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Auf Wachstumskurs

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Auf Wachstumskurs

Die Broadcast Solutions GmbH hat sich seit ihrer Gründung vor 15 Jahren zu einem international erfolgreichen Systemhaus und Broadcast-Dienstleister entwickelt. Neben dem Ü-Wagen-Bau als Hauptgeschäft sind mittlerweile zahlreiche weitere Services und Business-Aktivitäten in vielen Ländern dazu gekommen. MEDIEN BULLETIN besuchte das Unternehmen in Bingen und sprach mit Geschäftsführer Stefan Breder über Marktstrategie und neue Projekte.

Fährt man auf der linksrheinischen A60 von Mainz Richtung Koblenz und verlässt die Autobahn am Dreieck Nahetal dann landet man direkt im großzügig angelegten Industriegebiet von Bingen und wenig später auch schon auf dem Hof der Broadcast Solutions GmbH. Die verkehrstechnische Anbindung des Unternehmens könnte nicht besser sein. Das wissen auch viele Kunden zu schätzen.

Die 2003 gegründete Broadcast Solutions GmbH ist Europas größter Hersteller von Übertragungswagen. Über 300 Fahrzeuge wurden in den vergangen 15 Jahren in jeder erdenklichen Variante gebaut, von kleinen Radiofahrzeugen bis zu 31-Kamera HD-Übertragungswagen oder UHD-Ü-Wagen. Wichtigen Stellenwert hat dabei die Produktion der nach dem eigenen Streamliner-Konzept stark standardisierten Fahrzeuge. Davon verließen bereits 50 Ü-Wagen die Broadcast Solutions Hallen.

2009/2010 kam für das Unternehmen der große Durchbruch im Ü-Wagen-Bau. In den Jahren konnte Broadcast Solutions für das ZDF die komplette Ü-Wagen-Flotte bauen. Danach folgten weitere Großaufträge. So orderte Mediatec Broadcasting Schweden (heute NEP Sweden) zehn Ü-Wagen und die russische ANO Sportsbroadcasting 2011/2012 sechs große

Ü-Wagen und sieben DSNG-Fahrzeuge für den Einsatz bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi . Das Geschäft mit mobilen Einheiten ist bei Broadcast Solutions mittlerweile nicht allein auf den Broadcastmarkt beschränkt. Auch der sogenannte „Security- und Governmental-Bereich“ wird mittlerweile mit Kommunikationsfahrzeugen bedient.

„Unser größter Auftrag kommt aktuell von Belarus TV in Minsk. Der Sender hat vier 16-Kamera-Ü-Wagen bestellt. Dazu haben wir für ihn gerade zwei neue Fernsehregien gebaut. Bei unseren Kunden aus dieser Region spielt Made in Germany immer noch eine sehr große Rolle“, betont Breder.

Gute Kontakte nach Osteuropa, insbesondere nach Russland und in die ehemaligen russischen Republiken, pflegt Broadcast Solutions seit Anfang an. Dazu kommt das verstärkte Engagement im Mittleren Osten, in Südost-Asien und in Skandinavien. Das Unternehmen ist heute mit 135 Mitarbeitern in über 20 Ländern präsent. Niederlassungen und eigene Büros gibt es neben dem Hauptsitz in Bingen in Köln, Stuttgart, Frankfurt, Budapest, Helsinki, Dubai, Singapore und Kiew. Dazu kommen eigene Sales-Vertretungen in Moskau, Madrid, Kalix (Schweden) und London sowie Vertriebskooperationen in weiteren Ländern.

