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Sportradio-Pläne des WDR vom Tisch

Sportradio-Pläne des WDR vom Tisch

Nach heftiger Kritik verzichtet der Westdeutsche Rundfunk (WDR) auf die geplante Ausstrahlung des ARD Sportradios auf dem Digitalkanal Event. Das Angebot „Event. Das ARD Sportradio zur UEFA Euro 2012“ war für das Digitalprogramm vorgesehen für die Zeit vom 19. Mai bis 08. Juli.

Damit sieht der WDR die ins Kraut schießenden Spekulationen um angebliche Pläne für ein bundesweites Sportradio der ARD für beendet an, heißt es in einer Mitteilung.

Als „schwere Belastung für die gemeinsamen Anstrengungen von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk zur Förderung von Digitalradio in Deutschland“ hatte zuvor der Hörfunkbeauftragte der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Dr. Gerd Bauer die Pläne des WDR für „Event. Das ARD Sportradio zur UEFA Euro 2012“ kritisiert.

Dr. Bauer wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass „es bislang ein gemeinsames Verständnis von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk, Landesmedienanstalten, Sendernetzbetreibern und Medienpolitik war, dass Digitalradio in Deutschland nur dann erfolgreich sein kann, wenn es von beiden Pfeilern des dualen Systems getragen ist. Auch die KEF hatte bei ihrer Mittelfreigabe für öffentlich-rechtliches Digitalradio über DAB+ auf diesem gemeinsamen medienpolitischen Ansatz aufgebaut.“ Wenn die ARD nunmehr einen Testballon für ein Sportradio starte, das in publizistischer Konkurrenz zu einem wesentlichen Treiber der Markteinführung von Digitalradio auf der Seite des privaten Rundfunks steht, dann gefährde die ARD damit die Geschäftsgrundlage nicht nur dieses Veranstalters.

„Im Interesse der Fortführung der gemeinsamen Anstrengungen für einen Erfolg von Digitalradio bitte ich die Verantwortlichen auf Seiten der ARD, diesen Einstieg in einen Ausstieg aus dem solidarischen Miteinander für eine digitale Zukunft auch des Hörfunks in Deutschland nochmals zu überdenken“, hatte Dr. Bauer gefordert.

Auch der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) hatte gegen die WDR-Pläne protestiert.

„Das öffentlich-rechtliche Fußballradio ist mit der Erklärung des WDR nicht vom Tisch“, meint indes Felix Kovac, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR). Der Verzicht des WDR sei nicht umfänglich genug. Schließlich plane der WDR sein Sportprogramm auch im Internet als Audiostream und auf der Mittelwelle zu senden. Die Pressemitteilung des WDR lasse diese Vertriebswege bei der Verzichtserklärung aus.
Kovac verweist darauf, dass mit der Verbreitung über die Mittelwelle der WDR die Anzahl der zulässigerweise von ihm terrestrisch verbreiteten acht Radioprogramme überschreiten werde.

Das Angebot des „Sportradios“ im Internet verstößt nach der Überzeugung des APR-Vorsitzenden gegen das Telemedienkonzept, das der WDR-Rundfunkrat genehmigt hat. Ein „Sportangebot“ oder ein entsprechendes Radio-Format ist dort nicht vorgesehen. Notwendig wäre also zunächst, einen Drei-Stufen-Test zu durchlaufen, bevor ein solches Angebot gestartet wird.

„Immerhin haben die Verantwortlichen in Köln erkannt, dass kein bundesweites ARD-Sportradio angebo- ten werden darf“, kommentiert Kovac bezugnehmend auf Agenturberichte vom Freitag. Die Aussage, das sei aber auch gar nicht geplant gewesen, ist für Kovac unglaubwürdig: „Warum spricht man in Köln von einem angeblich NRW-spezifischen Programm als ARD-Sportradio?“

Die APR fordert den Rundfunkrat des WDR auf, über die Einhaltung der Vorschriften des Rundfunkstaatsvertrages und des eigenen Beschlusses zum Internet-Angebot zu wachen. „Wegen der Grundsätzlichkeit der Angelegenheit ist der Vorgang für uns nicht abgeschlossen“, kündigt Kovac eine weitere rechtliche Prüfung an.

So müsse die Politik etwa auch die schrittweise Expansion des WDR in andere Bundesländer untersagen. Es sei ein Verstoß gegen das WDR-Gesetz und den Rundfunkstaatsvertrag, wenn das Programm WDR2 fern ab vom WDR-Sendegebiet in Berlin terrestrisch über DAB+ ausgestrahlt werde. Die Unrechtmäßigkeit der „Präsenz von Programmen der Landesrundfunkanstalten in regionalen Multiplexen außerhalb ihres Sendegebietes“ habe zu Recht auch der Intendant des Deutschlandradios Willi Steul in öffentlichen Erklärungen aufgegriffen. (4/12)

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