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Allein  auf weiter Flur?

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Allein auf weiter Flur?

Replay-Server spielen in der Live-Sport-Produktion eine zentrale Rolle. Die belgische Firma EVS nimmt mit ihren Produkten hier seit vielen Jahren eine dominierende Rolle ein. EVS-Server gelten als leistungsstark und zuverlässig aber auch als teuer. Auf der NAB 2017 suchte MEDIEN BULLETIN nach Optionen.

Seit Jahren wird in der Broadcast-Branche vergeblich versucht, die Dominanz von EVS im Bereich der Replay-Slomo-Server zu brechen. Gelungen ist es bisher keinem Anbieter. Dabei gibt es genug Anwender, die gerne auch auf kostengünstigere Alternativprodukte setzen würden. Oft wird jedoch bei Auftragsvergaben durch Rechtehalter der Einsatz von EVS-Servern gleich voraus gesetzt. Dazu kommt, dass sich über die Jahre eine starke Basis an gut geschulten EVS-Operatoren entwickelt hat. Sie sind gewohnt, nur mit EVS-Systemen zu arbeiten und zeigen wenig Interesse daran, ihren Job mit anderen Lösungen zu erledigen. Dabei sind deren Bedienoberflächen teilweise schon so stark an die von EVS angepasst worden, dass ein EVS-Operator auch damit schnell klar kommen würde. Hinzu kommt, dass EVS sich bei vielen Top-Events wie den Olympischen Spielen oder den Fußballweltmeisterschaften mit Großinstallationen bei Hostbroadcastern und Rechtehaltern, die naturgemäß besonders viel Wert auf Zuverlässigkeit legen, ein besonderen Ruf erarbeitet hat. Auch hier gelten EVS-Systeme als gesetzt. Bei den Ü-Wagen-Betreibern ist man oft nicht immer glücklich über den Zwang, EVS-Technik kaufen zu müssen, um die entsprechenden Kundenwünsche erfüllen zu können. „Wir kommen an EVS nicht vorbei“, bekannte auch Christer Palsson von NEP beim letzten MEDIEN BULLETIN-Roundtable in München (siehe Beitrag in dieser Ausgabe). Sein Unternehmen hat gleich acht der neuen XT4k-Server für zwei seiner 4k/UHD-Ü-Wagen (UHD-41 und UHD-42) bei EVS gekauft und dafür ein kleines Vermögen investiert. Nun ist man für 4k-Produktionen gerüstet. Mit anderer Technik hätte man das auch geschafft – für deutlich weniger Geld. Gerade für Ü-Wagen-Dienstleister ist das wichtig, weil sie sonst mit zu langen Abschreibungszeiträumen konfrontiert sind.

Selbst im Rental-Bereich sind andere Replay-Server als die von EVS kaum zu finden. Sie werden einfach nicht nachgefragt, obwohl sie das Potenzial hätten, die eine oder andere Aufgabe in der Live-Produktion effizient und zuverlässig zu erfüllen. Manche Vermieter lassen gleich ganz die Finger weg von Replay-Servern weil die EVS-Maschinen als einzige Wahl zu teuer und zu schwer zu amortisieren sind. „Die Mietpreise für diese Systeme sind im Keller. Das lohnt sich für uns einfach nicht“, meinte etwa Franz Olberts, Geschäftsführer von SonoVTS auf der NAB 2017 am Bayerischen Gemeinschaftsstand. Die UK Rental-Firma ES Broadcast Hire hat indes unlängst XT4k Live Production Server von EVS erworben. Der Markt für 4k-Live-Produktion gibt in Großbritannien derzeit auch mehr her als der in Deutschland.

Beim XT4k handelt es sich um das aktuelle Top-Produkt des belgischen Herstellers, das zur IBC 2016 auf dem Markt eingeführt wurde. Der 4k-Produktions- und Replay-Server bietet vier konfigurierbare I/O 4k-Kanäle mit Loop-Recording-Technik. Der XT4k unterstützt unkomprimiertes UHD/4k über ein einziges 12G SDI-Kabel mit XAVC-4k Recording und 10 Bit HDR oder Quad-SDI mit Unterstützung von zwei Sample Interleaved (2SI) und Square Division. Der XT4k-Server lässt sich darüber hinaus mit ChannelMAX auch für zwölf oder mehr HD und Full HD 1080p Kanäle konfigurieren, bietet integrierte IP-Technik für I/O, hat eine Aufnahmekapazität von über 30 Stunden 4k/UHD-Content und wird mit den gleichen Funktionalitäten wie die der existierenden LSM Produktionssysteme geliefert. Im Zusammenspiel mit anderen EVS-Servern lassen sich vorhandene EVS-Infrastrukturen ausbauen und profitiert dabei von einem erweiterten EVS XNet Netzwerk. 

