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Erst analysieren, dann regulieren

Erst analysieren, dann regulieren

Medienexperten aus ganz Europa diskutierten am 14. November auf der Euroreg 2011 in Frankfurt die Möglichkeiten der Regulierung von Internet-TV mit integrierten Angeboten wie HbbTV, CatchUp- und VoD-Diensten. Konkrete Antworten hatten sie nicht parat. Deutlich wurde vielmehr, dass die Medienaufsicht der dynamischen Marktentwicklung kaum mehr zu folgen vermag.

Wolfgang Thaenert, Direktor der Landesanstalt für Privaten Rundfunk und neue Medien, LPR-Hessen und zudem Europabeauftragter der DLM, eröffnete den Workshop Euroreg 2011 mit den Worten „auf Abenteuer lässt man sich am liebsten ein, wenn man nicht alleine ist.“ Da kommt die Frage auf, ob die Medienaufsicht die Entwicklung der neuen Medien mehr als Bedrohung denn als Chance sieht. Und das ist vielleicht schon der falsche Ansatz, wenn es um Regulierungsfragen geht.

Die Diskussion der internationalen Experten aus der Industrie und Medienregulierung auf der Euroreg 2011 machte klar, dass das existierende Europäische Rundfunkmodell künftig ganz anders aussehen wird. Bereits jetzt sind 50 Prozent aller verkauften Endgeräte in Deutschland HbbTV-fähig, rund 5,5 Millionen sind internetfähige Hybrid-Fernseher. So spielen voll integrierte Angebote wie HbbTV (Hybrid broadcast broadband TV), Catch-up-Dienste oder VoD (Video-on-Demand) eine immer wichtigere Rolle.

Mit Blick auf die schnell voranschreitende Diversifikation mahnten die europäischen Medien- und Regulierungsexperten zur Gelassenheit: Erst müsse der Markt analysiert werden, dann könne man sich über den Umfang der Regulierung Gedanken machen.

„Wir erleben gerade eine spannende Zeit. Es ist wichtig, die alte Welt zu ordnen und in einer neuen Welt die Regulierungen zu formen“, erklärte Jürgen Brautmeier, Direktor der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien, LfM, der ab kommenden Jahr das Europaressort der Medienanstalten übernehmen wird. „Wir dürfen nichts überstürzen, aber wir müssen auch erkennen, dass etwas Revolutionäres passiert“, so Brautmeier weiter. Er rief zur Vorsicht. Zuerst müsse man mehr über das Nutzerverhalten erfahren, bevor man "wild drauf los reguliere".

Seine Forderung, neue Gatekeeper wie Goople oder Apple zu bewegen, sich europäischen Verbraucherschutzstandards anzupassen, sahen andere Diskussionsteilnehmer eher skeptisch. Monica Arino, Director International Affairs der englischen Ofcom, meinte ertwa: „Ich weiß nicht, ob es möglich sein wird, diesen Anbietern unser Regelwerk aufzusetzen."

Im offenen Dialog mit europäischen Nationen wie Großbritannien, Frankreich, Spanien, Holland und Österreich wurde deutlich, dass zwar eine europäische Regulierung nötig ist, zunächst aber eine akribische Analyse der Märkte erfolgen muss. Da stimmten die europäischen Medienexperten überein. „Wir müssen die Regulierung neu erfinden, aber wir können auch nicht alles regulieren“, erklärte Olivier Japiot, Generaldirektor der französischen Medienaufsicht Conseil superieur de l´Audiovisuel (CSA).

Der Staatsminister des hessischen Ministeriums der Justiz für Integration und Europa in Wiesbaden, Jörg-Uwe Hahn, verwies auf rechtliche Bestimmungen. Es dürfe auch im Internet-TV keinen rechtsfreien Raum geben. „Ob man die DVD im Laden stiehlt oder sich den Film über einen Stream auf dem Hybrid-Fernseher ansieht, Diebstahl ist Diebstahl“, fasste Hahn zusammen. Auch hier müsse es eine klare Linie geben.

„Wir sind erst in der ersten Phase und noch nicht soweit, direkt ins Internet zu springen“, fasste Wolfgang Thaenert zusammen. „Aber für einen Tag wie diesen, haben wir ein gutes Ergebnis.“ So war sich der Expertenkreis am Ende eines facettenreichen Tages einig: Der Trend von Internet-TV zu voll integrierten Angeboten muss weiterhin beobachtet und analysiert werden. Eine Neu-Regulierung des europäischen Rundfunkmodells ist aber noch in weiter Ferne. Ob das nun im Sinne von Inhalteanbietern und Konsumenten ist? Ein ausführlicher Report dazu findet sich in der nächsten Ausgabe von MEDIEN BULLETIN. (11/11) Patrycja Muc

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