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Netzwerkkompetenz statt Medienkompetenz

Netzwerkkompetenz statt Medienkompetenz

Die Netz-Gesellschaft oder Revolution 2.0: „Der Zeitgeist fordert mehr Partizipation, die Netzwerke sind da, um dies zu ermöglichen“

In Zukunft zählt Netzwerkkompetenz statt Medienkompetenz – das war die Botschaft von Peter Kruse, dem Web-Vordenker, beim Zukunftsforum der hessischen Landesmedienanstalt (LPR) anlässlich ihres 20jährigen Bestehens am 4. November in Frankfurt. Kruse, der Unternehmensberater ist und aus der Psychologie kommt, machte deutlich: Es ist tatsächlich eine Revolution, die derzeit durch die immer stärkere Dominanz des Internet stattfindet; das Entscheidende ist die Partizipationsmöglichkeit, die nicht nur in der privaten Kommunikation, sondern auch in der politischen Willensbildung zum Tragen kommt.

Die Durchdringung des Alltags durch das Internet ist ein Phänomen, das nicht nur auf die sogenannten „Digital Natives“ beschränkt ist, auf die Altersgruppe der ab 1980 Geborenen, die bereits mit digitalen Kommunikationsgeräten und dem Web aufgewachsen sind. Das machte die anschließende Debatte mit Ibrahim Evsan, Mitbegründer der Videoplattform sevenload, Internetpionierin Ulrike Reinhard, Mitinitiatorin der Plattform DNAdigital und der Salzburger Kommunikationswissenschaftlerin Ingrid Paus-Hasebrink deutlich.

Ob und inwieweit das Internet kontrolliert werden solle oder gar müsse, darüber gingen die Meinungen auf dem Podium weit auseinander. Die Medienökonomin und Bloggerin Gisela Schmalz hielt es für ausreichend, Strukturen zu schaffen, so dass alle sich beteiligen könnten; wie sie sich dann im Netz verhalten, könne man dem gesunden Menschenverstand überlassen. Die Quintessenz der Internetgeneration: Man müsse Netzwerke und damit Partizipation einfach zulassen; von außen zu kontrollieren sei das nicht mehr.

Wolfgang Thaenert (Foto), Direktor der LPR Hessen, konnte sich damit nur bedingt anfreunden. Ein gewisses Maß an Kontrolle, z.B. bei Gewaltdarstellungen, Kinderpornografie o.ä. sieht er nicht als Eingriff von oben an, sondern als notwendigen Schutz der Gesellschaft. Der Medienordnung, zu der neben den klassischen Medien Print, TV und Radio inzwischen auch das Internet zählt, gehe es darum, auch im Onlinezeitalter ein vielfältiges Angebot für die Gesellschaft aufrecht zu erhalten, damit der demokratische Meinungsbildungsprozess weiter funktioniere. Das Netz biete zwar eine ungeheure Menge an Informationen, aber es blieben die Fragen: Haben alle Bürger ungehinderten Zugang – sowohl was die technische Versorgung angeht als auch die Kompetenz damit umzugehen? Wer sorgt für zuverlässige journalistische Angebote im Netz und vor allem auch für ihre Auffindbarkeit? Aus Sicht des LPR-Direktors gilt es die Spaltung der Informationsgesellschaft in „Digital Natives“ und Ahnungslose, in der Debatte „Digital Ignorants“ titulierte Mitbürger, zu verhindern. Doch die bekannten Regulierungsmechanismen, vor allem des Rundfunkrechts, erwiesen sich in der neuen Medienwelt als nur begrenzt wirksam.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch stellte fest, dass der Drang zu kontrollieren zwar verständlich und gesellschaftlich notwendig sei, aber im Internet tatsächlich an Grenzen stoße. „Leute in sozialen Netzwerken sind ziemlich sauer, wenn sie beschützt werden“, so Koch. Vor mehr Beteiligung der Bürger durch Netzwerke brauche die Politik keine Angst zu haben, wenn Missbrauch ausgeschlossen werden könne. Er konstatierte Ratlosigkeit seitens der Politik und forderte dazu auf, dass „Digital Natives“ und „Digital Ignorants“ aufeinander zugehen. Der LPR komme dabei eine Vermittlungsfunktion zu.

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