Trotz der guten Marktpositionierung von EVS im Replay- und Slomo-Server-Bereich gibt es einige Anbieter, die hier durchaus konkurrenzfähig sind. Das gilt zum Beispiel für SAM (Snell Advanced Media) mit dem Replay- und Highlight-System LiveTouch. Auf der IBC 2016 und auf der NAB 2017 war  das Interesse daran sehr groß. „Wir haben das schnellste Replay-System der Welt und bieten damit viele Features, die andere Systeme nicht haben“, betonte Tim Felsteadt, Leiter Produkt Marketing bei SAM. 

LiveTouch verzeichnete zuletzt auch einige interessante Verkäufe. Zum Beispiel an NEP The Netherlands. In deren Live-Produktions- und Playout-Einrichtung findet sich unter anderem eine der größten LiveTouch-Installationen für Replay und Highlight. Genutzt wird die Einrichtung mit insgesamt acht Kontrollräumen, einem Datacenter und IP-Vernetzung unter anderem von Ziggo Sport, ein Unternehmen der Liberty Media Group, für die Premier League Fußball- und Formel 1-Berichterstattung. SAM hat hier auch seine Kahuna- and Kula-Mischer integriert. In jedem Kontrollraum befindet sich ein LiveTouch-Kontrollpanel verbunden mit den Servern im Datacenter  über IP. LiveTouch ist in der Lage, verschiedenste Signale und Auflösungen zu verarbeiten und Social Media-Plattformen direkt zu adressieren. Ein anderer Kunde von LiveTouch ist IMG Norway. Das Unternehmen investierte in SAMs LiveTouch für eine komplette Studio Replay, Highlights und Produktionsworkflow für IMG Norways Live-Berichterstattung über Pferderennen.

SAM zeigte auf der NAB gemischte UHD- und HD-Replay-Workflows und schnellen Zugang zu vielen Kamerasignalen. Auch neue LiveTouch-Features wurden vorgestellt. LiveTouch basiert laut SAM auf Netzwerk-Architektur und ist einfach auf jede HD- und UHD-Produktionsanforderung zu skalieren. Integrierte Editing-Funktionalität erlaubt schnellen Austausch zwischen Replay und Editing, ohne dass Content zwischen Applikationen hin und her geschoben werden muss. Ein brandneues Clip-Tagging-Interface ermöglicht den Anwendern, die Kategorisierung von Highlights für einfache Filetransfer- und Suche-/Share-Optionen. Zudem gibt es neue Tools zur Kollaboration wie Clip Pushing. Sie helfen dabei, Clips einfach zwischen Nutzern hin- und her zu schieben.

Durch die Integration von tOG Sports Graphics von RT Software bietet LiveTouch Zugang zu Live-Analyse-Tools direkt vom Panel Touchscreen aus und erlaubt Nutzern die Erweiterung von Analyse-Werkzeugen (Linien, Pfeile und Spieler Tracking) bei Live-Ingest oder Replays auf dem LiveTouch-Server. Und die Bedienoberfläche des intuitiven Touch Screen Panels ist, laut SAM, leicht zu erlernen und macht die Highlight-Auswahl einfach, sicher und zuverlässig. SAMs Live-Sport-Lösungen kombinieren sofortiges Replay von Live-Events mit No-Copy-Editing und Postproduktion. „Das eigentliche Interesse an LiveTouch ist der Replay Server,“ bemerkte Felstead. „Aber der damit verbundene Workflow kann dazu beitragen, dass Produktionen auf eine neue Art erledigt werden. Durch Editing-Integration und automatisiertem Auslösen von Workflows und Publishing können wir ein Stück weit auch die Arbeitsweise in den Produktionen verbessern helfen.” Das System sei dabei einfach zu bedienen und hoch skalierbar, um alle Anforderungen bei HD- und UHD-Produktionen jeder Größenordnung zu erfüllen. 