 

Firmenübernahmen

Broadcast Solutions ist zwar in erster Linie bekannt für seinen Ü-Wagen-Bau, ist aber als Systemintegrator auch in anderen Bereichen unterwegs. „Der Ü-Wagen-Bau ist zwar immer noch unser wichtigstes Standbein, aber auch bei Festinstallationen haben wir uns in den letzten Jahren gute Referenzen mit einigen Großprojekten in Norwegen, Schweiz, Ungarn und Finnland erarbeiten können. Die Umsatzgrößen beim Ü-Wagen-Bau und bei Festinstallation werden sich deshalb wohl bald anpassen“, betont Broadcast Solutions Geschäftsführer Stefan Breder. In den letzten Jahren hat Broadcast Solutions seine Präsenz auf dem internationalen Markt deutlich verstärkt. Firmenübernahmen waren dabei ein probates Mittel, so zum Beispiel in Ungarn und Finnland. „In erster Linie haben wir bisher Unternehmen übernommen, die zu unserem Kerngeschäft, ‚Systemintegration’ passen“, erklärt Breder. Das betrifft zum Beispiel den Erwerb entsprechender Assets der ungarischen Firma Somos Broadcast Media und die Gründung der Broadcast Solutions Hungary im Jahr 2015 ebenso wie die Übernahme der Ü-Wagen-Service-Verträge des finnischen Systemintegrators Qualitron und die Gründung von Broadcast Solutions Finland.

„Wir starten somit nicht als neue Firma im Land sondern gleich mit einem existierenden Kundenstamm und natürlich auch mit Aufträgen. Beide Firmen haben sich mittlerweile sehr gut im lokalen Markt entwickelt. Wir nutzen jetzt unsere Dependancen, um von dort auch Geschäfte in angrenzenden Ländern anzubahnen“, berichtet Breder.

Auch in Deutschland hat sich Broadcast Solutions durch einige Zukäufe stärker positioniert. 2013 wurde die Kölner Kabeltechnikfirma K.A.T. Mombauer übernommen und 2015 schließlich komplett als Kölner Niederlassung in Broadcast Solutions integriert. Sie fertigt und konfektioniert alle Kabel, die Broadcast Solutions benötigt und realisiert dazu andere Projekte wie die Verkabelung von Stadien oder bietet Serviceleistungen für Sender wie den WDR.

Mit der Übernahme des AV-Medientechnik-Spezialisten Wireworx GmbH im Jahr 2014 schaffte sich Broadcast Solutions auch ein Standbein in Stuttgart. Wireworx ist dort, neben dem entstandenen Stuttgarter Standort der Broadcast Solutions, als Ingenieurbüro tätig. „Der Zukauf der Frankfurter Media Online GmbH im vergangenen Jahr war eine weitere strategische Entscheidung, unser Geschäft in Deutschland auszubauen und hier steht der Ausbau der Service- und Support-Angebote an erster Stelle. Die jeweiligen Kunden der einzelnen Gesellschaften profitieren von dem Service den die deutsche GmbH in der Form einer Holding anbieten kann. Dies betrifft sowohl die Preise, den Service, die Lieferzeiten und auch bei Bedarf das entsprechende Finanzierungsmodell“, sagt Breder. Aktuell hat Broadcast Solutions 135 Mitarbeiter weltweit, in Bingen davon allein 85. Dort hat man zu den zwei eigenen Montagehallen mittlerweile eine dritte hinzu mieten müssen, um den Platzbedarf beim Ü-Wagen-Bau zu sichern. „Wir bauen hier auch Regiemöbel und den kompletten Innenausbau von Ü-Wagen, über Verkleidungen und Isolierungen, integrieren Klimaanlagen und Elektrosysteme und liefern so ein schlüsselfertiges Produkt. Bei Chassis arbeiten wir mit verschiedenen Herstellern zusammen und haben immer ein paar Modelle auf Lager.“ Dazu hat man vor Ort eine eigene Schlosserei. „Die ist für uns genauso wichtig wie die eigene Kabelfertigung. Dadurch lassen sich Produktionswege kurz halten und wir können auf Kundenanforderungen schnell und flexibel reagieren“, betont Breder.

