long-GOP-Codierung sowie Pansonics AVC-Intra mit bis 100 MB/s. Für das reibungslose Einlesen gespeicherter Files in die Schnittsysteme soll das Datenaustauschformat MXF (Material Exchange Format) sorgen. Dietl wies jedoch darauf hin, dass selbst mit MXF die Weiterverarbeitung nativer Daten nicht nahtlos funktioniere.

„Die Vielzahl der Kompressionsformate und Codecs führt dazu, dass man letztlich immer von den Kameraherstellern abhängig ist“, meinte er. Die wünschenswerte Lösung der unkomprimierten Verarbeitung lasse sich so schnell nicht realisieren. Dietl: „Wir sind heute technisch noch nicht in der Lage, unkomprimiertes Material durch die Produktionskette zu bekommen, da die Netze dafür noch zu langsam sind.“
Die ARD-Anstalten tauschen ihr Archivmaterial über das Glasfaser-basierte Hypnet (hybrides Breitbandnetz) aus. Als Grundlage insbesondere für extern zugespielte Daten wurde vom IRT ein System entwickelt, das den Austausch von Archivmaterial unterstützen soll. Das so genannte BMF-Format (Broadcast Metadata Exchange Format) liefert ein festes Schema zur File-Speicherung.
Dietl machte in Hannover auch klar, dass die ARD als Produktionsformat künftig auf 1080i setzen wird. Ursprünglich hatte sie sich ja zusammen mit dem ZDF für 720p ausgesprochen. Für die „Sportschau“ aus Köln und das Mittagsmagazin „Buffet“ aus Baden-Baden, die ersten beiden Live-Studiosendungen, die seit Februar in HD produziert und auf Sendung sind, bedeutet das reichlich Konvertierarbeit. Die Sportschau am Samstag mit den Berichten zur Fußballbundesliga bekommt die Live-Signale in 1080i geliefert. Die komplette Infrastruktur der Kölner ist aber auf 720p/50 ausgerichtet. Die Wandlungen von 1080i auf 720p erfolgt allerdings in Echtzeit, downkonvertiert wird am Sternpunkt in Frankfurt (siehe MEDIEN BULLETIN 02/2010).

Im Baden-Badener Studio des SWR wurde für die HD-Produktion von „Buffet“ zwei Regien neu aufgebaut, damit der werktägliche Regelbetrieb in HD gewährleistet ist. Produziert wird die Sendung in 1080i und im Schaltraum fürs Ausgangssignal in 720p gewandelt. Redaktionsleiter Alexander von Harling berichtete, dass die Umstellung auf die bandlose Produktion neue Arbeitsabläufe mit sich bringe, durch die auch die Abläufe in der Redaktion beeinflusst worden seien. Es sei längst nicht so gravierend wie befürchtet, aber man habe sich im Vorfeld darauf vorbereiten müssen.

Ebenfalls auf dem Tagungsprogramm von Hand-on-HD in Hannover stand der Mehrkanalton, der durch die Einführung des hochauflösenden Fernsehens noch an Bedeutung gewinnt. Durch die Surround-Technik lässt sich die Wirkung zu Hause weiter steigern und dem Zuschauer das Gefühl vermitteln, mitten drin zu sein. Uwe Krämer von der ARD/ZDF-Medienakademie referierte darüber, dass der Mehrkanalton in der Produktion Mehraufwand verursacht, insbesondere in der Mischung. Für die Übertragung und Weiterleitung des Mehrkanaltons 5+1 sind sechs Tonkanäle nötig. Da auch parallel der Stereoton, der aus den fünf Kanälen downgemixt wird, mit übertragen werden muss, bedarf es beim Sender schon vier Leitungen mit acht Kanälen. Steht eine solche Infrastruktur nicht zur Verfügung, bietet die Dolby E-Technologie die eleganteste Lösung zur Übertragung der Mehrkanal-Tonsignale sowie der Metadaten an. Dolby E ermöglicht die Übertragung von bis zu acht diskreten Audiokanälen sowie der Metadaten über ein AES-Bandpaar. Durch den gemeinsamen Transport von Ton- und Metadaten ist gewährleistet, dass im Zuge der Enkodierung und Dekodierungen kein Substanzverlust entsteht. Die Metadaten erlangen zudem noch die Bedeutung, wenn es um die Regulierung der Klangwiedergabe (Lautstärke, Dynamikumfang und Kanalmischung) in der jeweiligen Umgebung geht.

Für die Mehrkanalaufzeichnung helfen die derzeitigen HD-Camcorder nicht weiter, da sie nur zwei Tonkanäle zur Verfügung haben. „Der einzige vernünftige Weg ist deshalb die separate Tonaufzeichnung auf einem Festplattenrekorder“, erklärte Filmtonmeister Dominique Klatte. Er sprach über die Voraussetzungen und den Aufwand bei dieser Methode.

Mit insgesamt 150 Workshop-Teilnehmern, einem Produktionsstab mit 50 Teammitgliedern, 40 High-End-Kamerasystemen, 20 Schnittplätzen, 28 Referenten, sowie zehn Sets hat sich die achte Auflage von Hands-on-HD – Workshop & Netzwerk in Hannover nach Ansicht vieler Besucher bewährt. Sebastian Wolters will deshalb an dem Konzept festhalten und hat schon wieder neue Ideen für die neunte Netzwerkveranstaltung im nächsten Jahr.
Bernd Jetschin
(MB 09/10)

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