Ebenfalls interessante Replay-Systeme präsentierte auf der NAB die Firma Slomo.tv. Sie wird in Deutschland von Broadcast Solutions in Bingen vertreten. Auf der NAB gezeigt wurde das komplette Portfolio einschließlich Dominator AT/3G. Das System, steht für die nächste Generation der Multichannel 3G/HD/SD Video Recording Server Systeme von Slomo.tv. Dominator AT/3G bietet Slow Motion und direkte Replay Möglichkeiten ebenso wie direktes Recording für Editing „on site“. Dominator AT/3G unterstützt bis zu zehn 3G/HD/SD-Aufnahmekanäle, vier Playback-Kanäle und leistungsstarke Suche-Funktionalitäten auf bis zu zehn Kanälen ohne Unterbrechung der Recording- und Playback-Funktionen. Im „Record for editing“-Modus  kann das Serversystem bis zu zwölf Kanäle in HD/SD Video aufzeichnen. Die neue AT/3G-Produktlinie bietet im Vergleich zu den Vorgängermodellen erweiterte Replay-Funktionalitäten. Zwei Bediener können gleichzeitig an einem System arbeiten. Weil das System über vier unabhängige Grafik-Outputs verfügt, kann jeder Operator gleichzeitig am Haupt-GUI und einem separaten Multiviewer-Monitor arbeiten. Im Replay-Modus kann sich der Operator bis zu sechs Recording-Kanäle und zwei Video-Playback-Kanäle anzeigen lassen. Dazu hat er Zugang zu fünf Kanälen für Clip-Markierung und Playlist Editing.

Zur NAB hat Slomo.tv ein weiter entwickeltes Super Slow Motion Bundle gezeigt, das seinen Simple RII Video Server und Panasonic's AK-H5000 4X SuperMotion Kamera beinhaltet. Ziel dabei ist, die Kosten für Slow Motion Replay im Live-Sport weiter zu reduzieren. Bislang waren hier die Kosten wegen der dafür nötigen teuren Superslomo-Kameras und der nötigen Infrastruktur so hoch, dass sich der Einsatz nur bei Top-Sport-Events für Broadcaster und Produktionshäuser rechnete. Das gemeinsam von slomo.tv und Panasonic angebotene Paket soll eine anspruchsvolle Slow Motion Lösung bieten aber zu deutlich geringeren Kosten.

Michael Gilman, CEO von Slomo.tv, sieht sich mit seinen Produkten nicht ausreichend auf dem Markt vertreten. „Bei Ausschreibungen gewinnt nicht immer das beste Produkt. Das gilt besonders bei Fußball-Produktionen“, erklärte er gegenüber MEDIEN BULLETIN in Las Vegas. Dabei ist die Produkt-Bandbreite des Unternehmens durchaus interessant. Sie reicht mit Simple R von einer kleinen 1Unit-Maschine mit drei Kanälen über 2Unit-Servereinheit für Low Budget-Produktionen bis hin zu großen 4Unit-Maschinen wie Dominator mit Top-Broadcast-Qualität und vielen Funktionalitäten. „Ein Alleinstellungsmerkmal unserer Replay-Server ist, dass die gleichzeitige Suche auf allen Kanälen möglich ist. Andere Server auf dem Markt können nur auf einem Kanal oder auf zwei Kanälen suchen“, betonte Gilman. Die Schnittstellen auf allen slomo.tv-Servern, von den kleinen bis zu den großen, seien identisch. Operator könnten so Clips oder Playlisten leicht austauschen, wenn mehrere Maschinen im Spiel seien.

Slomo.tv hat mittlerweile auch eine Familie mit 4k-Servern. Der wirtschaftlichste davon ist mit 2U Chassis ausgestattet und heißt Arrow. Es gibt davon ein Ein-Kanal- und ein Zwei-Kanal-Modell. Dazu kommen die größeren Serversysteme Blackjack und Red Arrow. Mit dem neuen Black Jack 3G können optional 16 3G Kanäle aufgezeichnet werden, während bis zu drei User vier Kanäle editieren können (Slomo und Highlights) mit unabhängigen, überblendbaren Ausgängen – oder er arbeitet als Fünf-kanaliger 4k 50p Slowmotion Server. Zwölf TB SSD sollen bereits installiert sein. DMR steht auf allen zwölf Eingängen zur Verfügung. Slomo.tv bietet den Black Jack mit der Möglichkeit an, alle Kanäle während der Aufzeichnung in Echtzeit zu transkodieren und den gesamten Content zudem ohne Verzögerung zur Weiterverarbeitung auf externen Laufwerken zur Verfügung zu stellen. Einzigartig ist die Fähigkeit des Black Jack 4k gleichzeitig Clips in den drei 4k 50p Kanälen zu durchsuchen und zu markieren, während kontinuierlicher Aufzeichnung und zwei 4k 50p Kanäle auszuspielen und dabei zwischen zwei separaten Signalen zu blenden.

