Cookie Consent by TermsFeed
      medienpolitik-news
      mebucom
                
TV-Plattform fordert klare Roadmap für LTE-Einführung

TV-Plattform fordert klare Roadmap für LTE-Einführung

Die Deutsche TV-Plattform fordert die Umsetzung der Zusagen des Bundes zur Vergabe von Rundfunkfrequenzen an Mobilfunkbetreiber. Sie befürchtet Störungen, wenn Rundfunk und Mobilfunk im gleichen Spektrum auf benachbarten Frequenzen senden.

Mit der derzeit laufenden größten Frequenzauktion in Deutschland durch die Bundesnetzagentur sollen etwa 1,35 Millionen ländliche Haushalte mit schnellem Internet über breitbandige mobile Dienste an die moderne Informationsgesellschaft angeschlossen werden. Ob die „Wunderwaffe“ Long Term Evolution (LTE) in der Praxis die „Breitband“-Versprechen hält, die ihr nachgesagt werden, bleibt nach Ansicht der Deutschen TV-Plattform abzuwarten und muss erst unter realen Bedingungen in der Praxis nachgewiesen werden. Die Mobilfunkindustrie nehme zwar die Auflagen, zunächst den ländlichen Raum zu versorgen, in Kauf, spekuliere aber in erster Linie darauf, mit dem Kapazitätszugewinn ihre Kunden mit Breitbanddiensten in Ballungszentren besser zu versorgen, kritisiert die Organisation.

Die Deutsche TV-Plattform befürchtet, dass 24 Millionen Fernseh-Haushalten oder Inhaber von knapp 6 Millionen portablen TV-Empfängern nach der Verteilung der digitalen Dividende womöglich mit Einschränkungen beim Fernsehempfang rechnen müssen.
Ihnen könnte künftig der Bildschirm „einfrieren“, das Bild plötzlich mit Klötzchen verzerren, der Ton unverständlich werden oder gleich ganz der Fernsehempfang wegfallen, wenn der Nachbar sein Breitband-Handy einschaltet oder mobil im Internet surft.
Störungs-Szenarien, wenn Rundfunk und Mobilfunk im gleichen Spektrum auf benachbarten Frequenzen senden, haben europaweit verschiedene Messungen und Tests bestätigt. Das passiert auch, wenn die bisherigen Fernsehkanäle 61 – 69, die gegenwärtig von der Bundesnetzagentur an Mobilfunkbetreiber versteigert werden, für breitbandige Mobilfunkdienste wie LTE in Betrieb genommen werden.

Die Problematik ist bereits seit Monaten den Behörden bekannt. Erste Untersuchungen des IRT und der ANGA über Störungen von Kabelfernsehen lagen Anfang 2009 vor. Die Deutsche TV-Plattform hatte im September 2009 einen umfangreichen Bericht "Verträglichkeit von Rundfunk und Mobilfunk im UHF-Band" veröffentlicht, der den Sachverstand mehrerer Mitgliedsunternehmen bündelte. Darin wurde u.a. vor einem drohenden Vertrauensverlust der Verbraucher in digitale Rundfunktechnologien und die Unterhaltungselektronik generell sowie vor Schäden in Millionenhöhe gewarnt. Auch die Bundesländer hatten sich im Juni 2009 gegenüber dem Bund für die Beseitigung der Störprobleme sowie für die Erstattung der allen Frequenznutzern entstehenden Kosten eingesetzt - und entsprechende Zusagen erhalten.

Dennoch ist laut TV-Plattform seither nichts geschehen: Weder wird der aus der Frequenzversteigerung zu erwartende Erlös zur Kostenerstattung der Betroffenen eingesetzt, noch wird seitens des Bundes vor der Frequenzvergabe eine befriedigende Lösung für die unterschiedlichen Störungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die Bundesnetzagentur beabsichtigt vielmehr, Frequenzen zu vergeben, ohne das gesamte Ausmaß möglicher Störungen zu kennen oder gar konkrete Maßnahmen zur Reduzierung bzw. zur effektiven Beseitigung von Verträglichkeitsproblemen durch die neuen Mobilfunknutzungen zu erarbeiten.

Dies ist aus Sicht der Deutschen TV-Plattform nicht hinnehmbar. „Wir begrüßen zwar, dass durch die Umwidmung von Frequenzen Mehrwert für ländliche Regionen entsteht, fordern aber Empfangssicherheit für alle Rundfunknutzer“, so Gerhard Schaas (Foto), Vorstandsvorsitzender der Deutschen TV-Plattform.

Behauptungen, Schutzfilter könnten problemlos Abhilfe in den Haushalten schaffen, seien bisher weder praxistauglich noch zutreffend. Am Ende würden die Fernsehzuschauer die Last der Frequenz-Veräußerung zu tragen haben, wenn es nicht bald zu einer Klärung durch die Behörden käme.

Die Deutsche TV-Plattform fordert daher von der Bundesnetzagentur eine klare Roadmap für die Einführung von LTE-Diensten im oberen UHF-Spektrum unter Einbeziehung aller identifizierten Probleme. Erforderlich sei ferner ein Maßnahmenplan zur Vermeidung von Empfangsstörungen bei existierenden und neuen Empfangsgeräten - inklusive einer damit verbundenen Kostenübernahme, heißt es.

Zurück


Ähnliche Artikel