Cookie Consent by TermsFeed
      medienpolitik-news
      mebucom
                
Thomas Bellut / ZDF

Jugendkanal von ARD und ZDF nur im Internet

Der gemeinsame Jugendkanal von ARTD und ZDF darf starten, allerdings nur in abgespeckter Form im Internet. Das haben jetzt die Ministerpräsidenten der Länder entschieden. ARD und ZDF wollten ursprünglich einen Multimedia-Auftritt in TV, Radio und Web einführen. Dagegen gab es in einigen Bundesländern Widerstand.

Die Resonanz auf die Ministerpräsidenten-Entscheidung fiel bei den öffentlich-rechtlichen Sendern moderat aus. „Die Entscheidung der Ministerpräsidenten ist für uns ein Ansporn, noch mehr Angebote für junge Zuschauer zu machen. Das Internetportal ist eine perfekte Ergänzung zu ZDFneo und ZDFinfo, die bereits mit Erfolg ein jüngeres Publikum erreichen. Dafür brauchen wir dann aber auch mehr Bewegungsspielraum im Netz als bisher“, lässt ZDF-Intendant Thomas Bellut (Foto) wissen.

Für das neue Angebot stellen ARD und ZDF insgesamt maximal 45 Millionen Euro bereit. Im Gegenzug werden die Digitalkanäle ZDFkultur und EinsPlus eingestellt. Wie viel Personal beim ZDF für ein reines Onlineangebot notwendig ist, muss noch geprüft werden. Für ein Angebot mit klassischem TV-Kanal wären rund 30 Stellen notwendig gewesen. Den Personalbedarf wird das ZDF bei der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) beantragen. Dabei geht es darum, dass der zurzeit stattfindende massive Stellenabbau entsprechend reduziert wird. Das ZDF muss aufgrund einer Auflage der KEF bis zum Jahr 2020 insgesamt rund 560 FTE (Full Time Equivalents) abbauen. 

Auch der ARD Vorsitzende Lutz Marmor begrüßt die Entscheidung und erklärt, „alles daran zu setzen, gemeinsam mit dem ZDF ein gutes Angebot im Netz zu entwickeln." Der Intendant des federführenden SWR, Peter Boudgoust, der vor einigen Tagen noch an die Politiker appeliiert hatte, zu der gefallenen Entscheidung: „ Die Beauftragung entspricht nicht dem ursprünglichen Konzept eines crossmedialen Angebots. ARD und ZDF hatten auf die konsequente Verschmelzung von Hörfunk, Online und Fernsehen gesetzt, ein innovativer, multimedialer, durchdachter Ansatz. Nun müssen wir uns auf eine Ausstrahlung im Internet beschränken. Das bringt Probleme mit sich, beispielsweise mit Blick auf Urheberrechte. Obwohl unser Konzept von vielen gesellschaftlichen Gruppen unterstützt wurde, wird es nun schwerer, das Jugendangebot zum Fliegen zu bringen. Aber klar ist: Wir arbeiten weiter konsequent an jungen Programminnovationen. Das sind wir der jungen Generation schuldig."

Beim Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) bewertet man die Ministerpräsidenten-Entscheidung zum öffentlich-rechtlichen Jugendkanal überwiegend positiv. „Der VPRT nimmt erleichtert zur Kenntnis, dass die konzeptlose Expansion der öffentlich-rechtlichen Spartensender durch die Ministerpräsidentenkonferenz beendet wurde“, heißt es in einer ersten Stellungnahme des Verbandes. „Wir begrüßen die Einstellung von zwei Kanälen sowie den Stopp des am Bedarf vorbei konzipierten Jugendkanals von ARD und ZDF.“

Die positive Einordnung des Verbandes werde allerdings dadurch erheblich getrübt, dass das alternative Onlineangebot den Grundfehler des öffentlich-rechtlichen Systems fortsetze: „Die Idee, ein Projekt ohne inhaltliche Begrenzung aufzusetzen, hat bei den Digitalkanälen schon nicht funktioniert. Jetzt ein Onlineangebot mit einem Blankoscheck von 45 Millionen Euro auszustatten, wird es kaum besser machen. Mit der angestrebten Crossmedialität, insbesondere der Vernetzung mit den jungen Hörfunkwellen der ARD, wird ein übergreifendes Jugendangebot entstehen, das den Wettbewerb erheblich zu Lasten der Privaten beeinträchtigt. Angesichts all dieser Punkte würde es uns wundern, wenn die Beauftragung nicht einen neuen Konflikt mit allen anderen Mediengattungen zur Folge haben wird“, erklärt der Verband. (10/14)

Foto: Thomas Bellut, ©ZDF / Benno Kraehahn

Zurück


Ähnliche Artikel