Zur Durchsicht des aufgezeichneten Materials des Black Jack bindet dieser einen Full HD Standardmonitor ein, auf dem das Interface mit dem integrierten Multiviewer dargestellt wird – es gibt also keine Notwendigkeit für separate 4k/4 x 3G SDI Bildschirme. BlackJack unterstützt eine große Anzahl an Codecs: MJPEG, ProRes 422, DVC Pro HD, Avid DNxHD, XDCAM 50Mbit, MPEG2, MPEG4, H264, DVCPro50, DVCProHD, DV25, IMX und Containern – nativ kompatibel mit Apple Final Cut, Avid, Adobe Premiere, GVG Canopus. Alle slomo.tv Server werden mit einem speziellen Controller mit Drucktasten, T-Bar und Jog/Shuttle-Rad (über RS-422 Interface), Maus und Tastatur ausgeliefert.

Red Arrow, das leistungsstärkste slomo.tv-Replay-System, bietet sechs physische 4k Video Ports – alle 4k 50p fähig – für vier Kanäle Aufzeichnung, vier Kanäle Suche und zwei Kanäle Wiedergabe. Für die Nutzung in non-linearen Schnittumgebungen können die sechs physischen Ports für Sechs-Kanal Aufzeichnung in 4K 50p genutzt werden. Die vier grafischen Ports von Red Arrow sollen es erlauben, dass vier Operator gleichzeitig und zusammen an einem Server arbeiten können. So können beispielsweise zwei User mit einer 662 Konfiguration (6 Recording, 6 Search und 2 Replay Kanälen) und zwei weitere mit einer 442 Konfiguration (4 Recording, 4 Search und 2 Replay Kanäle) arbeiten. 

An einer Maschine arbeitend, hat dabei jeder Operator sein eigenes Display, dass als Main Interface oder Multiviewer fungieren kann. Das Interface des Systems hat einen integrierten Multiviewer, der das Monitoring von Eingangs- und Ausgangssignalen sowie das Suchen auf allen vier Kanälen auf einem einzelnen 1920 × 1080 Standardmonitor erlaubt. Mit seinem SSD Array kann Red Arrow 266 Stunden HD Video mit 100 Mbit aufzeichnen. Die integrierten DMR SATA Slots erlauben das Einschieben von neun (9) 3.5″ SATA Festplatten zur Aufzeichnung von bis zu 18 Kanälen in Pro Res 422 und 18 Proxy SD Kanälen oder sogar bis zu 24 Kanälen DVC Pro HD mit SD Proxy. Red Arrow kann als eigenständige Einheit betrieben werden und braucht im Gegensatz zu Geräten anderer Hersteller keine zusätzliche Soft- oder Hardware. Im HD-Modus sind mit Red Arrow 24 Replay-Kanäle möglich. Red Arrow wurde erstmals auf der NAB 2016 vorgestellt und ist seit der IBC 2016 auf dem Markt. Bislang hat slomo.tv jedoch noch kein System davon verkaufen können. „Aber das Interesse ist groß. Wir brauchen noch etwas Zeit“, sagte Gilman. Erfolgreiche Testproduktionen seien schon gelaufen. So zum Beispiel im Mariinsky Theater in St. Petersburg bei der 4k-Aufzeichnung einer Ballett-Aufführung im Sommer letzten Jahres. Mit Red Arrow tritt slomo.tv direkt gegen den EVS XT4 Server an. „Auch wenn wir bei Tests besser abschneiden und vom Preis her deutlich günstiger sind, haben wir es schwer, uns gegenüber EVS durchzusetzen“, gab Gilman zu. Red Arrow sei dennoch der „Champion“ unter den Replay-Slomo-Servern.

Ross Video hat im September 2016 die Firma Abekas übernommen. Nach einer bereits langjährigen und engen Zusammenarbeit mit dem US-Hersteller von Videoservern hat Ross Video so das eigene Portfolio im Bereich Live-Video-Produktion um die professionellen und leistungsfähigen Produktions-, Clip- und Replay-Server Tria und Mira erweitert. 

