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Langsamer als gedacht
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Langsamer als gedacht

Die NAB 2019 bot wieder umfangreiche Informationen zum Thema IP-Infrastrukturen. Erste Anlaufstelle war hier der IP-Showcase. Auch viele Aussteller zeigten neue IP-basierte Lösungen. Deutlich wurde aber auch, dass die IP-Transformation langsamer als gedacht voran kommt.

Ein IP Showcase-Besuch gehört zum Pflichtprogramm aller IP-Technologie-Interessierten auf der NAB. Unterstützt wird die Präsentation von den großen Technik-Organisationen der Broadcast-Industrie. „Mit Blick auf den unvermeidlichen Umstieg auf IP-basierte Prozesse im Rundfunk hat sich die Branche fast einstimmig für einen standardbasierten Ansatz entschieden, der SMPTE ST 2110/ST 2059, AES67 und AMWA IS-04/05 vereint“, sagte IP Showcase-Geschäftsführer Brad Gilmer. „Jetzt, drei Jahre später, sehen wir eine Expansion über die frühen Anwender hinaus. Da die Branche als Ganzes beginnt, die IP-Transformation zu vollziehen, legen die am IP-Showcase beteiligten Unternehmen die Grundlage für eine einfache IP-Installation und -Wartung mit allen dazu gehörenden Sicherheitsfragen. Sie optimieren weiter die Implementierungsmöglichkeiten von IP-basierten Workflows.“

Neu zur NAB 2019 war die IP Showcase Future Zone, in der Teil 1 der neuen Joint Task Force on Networked Media (JT-NM) Tech Stack (JT-NM TR-1001-1) vorgestellt wurde. SMPTE ST 2110 hat erfolgreich die Transportschicht von IP-Systemen definiert, und jetzt vereinfacht und rationalisiert JT-NM Tech Stack die Installation von IP-Systemen. Ebenfalls in der Future Zone konnte man Demonstrationen einer Reihe von Technologien sehen, die für die Aufnahme in den JT-NM Tech Stack Part 2 in Betracht gezogen werden. Zusammen mit Tech Stack Part 1 umfassen die Kandidaten von Tech Stack Part 2 eine Reihe offener Spezifikationen, die den Aufbau, die Wartung und die Betriebsfunktionalität von echten Multivendor-SMPTE ST 2110-Systemen vereinfachen sollen. Ebenfalls neu im IP Showcase in diesem Jahr war das von der EBU und dem IRT verwaltete JT-NM Tested Programm. Es bietet potenziellen Käufern von IP-basierten Geräten mehr und besser dokumentierte Einblicke in die Konformität von Geräteherstellern mit den Standards SMPTE ST 2110 und SMPTE ST 2059. Anbieter, die Geräte zur Bewertung einreichen, haben die Chance, dass diese Geräte in einen von JT-NM geprüften Katalog aufgenommen werden. Dieser Katalog bietet Transparenz und beschreibt die Testkriterien und Testmethoden sowie die Hard- und Softwareversionen der getesteten Produkte. JT-NM Tested ist zwar kein Zertifizierungsprogramm, bietet aber eine Momentaufnahme, wie sich die Geräte der Hersteller an wichtige Teile der SMPTE-Standards anpassen, um potenziellen Käufern und Anwendern eine Referenz zu geben, wenn sie mit der Bewertung und Qualifikation ihrer Geräte beginnen.

 

Stage Tec, Berliner Hersteller professioneller Audiotechnik, hat zum Beispiel das „ST2110 JT-NM Tested“ Label für die NEXUS AoIP-Interfaces erhalten. „Für Stage Tec war die Teilnahme am JT-NM Tested-Program ein voller Erfolg“, sagte René Harder, Mitglied der Geschäftsleitung bei Stage Tec und zuständig für Innovationsmanagement. „Die Nutzung von IP gewinnt in der Branche immer mehr an Bedeutung. Damit wächst der Bedarf, die Interoperabilität zwischen Geräten verschiedener Hersteller sicherzustellen. Die Ergebnisse der unabhängigen Tests tragen wesentlich dazu bei, Anwendern eine Orientierungshilfe zu geben. Die Anwender können nun besser beurteilen, wie unsere Produkte im Zusammenspiel von ST2010-Komponenten für Anwendungen genutzt werden können.“

 

