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Avid erhöht Innovationstempo

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Avid erhöht Innovationstempo

Zur NAB 2017 hat Avid Technology die nächste Phase der Avid Everywhere Initiative eingeleitet und das Avid Alliance-Partnerprogramm weiter ausgebaut. Dazu präsentierte das Unternehmen End-to-End-4K/IP-Workflows, zahlreiche Produkt-Optimierungen, Cloud-Funktionalitäten für die MediaCentral-Plattform und eine kostenlose Einsteigerversion des MediaComposer- Schnittprogramms. MEDIEN BULLETIN sprach mit Avid VP Market Solutions, Alan Hoff.

Vor vier Jahren hat Louis Hernandez Jr., Vorsitzender und CEO von Avid, zur NAB Show in Las Vegas erstmals die Avid Everywhere Vision präsentiert. Sie ist verbunden mit einem Appell an alle Marktakteure für mehr Offenheit und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Anfangs von vielen noch skeptisch betrachtet hat sich die Avid-Initiative positiv entwickelt. „Nach vier intensiven Jahren voller Engagement und harter Arbeit haben wir die Vision von Avid Everywhere nun Realität werden lassen“, betonte dann auch der Avid-Chef beim Avid Connect Event zur NAB 2017. „Jetzt konzentrieren wir uns darauf, das Innovationstempo zu erhöhen, um die drängendsten Herausforderungen unserer Kunden anzugehen.“ 

„Unser CEO, Louis Hernandez Jr., hat erkannt, dass ein Umdenken der Industrie erforderlich ist. Er hat erkannt, dass immer mehr Inhalte schneller produziert werden müssen und dass diese dann auf unterschiedliche Endgeräte ausgespielt werden müssen. Er wollte zudem ein neues Ökosystem erschaffen, das möglichst offen und interessant für viele Unternehmen in der Industrie ist. Eine Plattform von der Industrie für die Industrie“, erklärte R. Alan Hoff, Avid-Vizepräsident Market Solutions im MEDIEN BULLETIN-Interview in Las Vegas. „Das Ergebnis der Bemühungen lässt sich jetzt auf der NAB betrachten. Wir haben eine Plattform gebaut, die nicht nur Avids Produkte nahtlos integriert, sondern auch die unserer Partner. So können wir beispielsweise Adobe Premiere in unsere Systeme integrieren oder auch, wie jetzt bekannt gegeben wurde, EVS mit seiner Replay-Server-Technologie.“

Der neue IPLINK für Avid MediaCentral | UX erlaubt Avid Nutzern nun aus ihrer eigenen Produktionsumgebung heraus auf EVS-Systemen zu browsen, Material zu suchen und zu importieren. Bei Live-Sport-, News- und Entertainment-Workflows sorgt das für deutliche Arbeitserleichterung. IP Link soll ab Juni verfügbar sein.

Ein wichtiger Punkt der „Avid Everywhere”-Strategie, berichtete Hoff, sei auch, auf talentierte Newcomer in der Branche zuzugehen und ihnen die Produkte der Profis zugänglich zu machen – idealerweise kostenlos. „Aus diesem Grund haben wir uns damals dazu entschlossen, Pro Tools | First mit tollen Funktionen umsonst anzubieten. Seit dieser NAB kann dieses Tool jetzt auch zusammen mit unserem Cloud Collaboration Tool genutzt werden“, sagte der Avid-Manager. Ab Juni 2017 soll nun auch der Media Composer in der Version Media Composer | First kostenlos bereit gestellt werden. „Damit verfolgen wir genau die gleiche Strategie wie bei Pro Tools | First. Bei Media Composer | First mussten wir jedoch eine Brücke schlagen, zwischen einem mächtigen Schnittsystem und einem Tool, das für Anfänger einfach zu handhaben ist“, meinte Hoff. Das sei nicht einfach gewesen und habe die Auslieferung etwas verzögert. Zur NAB startete Avid auch das neue Avid Media Campus-Programm, das flexible Lizenz- und Nutzungsoptionen bietet.

