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Rechte-Dschungel
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Rechte-Dschungel

Der MIPDoc Co-production Pitch, der am 11. April im Vorfeld zur MIPTV in Cannes stattfindet, wird zum ersten Mal von ZDF Enterprises als „global Partner“ unterstützt. Die ZDF-Tochter, die weltweit die Programme des Muttersenders, aber auch anderer Anbieter vertreibt, hält dort nach passenden Projekten Ausschau. MEDIEN BULLETIN sprach darüber mit Ralf Rückauer von ZDFE.factual.

Für den Doku-Pitch-Wettbewerb auf der MIPDoc können sich Filmemacher und Autoren aus der ganzen Welt bewerben. Aus den eingereichten Projekten werden fünf Finalisten ausgewählt, die von ZDF Enterprises zur Live-Präsentation Ihres Projektes vor einer hochkarätigen Jury von internationalen Doku-Experten in Cannes eingeladen werden. Zur Jury gehören Peter Arens, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Kultur und Wissenschaft , Chris Hoelzl, VP Program Development bei Smithsonian Networks, Carlyn Staudt, SVP Global Programming & Acquisitions bei National Geographic Channels International sowie Coraline Roch, die bei France Télévisions den Bereich Acquisitions and International Coproductions veranwortet.

„Es interessiert uns, wie die Jury-Mitglieder die Projekte beurteilen. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass wir selbst uns daran beteiligen“, sagt Ralf Rückauer, der als Bereichsleiter von ZDFE.factual gezielt Stoffe für die Kategorien Geschichte, Natur und Tierfilm sowie Wissenschaft akquiriert.

„Unser Ziel ist immer, möglichst weltweit viele Rechte zu akquirieren. Wir können gut einschätzen, wie sich ein Programm verkauft.“ Bei einer Natur-Doku hänge das Potential vom Thema und der Machart ab. „Wir brauchen ein Gespür dafür, was unsere Kunden in Zukunft gerne haben möchten.“ In der Regel zahlt ZDF Enterprises den Produzenten eine Mindestgarantie sowie eine Beteiligung nach Recoupment, Buyouts sind die Ausnahme.

„Beim Rechteerwerb sind wir immer bemüht, zukünftige Technologien abzudecken, weil viele Kunden umfangreiche Programmpakete nachfragen.“ Bei den europäischen Free-TV-Sendern ist es inzwischen die Regel, dass 7-Days-Catch-up-Rechte erworben werden, um die jeweiligen Mediatheken zu befüllen. „Der Markt ist recht überschaubar. Da wir auch für ZDF-Redaktionen einkaufen, haben wir schon mit fast allen Partnern zusammengearbeitet und auch mit anderen Firmen Vertriebskooperationen über Rechtepakete abgeschlossen.“

Während die Marktteilnehmer sich kennen, wird die Rechteverwertung aufgrund neuer Auswertungsplattformen und -kanäle immer komplizierter, was ein entsprechendes Vertragswerk bedingt. „Aufgrund dieses Rechte-Dschungels können sich Konflikte ergeben, weil die Sorge besteht, ein Auswertungsfenster zu verlieren“, weiß Rückauer. „Die Produzenten möchten immer gerne alle Rechte behalten, während die Kunden immer sämtliche Lizenzen erwerben möchten.“

Zur zweitägigen MIPDoc werden rund 500 Firmen, 700 Teilnehmer und 400 Einkäufer aus 50 Ländern erwartet, die dort Dokumentationen sichten, Networking-Events und Konferenzen besuchen sowie Einzelmeetings abhalten.

„Es gibt eine immer größere Masse an Programmen im Markt, aber auch immer mehr Kunden“, konstatiert Rückauer. Allein in Deutschland haben sich zahlreiche neue Sender wie RTL NITRO, ZDFneo und ProSieben Maxx firmiert. Im Doku-Bereich führt diese Entwicklung dazu, dass es immer mehr Pakete gibt. Statt nach einem herausragenden Einzelstück zu suchen, werden 50 bis 100 oder sogar 200 Programmstunden eingekauft. Es gibt aber auch den Trend zur großen Dokumentation, die international mit hohem Budget koproduziert wird. „Ich habe die Hoffnung, dass sich in den nächsten Jahren innerhalb der europäischen Sendeanstalten mehr Allianzen ergeben und wir innereuropäisch mehr koproduzieren.“

Als weitere Tendenz beobachtet er, dass große US-Sender weniger Scripted Reality und serielle Soap-ähnliche Formate produzieren. „Es wird eine kleine Renaissance der klassischen Formate geben“, versichert Rückauer, der davon überzeugt ist, dass sich schon in wenigen Jahren die gesamten Vertriebsstrukturen grundlegend ändern. „Ich glaube, wir werden keine Rechte mehr in einzelne Länder verkaufen, sondern nur noch in Kategorien wie Erstausstrahlung, Exklusivität für das zweite Fenster sowie die Nicht-Exklusivität, die mit den verschiedenen Plattformen geteilt wird. Die Lizenzwelt wird auf den Kopf gestellt.“

Birgit Heidsiek

MB 2/2015

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