 

Produktvertrieb und Service

Neben dem Systemintegrationsgeschäft arbeitet Broadcast Solutions auch im Produktvertrieb. Dabei setzt man auf vielversprechende Produkte und Lösungen und versucht, diese durch eigene Services aufzuwerten. Dabei wird ein möglichst enger Kontakt zu den Herstellern gepflegt. Gutes Beispiel dafür ist das Seilkamerasystem Robycam des russischen Herstellers Movicom. Broadcast Solutions war dafür zunächst als Vertriebs- und Service Partner tätig und gründete schließlich als Mehrheitsgesellschafter die Robycam Germany GmbH. Mitgesellschafter sind der Hersteller und Geschäftsführer Philip von Senden. „Die Firmengründung erfolgte als Reaktion darauf, dass die Nachfrage nach diesem Seilkamera-System sehr groß ist und es viele Märkte dafür gibt, die von uns noch nicht erschlossen sind. Es war nötig, strukturell darauf zu reagieren. Wir wollen hier auch verstärkt Eigenleistungen rein stecken und nicht nur als Händler die Systeme verkaufen. Deshalb haben wir uns enger an den Robycam-Hersteller gebunden“, betont Breder. „Mit der Ausgliederung unseres Robycam-Vermietgeschäfts in die neue Robycam Germany GmbH haben wir also eine wichtige strategische Entscheidung getroffen. Unser Ziel war schon immer, in diesem Bereich zu wachsen. Mit Philip von Senden haben wir hier einen Partner gefunden, der diesen Bereich sehr gut kennt und gemeinsam mit uns ausbaut“, führt Breder fort.

Weitere Produkte im internationalen Broadcast Solutions Vertrieb stammen unter anderen von Simply Live, Mobile Viewpoint und LaON. „Durch interessante, innovative Produkte können wir sowohl unsere Kunden-Kontakte als auch unser Systemintegrationsgeschäft ausbauen“, betont Breder.

Beim Ausbau der mit den Produkten verbundenen Services will Broadcast Solutions jedoch nicht seinen eigenen Kunden in die Quere kommen. Auch das mehrjährige Engagement als Produktionsdienstleister beim internationalen Radrennen Tour d’Azerbaidjan in Baku sieht Breder mehr als Unterstützungs- und Schulungsmaßnahme des Kunden Baku Media Center, der einen Streamline S16 Ü-Wagen und ein DSNG-Produktionsfahrzeug von Broadcast Solutions gekauft hatte, ohne aber das eigene Bedienpersonal dafür zu haben. „Mittlerweile sind die dort selber fit genug und brauchen uns nicht mehr“, berichtet Breder. „Wir gehen nicht aktiv in den Markt und machen Live-Produktion bei der Tour d’Azerbaidjan. Auf keinen Fall wollen wir unseren eigenen Ü-Wagen-Kunden Konkurrenz machen“, betont er. Produktionsunterstützung würde allerdings immer gerne gewährt, wenn technische Systeme komplex in Aufbau und Bedienung seien, – so wie bei dem Robycam-Seilkamera-System. „Hier sind wir klar als Komplett-Dienstleister aktiv. Man braucht für Robycam einfach erfahrene Operator, die das System aufbauen und betreiben können, nicht zuletzt auch wegen der Sicherheitsaspekte im Betrieb“, erklärt der Broadcast Solutions-Chef.

Bei Seilkameras sieht er einen wachsenden Markt und nicht nur einen Verdrängungswettbewerb. „Seilkameras sind nicht nur bei Sportveranstaltungen immer mehr gefragt, weil sie einfach sensationelle Bilder liefern können“, sagt er. In Deutschland und Italien seien bisher jeweils ein Robycam-System im Einsatz, fünf beim Hersteller in Russland. Bis Ende des Jahres wolle man hierzulande drei Systeme nutzen, nicht nur beim Fußball, sondern auch bei anderen Sportarten. „Robycam ist deutlich moderner und flexibler einsetzbar als andere Seilkamerasysteme auf dem Markt. Man kann zum Beispiel bei den Aufhängungspunkten zwischen zwei und vier variieren und bei allen Seilen durch spezielle Flaschenzüge die Seilspannung und damit die vertikale Flughöhe der Kamera verändern. Neben den Seilwinden gibt es auch eine Extra-Winde für die Glasfaserverbindung. Auch das eröffnet mehr Einsatzoptionen“, erklärt Broadcast Solutions Marketing-Leiter Sebastian Schlusnus.

