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Auch ARD will weniger TV-Kanäle

Auch ARD will weniger TV-Kanäle

Nachdem ZDF-Intendant Thomas Bellut angekündigt hat, mit ZDFkultur einen der drei sogenannten ZDF-Digitalkanäle aus Kostengründen einstellen zu wollen, ziehen die ARD-Intendanten nun mit einem noch rigideren Sparvorschlag nach. Nach ihren Vorstellungen sollen sogar drei der insgesamt sechs für ARD/ZDF im Rundfunkstaatsvertrag vorgesehenen digitalen TV-Kanäle dicht gemacht werden. Ein „Diskussionsvorschlag“, der vom Privatfunkverband VPRT begrüßt wird.

NDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Lutz Marmor begründete den Vorstoß am 17. April nach einer ARD-Intendantensitzung in Berlin mit verschiedenen Argumenten. So müsse das ursprüngliche Spartenprogramm-Konzept für die ARD/ZDF-Digitalkanäle heute grundsätzlich in Frage gestellt werden und an den neuen Gegebenheiten  angepasst werden. Mittlerweile sei alles digital, und weil ARD/ZDF keine Steigerung ihres Budgets an Gebührengeldern erwarten könnten, auch nicht für „Zukunftsprojekte“ wie einen Jugendkanal, müsste ARD/ZDF nun „gemeinsam über den Tellerrand blicken“ und ihre „Kräfte bündeln“. Konkret schlägt Marmor in seiner Funktion als ARD-Vorsitzender vor, aus den bisherigen Digitalkanälen ZDFneo und Einsfestival (ARD) ein gemeinsames Programm für jüngere Erwachsene (30-49 Jahre) zu bündeln, Einsplus und ZDFkultur zu einem Programm für „junge Menschen (14-29 Jahre)“ zu verschmelzen sowie aus tagesschau24 und ZDFinfo einen gemeinsamen Nachrichtenkanal von ARD/ZDF zu machen. Auf diese Weise würden dann auch Ressourcen frei, die man eben für einen gemeinsamen Jugendkanal (14-29 Jahre) verwenden könnte, der von einer Reihe von Politikern gefordert wird.

Der Vorschlag, über den Marmor bislang nur kurz mit ZDF-Intendant Bellut telefoniert hat, wurde vom letzteren allerdings flugs abgelehnt. Man sehe im ARD-Vorschlag „keine Sparpotentiale, sondern lediglich komplizierte Strukturen“. Das ZDF könne im Gegensatz zur ARD, die über die dritten Programme verfügt, nicht auf die zwei Kanäle Neo und info verzichten, da diese unter anderem auch zur „Erprobung neuer Formate“ dienten sowie „einer sinnvollen Verwertung des ZDF-Programmarchivs“. Die Bereitschaft, Einsparungen im eigenen Verbund durch Einstellung eines Kanals zu realisieren, erwarte das ZDF auch von der ARD, heißt es in einer Presseerklärung. Zudem regt das ZDF an, die ARD solle den angestrebten Jugendkanal aus eigener Kraft realisieren. Das letzte Wort im aktuellen Konflikt zwischen ARD und ZDF werden die Ministerpräsidenten der Länder haben, die sowohl über Einstellung der einst genehmigten Kanäle wie über vorgelegte neue Konzepte zu entscheiden haben.

Zwar  signalisierte das ZDF nach der ARD-Pressekonferenz eine grundsätzliche Bereitschaft mit der ARD insbesondere  über das Konzept zur Bildung eines Jugendkanals zu sprechen. In das Gespräch müssten aber auch die ZDF-eigenen Vorschläge einfließen.

Auf der ARD-Pressekonferenz in Berlin kündigte ARD-Programmdirektor Volker Herres außerdem an, das Programmprofil von Das Erste auf eine stärkere Verknüpfung von fiktionalem und dokumentarischem Programm zu konzentrieren. Allein für den Mai habe man dazu drei Eventprogrammierungen zu den sozialrelevanten Themen „Alzheimer“, „Billiglohn“ und „Mobbing“ vor gesehen. Zudem wolle sich Das Erste nach dem Beispiel der Dokumentation „Amazon“ als eine „Plattform für investigativen Journalismus“ profilieren. (4/13) Erika Butzek

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