Trotzdem geht es manchen Anbietern nicht schnell genug mit der IP-Migration. Das ist beispielsweise bei Imagine Communications der Fall. Dort will man nun existierende und potenzielle Kunden in Sachen IP frühzeitig an die Hand nehmen. Im Vertriebsbereich EMEA & APAC will man dazu die Beratungsarbeit verstärken. Im September 2018 wechselte dazu Stephan Heimbecher von Sky Deutschland als Senior Director Consulting Services zu Imagine. „Was wir feststellen ist, dass es beim Thema IP-Migration noch viel Unsicherheit, Unwissen, Falschinformationen und Ängste existieren. Auf operativer Ebene befürchtet man, dass Arbeitsplätze wegrationalisiert werden könnten und im Management weiß man nicht so recht, wie mit dem Thema umzugehen ist, welche Investitionen nötig sind und wie die Budgetplanung aussehen muß“, erklärte er auf der NAB. Mit seinen neuen Consulting Services wolle Imagine deshalb Kunden viel früher als das bislang der Fall gewesen sei für das IP-Entwicklungsszenario sensibilisieren und mit ihnen dabei eine Lernphase durchgehen. Adressaten seien Broadcaster, die verstanden hätten, dass die IP-Problematik über kurz oder lang auf sie zukomme würde, aber keinen genauen Plan hätten, wie sie damit umgehen könnten.

 

Sony erweiterte zur NAB seine IP Live Production Solutions mit Live Element Orchestrator, seiner ersten System-Orchestrierungssoftware, um die Leistung und Auslastung der Ressourcen zu erhöhen, sowie die Ausfallzeiten des Systems zu reduzieren und die Produktivität in der Content-Produktion weiter zu steigern. Live Element Orchestrator bietet die Gesamtsystemverwaltung eines IP-basierten Produktionssystems und ermöglicht damit die gemeinsame Nutzung von Ressourcen über mehrere Standorte und Konfigurationen hinweg. Die beiden neuen SDI-IP-Konverterkarten von Sony, die NXLK-IP50Y und NXLK-IP51Y (12G-SDI), bieten Unterstützung für SMPTE ST 2110-Standards mit HDR-Kompatibilität. Am Stand von Sony konnte man das komplette Line-up für IP Live-Produktion sehen, das den SMPTE ST 2110-Standard sowohl in HD als auch in 4K unterstützt. Sony zeigte darüber hinaus die operative IP-fähige Remote-Produktion von Echtzeit-Videospielturnieren in der eSports Arena im Luxor Hotel, die vom Live Element Orchestrator von Sony verwaltet wird, und die Remote-Produktionssignale, die in SMPTE ST 2110 über 10GbE WAVE von Century Link übertragen werden.

 

Auch IP-Broadcast-Pionier Lawo präsentierte auf der NAB 2019 sein umfangreiches Portfolio an IP-basierten Lösungen. Neuheiten gab es unter anderem bei der Multiviewer-App vm_dmv für V__matrix und der Auto-Topologie-Anwendung für smartDASH. Die vm_dmv für V__matrix unterstützt jetzt komprimierte OTT-Formate. Mit der LiveView Decoding Engine können vm_dmv Multiviewer-Anwender sowohl Produktions- (ST2110/ST2022-6) als auch komprimierte Ausspielformate (HEVC/H.264/-MPEG/OTT) auf demselben Bildschirm überwachen. Lawos Auto-Topologie-Anwendung für smartDASH feierte in Las Vegas ihren Einstand: Dieser Dienst ermittelt, registriert und dokumentiert automatisch die IP-Netzwerktopologie und zeigt den Status der beteiligten Geräte in Echtzeit an. smartDASH kann nun auch auf virtuellen Maschinen und in der Cloud betrieben werden und unterstützt AWS-, Google-, und VM Networks-Lösungen. 

