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Brian Morris

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Treibstoff Datenanalyse

Brian Morris, Vice President and General Manager, Media & Entertainment Services bei Tata Communications spricht in seinem mebucom-Kommentar über neue, spannende Möglichkeiten für Inhalte-Produktion und Distribution durch Big Data-Analysen und wie Produzenten damit in lokalen und internationalen Märkten erfolgreicher sein können.

In den letzten 30 Jahren hat sich in der TV-Branche einiges getan und sie waren sicherlich nicht einfach für TV-Anbieter. Die Branche wurde quasi von Grund auf erschüttert und hat sich gravierend verändert. Auch das Zuschauerverhalten hat sich gewandelt: Weg vom Wohnzimmer und hin zu praktisch jedem Raum im Haus, zu Zügen und Flugzeugen oder wo auch immer Zuschauer heute Inhalte abrufen möchten. Netflix, Amazon Prime und Hulu sind neue Wettbewerber, die nicht aus dem traditionellen Broadcast-Geschäft kommen, aber den Markt trotzdem tiefgreifend verändern. 

Es wird viel über die sich verändernde Medienlandschaft diskutiert sowie darüber, wie TV-Anbieter ihre Distributionsmodelle verändern müssen. Dies ist zu einer Geschäftsnotwendigkeit für Broadcaster geworden, die mit den neuen riesigen und digitalen Wettbewerbern mithalten wollen. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. 

Der Content ist immer noch das wichtigste Kriterium. Wenn man Zuschauer gewinnt, der Inhalt für die Zuschauer aber nicht von Interesse ist, werden sie schnell etwas Besseres finden. Viele TV-Kritiker behaupten, dass wir gerade ein goldenes Zeitalter im Hinblick auf Sendeinhalte durchleben. Darunter fallen Blockbuster-Serien wie "Game of Thrones" und "Narcos", um nur einige zu nennen. Es gibt eine Reihe an Faktoren, die zur Entstehung dieses goldenen Zeitalters beigetragen haben. Ein ganz entscheidender ist ein besseres Verständnis der Zuschauergewohnheiten und -bedürfnisse.

Damit Inhalte bei den heutigen, vielschichtigen Zuschauern ankommen, sind Daten ein Rohstoff, der von den TV-Anbietern besonders ins Auge gefasst werden sollte.  

Was passiert mit dem herkömmlichen „Pilotfilm“ und wie wird Datenanalyse genutzt? 

In der Vergangenheit haben traditionelle TV-Sender Umfragewerte genutzt, um zu entscheiden, welche Sendungen in die Verlängerung gehen und welche eingestellt werden - was im besten Fall einen groben Richtwert darstellte. Heutzutage werden neue Sendungen basierend auf Traditionen und der Erfahrung von Branchenführern freigegeben. Man kann also behaupten, dass dies eine ziemlich ungenaue Wissenschaft war. Mittlerweile sehen wir uns einer neugeschaffenen Branche gegenüber, die durch Datenanalysen vorangetrieben wird. 

Netflix zählte im Februar 2017 über 98,7 Millionen Nutzer. Die Daten, die Netflix durch diese Nutzer gewinnt und nutzt, spielen eine entscheidende Rolle bei der Auswahl zukünftiger Sende-Inhalte. Netflix nutzt Big Data Analytics, um zu verstehen, welche Sendungen bei den Zuschauern weltweit gut ankommen und welche Art des Zugriffs auf die Inhalte wann besonders beliebt ist. 

Die Datenbank von Netflix sorgt für Erkenntnisse, die zur Entscheidungsfindung herangezogen werden können. Sie hatte bereits Einfluss darauf, mit welchen Content-Produzenten Netflix zusammenarbeitet. Die Daten hatten so entscheidenden Anteil an seinen größten Erfolgen, darunter Serien wie Orange is the New Black, House of Cards und The Crown. 

Dies führt dazu, dass die Art und Weise, wie Inhalte in der heutigen Content-getriebenen Branche erstellt werden, völlig revolutioniert wurde. 2016 ist Amazon Prime noch einen Schritt weiter gegangen und hat vier Pilotfilme für Amazon Original Serien ausgestrahlt. Anschließend wurden die Nutzer dazu aufgerufen, für den Film abzustimmen, der ihnen am besten gefallen hat und als Serie fortgeführt werden sollte. 

Das Fernsehen tritt so nun in ein neues und aufregendes Zeitalter ein. Doch auch wenn Content der Juwel in der Krone eines jeden Broadcasters ist - die Art und Weise, wie er verbreitet wird, ist mittlerweile ebenfalls zu einem entscheidenden Teil der Wertschöpfungskette geworden. 

