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Böhning fordert filmische Industriepolitik

Böhning fordert filmische Industriepolitik

Auf dem Deutschen Produzententag, zum Auftakt der diesjährigen Berliner Filmfestspiele, forderte der Chef der Senatskanzlei Berlin, Björn Böhning, verstärkte industriepolitische Unterstützung für die Filmwirtschaft. Er kritisierte zudem die Zweckentfremdung von Programmmitteln bei öffentlich-rechtlichen Sendern.

Alexander Thies

„Film und Fernsehen sind ein Kulturgut – das wissen wir. Wir müssen uns aber noch konsequenter angewöhnen, Film und Fernsehen als Industriezweig zu betrachten“, formulierte der Staatssekretär in seiner Rede. „Wir betreiben in unserem Land eine Industriepolitik für Chemie, für Maschinenbau oder für Energiewirtschaft. Wenn wir unsere Zukunftsfähigkeit als Industriestandort sichern wollen, dann brauchen wir auch eine Industriepolitik für die Filmwirtschaft.“ Ein Aspekt davon sei die Filmförderung: „Klug und gut angelegtes Geld, eine Investition in den Medienstandort Deutschland mit der Folge, dass erhebliche Mittel als Steuereinnahmen in die Haushalte zurückfließen“, was auch jüngst wieder eine Studie  zum DFFF nachgewiesen habe.

„Der DFFF leistet seit 2007 einen unverzichtbaren Beitrag dazu, dass die deutsche Filmwirtschaft und Filmkultur ihre Position im internationalen Wettbewerb behaupten und ausbauen kann. Und mit seinen nicht an Standorte gebundenen Zuschüssen hat er in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass der Rang und die Sichtbarkeit des deutschen Films deutlich gesteigert werden konnten. Umso ärgerlicher ist es, dass diese positive Entwicklung nun durch die Kürzung der Bundesmittel gefährdet wird.“ Regelmäßige Evaluierungen durch das BKM, das Bundesfinanzministerium und das Bundeswirtschaftsministerium hätten gezeigt, dass die Fördermittel wirtschaftliche Anstoßeffekte erzielt haben, die im Durchschnitt bei etwa dem sechsfachen der jeweiligen Förderung liegen.

Zur Rolle des Fernsehens für die Filmwirtschaft erklärte Böhning: „Mir ist bewusst, dass die Mittel der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus dem Rundfunkbeitrag für die Programmbeschaffung begrenzt sind und auf absehbare Zeit nicht wesentlich erhöht werden können. Ärgerlich finde ich es aber, wenn die Rundfunkanstalten die ihnen von der KEF bewilligten Mittel für die Programmbeschaffung zweckentfremden und z.B. für die Deckung von Verwaltungskosten ausgeben.“ Dies sei im 19. Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten dokumentiert. „Auf Seiten der Produzenten könnte der Eindruck entstehen, dass die Programmkostenansätze als Verschiebemasse zum Ausgleich anderer Kosten genutzt werden.“

Zuvor hatte Alexander Thies (Foto), Vorsitzender des Produzentenallianz-Gesamtvorstands in seiner Eröffnungsrede die Erfolge der deutschen Film- und Fernsehproduktion herausgestellt. Gleichzeitig gebe es aber „deutliche Diskrepanzen zwischen dem, was wir könnten, dem, was wir wollten und dem, was momentan möglich ist.“ Zusammenfasst könne man sagen, „dass immer weniger Geld im Markt ist, dass wir an den Erfolgen, an den zusätzlichen Erlösen immer weniger beteiligt bleiben und dass wir an der Vervielfachung der Nutzungsmöglichkeiten der Märkte nicht in der Weise mitspielen können, wie wir es denn gerne wollten. Und das erfüllt uns mit gewisser Sorge, aber auch Ungeduld.“

Angesichts sinkender Budgets bei den Sendern stellte Thies fest, dass man das Publikum nicht über einen Verzicht auf Investitionen gewinne: „Attraktives Programm entsteht nur durch Mut und Investitionen. Die Sender sind nur zusammen mit den Produzenten stark und erreichen nur zusammen das Niveau an Produktionen, mit dem wir das Publikum begeistern und halten können.“

Auch bei der Produzententag-Podiumsdiskussion „Der neue Rundfunkstaatsvertrag – Faire Vertragsbedingungen für Produzenten“ ging es um die Mittel, die ARD und ZDF nicht für das Programm ausgegeben haben, obwohl es von der KEF ausdrücklich für das Programm genehmigt wurde. Marc Jan Eumann, Staatssekretär bei der Ministerin für Bundesangelegenheiten machte den Vorschlag, dass die Sender im Rundfunkstaatsvertrag dazu verpflichtet werden sollten, die von der KEF für das Programm bewilligten Mittel auch für das Programm zu verwenden. „Dem schließen wir uns gerne an“, stimmte Staatsminister Rainer Robra,  Chef der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt, zu: „Nicht nur als Politiker, sondern auch als Beitragszahler.“

Produzentenallianz-Geschäftsführer Christoph Palmer verwies zudem darauf, dass die Vermarktungsrechte für Auftragsproduktionen nach wie vor bei den Sendern liegen. Das wolle die Produzentenallianz ändern. Mit der Einführung eines Lizenzmodells sollten die Sender nur noch die Rechte bekommen, die sie wirklich brauchen: für eine begrenzte Zahl von Ausstrahlungen in einer begrenzten Zeit. Danach sollten die Produzenten die Zweitverwertung selber bestimmen und die Sender mit 50 % an den Erlösen beteiligen. Dieses Modell habe sich beispielsweise in den USA und Frankreich bewährt und dazu geführt, dass sich in Großbritannien eine der kraftvollsten und kreativsten Produktionsmärkte weltweit entwickelt habe. „Das leuchtet mir eindrücklich ein“, erklärte Rainer Robra. „Die Verwertung ist nicht das Kerngeschäft der Sendeanstalten – warum lässt man das nicht die Produzenten machen? Das ist doch ein Super-Angebot!“, merkte er im Hinblick auf die Erlösbeteiligung an. (2/15)

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