 

Neue Geschäftsbereiche

Broadcast Solutions ist derzeit auch dabei, sein Engagement im IP-Bereich zu verstärken. Dazu will man auch mit neuen Produkten auf den Markt kommen und sich als Systemintegrator auch für die Herausforderungen in der Zukunft präparieren. „Wir sind Systemintegrator und der festen Meinung, dass unsere Arbeit auch in Zukunft noch gebraucht wird. Aber die Art und Weise unserer Tätigkeit wird sich verändern“, meint Breder. In der neuen, seit 2017 hinzugemieteten Halle 3 ist dazu ein Competence und Schulungs-Center für Broadcast IP entstanden. „Wir verstärken unsere Anstrengungen im Bereich Software und IP und etablieren in Halle 3 einen Think-Tank, in dem wir Komplettsysteme aufbauen und testen können. In den dortigen Räumlichkeiten, inklusive Server Raum, steht uns eine Reihe von Testequipment verschiedener Hersteller zur Verfügung.

Auch das Thema Governmental Communications ist in dieser Halle zu Hause“, berichtet der Broadcast Solutions-Chef. Schon heute sei klar, dass die Zusammenarbeit mit den Kunden künftig viel enger werde. „Der Kunde wird den Systemintegrator auch dann noch brauchen, wenn das Produkt ausgeliefert ist, weil er auch nicht mehr das komplette Know-how bei sich selbst im Haus hat. Im Ü-Wagen Bau bedeutet das, dass wir auch verstärkt im Ü-Wagen-Service aktiv sein werden“, meint Breder.

Das ist eigentlich schon jetzt so. Beim Besuch in Bingen war Broadcast Solutions gerade dabei, dem TVN-Ü-Wagen Ü5 ein 4K/UHD-Upgrade mit neuer Verkabelung, neuer Kreuzschiene und Mischer zu verpassen und für einen SWR-Ü-Wagen (Radio) Service, Innenausbau und Technikerneuerung zu realisieren. Als aktuelle Neubauten in den Hallen waren ein UHD Ü-Wagen der Alphaline A16 Linie für den polnischen Sender Ekstraklasa zu sehen. Der soll auch auf der IBC am Broadcast Solutions Stand schon gezeigt werden. Auch drei ENG-Fahrzeuge wurden gerade für den belgischen Sender VRT gebaut.

Broadcast Solutions betont gerne seine Herstellerunabhängigkeit. „Wir können unseren Kunden jedes Produkt anbieten, wählen natürlich auch aus, was wir für das Beste halten“, sagt Breder. Er weist darauf hin, dass im Zuge des Marktwandels manche Hersteller selbst in Systemintegration einsteigen. „Wir sehen für uns da eine gewisse Gefahr, deshalb passen wir uns der Situation an. Produkte, die von Herstellern stammen, die selbst Systemintegrator sind, gehören nicht zu den von uns präferierten. Das muss man ganz klar so sagen“, betont er und fügt hinzu: „Jedes Unternehmen braucht gute Partner. Es geht dabei weniger um einen guten Preis als vielmehr um guten Support. Man nimmt sich deshalb auch nicht gegenseitig die Aufträge weg, sondern arbeitet gemeinsam mit dem Partner. Man muss sich vertrauen können. Das ist das wichtigste.“

Eckhard Eckstein

MB 3/2018

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