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# Zwischen KI, Kontrolle und Kreativität: Das war die MTHCON 2026
- URL: https://mebucom.de/events/zwischen-ki-kontrolle-und-kreativitat-das-war-die-mthcon-2026/
- Published: 2026-10-01T10:46:11.000Z
- Updated: 2026-10-01T10:46:11.000Z
- Description: Am 30.September 2026 ging die MTHCON26 zu Ende - mit mehr als 80 Speaker:innen und einem Fokus darauf, was von KI, Virtual Production und neuen Medienmodellen bereits in der Praxis angekommen ist.
- Author: Isabel Gauger
- Tags: Events, MediaTech Hub Conference, Medienkongress

Mehr als 80 internationale Speaker:innen aus Film, TV, Streaming, Journalismus und Technologie diskutierten auf der MediaTech Hub Conference 2026 (29.-30.September) im Studio Babelsberg, welche Technologien und Geschäftsmodelle die Medienbranche tatsächlich verändern und was vom aktuellen KI-Hype bereits in der Praxis angekommen ist.

 Von europäischer Mediensouveränität und dem Kampf um den direkten Zugang zum Publikum über KI-Agenten im Journalismus und das ungelöste Discovery-Problem im Streaming bis zu neuen Produktionsmodellen mit generativer KI, Virtual Production und 3D Gaussian Splatting: Die #MTHCON26 verband strategische Debatten mit konkreten Anwendungen.

## Marion Ranchet – „Die Lösung ist selektive Souveränität“

Mit ihrer Opening Keynote „You Own the Trust, You Rent the Rails. A Case for European Media Sovereignty“ stellte Marion Ranchet, Gründerin von *Streaming Made Easy*, die Frage, wie viel Kontrolle europäische Medien über den Zugang zu ihrem Publikum noch haben. Während sie über starke Inhalte und das Vertrauen ihrer Nutzer:innen verfügen, liegen zentrale Infrastrukturen für Distribution, Daten und Monetarisierung zunehmend bei globalen Technologieplattformen. Umso wichtiger sei es, dort präsent zu sein, wo das Publikum Inhalte tatsächlich entdeckt und konsumiert.

„Ich glaube nicht, dass wir vollständige Souveränität für die europäischen Medien erreichen werden. Dieser Zug ist abgefahren. Die Lösung ist selektive Souveränität. Und wir sollten nicht nur darüber reden, sondern sie jeden Tag praktisch umsetzen“,so Ranchet. Dass Europas Stärke nicht in der Infrastruktur, sondern in seinen Inhalten und seiner IP liegt, war ein zentraler Gedanke ihrer Keynote und zog sich durch viele Diskussionen der #MTHCON26.

## Was jetzt für die Medienbranche zählt

„Die #MTHCON26 hat gezeigt, dass wir mit KI an einem entscheidenden Punkt angekommen sind: Aus Experimenten werden reale Anwendungen und belastbare Pipelines. Damit werden auch die Fragen wichtiger, wie wir diese Technologien mit Bestehendem kombinieren, welche Kompetenzen wir dafür brauchen und wie viel Kontrolle über Inhalte, Daten und IP wir in Europa selbst behalten. In der Verbindung aus kreativer Erfahrung mit technologischer Kompetenz haben wir auch viel Gestaltungsspielraum für diesen Wandel, den wir jetzt nutzen müssen.“, bilanziert Konferenzleiter Peter Effenberg.

## Creativity & Tech

Bei „Creativity & Tech 2026“ diskutierten Alex Henning, Edward Dawson-Taylor, Charlotte Mikkelborg und Kai Fischer, wie neue Technologien kreative Arbeit verändern. Der Tenor: KI kann technische Routine reduzieren, soll aber vor allem neue kreative Möglichkeiten eröffnen - von immersivem Storytelling bis zu Welten, die über Film, Games und andere Formate hinweg entstehen.

„Die Frage ist nicht, was KI kann. Was sie kann, ist beeindruckend. Die Frage ist vielmehr, was wollen wir, das sie tut?“, sagte Regisseurin Charlotte Mikkelborg. Dass dafür kreatives Handwerk entscheidend bleibt, unterstreicht Edward Dawson-Taylor: „Wer keine KI-Kompetenz zusätzlich zu seinem Fachwissen hat, wird Schwierigkeiten bekommen. Wer aber nur KI-Kompetenz und kein Fachwissen hat, hat ein noch größeres Problem.“

Wie weit generative KI bereits in der professionellen Filmproduktion angekommen ist, zeigte das AI Update am zweiten Konferenztag. Ridhima Lulla von Eros Innovation demonstrierte, wie sich ein Archiv von 11.000 Filmen als kulturelle Datenbasis für neue KI-Anwendungen nutzen lässt – von neuen Versionen bestehender Inhalte bis zu eigenen Geschichten. „Der Traum ist, ein kleines Filmstudio in der eigenen Tasche zu haben“, sagte Lulla.

## Virtual Production & AI Garden – Technologie im Praxistest

In der neuen Virtual Production Area wurde auf einem 15 Meter großen LED-Volume demonstriert, wie sich reale und virtuelle Produktion verbinden lassen. Von 2D-Plates und 3D-Environments bis zu 3D Gaussian Splatting konnten Teilnehmer:innen neue Verfahren direkt am Set erleben.

Im AI Garden standen parallel KI-Werkzeuge für reale Produktionsprozesse im Mittelpunkt: von Script Breakdowns und Previsualisation bis zu komplexeren Produktionspipelines – einschließlich ihrer praktischen Grenzen und Einsatzbedingungen.

## Journalism & Tech

Was passiert, wenn künftig KI-Agenten statt Menschen auf journalistische Inhalte zugreifen? Ole Reißmann, Director AI der SPIEGEL-Gruppe, beschrieb eine neue „Agent Layer“ zwischen Medien und Publikum und damit die Gefahr, dass der direkte Kontakt zur Medienmarke weiter abnimmt.

Wie KI zugleich die journalistische Produktion verändern kann, zeigte Markus Knallvon IPPEN.MEDIA am Beispiel einer Wahlnacht mit Tausenden automatisiert erstellten Artikeln. Seine zentrale These: Verlässlicher KI-Journalismus entsteht nicht durch einen einzelnen Prompt, sondern durch komplexe Prozessketten mit eingebauten Kontrollpunkten, deren Konzeption selbst journalistische Arbeit ist. Entscheidend werde damit weniger, ob ein Text von einer KI erstellt wurde, sondern ob Absender und redaktionelle Standards vertrauenswürdig sind.

## Guest of Honour UK – Was Europa vom britischen Markt lernen kann

Mit BBC, Sky UK und ITV Studios brachte der Guest of Honour UK am zweiten Konferenztag die Perspektive eines Medienmarktes nach Babelsberg, in dem sich der Übergang von Broadcast zu Streaming besonders deutlich beobachten lässt. Graham Haigh, Antonia Kerle und Gabby Redfern diskutierten Technologien, Geschäftsmodelle und Erfahrungen aus dem britischen Markt.