 

Unweit vom Lawo-Stand, zeigte Axon neueste Entwicklungen für IP-Processing und -Kontrolle. Besonders spannend dabei ist der Network Attached Processor (NAP) Neuron. Die Signalverarbeitungsplattform wurde entwi-ckelt, um den Anforderungen komplexer IP- und Hybridumgebungen gerecht zu werden. Sie bietet einen leistungsstarken Ansatz zur Unterstützung von 200 Gb/s und 64 Kanäle oder 16 UHD-Kanäle in einer einzigen Rackeinheit. Ob als hocheffizienter „modularer Glue“ in einer reinen nativen IP-Infrastruktur oder zur nahtlosen Integration von Legacy-SDI-Technologie in eine IP-Umgebung, die FGPA-basierte Verarbeitungsleistung von Neuron bietet laut Axon garantierte Bandbreitenleistung für Ultra HD- und 8K-Produktionen. „Die Umstellung auf IP ist für Broadcaster sehr herausfordernd, insbesondere wenn es darum geht, immer komplexere Technologieschichten zu integrieren und zu steuern“, sagte Axons CTO Peter Schut. „Wir sind sicher, dass unser Neuron NAP diesen Übergang erleichtern und beschleunigen wird.“

 

Grass Valley stellte in Las Vegas Lösungen für IP-Processing und -Monitoring sowie konvergente IP/SDI-Kontrolle und -Konfiguration vor. Dazu wurde der neue Fabric IP Switch gezeigt. Der mit offener Architektur ausgestattete, kompakte, skalierbare Hochgeschwindigkeits-IP-Switch spielt besonders gut mit anderen IP-Lösungen von Grass Valley – wie DirectIP-fähigen Kameras über Switcher, Konvertierungs- und Processing-Geräten bis hin zu Multiviewern – zusammen und bietet der Broadcast-Branche die umfassendste Suite an offenen IP-Anwendungen. Grass Valley bietet seinen Kunden nach eigenen Angaben nun eine schlüsselfertige IP-Kerninfrastruktur als Komplettlösung, die die Bereitstellungszeit erheblich verkürzt. Das System umfasst IP-Switches sowie die erforderlichen Broadcast-Equipment, Steuerungs-, Konfigurations- und Überwachungssysteme mit speziellen IP-Softwaretools.

 

Am Evertz-Stand in der Nordhalle standen End-to-End-IP-Lösungen ganz oben auf der Agenda. Und Bob Fung, Produktmarketing-Manager des Unternehmens, machte auf der NAB-Pressekonferenz klar: „Evertz adressiert ganz klar den Umstieg auf IP.“ Das Unternehmen habe weltweit bereit über 400 IP-Infrastruktur-Installationen mit seinen Software Defined Video Networking (SDVN) Lösungen versorgt und sei damit maßgeblich am IP-Umstieg der Broadcast-Branche beteiligt. Auf der NAB Show präsentierte Evertz die neuesten Entwicklungen in den Bereichen SDVN, Orchestrierung-, Monitoring- und Analytics-Lösungen, Intelligentes User Interfaces, Live-Media und -Produktion, virtualisierte Medieninfrastrukturen, Media Supply Chain und Playout, Video Delivery Infrastrukturen, Media Transport und UHD/HDR Technologien. Zu den neuen Evertz Full-IP-Installationen gehören Ü-Wagen von Mobile TV (der war im Außenbereich der Messe zu sehen) und Mediaset in Italien. Letzteres Unternehmen plant auch, zwei IP-Produktionshubs in Mailand und Rom zu bauen. 

 

Riedel Communications hat in Las Vegas den neuen Artist-1024 Node vorgestellt, eine leistungsstarke Erweiterung des Artist-Intercom-Ökosystems. Mit höherer Portdichte und der Unterstützung aktueller Standards, mit besonderem Fokus auf IP, stellt Artist-1024 die nächste Artist-Evolutionsstufe dar. Der Artist-1024-Node beherbergt bis zu 1.024 blockierungsfreie, bidirektionale Kanäle in nur 2 HE, was den Platzbedarf im Rack deutlich reduziert. Auf der NAB-Pressekonferenz präsentierte Riedel mit CBC/Radio Canada den ersten Artist-1024-Kunden.

 

Und IP-Videotechnik-Experte NewTek präsentierte zur NAB neue Lösungen zur Sendungsautomatisierung, zur vollautomatisierten Live-Produktion und zur Transformation von 4K-Baseband auf NDI. Konkret gehören dazu: Live Story Creator mit unbegrenzter Aufzeichnungsoption, Premium Access-Funktionen für Parallelproduktionen in mehreren Bildformaten, VMC Software, TriCaster 410 Plus und die neuen Signalwandlerprodukte Spark Plus einschließlich eines 4K-Modells.                                    

Eckhard Eckstein

MB 2/2019

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