Zur NAB 2017 vorgestellt wurde nun Tria 2 als Next Generation Clip Server, ausgestattet mit zwei Kanälen. Ein Input-Aufnahme-Kanal, synchrones Playback of key/fill pairs oder unabhängiges Playout von zwei getrennten Videokanälen mit Audio. Tria 2 arbeitet mit schnellen, zuverlässigen Solid State Drives und ist mit verschiedenen Speicherkapazitäten verfügbar. Der Abekas Mira bietet nun Mira Connect Gigabit Ethernet Networking, das den nahtlosen Content-Austausch zwischen den Mira Replay Systemen erlaubt. Dabei sind keine Caches oder Transfer Files mehr nötig, weil Inhalte on Demand im GigE-Netzwerk gestreamt werden können. So lassen sich Clips, die auf einem Mira liegen, über den Output eines anderen wiedergeben. Auf die Weise lassen sich Replay-Produktionen beliebig skalieren indem einfach nur mehr Miras und Operatoren hinzugefügt werden. Mira Express, das neue Multi-Kanal HD Slow Motion und Replay-System nutzt die besten Features der Mira Replay-Systeme und überträgt diese auf eine neue SSD-Hardware-Plattform. Dadurch werden nicht nur die Kosten erheblich reduziert, sondern auch der Workflow deutlich vereinfacht. Das erste SSD-Laufwerk, das sogenannte Event-Laufwerk, speichert alle Multi-Kamera-Aufzeichnungen „Clipped-Off“ Inhalte und Wiedergabelisten, die während der Live-Show erstellt wurden. 

Wenn ein Event abgeschlossen ist, kann die Event-SSD gegen ein anderes Laufwerk ausgetauscht werden. Das zweite SSD-Laufwerk, als „Clips-Laufwerk” bezeichnet, wird verwendet, um alle Clips zu speichern, die sich aus vorbereiteten Inhalten zusammensetzen. Diese Clips werden wiederholt in allen Live-Shows verwendet. Dazu zählen Vor- und Nachspiel-Montagen, animierte Grafiken, Szenen und andere Clips. Mira Express verfügt über vier Eingangs- und zwei Ausgangskanäle. Die Mira-Kontrolloberfläche ist, laut Ross Video, von Anwendern schnell zu meistern.

Mit dem PlayMaker ist auch Avid im Slow-Motion-Replay-Geschäft unterwegs. Er ist laut Avid ideal für 24-7-Sportstudios sowie Workflows für Nachrichten geeignet, da er einen kontinuierlichen Ingest mehrerer eingehender Feeds und leistungsstarke Bearbeitungsprogramme für die sofortige Wiedergabe von Sport-Highlights oder Eilmeldungen bietet. PlayMaker ermöglicht eine verbesserte Zusammenarbeit mit bereits vorhandenen Interplay | Production- und weiteren Avid MediaCentral Platform-Umgebungen. Mit integrierten Bearbeitungstools können Clips schnell geschnitten, ihre Positionen in der Playlist festlegt, Kameraperspektiven gewechselt sowie unterschiedliche Playout-Geschwindigkeiten und Übergänge einstellt werden. Möglich ist auch die Zusammenarbeit mit weiteren PlayMaker-Systemen im Netzwerk. Auf Knopfdruck kann man sich mit anderen PlayMaker-Servern verbinden, seine Clipliste durchsuchen und beliebige Clips zur Vorschau, zum Kopieren oder zur sofortigen Wiedergabe auswählen. PlayMaker lässt sich, laut Avid, problemlos in alle externe Speichergeräte integrieren, mit USB-Festplatten, NAS-Geräten, SAN-Speicher und dem Avid NEXIS-Speicher verbinden, ohne dass in teure Zusatzsoftware- und Hardware investiert werden muß. PlayMaker unterstützt verschiedene Super-Slomo-Kameras, sodass man auch Clips in Superzeitlupe mit höchster Bildqualität erstellen kann. 

