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Positive Digitalradio-Entwicklung

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Positive Digitalradio-Entwicklung

Im Münchner Literaturhaus fand am 17. Juli 2012 das BLM-Forum „Digitalradio 2012 auf +Kurs“ statt. Sendervertreter, Gerätehersteller, Marketingexperten, Netzbetreiber und Regulierer diskutierten hier – knapp ein Jahr nach dem Start der bundesweiten Digitalradioprogramme im DAB+-Standard – die aktuelle Lage. Man zog dabei eine durchwegs positive Bilanz.

"Die Allianz der Unterstützer von Digitalradio wird zunehmend breiter als die Allianz der Verhinderer“, erklärte Willi Schreiner, Geschäftsführer Digitalradio Deutschland. Noch nicht so rund laufe es allerdings bei der Präsentation der Geräte im Handel sowie der mobilen Nutzung im Auto.

Der Handel, befand Michael Reichert (Foto), Leiter des Projektbüros Digitalradio, sollte bitte Radios verkaufen und „keinen Verbreitungsweg“. „Auf die Inhalte kommt es an“, betonte Reichert, der auch noch die Aufgabe sieht, weitere Überzeugungsarbeit bei der Autoindustrie zu leisten. Die mobile Nutzung sei der Schlüssel für das Digitalradio. Doch mit Blick auf die Autoindustrie müsse noch „ein dickes Brett gebohrt werden“.

Nachholbedarf in puncto mobile Nutzung bestätigte auch die BR-Produktions- und Technikdirektorin Prof. Dr. Birgit Spanner-Ulmer. Digitalradio im Auto koste derzeit ab Werk um die 300 Euro und sei als serienmäßige Ausstattung nicht so schnell zu erwarten. Lieferbar sei Digitalradio nur bei 41 Prozent der Automobilhersteller, 38 Prozent der Hersteller hätten es geplant und 21 Prozent würden noch nicht daran denken. Da die i-pod-Generation demnächst ins Berufsleben eintrete, müssten Gerätehesteller und Programmanbieter jetzt auf den Mehrwert durch Zusatzangebote wie Slideshows, Verkehrsmeldungen oder „aufgepeppten Radiotext“ setzen.

Trotz Gesamtwachstum der Geräteausstattung um knapp fünf Prozent sieht BLM-Präsident Siegfried Schneider mit Blick auf das Nord-Süd-Gefälle in der Digitalradiolandschaft bei Marktdurchdringung und Nutzung „noch viel Luft nach oben“. Für Bayern jedoch seien die aktuellen Lageberichte aus landesweiter und aus lokal-regionaler Perspektive sehr positiv.

Für Bayern jedoch sind die aktuellen Lageberichte aus landesweiter und aus lokal-regionaler Perspektive sehr positiv. Das zeigten sowohl Helwin Lesch, Leiter der Hauptabteilung Programmdistribution beim Bayerischen Rundfunk, als auch Reiner Müller, Technischer Leiter der BLM, in ihren Präsentationen. Bis zu 40 Programme (bundesweit, landesweit und lokal) sind in bayerischen Ballungsräumen derzeit über DAB und DAB+ empfangbar.

Wenn der Netzausbau ab 2013/14 planmäßig realisiert wird, soll laut Prognose von Uwe Ludwig, Vertriebsleiter bei Media Broadcast, bundesweit mit 61 Sendern eine Inhouse-Reichweite von 50 Mio. Einwohnern und eine Mobilversorgung von 76 Prozent erreicht werden. Damit der strategische Fokus künftig noch stärker auf den Hörer gerichtet werden könne, arbeite die Media Broadcast derzeit an einer interaktiven Lösung für die Marktforschung, um die Messbarkeit der Kontakte zu verbessern.

Mehr als 200 Gerätetypen, der Absatz von einer Million Empfänger in 2012 (laut Christian Hoppe, Dual), 13 bundesweite Programme, darunter so erfolgreiche originäre DAB+-Sender wie das Fußballradio 90elf, und ein wachsendes Sendernetz sind ein Fazit, das sich sehen lässt. Die Kollegen aus Deutschland hätten in diesem einen Jahr „viel bewegt“, lobte Beatrice Merlach, Leitung des Marketing Commitees vom Steering Board World DMB.

Josef Thaler, Geschäftsführer der Werbeagentur sternthaler, bemängelte indes das Digitalradio-Logo und den Slogan „Radio der Zukunft“. Digitalradio sei kein Zukunftsprojekt, sondern Gegenwart und DAB-Geräte im Retrodesign schafften keine Kauflust. Das Marketing müsse mehr der Regel „emotion sells“ folgen und „Begehrtheit statt Bekanntheit“ für die Marke Digitalradio schaffen. (7/12)

 

Foto: Michael Reichert, Leiter des Projektbüros Digitalradio

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