„Außerdem ist für Avid die Bereitstellung einer Auflösung unabhängigen Plattform wichtig“, betonte Hoff. Zur NAB stelle man deshalb neue kollaborative 4k/UHD-Workflows vor, vom Ingest bis hin zum Playout und werfe einen Blick auf die Server-Technologie der nächsten Generation Live-Sportübertragungen und Nachrichtenproduktionen. Hierbei kam auch Avids Artist | DNxIQ zum Einsatz. Das neue, leistungsstarke I/O-Video-Interface, das gemeinsam mit Blackmagic Design entwickelt wurde, bietet umfangreichen Formatsupport von SD bis 4k und erlaubt, schnell und einfach auf sich ändernde Anforderungen an Inhalte und deren Auslieferung zu reagieren sowie die wachsende Anzahl an Kanälen und Geräten effizient zu bedienen. Für den optimierten Workflow verfügt das Avid Artist DNxIQ über PCIe- und Thunderbolt 3 Geschwindigkeit, sowie zahlreiche digitale und analoge Anschlüsse, unter anderem 12G SDI, optisch, HDMI oder XLR. Besonders flexibel ist das Video-Interface durch seine hohe Software-Kompatibilität der gängigen Schnittprogramme für Mac und PC. Ein weiteres zentrales Avid-Thema sei das Engagement bei Video-over-IP-Workflows. Avid sei hier ein starker Partner der AIMS Allianz und bemühe sich um die Entwicklung neuer Standards, die die Industrie dringend brauche. Hoff: „Uns ist bewusst, dass nach wie vor viele Unternehmen auf SDI-Strukturen setzen. Uns ist daher wichtig, die Brücke zwischen IP und SDI zu schlagen und den Wandel in der Industrie einfach zu gestalten.“  

 

kunden bestimmen Roadmap-Prioritäten

„Besonders erfreulich für Louis Hernandez Jr. waren die Abstimmungen der Avid Customer Association. Mit dem Start von „Avid Everywhere“ wollten wir auch unseren Kunden die Möglichkeit geben, die Roadmap-Prioritäten für neue Avid-Produkte und -Services mitzubestimmen. Und seit Dezember letzten Jahres konnten wir in mehreren Wahlen zu unterschiedlichen Workflows und Marktsegmenten richtungsweisende Entscheidungen treffen. Auf der NAB 2017 konnte Dana Rosika dann zu jedem Marktsegment die Top-10-Wünsche der Kunden verkünden und den Stand der Dinge aufzeigen“, berichtete Hoff.

Das nächste große Thema für Avid sei nun die Cloud. „Letztendlich können Unternehmen und User selbst entscheiden wie oder wo Avid-Applikationen laufen sollen. Wir gehen aber davon aus, dass eine Hybrid-Cloud zunächst die attraktivste Lösung sein wird. Wir raten Unternehmen auf ihre Kostenstruktur in der Vergangenheit zu blicken und dann ausgewählte Applikationen in die Cloud zu heben, um Kosten zu sparen und Effizienz zu erhöhen“, betonte Hoff. Mit Microsoft habe Avid einen starken Partner für seine Services in der Public Cloud gefunden. „Microsoft Azure versteht den hybriden Cloud-Ansatz am besten und war in der Lage unseren hohen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden. Daher waren sie für uns erste Wahl“, meinte der Avid-Manager. Vorgestellt wurde in Las Vegas eine Erweiterung der MediaCentral-Plattform um Cloud-Funktionalitäten und neue Services wie Avid Dialogue Search und Avid Illuminate. Dialogue Search ist eine skalierbare Suchplattform, die Usern ermöglicht, Clips anhand von gesprochenen Wörtern oder Formulierungen in Archiven und Media-Asset- beziehungsweise Production-Management-Systemen zu finden. Illuminate ist ein Tool zur Qualitätskontrolle und dient der automatischen Überprüfung von Untertiteln, Videobeschreibungen und Sprachen.

In Las Vegas zeigte Avid auch den künftigen Einsatz des Media Composers in der Cloud. Angeboten wird jetzt die Version Media Composer Cloud Remote. Hoff: „Das ist ein Thick Client, der auf jedem Computer, lokal auf einem MAM, PAM oder in der Cloud laufen kann. Der Operator kann durch dieses Set-up überall auf der Welt arbeiten und das Material jederzeit mit Proxy-Daten schneiden oder das High-Res Material herunterladen.“ Ab Juli biete Avid dazu den Media Composer Cloud VM, eine Virtual-Machine-Version des Media Composers, an. Hoff: „Das ist im Wesentlichen ein Thin Client, der entweder in einem privaten Datenzentrum oder in der Public Cloud installiert wird. Daten können damit entweder lokal oder auch in der Cloud abgelegt werden.“ Der Vorteil sei, dass man den Media Composer jederzeit der Größe eines Projektes anpassen könne. „Extra Kapazitäten können jederzeit bereitgestellt und separat abgerechnet werden“, erklärte Hoff. Um das alles einfach nutzbar zu machen, habe man bei Avid viel Zeit damit verbracht, eine Oberfläche zu entwickeln, die es erlaube, einzelne Avid-Services mit einem Klick in der Cloud oder einem privaten Datenzentrum zu installieren.                    

Eckhard Eckstein, Niklas Eckstein

MB 2/2017

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