Sony stellte zur NAB 2017 wieder sein Live-Server-System PWS-4500 als eine zentrale Komponente der Sony-Lösung für die 4k/HD-Live-Produktion mit IP-Technologie vor. Das PWS-4500 bietet sämtliche Funktionen des PWS-4400, einschließlich XAVC (4k und HD) und Avid DNxHD-Aufnahmefunktionen, flexible E/A-Konfigurationen und HFR-Aufzeichnungsfunktionen. Darüber hinaus bietet das PWS-4500 IP-Schnittstellen, eine File-Sharing-Funktion (Share Play) und eine redundante Stromversorgung. Zudem kann das System durch verschiedene optionale Zubehörteile flexibel konfiguriert werden. Dadurch kann es, laut Sony, auch als kostengünstiger, einfacher HD-Produktionsrekorder mit weniger E/As oder als vollwertiger SlomoReplay-Server mit Unterstützung sowohl für 4k- als auch HD-Formate und mit SDI- und IP-Schnittstellen eingesetzt werden. Das System PWS-4500 besteht aus fünf Produkten – der AV-Multiport-Speichereinheit PWS-4500 (als Aufnahmedeck), der USB-Steuerung PWSK-4403 (als Bedienpanel mit Jog/Shuttle und Fader-Hebel), der Produktionssteuerung PWS-100PR1 (Workstation, auf der Anwendungssoftware für die Produktion ausgeführt wird), der Media-Gateway-Workstation PWS-100MG1 (zur Dateiübertragung) und der Content-Management-Workstation PWS-110CM1, einen Server für den 1-HE-Rack-Einbau, der einen Workflow mit Metadaten-Berücksichtigung erlaubt. 

Zusätzliche Flexibilität für den Betrieb des PWS-4500-Systems wird durch die Anwendungssoftware PWA-RCT1 zur Aufnahmesteuerung erreicht, die auf einem PC unter Windows 10, Embedded 8 und 8.1 ausgeführt und zum Starten/Anhalten/Wiedergeben von Aufnahmen sowie zur Dateiübertragung verwendet werden kann. So lässt sich das System als AV-Multiport-Recorder für die 4k/HD-Produktion in vielfältigeren Anwendungsszenarien in der Produktion einsetzen. Zur NAB 2017 vorgestellt wurden die neuesten Software-Versionen V2.2 und V2.3 (ab Juni 2017 verfügbar). Die PWS-4500 wird durch V2.2 um folgenden Funktionen erweitert: Unterstützung von bis zu achtfacher 4k- und 16-facher HD-Zeitlupenwiedergabe von Share Play mit dem BPU-4800, Möglichkeit der Anwendung auf die Signale 4k S-Log3 und 4k HLG (Hybrid Log Gamma), Hinzufügen von Quick Name Mode als neue grafische Benutzeroberfläche zur schnelleren Clip-Benennung sowie Frame-Chase-Übertragung auf ODA-Gen2-System. Software-Version 2.3 erlaubt nun die Bereitstellung eines Metadaten-Workflows für Ü-Wagen zur Arbeit mit der Content-Management-Station PWS-110CM1 und bietet zusätzliche Unterstützung von optimierter XAVC-Codierung für HDR-Produktion sowie HD S-Log3, HD HLG und 4k/HD PQ (Perceptual Quantization).

Grass Valley war auf der NAB 2017 wieder mit seinem K2 Dyno Replay System vertreten. Das K2 Dyno Universe Replay-System ist umschaltbar ausgelegt für 6x SSM HD (4k/UHD-fähig) oder 4k/UHD (6x SSM HD fähig). Angeboten werden zwei Versionen des K2 Dyno Universe Replay Systems, ein 4-RU-System mit 16 Kanälen und ein 6-RU-System mit 24 Kanälen. Jeder Operator kann aus vier bis sechs Kameraperspektiven auswählen, statt nur aus ein oder zwei Perspektiven wie bei traditionellen Replay-Systemen, betonte Grass Valley. Im Vergleich zur Konkurrenz brauche man bei K2 Dyno Universe auch viel weniger Platz im Technik-Rack und weniger Operator. Replays sind bei K2 Dyno Universe mit AnySpeed je nach Spielsituation und Detailerklärung in jeder Geschwindigkeit (0 bis 200%) nahtlos zu realisieren. Mit DynoZoom werden zudem in Verbindung mit High-Frame-Rate-Kamerasystemen Pan- und Zoom-Funktionen offeriert, einschließlich 3x 1080p, 6x und 4k UHD. Das K2 Dyno Replay System sei „bemerkenswert einfach zu bedienen“ lockt das Unternehmen auf seiner Webseite. Mit einem hochintuitiven Touchscreen-Interface, Shuttle-Knopf und Grass Valley T-Bar sei das Kreieren von packenden Replays und Highlight-Paketen „ein Traum“. Mit solchen Marketing-Aussagen wendet man sich gezielt an das Bedienpersonal der marktdominierenden Wettbewerbsprodukte.

Eckhard Eckstein

MB 2/2017

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