Erreichen von Zuschauern auf der ganzen Welt

Durch die lokale Beschaffenheit der Medienindustrie und aufgrund verschiedener rechtlicher Vorgaben konnte der Anspruch der Zuschauer nicht immer erfüllt werden, die Inhalte wie, wann und wo sie wollen abrufen zu können. Broadcaster können diese Chance nutzen mit ihrem digitalen Gegenüber mitzuhalten und eigene neue, großartige Partnerschaften und Content-Projekte auf den Weg zu bringen.

An der Welt des Sports kann man gut erkennen, wie sich die Branche verändert und sich auf die wandelnden Zuschauergewohnheiten einstellt. Dorna, das Unternehmen hinter  MotoGP, und Tata Communications haben dazu im Februar eine Partnerschaft geschlossen, um das Geschehen der 18 Motorradrennen des MotoGP von der Rennstrecke für Fans auf der ganzen Welt auf verschiedensten Plattformen bereitzustellen. Alle Rennen werden nun an über 80 Medienpartner ausgestrahlt und erreichen so mehr als 200 Millionen Haushalte weltweit. Dorna möchte darüber hinaus auch den Sport selbst mithilfe der neuesten digitalen Innovationen voranbringen und transformieren. Dabei erkennt das Unternehmen den Bedarf, den Durst der MotoGP-Fans nach immersiveren und wirklich live stattfindenden Rennerfahrungen zu stillen. Gemeinsam arbeiten beide Unternehmen daran, innovative Projekte mithilfe von neuen Technologien wie latenzarme Ultra-High-Definition-, 360º- sowie Live-Over-The-Top (OTT) Videos oder auch High-Dynamic-Range Imaging auf den Weg zu bringen, egal ob die Zuschauer das Rennen online, auf einem Fernseher oder mobilem Gerät verfolgen. Ziel ist es, die Zuschauer auch weiterhin zu begeistern, in dem man jedes Rennen noch fesselnder als das zuvor gestaltet.  

Auch über den Bereich Sport hinaus können Broadcaster die sich verändernden Zuschauergewohnheiten für sich nutzen. Es ist eine Chance, enger mit Content-Produzenten zusammenzuarbeiten und sich von Anfang an auf die für beide Seiten beste Verbreitungsmethode festlegen, um so eine große und passende Zuschauergruppe zu erreichen. 

Unterstützung von regionalen Produktionsfirmen 

Wandelnde Zuschauergewohnheiten und Verbreitungsmodelle sind nicht nur ein relevantes Thema für große Broadcaster. OTT Broadcasting hilft kleineren Sendern dabei, eine direktere Verbindung zu kleineren Zuschauergruppen zu erschließen. Zum Beispiel in Deutschland, einem Land mit vielfältigen regionalen Vereinen, könnte eine kleine Produktionsfirma ein regionales Fußballturnier lokal übertragen. Auch wenn das Spiel vielleicht nicht so attraktiv wie ein Spiel in der Bundesliga ist, sind lokal relevante Veranstaltungen, die eine bestimmte Zielgruppe begeistern, ein idealer Weg für kleinere Broadcaster, um mit neuen Übertragungstechniken zu experimentieren. Wenn die Inhalte online oder für Mobilgeräte bereitgestellt werden, könnten sogar lokale Unternehmen das Event durch Werbemaßnahmen unterstützen - dies hilft nicht nur dem Broadcaster, sondern auch der Veranstaltung selbst, für das mehr Aufmerksamkeit entsteht. Außerdem ist es für Content-Produzenten mittlerweile möglich, einen OTT-Kanal in nur wenigen Tagen auf die Beine zu stellen und so eine Gruppe an Zuschauern global zu erreichen, die die gleichen Interessen teilen – von Kampfsport bis Katzenvideos. 

Auch wenn dieses Phänomen sicherlich im kleinen Rahmen beginnen wird, könnte daraus ein „neues Hollywood” entstehen. Diese regionalen Content-Produzenten und Verbreitungszentren könnten zum Synonym für bestimmte Formen der Unterhaltung werden, die eine regionale Zuschauergruppe oder eine bestimmte Subkultur ansprechen.

Produzenten außerhalb des traditionellen Big-Budget-TVs erhalten auf diese Weise die Chance, eine größere Zuschauerzahl als jemals zuvor mit ihrem ganz eigenen Top-Content zu erreichen. Damit könnten sie die Content-Erstellung erneut revolutionieren. Dies wird uns vom goldenen Zeitalter des Fernsehens in etwas völlig Neues führen. (11/17)

Foto: Brian Morris, Vice President and General Manager, Media & Entertainment Services bei Tata Communications

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